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Back on Track

Autos: Eine Faszination die sich mein Sohn und ich großzügig teilen. Umso glücklicher ist er darüber, dass mir bereits im Jahr 2006 der erste Teil von Cars (Link zu IMDB) aus dem Hause Pixar so gut gefiel, dass ich einige der Charaktere in Form von Spielzeugautos erwarb. Nachdem wir eben diesen Film im Heimkino zusammen angesehen hatten, wurden Lightning McQueen und seine druckgegossenen Freunde vom Nachwuchsfan freudig annektiert und haben obendrein ordentlich Zuwachs bekommen. Außerdem hat er verstanden, dass Mamas gelber Fiat 500 nicht ohne Grund auf den Namen Luigi hört.

Für Fahrten durchs Wohnzimmer und Schlangenbildung an den Bahnübergängen der Holzeisenbahn eignen sich die unzähligen Protagonisten aus Cars 2 (Link zu IMDB) ebenfalls prima, wenngleich die Fortsetzung weder mich noch den kleinen Mann restlos begeistern konnte. Hier wollte man von allem zu viel in einen Film packen. Eine überfrachtete Story, die neben dem Thema Autorennen zusätzlich einen Geheimagentenplot beackert, eine schier endlose Zahl an neuen Figuren, die zu Schlagwortgebern verkommen, und konfuse Action lassen Cars 2 um einiges weniger charmant wirken als seinen Vorgänger. Daran ändert auch mehrmaliges Ansehen nichts.

Kann nun also ein dritter Teil nach 6 weiteren Jahren geraderücken, was Cars 2 aus der durch ihre zahlreichen Anspielungen auch erwachsenen Rennsportliebhabern ans Herz gewachsenen Marke gemacht hat? Eine Restskepsis hielt sich beim Betreten des Kinosaals trotz der vielversprechenden Trailer hartnäckig in meinem Kopf. Diese wurde aber bereits in den ersten Filmminuten weggewischt. Cars 3: Evolution (Link zu IMDB) ist genau die Evolution, welche Pixars Autohelden verdient haben.

Lightning McQueen ist zurück in seinem Element: der Rennstrecke. Dort fährt er mit seinen Konkurrenten sportlich und fair um die Wette. Die Teams respektieren sich gegenseitig und gehen herzlich miteinander um. Dieser fröhliche Rennzirkus wird empfindlich gestört, als der Hightechwagen Jackson Storm auftaucht und mühelos alle Rekorde bricht. Für ein Miteinander ist er nicht zu haben. Er kennt nur das reine Gegeneinander und das Streben nach dem Sieg. So kommt es, dass sich die alteingesessenen Rennautos nach und nach zum Aufgeben gezwungen sehen. Ein Generationenwechsel steht bevor. Eine Entwicklung, die der ehrgeizige Lightning McQueen  nicht einfach so hinnehmen will, obwohl er nach einem schweren Unfall erst zu alter Agilität und Geschwindigkeit zurückfinden muss. Mit seiner neuen Trainerin Cruz Ramirez im Schlepptau setzt er bei seiner Rehabilitation auf ganz eigene, unkonventionelle Methoden und weigert sich schlichtweg, auf den Technikhype aufzuspringen. Im Rennsport ist es nämlich wie überall im Leben: Es kommt nicht auf das bloße Equipment an, sondern vielmehr darauf, dass Herz und Verstand am rechten Fleck sitzen.

Mit einer Geschichte, die sich auf das Wesentliche konzentriert und Szenen, die das Herz von großen und kleinen Rennautofans höher schlagen lassen, ist Cars 3: Evolution ab der ersten Sekunde die Fortsetzung, welche Cars 2 schon hätte sein sollen. Durch die intensive Kameraführung fühlt man sich sofort, als säße man mitten auf dem heißen Asphalt zwischen Lightning McQueen und seinen Kollegen. Fast meint man, den Gummiabrieb und das Benzin riechen zu können. Wer schon einmal ein echtes Autorennen etwas genauer verfolgt hat, der wird die vielen liebevoll umgesetzten Details bemerken. Einführungsrunde und fliegender Start sind nur zwei einfache und offensichtliche Beispiele. Die Macher beweisen ein großes Herz für Motorsport. Satte Sounds runden das Gesamtbild ab und sorgen (besonders in Dolby Atmos) für echtes Rennfeeling.

Auf ihrer Trainingsreise durch das Land treffen Lightning McQueen und Cruz Ramirez auf alte und neue Gesichter, wobei sich die Anzahl letzterer in einem Rahmen bewegt, der nicht das Zuschauerhirn überlastet und alle Namen sofort wieder vergessen lässt. Wie gewohnt basieren viele der Protagonisten auf echten Rennlegenden. Einzig ein Demolition Derby, an dem der Champion zu Übungszwecken inkognito teilnimmt, war mir persönlich stellenweise etwas zu hektisch und unübersichtlich inszeniert. Angenehm ist auch, dass der in Cars 2 überpräsente und bisweilen sehr anstrengende Hook wieder als echte Nebenrolle auftritt. Das Zusammenspiel zwischen dem roten Flitzer und seiner ambitionierten Lehrerin und die Entwicklung der beiden Hauptcharaktere bietet genug Stoff für eine rundum spannende und herzerwärmende Geschichte.

