Kinocomeback

Der Geruch von Popcorn! Das Gefühl, in einem Kinosessel zu sitzen! War das lange her! Umso größer war meine Begeisterung, als ich nach fast genau 2 Jahren und 7 Monaten wieder ein Lichtspielhaus betrat. Das Beste daran: Dieses Mal begleitete mich neben meinem geliebten Ehemann auch unser Sohn. Letzterer schnupperte zum ersten Mal in seinem Leben Kinoluft und war sofort Feuer und Flamme – und das nicht nur weil sein Lieblingsheld, Feuerwehrmann Sam, eifrig über die große Leinwand huschte und diverse Brände löschte. Möglicherweise liegt ihm die Faszination für Filmpaläste ja im Blut.

Mit Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische! (Fireman Sam: Alien Alert, Link zu MoviePilot) hatten wir für unser Kinocomeback gleich ein echtes Highlight erwischt. Der kleine Mann liebt die Abenteuer der fleißigen Feuerwehrleute aus dem walisischen Küstenstädtchen Pontypandy heiß und innig, und ich halte diese für eine der derzeit besten Serien für die klein(st)en Zuschauer. Sowohl die alten, noch in Stop-Motion-Technik produzierten, als auch die neuen Folgen von Feuerwehrmann Sam (Link zu Wikipedia) sind mit ihrer Länge von nur 10 Minuten und den wenigen, äußerst liebenswerten Charakteren perfekt für junge Feuerwehrfans geeignet. Humorige Hintergrundgeschichten und augenzwinkernde Anmerkungen sorgen dafür, dass die Eltern beim gemeinsamen Ansehen mit dem Nachwuchs ebenfalls gut unterhalten werden.

Wo Feuerwehrmann Sam draufsteht, ist Feuerwehrmann Sam drin. Das gilt auch für den neuen Film. Wie der Titel besagt, bekommen es die Bewohner von Pontypandy dieses Mal mit fliegenden Untertassen zu tun. Um den seltsamen Erscheinungen auf den Grund zu gehen, begibt sich der berühmte Weltraumdetektiv und Fernsehstar Buck Douglas (im Original passenderweise gesprochen von David Tennant) in das beschauliche Örtchen. Dessen Ankunft versetzt – angefangen bei Schlitzohr Norman Price bis zum gutherzigen und musikbegeisterten Feuerwehrmann Elvis Cridlington – endgültig die gesamte Bevölkerung in helle Aufregung. Einzig und allein Feuerwehrmann Sam Jones kann dem ganzen Trubel nichts abgewinnen und steht dem Neuankömmling kritisch gegenüber. Immerhin sorgt der mit wilden Geschichten dafür, dass er seine alienjagenden Mitbürger ständig aus brenzligen Situationen befreien muss.

Wer altersmäßig der sehr jungen Zielgruppe entwachsen ist, sollte sich Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische! dennoch mit Kinderaugen ansehen. Für diese ist der Film schließlich gemacht. Wenn ich lese, dass sich diverse Kritiker über den zugegebenermaßen sehr leicht durchschaubaren Plot, die kurze Spieldauer und die einfach gehaltenen Animationen mokieren, kann ich offen gestanden nur die Stirn runzeln. Um diese Dinge geht es dem eigentlichen Publikum nämlich keinesfalls. Ganz im Gegenteil wäre es meines Erachtens sogar kontraproduktiv, würde man hier plötzlich eine bombastische Special-Effects-Show abliefern, in der sich jeder Grashalm und jeder Zweig bewegt. Zu viel Gewusel, zu sehr verzweigte Handlungsstränge und zu viele Darsteller überfordern die Jüngsten leicht. Wer High-End-Animationen sehen will, der schaut sich die Werke von Pixar und Illumination Entertainment an, die jedoch allesamt – trotz Freigabe ohne Altersbeschränkung – eine nicht von der Hand zu weisende Komplexität besitzen, welche Kinder erst ab einem späteren Alter annähernd alle Details erfassen lässt.

60 Minuten sind absolut ausreichend, um eine unterhaltsame Geschichte zu präsentieren, die für Groß und Klein viele Momente zum Lachen und Mitfiebern bietet. Wann immer ich mich im Kinosaal umgehen habe, blickte ich ringsum in leuchtende Kinderaugen und konnte ich – inklusive unserem Sohn – jede Menge glühende Feuerwehrmann-Sam-Fans beobachten, die wild gestikulierend mitgefiebert haben, zu einer Story die – ungeachtet ihrer einfachen Struktur – aktueller kaum sein könnte. Mit dem Versuch der (endlich in einer 3D-Animationsversion zurückgekehrten) Pizzabäckerin Bella Lasagne gemeinsam mit Erfinder Joe Sparks, einen futuristischen Lieferservice in Pontypandy zu etablieren, der leckeres italienisches Essen per Flugdrohne beim Kunden abliefern soll, bekommt sogar Amazon einen geschickten Seitenhieb verpasst.

Das Wertvollste an Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische! ist, was neben den obligatorischen Sicherheitstipps vermittelt wird:

  • Glaubt nicht alles, was euch aufgetischt wird, selbst wenn es irgendwo schwarz auf weiß geschrieben steht.
  • Folgt nicht jedem (vermeintlichen) Hype, nur um dabei zu sein.
  • Bleibt kritisch und wachsam und scheut euch nicht, Dinge zu hinterfragen.
  • Hört auf euer Bauchgefühl.

