Archiv für den Monat Mai 2013

Männer, Muskeln und Motoren

Schnell und wild. Die im Jahr 2001 gestartete „Fast & Furious“-Filmreihe (Link zu Wikipedia) macht ihrem Namen alle Ehre und bleibt ihrem Motto seit mittlerweile 12 Jahren treu. Für mich ist sie eine der besten neue(re)n Actionfilmreihen. Die Macher besinnen sich regelmäßig auf die Inhalte zurück, die gute Actionfilme ausmachen: coole Helden, irre Actionszenen und gewaltige, laute Explosionen.

Wie? Das war’s schon? Mehr ist nicht zu erwarten?
Ja. So ist es. Besser gesagt: Genau so muss es sein!

Actionfilme heißen Actionfilme, weil es darin primär um Action geht. Das sollten sich Kritiker, die sich diese Art von Filmen ansehen, immer wieder vor Augen führen. Wer in einen Actionfilm geht und hochanspruchsvolles Kunstkino erwartet, dem ist meiner Meinung nach nicht zu helfen. Zu oft muss ich lesen, wie unterhaltsame Filme in den Medien zerrissen werden, weil sich wieder jemand unbedingt auf die Suche nach dem großen Anspruch hinter jeder Explosion begeben wollte. Ich raufe mir über solche Kritiken regelmäßig die Haare.

Gute, reine Actionfilme, echte Kracher mit muskelbepackten Actionhelden, die dem Genre alle Ehre machen, gibt es immer weniger. Ich habe das Gefühl, dass Filmemacher – vielleicht aufgrund des Verhaltens einiger Kritiker – heute oft dazu tendieren, zu viel in einen Film hineinpacken zu wollen. Überall wird versucht, es möglichst vielen verschiedenen Zuschauergruppen recht zu machen. Filme werden lieber auf eine breite Basis gestellt, statt ein klares Ziel vor Augen zu haben und dieses stringent von Anfang bis Ende zu verfolgen. Echte Actionkracher haben nur ein Ziel: Sie wollen unterhalten.

Unterhaltung ist genau das, was Fast & Furious 6 bietet. Explosive, atemlose Action von der ersten bis zur letzten Sekunde, garniert mit coolen Sprüchen. Echte Actionhelden sind Meister in Sachen One-Liner und unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, sind die Protagonisten in Fast & Furious 6 Großmeister. Dieser Film ist ein Fest für alle Liebhaber von coolen, knappen Dialogen. Muskelmänner mit schnellen Autos und großen Waffen müssen nun mal nicht viel reden um ihren Standpunkt klar vorzutragen. Schon die Actionhelden aus den 80ern wussten das und wurden genau dafür verehrt. Dialoge wie „Es war nicht schwer Dich zu finden, Toretto.“ „Ich  hab mich nicht versteckt.“ zaubern mir ein breites Grinsen aufs Gesicht. Ich grinste während des gesamten Films zufrieden von einem Ohr zum anderen.

Die Geschichte von Fast & Furious 6 führt die aus den vorangegangenen Filmen fort. Dominic „Dom“ Toretto und seine Crew haben Amerika verlassen und sich in Europa niedergelassen. Die Gangster mit dem fairen Kodex entgehen auf diesem Weg ihrer Verhaftung und Auslieferung. Als mit Owen Shaw ein neuer, professioneller Verbrecher auf den Plan tritt, der seine Raubzüge ebenfalls mithilfe von schnellen Autos und einer gut trainierten Crew durchführt, bittet Luke Hobbs, Agent des Diplomatic Security Service, Toretto um Hilfe. Es gilt Feuer mit Feuer zu bekämpfen und zu verhindern, dass eine gefährliche Cyber-Waffe in falsche Hände gelangt. Zur Zusammenarbeit überzeugen, kann er die schnellen und wilden Actionhelden mit der Aussicht auf Amnestie und Hinweisen auf Doms Exfreundin Letty Ortiz, die ihren Unfall aus Film Nummer 4 wider Erwarten überlebt zu haben scheint. Es beginnt eine furiose Jagd auf heißen Reifen quer durch Europa.