Die Botschaften, die das neueste Abenteuer von Lightning McQueen seinen großen und kleinen Zuschauern mit auf den Weg gibt, sind in Zeiten, in denen Generationenkonflikte nicht nur im Sport schwelen, besonders wertvoll. Das Neueste vom Neuen ist nun einmal nicht gleichzeitig das Beste für alle. Sterile Technik garantiert kein echtes Rennfeeling. Manchmal muss man sich tatsächlich die Reifen schmutzig machen, um etwas Großes zu erreichen. Dabei darf man nie den Respekt vor den Alten und deren Errungenschaften verlieren, denn sportliche Wettkämpfe waren schon immer spannend. Außerdem sollte man nie eine Disziplin – sportlich oder anderweitig geartet – herabwerten, die für einen selbst von nicht ganz so großem Interesse zu sein scheint wie eine andere. Demolition Derbys oder Monster-Truck-Wettkämpfe zählen beispielsweise auch zum Motorport und erfordern von ihren Teilnehmern bestimmte Qualitäten. Und letztlich und endlich ist man nicht automatisch ein Verlierer, wenn man merkt, dass sich die eigenen Fähigkeiten im Laufe des Lebens ändern und man seinen Lebenswehg entsprechend anpassen muss.

Mit Cars 3: Evolution schafft das Team um Regisseur Brian Fee eine Wiederbelebung der Filmreihe, die großen und kleinen Kinogängern gleichermaßen Spaß bereitet und die bei den Fans an das Gefühl des erfolgreichen ersten Teils anknüpfen kann. Da zwischen Lightning McQueens Erstauftritt und diesem satte 11 Jahre liegen, vollzieht sich ein Generationenwechsel nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Kinosaal. Dadurch ist Cars 3: Evolution im Grunde obendrein ein Neustart, der großes Potenzial für weitere Fortsetzungen bietet. Der Sohn und ich, wir würden uns generationenübergreifend über solche freuen.

Dicker als Wasser

In dem Moment, in dem unser Sohn das erste Mal ein Bild von den Minions sah, haben die niedlichen Wesen auf der Stelle sein Herz erobert. Noch bevor wir die dazugehörigen Filme zusammen gesehen hatten, hat sich ein ganzer Plüschstamm dieser gelben Kreaturen in unserer Wohnung niedergelassen. Inzwischen kennt der Junior deren Abenteuer in bewegten Bildern und schwärmt gleichzeitig für den Big Boss der Minions: Gru. Da die Begeisterung für Leinwandabenteuer irgendwie erblich zu sein scheint und wir mit Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische! (Link zu meiner Kritik) und Bob, der Baumeister – Das Mega-Team (Link zu IMDB) bereits zwei Familienkinobesuche absolviert haben, ist es kaum verwunderlich, dass er für den neuesten Teil dieser Filmreihe nach Sichtung des Trailers lauthals den Gang in ein Lichtspielhaus verlangte. So haben wir einen Regentag für einen Mama-Sohn-Kinonachmittag genutzt und uns Ich – Einfach unverbesserlich 3 (Despicable Me 3, Link zu IMDB) angesehen.

Die Drehbuchautoren Cinco Paul und Ken Daurio erfinden ihre Serie zusammen mit den Regisseuren Kyle Balda und Pierre Coffin im aktuellen Abenteuer der wohl komischten Patchworkfamilie der Kinogeschichte nicht neu. Das müssen sie gar nicht, denn als Fortsetzung funktioniert die Story, in deren Verlauf sich die Macher durchgehend in den Vorgängern bewährten Handlungsmustern der Figuren bedienen, prima. Der auf die Seite der verbrechensbekämpfenden Agenten übergelaufene Gru (Steve Carell, deutsche Fassung: Oliver Rohrbeck) liebäugelt trotz Familienleben noch immer ein wenig mit seiner Vergangenheit als Schurke – besonders nach dem Verlust seines aktuellen Jobs aufgrund von akutem Versagen. Auch sein plötzlich Kontakt suchender, vermögender Zwillingsbruder Dru setzt alles daran, in ihm den alten Gauner für einen gemeinsamen Coup ein letztes Mal zu wecken. Obwohl das seiner Frau Lucy (Kristen Wiig, deutsche Fassung: Martina Hill) ganz und gar nicht passt, nutzt Gru die Gelegenheit und schmiedet einen Plan, der es ihm obendrein ermöglichen soll, sich an dem Fiesling Balthazar Bratt (Trey Parker, deutsche Fassung: Joko Winterscheidt) zu rächen, der ihm den Rausschmiss aus der Anti-Verbrecher-Liga beschert hat.