In einer Zeit, in der sich Verschwörungstheoretiker, Aluhutträger, Selbstdarsteller und Fakenewsverbreiter lauthals in den sozialen Medien breit machen und dort eine beängstigend große Anhängerzahl um sich scharen, kann es meiner Meinung nach kaum bessere Botschaften für die kommende Generation geben.

Für uns war der erste Familienkinobesuch dank Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische! ein voller Erfolg. Nun warten wir gemeinsam sehnsüchtig auf die Veröffentlichung der Kaufversion zum Immer-wieder-Ansehen im Mai.

Gelbe Gemeinschaft

Sich um einen kleinen Menschen zu kümmern und ihm beim Aufwachsen zu helfen, ist nach wie vor die Aufgabe, welche die meiste Zeit meines Tages bestimmt. Sie verlangt mir einigen Einsatz ab und bereitet mir gleichzeitig unglaubliche Freude. Meine Hobbys müssen derweil weiterhin hintanstehen. Im Schrank stapeln sich die DVDs und Blu-rays und warten darauf, angesehen zu werden. Die Begeisterung für Filme und TV-Serien ist mir in den vergangenen Monaten freilich nicht abhanden gekommen. Umso schöner war es, als der Ehemann und ich unlängst endlich wieder einmal Zeit hatten, uns dieser gemeinsamen Passion hinzugeben. Gemeinsam geschaut haben wir Minions (Link zu IMDB), den mittlerweile dritten Film mit den niedlichen, gelben Superschurkenhelferlein.

Warum bei jedem der beiden Teile von Ich – Einfach unverbesserlich (Despicable Me, Link zu meiner Kritik des zweiten Teils) und nun auch bei den Minions im Vorhinein meine Erwartungen verhältnismäßig niedrig waren, kann ich nicht genau sagen. Jedes Mal war ich von den Trailern begeistert und gleichzeitig unsicher, ob man ein solch hohes Niveau an Gags und Sympathie über die gesamte Filmlänge würde halten können. Jedes Mal konnte mich das Team um Regisseur Pierre Coffin und Produzent Chris Meledandri eines Besseren belehren.

In Minions wird erstmals die Entstehungsgeschichte der pillenförmigen Lebewesen mit dem sonnengelben Gemüt und dem unstillbaren Hunger nach Bananen enthüllt. Von der Ursuppe an treibt die Minions die Suche nach dem ultimativen Superschurken, ihrem Big Boss, zu immer neuen Höchstleistungen. Aller Mühe zum Trotz steht der Stamm irgendwann im Laufe der Geschichte dennoch ohne Anführer da. Mit dem schlauen Kevin, dem musikalischen Stuart und dem kindlichen Bob brechen drei mutige Individualisten schließlich auf, um dieser Misere ein Ende zu bereiten. Auf ihrer Reise um die Welt müssen sie aberwitzige Abenteuer bestehen. Bis sie – wie der geneigte Fan aus den ersten beiden Filmen weiß – Gru (Steve Carell) treffen, ist es ein langer Weg.

Den besonderen Charme von Minions machen nicht alleine die allseits bekannten und unglaublich sympathischen Namensgeber aus. Jede einzelne der Figuren ist so perfekt unvollkommen und fehlerhaft, dass man sie – ganz unabhängig von ihrer Gesinnung – nur in Herz schließen kann. Wenn die Minions sich bei den fiesesten Fieslingen der Welt auf der streng geheimen Messe „Villain-Con“ bewerben, können sich nicht nur eingefleischte Comicfans und erfahrene Conventiongänger vor Lachen kaum mehr halten. Sei es die vom großen Ruhm träumende Superschurkin Scarlet Overkill (Sandra Bullock) oder ihr in vollkommender Ergebenheit förmlich zerfließender Ehemann Herb (Jon Hamm), jeder Charakter ist von der Pike auf durchdacht und mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

91 Minuten lang präsentiert Minions keine weichgespülte, heile Welt, sondern ist an Aktualität kaum zu übertreffen. Wer sich darauf einlässt, kann eine Menge Botschaften entdecken, die neben allem Spaß im Nachhinein durchaus zum Nachdenken anregen können. Man muss nämlich nicht immer die gleiche Sprache sprechen, um sich zu verständigen – respektive Banana sprechen, um die Minions zu verstehen. Was könnte unsere reale Welt davon profitieren, wenn wir dem Unbekannten so ungeniert und mutig gegenüberträten, wie Kevin, Stuart und Bob! Auch ist der Zusammenhalt der gelben Gemeinschaft innerhalb des gesamten Minion-Stammes einzigartig und absolut inspirierend. Nicht zu vergessen, dass so mancher (vermeintlicher oder tatsächlicher) Übeltäter auch in der Realität mehr Facetten als sein bedrohliches Äußeres und furchterregendes Gebaren hat und man sich bei Einschätzungen seines Gegenüber und dessen mögliche Fähigkeiten niemals nur auf ein (unscheinbares) Äußeres verlassen sollte. Dies sind nur ein paar Beispiele, wie man Minions ebenfalls betrachten kann.

