Schlagwort-Archive: Ryan Gosling

Wo Zorn und Rache heiraten …

… da wird die Grausamkeit geboren. Dieses russische Sprichwort enthält viel Wahrheit und kann stellvertretend für das Grundthema von Nicolas Winding Refns neuem Filmkunstwerk Only God Forgives stehen. Der dänische Autor und Regisseur gehört für mich zweifelsfrei zu den talentiertesten Personen im aktuellen Filmgeschäft. Sein letztes Werk, Drive (Link zu IMDB), erhielt verdientermaßen viele Nominierungen und Auszeichnungen und frenetischen Beifall von Seiten der Kritiker. Ganz im Gegensatz dazu spaltete Only God Forgives schon bei seiner ersten Aufführung bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes die Zuschauer. Die einen jubelten, andere äußerten sich gar in Form von Buhrufen. Mich machten die geteilten Meinungen nur noch neugieriger und so habe ich keine Mühen gescheut, um mir Only God Forgives schon am Startwochenende anzusehen. Angesichts der Masse an bereits angelaufenen und noch bevorstehenden Sommerblockbustern war es gar nicht so einfach, ein Kino zu finden, das dieses Arthouse-Meisterwerk in sein Programm aufgenommen hatte. So unternahm ich also einen Ausflug nach Offenbach, der sich lohnte.

In Only God Forgives erzählt Nicolas Winding Refn die Geschichte des Drogendealers, Julian Thompson, der mit seinem Bruder Billy einen Fight Club in Bangkok besitzt. Dieser dient gleichzeitig als Fasade für ihre Geschäfte. Billy ist ein extrem gewalttätiger und triebgesteuerter Charakter. Eines Nachts vergewaltigt und tötet er auf abscheuliche Weise eine minderjährige Prostituierte. Seine Rechnung hat er dabei ohne den nicht minder gewaltbereiten Polizeichef Chang gemacht, der dem Vater des Mädchens kurzerhand erlaubt, Billy für seine Tat zu bestrafen und zu töten. Der Tod seines Bruders ruft Julians herrschsüchtige Mutter Cystal auf den Plan, die nach blutiger Rache sinnt. Es entbrennt eine Spirale der Gewalt, in deren Verlauf Julian die Bedeutung des eingangs genannten Sprichwortes nur allzu klar wird.

Only God Forgives ist ein schwerer und brutaler Rachethriller. Zartbesaitete Gemüter sollten definitiv Abstand nehmen. Auch wer eine Fortsetzung von oder etwas Ähnliches wie „Drive“ erwartet, wird enttäuscht werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass derartige Enttäuschungen für die Schmährufe in Cannes verantwortlich waren. Wer allerdings bereit ist, sich auf einen Film einzulassen, der seine Geschichte schonungslos erzählt und in visuell grandiosen aber expliziten Bildern malt, der erlebt intensives Autorenkino der Extraklasse.

Nicolas Winding Refn versteht es wie kaum ein anderer Bild und Ton zu einer untrennbaren Einheit zu verbinden, deren Wucht den Zuschauer in den Kinosessel drückt, selbst wenn der Klang bisweilen zart daherkommt und wenige Worte fallen. Seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Komponist Cliff Martinez setzt er fort. Der Autor und Regisseur erzählt seine düstere Story kompromisslos. Er setzt das um, was sich in seinem Kopf formt und hat auf Nachfrage von Journalisten schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass er sich nicht verbiegen lässt. Die Widmung für Alejandro Jodorowksy am Ende des Films bekräftigt diese Aussage. Gerade deswegen bewundere ich ihn: Es ist ihm egal, ob seine Filme massentauglich sind. Only God Forgives ist das sicherlich nicht, aber eben deshalb für jeden, der bereit ist, sich der Materie ohne Vorurteile und ohne bestimmte Erwartungen zu nähern, ein absolut fesselndes Erlebnis.