Was Ich – Einfach unverbesserlich 3 zu einem absolut gelungenen Film für die Groß und Klein macht, sind nicht nur die wohldosierten Auftritte der Minions, sondern auch die ein weiteres Mal unglaublich schrägen und gleichzeitig unvergleichlich charmanten Figuren. Von diesen ist jede einzelne vielschichtiger, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Genau deshalb ist ihre verrückte, schrullige Animationswelt spürbar nahe an der Realität und lässt den Zuschauer bei genauerer Betrachtung einiges lernen. Während sich bei uns – mit großer Unterstützung der (sozialen) Medien – noch der Kopf über Familienbilder zerbrochen wird, sich Verfechter verschiedenster Lebens-, Rollen-, und Erziehungsmodelle verbale Gefechte bis an den Rand des Erträglichen liefern und man den Eindruck hat, dass so manche Eltern andere ihrer Art wegen verschiedener Meinungen am liebsten zerfleischen würden, wird bei Familie Gru einfach gehandelt. Die auf diesem Gebiet recht unbedarfte Lucy erfährt beispielsweise, dass das Mamasein täglich mit neuen Herausforderungen aufwartet. Genau aus diesem Grund gerät sie – wie alle Mütter (und Väter) – im Laufe der Geschichte immer wieder an Punkte, an denen etwas bei der Erziehung ihrer drei grundverschiedenen Adoptivkinder neu für sie ist und sie gezwungen ist, nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum nach passenden Lösungen zu suchen. Irren ist menschlich und was moderne Eltern sich und anderen zu oft nicht zugestehen, ist fester Bestandteil der Welt von Ich – Einfach unverbesserlich 3. Wie heißt es doch so schön: Hinfallen, aufstehen, Krone richten und weitergehen. Fehler einräumen, daraus lernen, sich gegenseitig unterstützen und dabei bloß nicht den Mut verlieren. Die Wichtigkeit und Richtigkeit dieses Prinzips müssen alle Mitglieder der bunt zusammengewürfelten Sippschaft rund um Gru lernen – sogar die Minions, die ihrem Boss die Gefolgschaft kündigen und nach diversen Eskapaden im Gefängnis landen. Blut ist dicker als Wasser und Familie ist kein festes Bild, sondern eine Frage des Gefühls und der individuellen Definition. Gäbe es im richtigen Leben mehr Menschen mit dem Gemüt der kleinen Agnes, die statt einem Einhorn eben (nur) die beste Ziege der Welt bekommt und sich über diese so sehr freut, als wäre sie das sehnlichst erhoffte Fabeltier … die Welt wäre eine Bessere.

Diese Feinheiten, ebenso wie die vielen kleinen Seitenhiebe auf Hollywood und die 80er Jahre, bleiben den jüngsten Zuschauern freilich verborgen. Den Spaß an Ich – Einfach unverbesserlich 3 mindert das jedoch dank jeder Menge Slapstickeinlagen für sie nicht. Darüber hinaus passt die musikalische Untermalung in jeder Szene wie Grus Faust im furiosen Endkampf auf das Auge des durchgeknallten Balthazar Bratt. Erwachsene freuen sich über die Zeitreise in die 80er Jahre, während die Kleinen ihre Ohren spitzen und etwas Neues hören können.

Ein Wermutstropfen ist für mich das atemlose Erzähltempo, das bei Ich – Einfach unverbesserlich 3 im Vergleich zu den Vorgängern um einige Stufen erhöht wurde. Das hätte nicht sein müssen und raubt den Zuschauern – vor allem den jüngeren – die Gelegenheit, länger bei den lieb gewonnenen Figuren zu verweilen und die grandios umgesetzten Animationen zu genießen. Ferner wirkt die geschmacklose Anspielung auf die Konkurrenz von Disney/Pixar gleich zu Beginn des Films absolut unangebracht und unnötig.

Davon abgesehen – da stimmt mir mein Sohn eifrig nickend zu – ist den Machern ein weiteres Mal großartige Familienunterhaltung gelungen, die man bedenkenlos weiterempfehlen kann.

Kinocomeback

Der Geruch von Popcorn! Das Gefühl, in einem Kinosessel zu sitzen! War das lange her! Umso größer war meine Begeisterung, als ich nach fast genau 2 Jahren und 7 Monaten wieder ein Lichtspielhaus betrat. Das Beste daran: Dieses Mal begleitete mich neben meinem geliebten Ehemann auch unser Sohn. Letzterer schnupperte zum ersten Mal in seinem Leben Kinoluft und war sofort Feuer und Flamme – und das nicht nur weil sein Lieblingsheld, Feuerwehrmann Sam, eifrig über die große Leinwand huschte und diverse Brände löschte. Möglicherweise liegt ihm die Faszination für Filmpaläste ja im Blut.

Mit Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische! (Fireman Sam: Alien Alert, Link zu MoviePilot) hatten wir für unser Kinocomeback gleich ein echtes Highlight erwischt. Der kleine Mann liebt die Abenteuer der fleißigen Feuerwehrleute aus dem walisischen Küstenstädtchen Pontypandy heiß und innig, und ich halte diese für eine der derzeit besten Serien für die klein(st)en Zuschauer. Sowohl die alten, noch in Stop-Motion-Technik produzierten, als auch die neuen Folgen von Feuerwehrmann Sam (Link zu Wikipedia) sind mit ihrer Länge von nur 10 Minuten und den wenigen, äußerst liebenswerten Charakteren perfekt für junge Feuerwehrfans geeignet. Humorige Hintergrundgeschichten und augenzwinkernde Anmerkungen sorgen dafür, dass die Eltern beim gemeinsamen Ansehen mit dem Nachwuchs ebenfalls gut unterhalten werden.