Alles in allem kann ich kleinen und großen Animationsfans diesen in jeder Hinsicht wunderbar gemachten Film nur empfehlen. Jüngere Zuschauer können gewiss nicht jede Anspielung aus Popkultur und Zeitgeschichte erkennen, sich aber trotzdem an genug Slapstick-Einlagen erfreuen. Für mich persönlich hat sich die Anschaffung der Blu-ray (Link zur produktweite auf Amazon.de) absolut gelohnt. Preis, Qualität und Extras stimmen und um alle Feinheiten zu Entdecken, sollte man sich Minions auf jeden Fall mehr als ein Mal ansehen.

Verbranntes Potenzial

Es ist schon eine Weile her, da berichtete ich über Burn Notice und darüber, warum mir diese TV-Serie so gut gefällt (Link zu meinem Artikel aus dem Jahr 2012). Inzwischen wurde die Geschichte um den von der CIA unehrenhaft aus dem Dienst entlassenen Agenten Michael Westen und sein schlagfertiges Team zu Ende erzählt. Nachdem sich der Tagesrhythmus unserer kleinen Familie vorerst eingependelt zu haben scheint, haben der Ehemann und ich in den vergangenen Wochen wieder etwas mehr Zeit für gemütliche abendliche Stunden und zum DVD-Schauen gefunden. Immerhin haben wir einiges aufzuholen. Jüngst sahen wir uns also die siebte und letzte Staffel von Burn Notice an.

Ein über mehr als 100 Folgen gewachsenes Konstrukt zu einem Serienende zu führen, das sich sowohl zeitlich als auch storytechnisch nahtlos an alle vorherigen Handlungsstränge anfügt und einen tatsächlichen Schlusspunkt setzt, ist für alle Beteiligten sicherlich immer schwierig. Dass dies kein unmögliches Unterfangen ist, beweisen konsequent zum Ziel geführte Konkurrenzproduktionen wie Breaking Bad und The Wire. Leider kann sich Burn Notice nicht in die Riege der in meinen Augen von A bis Z gelungenen TV-Serien einreihen. Zu stark fällt Staffel 7 qualitativ im Vergleich zu ihren Vorgängern ab. Zu konstruiert, lückenhaft und gehetzt wirkt Michael Westens letzte Mission, zu pseudo-dramatisch und gewollt die finale Folge. In Anbetracht der Tatsache, dass ich noch bis zum Ende der sechsten Staffel erstaunlich wenig zu beanstanden hatte, empfinde ich dies als äußerst bedauerlich.

Im Folgenden gehe ich noch etwas genauer auf die Geschehnisse des finalen Agentenabenteuers ein. Deshalb ergeht an dieser Stelle eine

!!! SPOILERWARNUNG !!!

Dass es in den Reihen der Geheimorganisationen hinter jedem Hintermann einen weiteren und noch gefährlicheren Gegner gibt, haben Fans im Verlauf von sechs Staffeln Burn Notice gelernt. Warum also mussten die Macher ausgerechnet zum Schluss noch einmal ein komplett neues Fass aufmachen? Entgegen allen lieb gewonnenen Regeln der Serie wird Michael Westen (Jeffrey Donovan) von der CIA auf eine langwierige Undercover-Mission geschickt. Seinen alten Job, den er so gerne zurück haben wollte, übt er dabei nicht freiwillig aus, sondern gezwungenermaßen. Sollte Michael versagen, drohen seinen Freunden und sogar seiner Mutter (Sharon Gless) lebenslange Gefängnisstrafen. Daher folgt der Superagent brav seinen Befehlen und infiltriert eine brandgefährliche Allianz von ehemaligen Agenten, die allerdings nicht mit üblichen Motiven aufwartet, sondern ihrerseits dort eingreift, wo die Justiz versagt. Dies bringt ihn, der die ganze Zeit über ähnlichen Leitgedanken folgte, in Gewissenskonflikte. Hinweise auf die große und unglaublich gut organisierte Gruppe gab es in der gesamten Serie zuvor keine. Dabei hätte einem übermächtigen und mit schier endlosen Mitteln ausgestatteten Netzwerk das Tun des in Miami gestrandeten Agenten schon lange auffallen müssen – und umgekehrt.

Kleinere Aufträge gibt es für Herrn Westen nur in Verbindung mit seiner großen Aufgabe. Zwar involviert er hier und da Sam Axe (Bruce Campbell), Fiona Glenanne (Gabrielle Anwar) und Jesse Porter (Coby Bell), die jedoch gleich einen ganzen Haufen eigener Probleme wälzen. Das Zusammenspiel der Charaktere verliert durch diesen schweren Ballast extrem an jener der Serie so eigenen Leichtigkeit.

Generell ist plötzlich nichts mehr wie es vorher war. Von sämtlichen bewährten Prinzipien wird systematisch abgewichen. In gleichem Umfang wie der Joghurtkonsum der Protagonisten schwindet auch deren Spaß an der Teamarbeit. Verwunderlich ist das nicht, büßt Michael Westen doch plötzlich ein großes Maß seiner Zielstrebigkeit ein und wird als leicht beeinflussbar und wechselhaft dargestellt – zwei Eigenschaften, die dem sonst so cleveren Helden überhaupt nicht liegen. Alles gipfelt in einem Finale, das zwar mit einigen liebevollen Anspielungen aufwarten kann und vom Prinzip her einen für mich – bis auf das Opfer von Madeline Westen – annehmbaren Ausklang präsentiert, aber in mehrfacher Hinsicht an allen Ecken und Enden zusammengeschustert und überfrachtet wirkt.