Aktuelles Geschehen verschmilzt mit Ausblicken auf unvermeidbare Konsequenzen und mit Visionen der Charaktere. Wenn Julian von den Ereignissen in einen Irrgarten aus Entscheidungen und Gewalt getrieben wird, folgt ihm die Kamera vorsichtig durch bedrohlich wirkende Gänge. Er, der sich in seinem Leben die Rolle des Zuschauers zu Eigen gemacht hat, wird manipuliert und gedrängt, bis er verzweifelt dem Weg folgt, auf den andere ihn zerren. Nicolas Winding Refns Version der Unterwelt von Bangkok ist trotz leuchtendem Farbspiel düster und trotz der Schönheit vieler Aufnahmen hässlich. Ich möchte an dieser Stelle absichtlich nicht zu viele Details verraten, denn ich bin der festen Überzeugung, dass der Film seine Wirkung nur dann komplett entfalten kann, wenn man nicht zu viel weiß. Only God Forgives ist in meinen Augen ein vielschichtiges Meisterwerk, das gerade durch seine im Gegensatz zu „normalen“ Thrillern lose Erzählstruktur überzeugt. Der Macher lässt seine Zuschauer am Ende mit mehr Fragen als Antworten zurück und verlangt ihnen dadurch quasi Mitarbeit im Geiste ab. Welche Denkansätze der Einzelne für sich am Ende verfolgt, wie er vieles von dem Gesehenen interpretiert, bleibt jedem selbst überlassen. Es gibt kein Richtig. Es gibt kein Falsch.

Der Film lebt nicht allein durch die Machart. Nicolas Winding Refn hat ein einzigartiges Gespür dafür, seine Darsteller zu Höchstleistungen zu treiben, sie ganz ihren individuellen Fähigkeiten nach in das Gesamtkonzept einzubauen. Ryan Gosling beweist in der Rolle des Julian erneut sein außergewöhnliches Talent, mit minimalen Mitteln maximale Ausdrucksstärke zu transportieren. Man muss seine Mimik sehr genau beobachten, denn nur wenn man das tut, wird einem die Genialität des Dargebotenen bewusst. Kein anderer Schauspieler kann innere Konflikte kongenial darstellen, von denen Julian einige auszufechten hat. Die eiskalte Mutter wird überzeugend und eindringlich verkörpert von Kristin Scott Thomas, die unter der Hand des Regisseurs zu Bestform aufläuft. Dank ihr wirkt die absolut unmütterliche und manipulative Crystal, die mehr einem Dämon denn einer Bezugsperson in Julians Leben gleicht, trotz aller Härte glaubwürdig und nicht aufgesetzt, was bei einem solchen Charakter eine wirklich große schauspielerische Leistung ist. Tom Burke hat als Billy nur einen relativ kurzen Auftritt, schafft es aber selbst in der kurzen Zeit die Abgründe von Julians Bruder aufzuzeigen. Über allem schwebt Vithaya Pansringarm als Racheengel Chang, der seine ganz eigenen Vorstellungen von Recht und Gesetz brutal durchsetzt mit dem Kurzschwert Urteile vollstreckt. Seine Rolle spielt er absolut bestechend und zeigt gerade bei den Wechseln von Familienvater zu Polizeichef zu Richter und Henker in einer Person die ganze Widersprüchlichkeit des Charakters. Darüber hinaus kann er mit seinem Gesang beeindrucken.

Only God Forgives ist kein leicht verdauliches Werk. Es ist eine Geschichte über Rache, Manipulation, Macht, Dominanz, Recht und Gerechtigkeit, in deren Verlauf trotz aller Brutalität etliche Fragen aufgeworfen werden, die sich viele Zuschauer selbst schon einmal gestellt haben werden. Vielleicht ist es gerade das Gefühl ertappt worden zu sein, vorgeführt zu werden und die möglichen Konsequenzen von gewissen Gedankengängen vorgeführt zu bekommen, die Ursache dafür, dass der Film bei manch einem Empörung hervorruft. Ich kann mich nur ein weiteres Mal vor der Genialität von Nicolas Winding Refn verneigen und mir viele weitere Filme von ihm wünschen – jeder neu und anders, keiner ein Abklatsch von den bisherigen. Wer Arthouse-Kino mag und bereit für eine fiebrige, albtraumhafte Vision der besonderen Art und für ein bisschen Stoff zum Nachdenken ist, der sollte sich Only God Forgives nicht entgehen lassen.