Wo Feuerwehrmann Sam draufsteht, ist Feuerwehrmann Sam drin. Das gilt auch für den neuen Film. Wie der Titel besagt, bekommen es die Bewohner von Pontypandy dieses Mal mit fliegenden Untertassen zu tun. Um den seltsamen Erscheinungen auf den Grund zu gehen, begibt sich der berühmte Weltraumdetektiv und Fernsehstar Buck Douglas (im Original passenderweise gesprochen von David Tennant) in das beschauliche Örtchen. Dessen Ankunft versetzt – angefangen bei Schlitzohr Norman Price bis zum gutherzigen und musikbegeisterten Feuerwehrmann Elvis Cridlington – endgültig die gesamte Bevölkerung in helle Aufregung. Einzig und allein Feuerwehrmann Sam Jones kann dem ganzen Trubel nichts abgewinnen und steht dem Neuankömmling kritisch gegenüber. Immerhin sorgt der mit wilden Geschichten dafür, dass er seine alienjagenden Mitbürger ständig aus brenzligen Situationen befreien muss.

Wer altersmäßig der sehr jungen Zielgruppe entwachsen ist, sollte sich Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische! dennoch mit Kinderaugen ansehen. Für diese ist der Film schließlich gemacht. Wenn ich lese, dass sich diverse Kritiker über den zugegebenermaßen sehr leicht durchschaubaren Plot, die kurze Spieldauer und die einfach gehaltenen Animationen mokieren, kann ich offen gestanden nur die Stirn runzeln. Um diese Dinge geht es dem eigentlichen Publikum nämlich keinesfalls. Ganz im Gegenteil wäre es meines Erachtens sogar kontraproduktiv, würde man hier plötzlich eine bombastische Special-Effects-Show abliefern, in der sich jeder Grashalm und jeder Zweig bewegt. Zu viel Gewusel, zu sehr verzweigte Handlungsstränge und zu viele Darsteller überfordern die Jüngsten leicht. Wer High-End-Animationen sehen will, der schaut sich die Werke von Pixar und Illumination Entertainment an, die jedoch allesamt – trotz Freigabe ohne Altersbeschränkung – eine nicht von der Hand zu weisende Komplexität besitzen, welche Kinder erst ab einem späteren Alter annähernd alle Details erfassen lässt.

60 Minuten sind absolut ausreichend, um eine unterhaltsame Geschichte zu präsentieren, die für Groß und Klein viele Momente zum Lachen und Mitfiebern bietet. Wann immer ich mich im Kinosaal umgehen habe, blickte ich ringsum in leuchtende Kinderaugen und konnte ich – inklusive unserem Sohn – jede Menge glühende Feuerwehrmann-Sam-Fans beobachten, die wild gestikulierend mitgefiebert haben, zu einer Story die – ungeachtet ihrer einfachen Struktur – aktueller kaum sein könnte. Mit dem Versuch der (endlich in einer 3D-Animationsversion zurückgekehrten) Pizzabäckerin Bella Lasagne gemeinsam mit Erfinder Joe Sparks, einen futuristischen Lieferservice in Pontypandy zu etablieren, der leckeres italienisches Essen per Flugdrohne beim Kunden abliefern soll, bekommt sogar Amazon einen geschickten Seitenhieb verpasst.

Das Wertvollste an Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische! ist, was neben den obligatorischen Sicherheitstipps vermittelt wird:

  • Glaubt nicht alles, was euch aufgetischt wird, selbst wenn es irgendwo schwarz auf weiß geschrieben steht.
  • Folgt nicht jedem (vermeintlichen) Hype, nur um dabei zu sein.
  • Bleibt kritisch und wachsam und scheut euch nicht, Dinge zu hinterfragen.
  • Hört auf euer Bauchgefühl.

In einer Zeit, in der sich Verschwörungstheoretiker, Aluhutträger, Selbstdarsteller und Fakenewsverbreiter lauthals in den sozialen Medien breit machen und dort eine beängstigend große Anhängerzahl um sich scharen, kann es meiner Meinung nach kaum bessere Botschaften für die kommende Generation geben.

Für uns war der erste Familienkinobesuch dank Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische! ein voller Erfolg. Nun warten wir gemeinsam sehnsüchtig auf die Veröffentlichung der Kaufversion zum Immer-wieder-Ansehen im Mai.

Gelbe Gemeinschaft

Sich um einen kleinen Menschen zu kümmern und ihm beim Aufwachsen zu helfen, ist nach wie vor die Aufgabe, welche die meiste Zeit meines Tages bestimmt. Sie verlangt mir einigen Einsatz ab und bereitet mir gleichzeitig unglaubliche Freude. Meine Hobbys müssen derweil weiterhin hintanstehen. Im Schrank stapeln sich die DVDs und Blu-rays und warten darauf, angesehen zu werden. Die Begeisterung für Filme und TV-Serien ist mir in den vergangenen Monaten freilich nicht abhanden gekommen. Umso schöner war es, als der Ehemann und ich unlängst endlich wieder einmal Zeit hatten, uns dieser gemeinsamen Passion hinzugeben. Gemeinsam geschaut haben wir Minions (Link zu IMDB), den mittlerweile dritten Film mit den niedlichen, gelben Superschurkenhelferlein.