Als Totalausfall kann ich Burn Notice trotz allem auf keinen Fall einstufen. Einschließlich Staffel 6 gilt meine Empfehlung weiterhin ohne Einschränkungen. Es geht mir nur ähnlich wie bei Dexter: ich wittere eine Menge verbranntes Potenzial und komme nicht umhin, mir bessere Finalszenarien auszumalen.

Pausen für kleine Füße

Vor einigen Wochen, am 08. November 2014, war ein besonderer Tag. Genau ein Jahr zuvor begrüßte ich meinen von der Arbeit nach Hause kommenden Ehemann mit einem breiten Grinsen von einem Ohr zum anderen und den Worten „Wir bekommen Füße!“. Lange zuvor hatten wir uns schon gewünscht, dass kleine Babyfüße den Weg in unser gemeinsames Leben finden und unsere kleine Familie vervollständigen mögen. An jenem Datum war der Schwangerschaftstest dann endlich positiv.

Kleine FüsseInzwischen sind diese süßen Füße, mitsamt dem wunderbaren kleinen Minimenschen daran, bei uns eingezogen und machen uns zu tagtäglich glücklichen Eltern. Das wohl Witzigste ist, dass an besagtem Datum unser Sohn genau vier Monate auf der Welt war.

Dass jeder Mensch als Individuum geboren wird, das schärfte uns unsere äußerst kompetente und liebe Hebamme gleich nach der Geburt ein. Rasch habe ich erkannt, wie recht sie mit dieser Aussage hatte. Kein Baby ist wie das andere und es ist extrem wichtig für Eltern, die Bedürfnisse ihres schutzbefohlenen Erdenbürgers zu erkennen und ihnen bestmöglich nachzukommen. Unser Sohn hat einen extrem ruhigen Charakter. Hektik und Stress liegen ihm überhaupt nicht. Erstaunlicherweise stimmt vieles, was in seinem Babyhoroskop steht – selbst wenn man den Sternen nicht allzu viel Bedeutung beimisst (Link zur Babyhoroskop-Webseite von BabyCenter). Prinzipiell ist er ausgesprochen pflegeleicht und macht alles mit – von gelegentlichen Wachstums- und Entwicklungsschüben, die ganz normal sind und besonders anstrengende Zeiten mit viel Gequengel, allgemeiner Unlust sowie Unbehagen mit sich bringen, einmal abgesehen. Er freut sich über Ausflüge und darüber, mit mir zum Yoga (Rückbildungsyoga mit Baby) zu gehen. Allerdings genießt er anschließend jedes Mal spürbar eine Verschnaufpause zuhause, die ich ihm nur zu gerne gewähre.

Trotz des Ruhebedürfnisses was seine Umwelt anbelangt, stehen die Füße unseres Sohnes tagsüber nur selten still. Während seiner mittlerweile 20 Wochen außerhalb meines Bauchs hat er schnell begriffen, was es mit dem Wechsel zwischen Tag und Nacht auf sich hat und dass, solange die Sonne draußen für Helligkeit sorgt, alles viel zu interessant ist, um möglicherweise etwas zu verschlafen. Daher haben die Nickerchen zwischendurch rasant abgenommen und werden momentan nur noch in absoluten Notfällen gemacht, also wenn er die Augen gar nicht mehr aufhalten kann. Das führt dazu, dass er für gewöhnlich den ganzen Tag wach ist und ich entsprechend dauerbeschäftigt mit seiner Unterhaltung bin. Teilweise genügt es ihm, mich in seiner Babywippe sitzend oder auf einer Krabbeldecke liegend zu beobachten, wenn ich normalen Tätigkeiten im Haushalt nachgehe. So kann ich glücklicherweise zwischendurch ein paar Sachen erledigen. Hauptsache es passiert irgendetwas. Immerhin schläft der Sohnemann dafür des Nachts umso besser. 8 bis 10 Stunden Schlaf am Stück sind derzeit die Regel. Er schätzt sein Bett, seine gemütlichen Schlafsäcke und das abendliche Einschlafritual sehr.

Selbstverständlich kann und wird sich das alles wieder ändern, aber durch die actionreichen Tage pausiert gegenwärtig vieles in meinem Leben, was etwas mehr Zurückgezogenheit und Ausdauer bedarf, so zum Beispiel das Schreiben und das Konsolenspielen. Abends bin ich dazu meistens zu müde. Darüber hinaus muss man sich als Eltern stets ein wenig Zweisamkeit am Tag bewahren. Folglich passiert auch auf diesem Blog derzeit weniger als gewohnt.
Ich liebe meine Aufgaben als Mama und vermisse nichts. Morgens gibt es nichts Schöneres, als an das Babybettchen zu treten, in dem der Nachwuchs jeden Tag ganz entspannt mit langsamem Aufwachen beginnt und mit einem Ausdruck purer, echter Freude angelächelt zu werden. Mit ihm Zeit zu verbringen und zu spielen, bereitet mir allergrößte Freude. Ohne Zweifel kommt mein Sohn für mich immer an erster Stelle. Pausen für kleine Füße lege ich deshalb gerne und ohne Zögern ein.