In einer kleinen Stadt

Dass es in kleinen Städten jede Menge Geheimnisse, Intrigen und Lügen gibt und sie deswegen als Orte für Bücher und Filme gleichermaßen beliebt sind wie riesige Metropolen, ist nichts Neues. Schon der Meister des Horror, Stephen King, schuf mit Needful Things (dt. Titel: In einer kleinen Stadt, Link zu Wikipedia) im Jahr 1991 eine grandiose Geschichte über Kleinstädter und ihre verworrenen Beziehungen untereinander. Weniger mysteriös aber dafür nicht weniger spannend geht es in Derek Cianfrances neuem Film The Place Beyond the Pines zu, einem großartigen, filmischen Gemälde über das Kleinstadtleben und Gesellschaftsgruppen, die sich mal mehr und mal weniger an den Grenzen des Legalen und der gesellschaftlichen Wahrnehmung bewegen.

The Place Beyond the Pines spielt in Schenactady, einer Stadt im amerikanischen Bundesstaat New York. Der Name des Ortes verleiht gleichzeitig dem Film seinen Titel, denn frei abgeleitet bedeutet er in der Sprache der Mohawk „der Platz jenseits der mit Kiefern bewachsenen Ebenen“ (Schau-naugh-ta-da). Der Film erzählt nicht weniger als drei miteinander verbundene Geschichten über Väter und Söhne. Zum einen ist da der Motorradfahrer Luke Glanton, der ein Leben als in mehrfacher Hinsicht fahrender Künstler führt und von Jahrmark zu Jahrmarkt durch das Land zieht. Als er erfährt, dass er mit der Kellnerin Romina einen Sohn hat, beschließt er sein Leben zu ändern und einen Weg zu finden, für seinen Sohn zu sorgen. Eine Verknüpfung von Sehnsüchten, Absichten und daraus resultierenden Entscheidungen führt ihn auf einen schicksalhaften Pfad durch die Wälder von Schenactady. Der zweite Teil der Story widmet sich dem Polizisten Avery Cross. Nach seinem Jurastudium schloss sich der engagierte Idealist der Polizei von Schenactady mit der Absicht an, nicht wie sein Vater – ebenfalls Anwalt – nur zu reden, sondern wirklich etwas zu bewegen. Im Laufe der Geschichte wird er nicht nur mit einem traumatischen Erlebnis konfrontiert, sondern auch mit der Tatsache, dass im Leben der Blick hinter manche Fassade riskant sein kann. Sein Schicksal führt ihn auf verschlungene Pfade, auf denen er sich mehr als einmal bewusst werden muss, dass jede Entscheidung mit Konsequenzen behaftet ist. Den Handlungsbogen abschließend wirft der Film einen Blick auf das Leben der beiden Söhne dieser so verschieden anmutenden Männer und am Ende der Reise wird klar, dass jedes Ende ein neuer Anfang ist, dass die Pfade des Lebens in viele Richtungen führen und dass manche Wege nicht so unterschiedlich sind, wie sie anfangs scheinen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel über die Story von The Place Beyond the Pines verraten, denn sie ist so groß und so unglaublich gut erzählt, dass es gut ist, wenn man nicht allzu viel darüber weiß, bevor man sich den Film ansieht. So kann das gewaltige Gesamtwerk seine regelrecht magische Wirkung am besten entfalten. Dieser Film, der gleichzeitig so umfassend und doch so wenig an altbekannten Mustern zu messen ist, lässt sich kaum ausreichend und passend kategorisieren. The Place Beyond the Pines vereint verschiedenste Genres und Ansätze zu einem wahrhaft intensiven und emotionsgeladenen  Filmerlebnis. Miteinander verwoben werden nicht nur die verschiedenen Geschichten, sondern auch Stilmittel aus Gangsterfilm, Thriller und Drama. Gescheiterte Existenzen treffen auf das Streben nach dem Sinn und Unsinn des Lebens, Taten in bester Absicht treffen auf unausweichliche Konsequenzen und so werden neben den Problemen der Einzelpersonen gleichzeitig gesellschaftliche Herausforderungen beleuchtet. Korruption, Verbrechen und die Suche nach dem richtigen Weg im Irrgarten des Daseins, die Inhalte des Films sind unbeschreiblich vielschichtig und bieten unzählige Denkansätze. Der Regisseur zeigt die Protagonisten in harten, ungeschönten und ganz und gar unglamourösen Bildern, er beobachtet. Durch diese Haltung wird auch dem Zuschauer die Rolle des ohnmächtigen Beobachters zuteil, der die Charaktere ihre Entscheidungen treffen sieht und sich auf das Gesehene anschließend selbst seinen Reim machen muss.