Warum bei jedem der beiden Teile von Ich – Einfach unverbesserlich (Despicable Me, Link zu meiner Kritik des zweiten Teils) und nun auch bei den Minions im Vorhinein meine Erwartungen verhältnismäßig niedrig waren, kann ich nicht genau sagen. Jedes Mal war ich von den Trailern begeistert und gleichzeitig unsicher, ob man ein solch hohes Niveau an Gags und Sympathie über die gesamte Filmlänge würde halten können. Jedes Mal konnte mich das Team um Regisseur Pierre Coffin und Produzent Chris Meledandri eines Besseren belehren.

In Minions wird erstmals die Entstehungsgeschichte der pillenförmigen Lebewesen mit dem sonnengelben Gemüt und dem unstillbaren Hunger nach Bananen enthüllt. Von der Ursuppe an treibt die Minions die Suche nach dem ultimativen Superschurken, ihrem Big Boss, zu immer neuen Höchstleistungen. Aller Mühe zum Trotz steht der Stamm irgendwann im Laufe der Geschichte dennoch ohne Anführer da. Mit dem schlauen Kevin, dem musikalischen Stuart und dem kindlichen Bob brechen drei mutige Individualisten schließlich auf, um dieser Misere ein Ende zu bereiten. Auf ihrer Reise um die Welt müssen sie aberwitzige Abenteuer bestehen. Bis sie – wie der geneigte Fan aus den ersten beiden Filmen weiß – Gru (Steve Carell) treffen, ist es ein langer Weg.

Den besonderen Charme von Minions machen nicht alleine die allseits bekannten und unglaublich sympathischen Namensgeber aus. Jede einzelne der Figuren ist so perfekt unvollkommen und fehlerhaft, dass man sie – ganz unabhängig von ihrer Gesinnung – nur in Herz schließen kann. Wenn die Minions sich bei den fiesesten Fieslingen der Welt auf der streng geheimen Messe „Villain-Con“ bewerben, können sich nicht nur eingefleischte Comicfans und erfahrene Conventiongänger vor Lachen kaum mehr halten. Sei es die vom großen Ruhm träumende Superschurkin Scarlet Overkill (Sandra Bullock) oder ihr in vollkommender Ergebenheit förmlich zerfließender Ehemann Herb (Jon Hamm), jeder Charakter ist von der Pike auf durchdacht und mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

91 Minuten lang präsentiert Minions keine weichgespülte, heile Welt, sondern ist an Aktualität kaum zu übertreffen. Wer sich darauf einlässt, kann eine Menge Botschaften entdecken, die neben allem Spaß im Nachhinein durchaus zum Nachdenken anregen können. Man muss nämlich nicht immer die gleiche Sprache sprechen, um sich zu verständigen – respektive Banana sprechen, um die Minions zu verstehen. Was könnte unsere reale Welt davon profitieren, wenn wir dem Unbekannten so ungeniert und mutig gegenüberträten, wie Kevin, Stuart und Bob! Auch ist der Zusammenhalt der gelben Gemeinschaft innerhalb des gesamten Minion-Stammes einzigartig und absolut inspirierend. Nicht zu vergessen, dass so mancher (vermeintlicher oder tatsächlicher) Übeltäter auch in der Realität mehr Facetten als sein bedrohliches Äußeres und furchterregendes Gebaren hat und man sich bei Einschätzungen seines Gegenüber und dessen mögliche Fähigkeiten niemals nur auf ein (unscheinbares) Äußeres verlassen sollte. Dies sind nur ein paar Beispiele, wie man Minions ebenfalls betrachten kann.

Alles in allem kann ich kleinen und großen Animationsfans diesen in jeder Hinsicht wunderbar gemachten Film nur empfehlen. Jüngere Zuschauer können gewiss nicht jede Anspielung aus Popkultur und Zeitgeschichte erkennen, sich aber trotzdem an genug Slapstick-Einlagen erfreuen. Für mich persönlich hat sich die Anschaffung der Blu-ray (Link zur produktweite auf Amazon.de) absolut gelohnt. Preis, Qualität und Extras stimmen und um alle Feinheiten zu Entdecken, sollte man sich Minions auf jeden Fall mehr als ein Mal ansehen.

Im Ghetto ist die Hölle los

Über Sinn und Unsinn von Remakes kann man sich streiten. Ich persönlich habe nicht grundsätzlich etwas dagegen, wenn ein bestehender Film, der schon einige Jahre auf dem Buckel hat, einen neuen Anstrich verpasst bekommt, oder wenn ein bewährtes Konzept noch einmal hervorgeholt und mit neuen Ideen angereichert wird. Einer Neuauflage von Luc Bessons Ghettoganz (Banlieue 13, Link zu IMDB) aus dem Jahre 2004 hätte es nur zehn Jahre später zugegebenermaßen (noch) nicht unbedingt bedurft. Für Regisseur Camille Delamarre und sogar für Schöpfer und Drehbuchautor Luc Besson ist dies offenbar kein Grund gewesen, von einem solchen Projekt Abstand zu nehmen. Ganz im Gegenteil tritt das französische Multitalent bei Brick Mansions sogar erneut als Produzent auf.