Schließlich möchte ich nichts verpassen, in dieser Zeit, in der die Entwicklung so schnell voranschreitet und es für uns Eltern so viel zu lernen gibt. Es ist faszinierend, zu sehen, wie ausgeprägt bestimmte Vorlieben bereits in einem solch zarten Babyalter sein können. Besonders gut kann man dies bei Musik erkennen. In den ersten Wochen hörte unser Sohn am liebsten Entspannungsmusik mit Naturgeräuschen. Mittlerweile hat er seinen Geschmack erweitert. Unlängst suchte er sich das neue Album V von Maroon 5 (Link zum Album auf iTunes) als Untermalung für seinen Mittagsschlaf aus – sofern er denn gelegentlich einen solchen hält, beziehungsweise sich auf meinem Arm dazu überzeugen lässt, die Augen für circa 30 Minuten zu schließen. Ich bezeichne den Vorgang hier ausdrücklich als Aussuchen, denn als ich diese Musik zufällig hörte, entspannte er sich sofort und lauschte besonders intensiv. Meine Mutter erzählte mir oft, dass ich im gleichen Alter und lange darüber hinaus nur zu den Klängen von James Last eingeschlummert bin und diese Musik ebenfalls selbständig durch entsprechende Reaktionen gewählt hatte.

Wir alle sind eben glücklicherweise doch nie vollständig durch äußere Einflüsse formbar und kommen mit einem in mehrfacher Hinsicht ganz eigenen Kopf auf die Welt.

Nackte Tatsachen

Datingshows sind der große Renner im TV-Programm. Ihre Popularität reißt nicht ab und die Fantasie der Macher treibt immer neue Blüten. Nachdem Single-Frauen und -Männer bereits auf alle erdenklichen Arten um mögliche Partner vor laufenden Kameras geworben und sich rudelweise gut gekleidet um deren Gunst gestritten haben, lässt man bei RTL jetzt neuerdings die Hüllen fallen. Bei Adam sucht Eva – Gestrandet im Paradies (Link zur Beschreibung der Sendung auf rtl.de) wird ab sofort nackt gedatet, und die Presse springt voll darauf an. Zu kaum einer anderen Show habe ich in letzter Zeit mehr Meldungen in den sozialen Netzwerken gesehen. Dabei frage ich mich ernsthaft, warum das Interesse an nackten Tatsachen nach wie vor derart groß ist. Schaut man sich in den Innenstädten mit ihren großen Plakatwänden um, oder blättert durch diverse Modemagazine, wird auf vielen Anzeigen ohnehin fast nur noch das Nötigste bedeckt. Unbekleidete Menschen sollten daher keine derart ausufernden Reaktionen in der Öffentlichkeit mehr hervorrufen.

So freizügig und abgebrüht wie man sich in Deutschland gerne gibt, sind die meisten Menschen letzten Endes aber leider doch nicht. Im Heimatland der Freikörperkultur, in dem man nur zu gerne über die Bewohner Amerikas lächelt, wenn sie sich à la Nipplegate (Link zu Wikipedia) wieder einmal an einer entblößten Brust stören, ist man bei einem Thema geistig doch nicht wesentlich fortschrittlicher: dem Stillen in der Öffentlichkeit. Einen wunderbaren Beitrag, der die Brisanz des Themas auf satirische Weise behandelt, schrieb Bunmi Laditan jüngst auf huffingtonpost.de (Link zum Artikel).

Als frischgebackene Mutter kann ich angesichts der Tatsache, dass stillende Frauen in Cafés, Restaurants, in Parks oder in Einkaufszentren noch immer von vielen Vorbeigehenden seltsam von der Seite angesehen werden, nur den Kopf schütteln. Erstaunlicherweise wurde ich sogar im mit Frauen gefüllten Wartezimmer meiner Gynäkologin von einigen davon beim Stillen skeptisch betrachtet. Es ist doch nicht so, dass Mütter, die ihre Kinder auf diese Weise ernähren, exhibitionistisch und zum Ziel der Provokation bei jeder sich bietenden Gelegenheit fröhlich ihre Brüste entblößen. Frauen sollte es selbst überlassen sein, wie sie ihr Baby füttern – ganz davon abgesehen, dass es aufgrund von körperlichen Gegebenheiten nicht für jede eine Selbstverständlichkeit ist, überhaupt stillen zu können. Zu allem Überfluss ist es nicht nur in anderen Ländern, sondern auch in Deutschland möglich, dass Geschäftsinhaber von ihrem Hausrecht gebrauch machen und das Stillen in ihren Räumlichkeiten untersagen. Vorkommen soll dies erschreckenderweise noch immer des Öfteren.

Warum also gibt es kein Recht darauf, zu stillen wo man möchte? Viele Geschäfte gehen glücklicherweise bereits mit gutem Beispiel voran und bieten sehr schöne und gut ausgestattete Wickel- und Stillgelegenheiten an. Zum Austausch zwischen Müttern dazu, wo sich diese genau befinden, gibt es entsprechende Apps, wie BabyPlaces (Link zur Homepage). In meinen Augen wäre es dennoch zu begrüßen, wenn man die Querulanten per Gesetz ins Gebet nähme und sich nicht alleine auf die Netzgemeinde verließe. Denn wenn niemand mehr etwas dagegen sagen dürfte, wäre dies dem Sich-Einstellen einer Normalität bei diesem Thema sehr zuträglich. Wie schön wäre es, würden stillende Frauen grundsätzlich so beachtet werden, wie früher an der Universität der stadtbekannte Exhibitionist, der auf der Suche nach Aufmerksamkeit hin und wieder splitternackt durch das Audimax flitzte: nämlich gar nicht. Außerdem: Wer sich auf RTL Nackte beim unbeholfenen Anbandeln ansieht, der sollte nichts gegen eine möglicherweise kurz an der frischen Luft aufblitzende Brust haben, die zuerst ratzfatz hinter einem kleinen Köpfchen und danach wieder im BH verschwindet.