Manche Wendung der Story mag konstruiert erscheinen, dafür ist das Ganze aber eine Geschichte, eine Parabel mit mannigfaltigen Interpretationsmöglichkeiten. Für The Place Beyond the Pines gibt es am Ende keine richtitge und keine falsche Interpretation. Erzählerisch ist dieser Film eine monumentale Leistung, die gerade deswegen so überzeugend ist, weil sie die schier unglaubliche Fülle an Inhalten gleichermaßen ruhig und gelassen und dennoch in relativ kurzer Zeit präsentiert. Dieser Film ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie 140 Minuten Film genutzt werden können, ohne dass Hektik oder Langeweile aufkommt und wie man Spannung aufrecht erhalten und gleichzeitig entspannt erzählen kann.

Abgerundet wird The Place Beyond the Pines durch die herausragenden schauspielerischen Leistungen der Akteure. Ryan Gosling spielt den Motorradfahrer mit dem Spitznamen „Handsome Luke“ mit dem ihm eigenen Minimalismus mit großer Wirkung. Er verleiht dem zwiespältigen Charakter, der seine Entscheidungen oftmals aus besten Absichten heraus trifft und dessen Herz und Träume größer sind als sein Verstand, die nötige Tiefe. Spätestens nach Drive sollte jedem Filmliebhaber offensichtlich sein, dass Ryan Gosling zu den aktuell größten Talenten Hollywoods gehört. Großes Talent beweist auch Bradley Cooper, der sich in ernsten Rollen um ein Vielfaches besser macht, als in albernen Komödien wie The Hangover. Er spielt den Polizisten Avery Cross und zeigt eindrucksvoll wie dieser stets versucht die richtigen Entscheidungen zu treffen und dabei trotzdem seinem Schicksal nicht entgehen kann. Die Schlüsselszene, in der er sich letztendlich und nach langer Zeit den Konsequenzen seines Handelns stellt, ist unglaublich intensiv. Dieser Moment der Selbsterkenntnis ist für mich einer der absoluten Gänsehautmomente des Films. Die Rollen der Söhne im jugendlichen Alter sind mit Emory Cohen und Dane DeHaan gut besetzt. Generell kann ich die Auswahl der gesamten Besetzung nur loben, denn sie ist erstklassig bis in die Nebenrollen. So spielt Ben Mendelsohn den etwas einfältigen aber trotzdem großherzigen Einsiedler Robin mit sichtlicher Hingabe und lässt ihn zu einem entscheidenden Charakter in der Geschichte um Luke werden. Eva Mendes kann mit ihrer unpretentiösen Darbietung in der Rolle der Kellnerin Romina überzeugen und ganz am Rande ist es nett, zu sehen, dass auch sie mit steigendem Alter der Wirkung der Schwerkraft nicht entkommen kann. (Links in diesem Absatz zu IMDB)