Viel Arbeit hatte Herr Besson mit diesem Remake sicherlich nicht, wurde die Geschichte doch beinahe komplett bloß von Paris nach Detroit verlegt. Einzig zum Ende hin gibt es spürbare Veränderungen – vielleicht weil RZA trotz seinem Part als Gangsterboss Tremaine Alexander auch ein bisschen den Helden spielen wollte. Der größte Saubermann des Films wird vom kürzlich verstorbenen Paul Walker verkörpert, der sich als Detective Damien Collier in den vom Rest der Stadt abgeriegelten Armenbezirk Brick Mansions wagt, um eine gefährliche Bombe zu entschärfen. Jene ist in die Hände der in dieser nahen, dystopischen Zukunft dort regierenden Verbrecher geraten. Dem fähigen Polizisten kommt diese Gelegenheit gerade Recht, hat doch Anführer Tremaine seinen Vater umgebracht. Bemerkenswert ist, dass die zweite Hauptrolle an die selbe Person vergeben wurde wie im Original. So spielt David Belle erneut einen agilen Ghettobewohner mit großen Ambitionen, der sich auf die Seite von Damien schlägt und ihn bei seiner Suche nach der Massenvernichtungswaffe unterstützt. Die beiden mischen den Stadtteil, in dem keinerlei Gesetze außer dem Recht des Stärkeren gelten und es weder Polizeischutz noch Schulen gibt, gründlich auf und im Nu ist im Ghetto die Hölle los.

David Belle ist einer der Mitbegründer der spektakulären Fortbewegungsart Parkour. Dass er einer der besten Läufer seiner Zunft ist, kann man unschwer erkennen. Die Szenen, in denen er behände die unmöglichsten Hindernisse des heruntergekommenen Brick Manisons überwindet, das seinem Namen alle Ehre macht, sind die besten des Films. Schade, dass man – vermutlich um Paul Walker als bekennendem Liebhaber schneller Autos entgegenzukommen – den Fokus nicht erneut vollständig auf wilde Verfolgungsjagden zu Fuß legte. Hinzu kommt der unglaubliche Wankelmut, welchen fast alle Figuren über die gesamte Handlung hinweg an den Tag legen. Ihre Haltung zueinander ändern sie bisweilen buchstäblich in Sekundenschnelle. Dieses Gebaren raubt der Geschichte einiges an Charme und lässt sie sehr konstruiert wirken – insbesondere zum raschen Ende des mit 90 Minuten relativ kurz geratenen Actionfilms hin.

Ist Brick Mansions also aufgrund seiner nicht wenigen Schwächen ein völlig misslungenes Werk? Nein.

Wenn man als Zuschauer gewillt ist, sein Hirn einen Gang herunter zu schalten, und rasante Action mag, auch wenn sie mit Dialogen im B-Movie-Style daherkommt, dann sollte man Brick Mansions ruhig eine Chance geben. Dank dem unablässig pumpenden Soundtrack von Trevor Morris und etlichen sehr gut choreografierten Kampfszenen, die nie ganz und gar realitätsfremd wirken, birgt der Film ausreichend Unterhaltungspotenzial, um nicht als Reinfall gesehen zu werden. Manchmal muss es für ein wenig filmische Kurzweil schließlich nicht der ganz große Wurf sein und es genügt, wenn sich jeder mit jedem auf amüsante Art prügelt. Die große Leinwand braucht Brick Mansions nicht notwendigerweise, um seine Wirkung zu entfalten. Interessierte können deshalb getrost auf die Veröffentlichung fürs Heimkino warten und sich stattdessen eine Kinokarte für einen der großen Sommerblockbuster gönnen.

Für eine Handvoll Lacher

Mit dem Countdown zum baldigen Ende meiner Schwangerschaft läuft für mich gleichzeitig die verbleibende Restzeit bis zu einer voraussichtlich längeren Kinopause ab. Der Inhalt dieses Blogs wird deshalb sicherlich alleine aus diesem Grund in Zukunft wieder weniger eintöniger Natur sein. Ein paar Wochen verbleiben jedoch noch, und so nutzte ich die Gelegenheit, um mir Seth MacFarlanes neue Komödie anzusehen.

Mit dem sprechenden Plüschbären namens Ted (Link zu IMDB) gelang dem vielbegabten und in Hollywood äußerst umtriebigen Regisseur und Drehbuchautor vor zwei Jahren die Erschaffung einer echten Kultfigur. Kein Wunder, dass das sehr erwachsen agierende Spielzeug in absehbarer Zeit in einer Fortsetzung auf die große Leinwand zurückkehren wird. Zwischenzeitlich hat sich Seth MacFarlane ein gänzlich anderes Thema vorgenommen und möchte mit A Million Ways to Die in the West erneut einen Angriff auf die Lachmuskeln der Kinozuschauer starten. Leider vermag der Film die in den durchaus witzigen Trailern geschürten Erwartungen nicht zu erfüllen.

