Der Cop und der Cowboy

Ein amüsanter Comic als Vorlage, ein gut gemachter Trailer, ein Regisseur, der sein Talent für actionreiche und humorvolle Filme bereits bewiesen hat und eine Besetzung aus guten Schauspielern. Diese Zutaten ließen bei R.I.P.D. auf einen Film hoffen, der zumindest für einen Abend zu unterhalten weiß. Umso enttäuschender war das Ergebnis dieser eigentlich guten Mischung.

Nick Walker ist Polizist beim Boston Police Department. Er ist glücklich verheiratet und sein Leben verläuft in geregelten Bahnen. Die einzigen Sorgen, die ihn plagen, sind die um das nötige Kleingeld, von dem er gerne etwas mehr hätte. Eigentlich ist Nick ein grundehrlicher Kerl, aber als bei einer Razzia Gold gefunden wird, nutzen er und sein Partner, Bobby Hayes, die Gelegenheit und schaffen etwas davon für sich zur Seite. Bevor er in der Sache weitere Schritte unternehmen kann, werden die beiden Cops zu einem Einsatz gerufen. Der geht für Nick gründlich in die Hose. Er stirbt.
Bevor er vor das Jüngste Gericht treten kann, wird er vom Rest in Peace Department rekrutiert. Das R.I.P.D. ist eine himmlische Polizeieinheit, die dafür sorgt, dass die Toten auch wirklich in Frieden ruhen. Die besten verstorbenen Gesetzeshüter der Welt haben die Aufgabe sogenannte Deados einzufangen und zu ihrer letzten Verhandlung zu überführen. Diese untoten Monster wandeln in Menschenkörpern getarnt unter den Lebenden. Da Nick noch neu beim R.I.P.D. ist und seine Situation erst begreifen muss, wird er dem erfahrenen Revolverhelden Roy Pulsipher zugeteilt. Der kauzige US Marshal ist alles andere als erfreut über seinen neuen Partner, arbeitet er doch viel lieber alleine. Das ungleiche Team macht sich an die Arbeit und muss schnell feststellen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

Mit seiner Comicvorlage (Link zur aktuellen deutschen Ausgabe auf der Webseite des Cross Cult Verlages) hat die Filmumsetzung von R.I.P.D. nicht besonders viel zu tun. Einzig die Charaktere sind geblieben. Weder die Story noch der Humor wurden übernommen. Offenbar waren die Macher der Meinung, dass die Rettung der Welt um jeden Preis auf dieser stattfinden muss. Prinzipiell sind Abweichungen von einer Vorlage nichts Verwerfliches. Wie man es richtig macht und eine Comic-Miniserie als Basis für etwas komplett Neues verwendet, hat Regisseur Robert Schwendtke bereits mit RED (Link zu IMDB) bewiesen. Leider will ihm und seinem Team bei R.I.P.D. dieser Geniestreich kein weiteres Mal gelingen. Zu vorhersehbar ist die Geschichte, zu flach sind die Gags. Der Film spult die Geschehnisse vor den Augen der Zuschauer ohne wirkliche Überraschungen und ohne merkliche Abweichungen in der Erzählgeschwindigkeit ab. Spannung kann so kaum aufkommen und es gibt nur wenige wirklich lustige Momente, von denen der Trailer die meisten bereits verraten hat. Einzig wenn mit den Geheimidentitäten der beiden Himmelspolizisten gespielt wird, die von den Lebenden auf der Erde so ganz anders wahrgenommen werden als zuvor, wird es wirklich humorvoll. Wobei auch hier einiges genau aus der falschen Perspektive gezeigt wird, um wirklich eine Punktlandung hinlegen zu können.

Für seine Geschichte hatte Peter M. Lenkov sich zugegebenermaßen bei etlichen bekannten Konzepten bedient. Die „Men in Black“ sind nur ein Beispiel. Allerdings war seine ursprüngliche Kombination wesentlich durchdachter und charmanter, als die der Drehbuchschreiber. Vielleicht hätte Herr Lenkov, der immerhin einer der Produzenten des Films ist, genauer hinsehen sollen, was aus seiner Vorlage gemacht wurde. Die Parallelen zu den anzugtragenden Alienjägern sind zu offensichtlich und man gibt sich nicht einmal die Mühe sie in irgendeiner Form zu kaschieren. Sämtliche Spezialeffekte wirken billig und zu aufgesetzt. Die Monster sehen unglaubwürdig und keinen Zentimeter gruselig aus. Wer die Deados gestaltet hat, braucht dringend Nachhilfe in Sachen bedrohlicher Filmmonster.

Den Schauspielern kann man nicht mal einen Vorwurf machen. Sie tragen am wenigsten zum Gesamtversagen des Films bei. Man hat vielmehr das Gefühl, dass insbesondere Jeff Bridges und Ryan Reynolds ständig versuchen, gegen alle Schwächen mit ihrem Talent anzukämpfen, es aber nicht schaffen. Jeff Bridges passt fantastisch auf die Rolle des schrulligen und ständig missgelaunten US Marshals Roy Pulsipher. Er ist der Star des Films und legt sichtlich Herzblut in seinen Part. Auch Ryan Reynolds kann als Nick Walker überzeugen. Obwohl er einmal mehr den unbedarften Typen mit dem einnehmenden Lächeln spielen darf und ihm dies nicht besonders viel seiner vorhandenen schauspielerischen Fähigkeiten abverlangt, funktioniert er gut als Gegenpart zu Jeff Bridges. Mary-Louise Parker spielt die strenge und etwas sonderbare R.I.P.D.-Chefin Mildred Proctor mit sichtlicher Freude. Einzig Kevin Bacon wirkt als Nicks Partner bei der Polizei in Boston, Bobby Hayes, etwas lustlos.

R.I.P.D. bleibt trotz aller Bemühungen der Akteure ein unbefriedigender Film. Das Potenzial ist, mitsamt allen Unterschieden zur Vorlage, vorhanden. Es wird schlichtweg nicht genutzt. Wer fantastischen Agenten bei der Arbeit zusehen will, der schaut sich lieber noch einmal die „Men in Black“ an. Wer sich davon überzeugen will, dass man eine kurze Comicvorlage besser zu einem Film verlängern kann, der entscheidet sich für „RED“. Das Heimkino bietet zu R.I.P.D. die besseren Alternativen.

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