The Place Beyond the Pines zählt für mich zu den bisher besten Filmen des Jahres. Ein Meisterwerk der filmischen Erzählkunst von seltener Tiefe. Wer auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem ist, einer Abwechslung von starren Genrezuweisungen, der sollte diesen Film nicht verpassen. Derek Cinafrance hat in meinen Augen einen zeitlosen Klassiker geschaffen, der nach seinem Ende noch lange in den Köpfen der Zuschauer nachwirkt. Dieses Werk ist großes Kino und zeigt, dass es immer noch neue Möglichkeiten gibt, das Medium Film für vielschichtige Erzählungen zu nutzen – ganz ohne Glanz, Gloria und Effekthascherei – und dass manche Geschichte über alltägliche Helden und Existenzkämpfer genauso faszinierend sein kann, wie die großen, bunten Leinwandabenteuer.

Apropos große, bunte Helden: Nachdem sich meine Kinoerlebnisse seit dem Reinfall vor zwei Wochen wieder stetig und exponentiell gebessert haben, bin ich bereit für die Landung des Stählernen in der kommenden Woche. Nach zwei realitätsnahen Filmen, steht mir der Sinn durchaus wieder nach knalliger Heldenaction. Ich werde berichten.

Back in Time and Back to Crime

Das erste Mal, als ich Szenen aus Gangster Squad sah, saß ich in einem Kinosaal mitten in Hollywood. Das war sicher einer der Gründe, warum mich der Trailer sofort derart begeisterte. Außerdem mag ich Gangster- und Actionfilme und mir gefiel der Ansatz des Films, das Film-noir-Genre in moderner Form wiederzubeleben. Mein erster Gedanke: Harte Typen, harte Action, tolle Klamotten – das muss ich sehen!

Ein gutes halbes Jahr und weitere Trailersichtungen später, war die Spannung entsprechend groß, als ich den Kinosaal betrat, um mir den Film endlich anzusehen. Nachdem mich Django Unchained leider nicht so sehr begeistern konnte, wie ich es aufgrund des Ausmaßes meiner Vorfreude gerne gehabt hätte, schwangen einige Bedenken mit. Diese konnten in den ersten 15 Minuten von Gangster Squad aber bereits eliminiert werden. Dieser Film hielt auf ganzer Linie, was er versprach. Ich verließ das Kino mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen.

Gangster Squad spielt in den 1940er Jahren in  Los Angeles. Der Gangsterboss Mickey Cohen (Sean Penn) hat große Pläne. Unaufhaltsam und gnadenlos schwingt sich der ehemalige Boxer zum alleinigen Herrscher über die Unterwelt von L.A. auf. Wer sich ihm entgegenstellt, wird brutal aus dem Weg geräumt. Längst hat er in allen wichtigen Gremien der Stadt Leute gekauft und auch die große Mehrheit der Polizei traut sich nicht mehr, seinen üblen Machenschaften etwas entgegenzusetzen. Der Einfluss von Chief Bill Parker (Nick Nolte) scheint ausgehebelt. Allerdings will der nicht länger zusehen, wie die Stadt langsam aber sicher komplett in die Hände von Mickey Cohen fällt. Schließlich is es seine Aufgabe als Polizeichef die Stadt der Engel und ihre Bürger vor dem Verbrechen zu schützen. Deshalb beauftragt er seinen loyalsten Mann, Sergeant John O’Mara, eine geheime und schlagfertige Truppe, das „Gangster Squad“, zusammenzustellen und Jagd auf den Unterweltboss zu machen. Allerdings würde es zu nichts führen, Cohen einfach zu töten. Es gilt, ihm systematisch das Handwerk zu legen und sein ausgeklügeltes System der Macht und des Schreckens zu zerstören.

Die Story von Gangster Squad bietet in ihrem Verlauf absolut keine Überraschungen. Das muss ich zugeben. Alles tritt genau so ein, wie man es erwartet. Ich persönlich habe das rückblickend in diesem Fall während des gesamten Films nicht als negativ empfunden – ganz im Gegenteil. Bot mir Tarantinos Django überhaupt nicht das, was ich erwartete, traf das Gangster Squad zielsicher ins Schwarze.