A Million Ways to Die in the West spielt, wie der Titel verrät, im Wilden Westen Amerikas, zur Zeit von Cowboys und Indianern. Als der Schaffarmer Albert (Seth MacFarlane) von seiner Freundin Louise (Amanda Seyfried) verlassen wird, bricht für ihn eine Welt zusammen. Alle Versuche, die Angebetete umzustimmen, versagen und treiben diese noch mehr in die Arme des reichen Schnurrbartfachgeschäftbesitzers Foy (Neil Patrick Harris). Nur sein bester Freund Edward (Giovanni Ribisi) hält Albert vorerst von der Flucht aus der staubigen Präriestadt Old Stump ab. Der schicksalsgeplagte Farmer hasst den Wilden Westen und wird derweil nicht müde über die millionenfachen Möglichkeiten zu referieren, in diesen gefährlichen Zeiten schnell und unerwartet den Tod zu finden. Eines Tages naht für den mittel- und erfolglosen Wollproduzenten mit dem losen Mundwerk Rettung in Form der schönen Anna (Charlize Theron). Die blonde Frau auf der Suche nach Abwechslung kann unglaublich schnell mit dem Revolver umgehen und willigt beherzt ein, Albert dabei zu helfen, Louise zu beweisen, dass sie einen schweren Fehler begangen hat. Dass Anna in Wirklichkeit die Frau von Clinch, dem schlimmsten Banditen in der Gegend, ist, ahnt der Schaffarmer selbstverständlich nicht.

Was als durchaus amüsantes Abenteuer mit schrulligen Charakteren und viel Liebe zu Details und Klischees beginnt, wandelt sich im Laufe von insgesamt 116 Minuten rasch zu einem repetitiven Abarbeiten immer gleicher Gags. Dabei driftet A Million Ways to Die in the West immer weiter von seinem Titelthema ab. Die Anzahl der eingestreuten Szenen, in denen jemand – als Beweis für Alberts ständiges Lamentieren über die katastrophalen Zustände in Old Stump und die mannigfaltigen Sicherheitsrisiken – plötzlich, brutal und auf aberwitzige Weise stirbt, ist relativ gering. Zusätzlich wurden nahezu alle bereits in den Vorschauen verraten. Die verbleibenden guten Ideen, wie die von dem frommen Freudenmädchen Ruth (Sarah Silverman), das im Saloon hart arbeitet und gleichzeitig ihrem Freund die körperliche Liebe vor der Hochzeit verwehrt, sind rar, werden schier unendlich wiederholt und bis ins Letzte ausgeschlachtet. Was bleibt ist primitiver Pennäler-Humor, der anhaltend und heftig unter die Gürtellinie zielt. Das Versagen dieses Konzepts hat nichts mit dem individuellen Maß an Prüderie zu tun. Das Problem von Witzen über männliche und weibliche Körperteile sowie menschliche Körpersekrete ist, dass es bei ihnen extrem auf die Dosierung ankommt. Bei Dauerbeschallung stumpfen die Zuschauer – ganz unabhängig von ihrer Schmerzgrenze – schnell ab. Wo Ted den Spagat zwischen derbem Humor und charmanten Scherzen mühelos schaffte, versagt A Million Ways to Die in the West schlichtweg.

Am wenigsten können die Schauspieler dafür, dass die storytechnisch sehr bemüht wirkende Westernkomödie nicht zünden will. Die namhafte Besetzung gibt ihr Bestes und zeigt durchweg erstaunlich wenig Angst vor der Lächerlichkeit. Es wird geprügelt, geschossen, gesungen und getanzt – ganz wie es sich für den Wilden Westen gehört. Bloß kann das Schnurrbartlied einfach nicht mit dem Donnersong mithalten und auch die paar durchaus gelungenen, direkten Anspielungen auf andere Filme können das Blatt nicht wenden. Es ist auch nicht so, dass A Million Ways to Die in the West überhaupt keine lustigen Momente enthält. Nur sind es eben nicht genug. Für eine Handvoll Lacher rentiert sich der Preis für die Kinokarte in Anbetracht des derzeit vorherrschenden Überangebots an Blockbustern nicht.

Bleibt nur zu hoffen, dass Seth MacFarlane bei Ted 2 wieder ein besseres Händchen für den richtigen Mix an verschiedenartigen Gags beweisen wird.  Liebhaber von schrägem Klamauk gedulden sich, bis die Farrelly-Brüder Jim Carrey und Jeff Daniels in Dumb and Dumber To (Link zu IMDB) Anfang kommenden Jahres wieder als Lloyd und Harry loslassen.

König der Monster

Von Zeit zu Zeit entdeckt Hollywood den Reiz und den Charme von Monsterfilmen für sich neu. In Japan haben Riesenungeheuer (jap. Kajiū) hingegen eine lange Tradition und immer Saison. Das wohl berühmteste von ihnen ist Godzilla (jap. Gojira). Seit seiner Schöpfung vor 60 Jahren erfreut sich der König der Monster auch außerhalb Japans extremer Beliebtheit. Sogar ein Stern auf dem Walk of Fame wurde ihm bereits gewidmet. Im Jahre der Zeit hat die gigantische, aufrecht gehende Echse allerlei Nachahmer und Verehrer auf den Plan gerufen. 1998 versuchte sich Roland Emmerich am ersten, außerhalb Japans produzierten Godzilla-Film. Visuell zwar zum Erscheinungstermin auf dem neuesten Stand und mit allerlei Szenen ausgestattet, in denen der Regisseur seiner Leidenschaft für die imposant arrangierte Zerstörungswut freien Lauf ließ, fand das modernisierte Aussehen von Godzilla nicht überall Anklang, vornehmlich bei den eingefleischten Fans des Klassikers. Einen gänzlich anderen Ansatz wählte jüngst Guillermo del Toro, der sich mit seinem Actionspektakel Pacific Rim tief vor dem gesamten Kaiju-Genre verneigte. (Links in diesem Absatz zu IMDB.)