Ich persönlich möchte es jedenfalls nicht erleben müssen, aus einem Restaurant geworfen zu werden, nur weil ich meinem hungrigen Sohn seine Mahlzeit nicht verwehren will. Am liebsten stille ich in den eigenen vier Wänden. Das versteht sich von selbst. Allerdings möchte ich – gemeinsam mit meinem Baby – zugleich am öffentlichen Leben teilnehmen können, und zwar ohne mir Gedanken darüber machen zu müssen, was passieren könnte, wenn den Nachwuchs auf einem Ausflug unerwartet Heißhunger überkommt.

Information und Perfektion

Noch wird das familiäre Abendprogramm dank unserem gerade sechs Wochen alten Sohn täglich neu durcheinander gewirbelt. Zeit für DVDs haben wir seit der Geburt keine gefunden. Meistens ist es die Müdigkeit, die den Ehemann und mich am Ende des Tages zusammengesunken auf dem Sofa nur noch kurz durchs Fernsehprogramm schalten lässt. Bei einem dieser Durchgänge sind wir gestern Abend zeitweise bei der Sendung Odysso im SWR hängengeblieben. Die Folge hieß Der Traum vom perfekten Kind (Link zur Unterseite der Sendung auf swr.de) und behandelte Chancen und Risiken der Pränataldiagnostik.

Auch wir haben während meiner Schwangerschaft eine Nackenfaltenmessung sowie eine eingehende Untersuchung des mütterlichen Blutes machen lassen. Ausschlaggebend dafür, dass wir uns für diese für das Baby ungefährlichen Tests entschieden haben, waren Behinderungen in der weiteren Verwandtschaft meines Mannes. Die Chancen, Risiken und Probleme von derlei Analysen und ihren Ergebnissen behandelte die empfehlenswerte Sendung, die man in der Mediathek des SWR (Link zu Odysso in der SWR-Mediathek) sicher in Kürze ansehen kann, ausführlich und nahezu erschöpfend. Letztendlich müssen Eltern allesamt für sich und im Einzelfall entscheiden, ob sie derartige Untersuchungen durchführen lassen wollen. Immerhin sind diese nicht gerade günstig und müssen selbst gezahlt werden. Viel wichtiger noch: Die Entscheidungsverantwortung – und das ist mitunter eine große – liegt am Ende bei ihnen allein, wenngleich man stets bedenken sollte, dass das Ergebnis (noch) nicht in einem abschließenden Urteil, sondern lediglich in einer Wahrscheinlichkeitsberechnung besteht. In unserem Fall ist jenes bestmöglich ausgefallen, wofür ich nach wie vor unendlich dankbar bin.

Was uns beim Zuschauen im Fernsehen auffiel, war das korrekte und besonnene Handeln der Ärzte in unserem Fall. Sowohl bei meiner Gynäkologin, als auch bei dem Kollegen, der den speziellen 3D-Ultraschall zur Nackenfaltenmessung durchgeführt hat, sind wir ausführlich beraten und über die derzeit doch immer noch mit Vorsicht zu genießende Aussagekraft der Methoden aufgeklärt worden. Beide forschten mehrfach nach, ob wir mit dem Ergebnis – egal wie dieses ausfallen mochte – umgehen können und nichts überstürzen würden. Ein solches Verhalten ist unglaublich viel wert und nicht selbstverständlich. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Ärzte die bloßen Zusatzeinnahmen sehen, die Eltern zur Entscheidungsfindung lediglich mit Broschüren ausstatten und das Ergebnis am Ende knapp verkünden, statt es in Ruhe samt aller Möglichkeiten zum weiteren Vorgehen zu besprechen. Verunsicherte Eltern und Überreaktionen sind dann fraglos vorprogrammiert.

Zu oft habe ich in meinem Leben schlechte Erfahrungen mit Medizinern gemacht. Allen voran mit meinem Kinderarzt, der sich bei dem Kontakt mit mir stets auf die Behandlung beschränkt hat. Gesprochen hat er nur mit meinen Eltern. Auf Fragen und Wünsche meinerseits ist damals in keinster Weise eingegangen worden, weshalb ich mich bei den Untersuchungen stets ausgeliefert und machtlos gefühlt habe. In Kombination mit weiteren Vorfällen und einer ausgeprägten Phobie vor Nadeln entwickelte ich eine regelrechte Panik vor Weißkitteln. Beispielsweise gab es Ärzte, die entschieden haben, dass es für mich im Grundschulalter besser war, meinen an einem Herzinfarkt erkrankten und auf der Intensivstation liegenden Vater nicht zu besuchen. Dabei ging es nicht um eine Infektionsgefahr, sondern nur darum, dass ich die Schläuche und Maschinen nicht sehen sollte, an die er angeschlossen war. Niemand dachte daran, dass es für mich viel schlimmer war, vor der Türe warten zu müssen und nichts zu sehen, als meinem Vater in einer ungewohnten und auf den ersten Blick seltsamen Umgebung nahe sein und mich von seiner langsamen Genesung überzeugen zu können.