Ruben Fleischer dürfte den meisten Kinozuschauern zum ersten Mal mit seiner Zombiekomödie Zombieland aufgefallen sein. Gangster Squad ist sein nächster, großer Film. Geschickt und alles andere als zimperlich setzt Fleischer mit seinem Team den Krieg der Polizeitruppe gegen Cohen in Szene. Er vertraut dabei auf makellose und detailreiche Kulissen, die glatt dem Videospiel L.A. Noir (Link zu Wikipedia) entsprungen sein könnten, verschiedene Sepiafilter und für den Film noir typische Kameraeinstellungen. Kombiniert mit den opulenten Kostümen der Akteure fühlt man sich augenblicklich zurückversetzt, in die Zeit, als Männer noch Hüte trugen und als über Hollywood noch mehr als 9 Buchstaben prangten. Der abwechselnd swingende und die Dramaturgie an der richtigen Stelle einfangende Soundtrack von Steve Jablonski, der sein Gefühl für Action schon eindrucksvoll in den bisherigen drei Transformers-Filmen bewiesen hat, tut ein Übriges um dieses Gefühl zu verstärken. So muss ein echter Gangsterfilm aussehen!

Randbemerkung:
Die Mode der 1940er bis 1960er Jahre finde ich sehr schick und ich plädiere an dieser Stelle für eine Rückkehr der Hüte. Ich sollte auch öfter Hut tragen.

Die Auswahl der Schauspieler ist bis in die Nebenrollen erstklassig und hochkarätig. Hier wirkt nichts gewollt. Alles ist gekonnt. Josh Brolin hat bereits in Men in Black 3 bewiesen, dass er für Zeitreisen in die Vergangenheit der richtige Mann ist und in No Country for Old Men wurde deutlich, dass er bei harten Typen in bester Gesellschaft ist. Die Rolle des coolen und zielstrebigen Kämpfers für Recht und Ordnung ist ihm wie auf den Leib geschneidert. Ryan Gosling spielt die Rolle als galanter aber nicht minder draufgängerischer Sergeant Jerry Wooters, der sich Hals über Kopf in die schöne Grace verliebt, die ausgerechnet die Freundin von Mickey Cohen ist, routiniert. Er macht seine Sache wirklich gut, in ihm steckt aber mehr, wie man bei Drive und The Ides of March sehen konnte. Emma Stone wirkt als Grace Faraday ein bisschen zu sehr wie ein Abklatsch von Christina Hendricks als Joan Harris aus Mad Men, auch wenn Mad Men 20 Jahre später spielt. Robert Patrick brilliert als schrulliger „Westernheld“ Max Kennard, an dem sich Tarantinos Django ein Beispiel nehmen könnte, Giovanni Ribisi überzeugt als Tüftler und Techniker und Sean Penn macht sein Part als Oberbösewicht sichtlich Spaß. Die Rolle als Mickey Cohen dürfte ihn als Schauspieler nicht besonders gefordert haben. Er beherrscht seine Kunst einfach meisterlich. Seine vielen Preise wurden ihm verdientermaßen verliehen. (Links in diesem Absatz zu IMDB)

Gangster Squad lässt so gut wie kein Klischee des klassischen Gangsterfilms aus und könnte sogar als zeitversetzter Western durchgehen. Von markigen Sprüchen, über coole Posen beim Schießen, bis zum großen, finalen Shootout zwischen Gut und Böse ist alles dabei. Das ist vielleicht nicht besonders einfallsreich, aber es ist rundum gut gemacht und es ist definitiv unterhaltsam.

Wie sagt man noch gleich? Geduld zahlt sich aus. Ich musste mich in dem Fall nur eine Woche gedulden, bis ich wieder einen Film sehen konnte, der meine Erwartungen voll erfüllte. Alle, die schon einmal in Los Angeles waren, L.A. Noir gespielt haben und/oder mal wieder Lust auf einen echten Gangsterfilm haben, sollten sich Gangster Squad auf jeden Fall ansehen. Hier wird nicht lange gefackelt, hier wird scharf geschossen – und das auch noch gut angezogen.