Zurück zu den Wurzeln. So lautet das Motto von Gareth Edwards, dem Inszenator von Godzillas neuestem Leinwandabenteuer. Seine große Liebe zum Original ist dabei von der ersten bis zur letzten Sekunde deutlich erkennbar und offenbart sich nicht nur im Monsterdesign. Die mit viel Ruhe erzählte Geschichte von Godzilla kommt mit wenigen Hauptcharakteren aus. Besonders Bryan Cranston brilliert einmal mehr mit seinem schier unerschöpflichen, schauspielerischen Talent. Wenngleich sein Auftritt verhältnismäßig kurz ist, mimt er den Familienvater Joe Brody, der sich auf einer verzweifelten Suche nach der Wahrheit befindet, mit extremer Eindringlichkeit und macht dessen Hysterie und Angst spürbar. Aaron Taylor-Johnson gibt sich als sein Sohn, Ford Brody, redlich Mühe, lässt als Charakterdarsteller allerdings einige Schwächen erkennen, vor allem in der Interpretation unterschiedlicher Gefühlsregungen. Sehr routiniert spielt Ken Watanabe seinen Part als Wissenschaftler und Godzilla-Experte Dr. Ichiro Serizawa. Dass er nicht mehr von seinem Talent zeigen kann, liegt nicht an ihm, sondern in der Konzentration des Films auf die Konsequenzen für die Masse und nicht für den Einzelnen.

Es gibt einiges, was Godzilla nicht ist. Dieses Werk ist kein Monsterfilm im eigentlichen Sinne. Es entpuppt sich vielmehr als waschechter Katastrophenfilm, garniert mit Riesenungeheuern. Diese überdimensionierten Launen der Natur setzen auf ihrem Weg zum alles entscheidenden Endkampf folgenschwere Ereignisse in Gang, welche verheerende Auswirkungen für die Menschheit haben. Dabei werden sie nicht einmal als absolut böse und niederträchtig dargestellt. Sie folgen einfach ihren Instinkten. Die zum Zuschauen gezwungenen Menschen können nichts weiter tun, als fieberhaft nach Mitteln zu suchen, um möglichst viele Exemplare der eigenen Art rechtzeitig in Sicherheit zu bringen und vor der unabwendbaren, ultimativen Zerstörung zu retten. Der Ansatz, die Motivation der Monster nicht als intrinsisch offensiv abzustempeln, ist ein erfrischender Gegensatz zu den sonst so oft genutzten Schwarz-Weiß-Mustern. Endlich darf der Zuschauer wieder Verständnis für alle Seiten aufbringen und sich mit dem sich daraus ergebenden Gewissenskonflikt auseinandersetzen. Wie im Original stehen die Ungeheuer darüber hinaus für wesentlich mehr als für allein wegen ihrer Größe zerstörerische Kolosse. Eine Menge Anspielungen auf reale Katastrophen der letzten Jahre und nicht nur unterschwellig integrierte Atomkraft-Kritik veranschaulichen die mutige Botschaft, dass die Menschheit zur Selbstüberschätzung neigt und niemals die vollständige Herrschaft über die Natur erlangen wird. An intensiven, düsteren und nachdenklichen Momenten mangelt es dem Film daher nicht.

Godzilla ist außerdem kein Non-Stop-Actionfeuerwerk. Der Weg ist das Ziel. So werden die monströsen Kombattanten von der Handlung die meiste Zeit über auf ihrer Reise zum endgültigen Treffpunkt begleitet. Verglichen mit Pacific Rim bietet Godzilla deshalb wenig „echte“ Monsteraction. Die finale Schlacht ist quasi als Sahnehäubchen auf beeindruckenden Katastrophenszenen zu sehen. Entsprechend spärlich ist der Anteil der Spielzeit von etwas mehr als zwei Stunden, welche auf den König der Monster selbst entfällt. Dafür orientiert sich sein Erscheinungsbild wieder eindeutig mehr an dem seines japanischen Urahnen als in Roland Emmerichs Film. Fans freuen sich außerdem über sein wirklich gelungenes und majestätisch anmutendes Gebrüll. Über das eigenwillige Design des Gegenparts kann man streiten. Um die Handlung und deren Inhalte in den Vordergrund zu rücken, wählten die Macher offenbar absichtlich keinen bekannten Godzilla-Gegner, sondern erfanden ein neues Kaiju. Hier haben Guillermo del Toro und sein Team bessere Arbeit geleistet, als sie die Feinde für die Jaeger in Pacific Rim entwarfen. Nichtsdestotrotz wirkt der sogenannte M.U.T.O. (massiver unbekannter terrestrischer Organismus) bedrohlich und ernstzunehmend genug, um zum Schluss einen würdigen Kontrahenten für Godzilla abzugeben.

Trotz aller Kritikpunkte ist Godzilla ein sehr gelungener Neustart für den Monsterkönig. In beeindruckenden Bildern und mit viel Gefühl erzählt, mit einem bombastischen Soundtrack hinterlegt und nahe am Erbe des Originals hat Gareth Edwards ein monumentales Abenteuer geschaffen, das seine Wirkung im dunklen Kinosaal und auf der großen Leinwand vollständig zu entfalten vermag.