Durch den natürlichen Fluchtreflex bei Angst schnellt mein Blutdruck bis heute in jeder Praxis sofort in die Höhe. Dagegen tun kann ich nichts. Ich kann lediglich damit leben. Wegen dem weit verbreiteten Unverständnis für diese Reaktion, musste ich mir bereits mehrfach neue Ärzte suchen. Was zählt, ist gegenseitiges Vertrauen. Dabei gehe ich mittlerweile ganz offen mit meinem Problem um und habe mich zu einer mündigen Patientin entwickelt, die notfalls so lange nachfragt, bis ihr alle nötigen Auskünfte vorliegen. Viel wichtiger, als der bei Odysso propagierte Wunsch durch Information Perfektion herstellen zu können, ist es für mich nämlich zu jeder Zeit perfekt informiert zu sein und auf Basis dessen ganz individuell und höchstpersönlich die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Das optimale Maß an Information ist dabei in meinen Augen nicht immer gleich der Fülle aller noch so kleinen Details. Ich bin der Überzeugung, dass man überinformiert werden kann. So erging es mir bei einem Ultraschalltermin während der Schwangerschaft, bei dem festgestellt wurde, dass der Bauchumfang des Babys etwas größer als der Durchschnitt, aber trotzdem noch innerhalb der Perzentilenkurven war. Zweifellos ist es sinnvoll über eine alle Entwicklungen informiert zu sein. Allerdings ergoss meine Frauenärztin eifrig einen regelrechten Schwall an möglichen Diagnosen über mich, die man hätte treffen können, wenn dieser Zustand sich nicht geändert hätte – nur um alles beim nächsten Termin wieder zu relativieren. Die Verunsicherung meinerseits war entsprechend groß, obwohl ich mich innerlich stur weigerte, zu viel in etwas hineinzuinterpretieren, das sich doch im Normbereich bewegte. Letzten Endes – und genau so traf es zu – sind wir Menschen so verschieden und keiner von uns entwickelt sich gleich. Das gilt innerhalb und außerhalb des warmen Mutterbauchs. Meiner Meinung nach tritt Überinformation heutzutage immer häufiger auf. Von den absolut sinnvollen Fortschritten in der Medizin, den vielen beeindruckenden Möglichkeiten zur Diagnose und den unzähligen Wegen entsprechend früh zu reagieren und vorbeugend zu handeln abgesehen, gibt es von jeher Fälle, in denen weniger mehr ist.

Es kommt also auf die Situation und auf das Individuum an, welche Informationen wirklich benötigt werden und welche überflüssig sind, vor allem in Hinsicht auf medizinische Belange. Als Mutter werde ich darauf achten, dass mein Sohn was ihn betrifft immer gut informiert ist und ausschließlich von verständnisvollen Ärzten behandelt wird, die auf ihn eingehen – egal wie klein er ist – die ihn gewissenhaft beraten und die ein Gespür für den sinnvollen Umgang mit den ihnen vorliegenden Informationen haben. Aus Erfahrung weiß ich inzwischen, dass es solche gibt. Darüber hinaus rufe ich mir eine Tatsache immer wieder aufs Neue ins Gedächtnis: Kinder nehmen grundsätzlich mehr wahr als man denkt.

Das Juwel des Hauses

Hand

„Das Juwel des Himmels ist die Sonne, das Juwel des Hauses ist das Kind.“

So besagt ein chinesisches Sprichwort, dem ich nach den ersten vier Wochen als Mutter nur heftigst nickend zustimmen kann. An dieser neuen Aufgabe täglich wachsend wurde mein Leben durch meinen Sohn von der ersten Sekunde an unglaublich bereichert.

Im Vorhinein erahnen, was da genau auf mich zukommt, konnte ich nicht. Es gab sogar Zeiten in meinem Leben, da konnte ich mir nicht einmal vorstellen, ein eigenes Kind zu bekommen. Zeiten ändern sich bekanntlich, und im Laufe der Jahre ist vieles passiert, was mich hinsichtlich dieses Wunsches positiv beeinflusst hat – darunter schöne und weniger schöne Dinge. Schon tausendmal gehört, aber deshalb nicht weniger wahr: Stress hat auf ein solches Vorhaben keine förderliche Wirkung. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich in einer Phase des Umbruchs, in der sich allerhand zum Positiven gewendet hat, endlich schwanger wurde.

In den fast 40 Wochen, in denen ein neuer Erdenbürger in meinem Bauch heranreifte, fühlte ich mich prima. Von Beschwerden blieb ich weitgehend verschont. Bis auf gesteigerte Geruchsempfindlichkeit in der Anfangszeit, was bei meiner ohnehin schon sensiblen Nase in diversen Wegwerfaktionen von Kühlschrankinhalten resultierte, konnte ich keine über das Normalmaß hinausgehenden Wehwehchen verzeichnen – von einem meinem Perfektionismus geschuldeten, extrem ausgeprägten Nestbautrieb ganz abgesehen. Mit gelegentlich auftretendem Sodbrennen, hitzebedingten Wassereinlagerungen, mit dem Bauchumfang steigender Kurzatmigkeit und ähnlichem arrangierte ich mich. Beschweren wollte ich mich über diese normalen Veränderungen nie. Generell überwog stets die Vorfreude auf den kleinen Mitbewohner und ließ mich alle Ängste hintanstellen.

So viel wird heute über Schwangerschaft informiert, geschrieben und diskutiert, dass meiner Meinung nach sehr oft mehr Hysterie denn rationales Interesse beteiligt ist. Dem Internet und seinen sozialen Diskussionsplattformen sei Dank kann sich jeder allerorten als Experte aufführen, und die wirklichen Experten müssen mit entsprechender Mehrinformation dagegen halten, um Ihren Status zu verteidigen. Mir war stets klar, dass es Risiken gibt. Dennoch weigerte ich mich, mir ohne Anzeichen für Probleme den Kopf über diese zu zerbrechen. Dafür war mir die Zeit der Schwangerschaft zu kurz und zu kostbar. Teilweise fühlte ich mich regelrecht überinformiert, obwohl ich mich von Diskurs und Erfahrungsaustausch fernhielt. Gegen einen dieser im Volksmund salopp als „Hechelkurs“ titulierten Geburtsvorbereitungskurse entschied ich mich bewusst. Stattdessen ertüchtigte ich mich beim Yoga für Schwangere, bei dem ich in aller Ruhe Atemtechniken und andere Entspannungsübungen lernte.

Wie meine Hebamme sagte: „Wir kommen alle schon als Individuen auf die Welt.“ Darum sei keine Geburt wie die andere. Aus diesem Grund solle jede Frau am besten auf ihr Bauchgefühl hören und am Ende für sich entscheiden, wie sie sich auf dieses Ereignis vorbereitet. An diesen weisen Rat hielt ich mich und habe meinen Sohn schließlich spontan, relativ schnell, ohne PDA und mit Unterstützung durch homöopathische Medikamenten geboren. Über Sinn und Unsinn der Homöopathie will ich an dieser Stelle keine Debatte vom Zaun brechen. Ich persönlich habe bisher nur positive Erfahrungen damit gemacht, wenngleich ich von Natur aus sehr skeptisch bin. Außer Frage steht für mich hingegen die Wichtigkeit der Betreuung durch eine erfahrene Hebamme. Angesichts der aktuellen Kontroverse um deren Versicherung bleibt nur zu hoffen, dass diese Herausforderung nachhaltig gelöst wird. Ich hatte das Glück, eine der letzten Beleghebammen zu ergattern und empfinde einen durchgehenden Service für vor, während und nach der Geburt nach wie vor als die bestmögliche Variante. Was die Atemübungen anbelangt, scheint mir alles Training im Ernstfall sowieso größtenteils hinfällig und die Anleitung durch Menschen vor Ort viel wichtiger.

Illusionen machte ich mir zu keinem Zeitpunkt. Dass eine Geburt am Ende kein Spaziergang, sondern eine naturgewaltige Angelegenheit ist, war mir bewusst. Angesichts meiner durchaus nicht schmerzfreien Erfahrungen kann ich sagen, dass ich die meisten Horrorgeschichten über Wehen, Skalpell, Saugglocke, etc., denen ich mich trotz stoischer Ignoranz nicht entziehen konnte, zumindest in meinem Fall für übertrieben halte. Entgegen der landläufigen Meinung vergisst man zwar nicht, jedoch wiegt das wunderbare Endergebnis einfach alles auf. So konnte ich auf die vorsichtige Nachfrage meiner Hebamme, ob ich über die Geburt und darüber, dass es entgegen meines anfänglichen Wunschs doch keine Wannengeburt geworden ist, enttäuscht sei, mit einem klaren „Nein!“ antworten. Laut ihr gibt es etliche Frauen, deren romantische Vorstellungen und detailliert ausgearbeitete Geburtspläne bei Abweichungen von der Realität im Nachhinein zu großer Frustration führen. Dieses Aufmichzukommenlassen und das Herangehen mit gesundem Menschenverstand hat sich für mich eindeutig bewährt. Realitätsferne liegt mir einfach nicht.

Nun ist also alles neu, und obschon ich in diesen Wochen keine Abenteuer im Kino erlebe – weder mit den Transformers, noch den Guardians of the Galaxy oder Caesar und seiner Affenbande – ist mein Leben abenteuerlich genug. Immerhin bin ich für einen kleinen Menschen und dessen Wohlergehen verantwortlich und könnte mir keine bessere und erfüllendere Beschäftigung vorstellen. Das bedeutet gleichwohl nicht, dass mein Interesse an Filmen und TV-Serien gesunken ist. Wofür gibt es schließlich DVD und Blu-ray. Der erste Familienausflug in die Stadt führte mich bereits zum Comicshop, und auch das Videospielen werde ich nie sein lassen. Ich bin nach wie vor die Alte, selbst wenn ich mich nicht nur körperlich verändert fühle. Veränderungen gehören nun mal zum Leben. Das sehe ich an meinem Sohn, der jeden Tag völlig neue Erfahrungen für mich parat hält. In diesem Sinne blicke ich gespannt in die Zukunft und darauf, was mich in meiner neuen Funktion als Mama noch alles erwartet.