Garagen, Gangster, Gaspedale. Asphalt, Autos, Actionhelden. Die Welt von Fast & Furious 6 ist einfach, aber unglaublich unterhaltsam. Die Story mag zwar etwas hanebüchen sein, aber sie wird schon seit Beginn der Filmreihe kontinuierlich fortgeführt.  Darüber hinaus ist sie eine der immer seltener werdenden Originalgeschichten, die extra für die Leinwand geschrieben werden und die sich außer den Vorgängerfilmen keiner Vorlage verschreibt.

Die Actionszenen in Fast & Furious 6 gehören für mich zu den besten seit Langem. Autos, Panzer, Flugzeuge – alles was Räder hat, wird bekämpft, zum Explodieren gebracht und plattgemacht. Bei den Verfolgungsjagden entsteht selbstredend einiges an spektakulärem Kollateralschaden und zwischendurch wird sich ordentlich geprügelt. Dwayne Johnson und Gina Carano setzen coole Wrestling-Moves gekonnt ein und auch der Rest – egal ob Männlein oder Weiblein – weiß sich mit allen vier Gliedmaßen gut choreographiert zur Wehr zu setzen. Fast & Furious 6 ist ein wahrer Augenschmaus für Actionfans. Sämtliche Schauspieler tun genau das, was sie am besten können. Vin Diesel und „The Rock“ gehören zu den coolsten Muskelbergen, die das Kino momentan zu bieten hat und der Rest der Besetzung macht ebenfalls einen guten Job. Nach fünf Filmen sind mir als Fan die einzelnen Crewmitglieder mit ihren jeweiligen Eigenheiten ans Herz gewachsen. Bemerkenswert finde ich, dass Fast & Furious 6 als reiner Actionstreifen das schafft, was andere Filme, in denen viele Figuren vorkommen, genreunabhängig oftmals nicht vermögen: Trotz der beträchtlichen Menge an Charakteren, wird jedem Einzelnen genug Raum verschafft. Keiner kommt zu kurz oder wird übergangen, selbst wenn es noch so heiß hergeht.

Wer den alten Zeiten nachtrauert, damals, als Actionhelden noch nichts sein mussten, außer eben Actionhelden, der sollte sich Fast & Furious 6 unbedingt ansehen. Liebhaber der Reihe und Fans der verschiedenen Schauspieler gehen ohnehin ins Kino. Man muss die vorhergehenden fünf Filme nicht zwingend gesehen haben, um gut unterhalten zu werden. Ich persönlich bin von Fast & Furious 6 geradezu begeistert. Ja, manchmal braucht es eben nicht mehr als ästhetisches „Brumm! Brumm!“ und gut gemachtes „Bumm! Bumm!“, um mich vorzüglich zu unterhalten . Dieser Film hat genau das geboten, was ich erwartet hatte.

Über die gesamte Reihe hinweg, habe ich eigentlich nur den dritten Teil The Fast and the Furious: Tokyo Drift (Link zu IMDB) als vergleichsweise schwach empfunden (zu wenig Vin Diesel!). Ausblickend betrachtet, wird diesem Film aber scheinbar in Zukunft doch noch eine größere Bedeutung innerhalb der Reihe zugewiesen. Ich bin schon heute gespannt auf Teil 7, in dem der nächste, schlagfertige Actionheld mit wenig Haaren und vielen Muskeln seinen Weg in die Filmreihe finden wird.

Die Teufel tanzen wieder

„Bitte roh und blutig!“ So würde meine Antwort auf die Frage „Wie sollen wir Ihnen den Horrorfilm servieren?“ lauten. Hinzufügen würde ich: „Als Beilage hätte ich gerne untote Monster und Dämonen. Bitte würzen sie das Ganze mit Kämpfen und Schnetzeleien und verwenden Sie bei der Zubereitung verschiedene Schneidewerkzeuge und Haushaltsgegenstände. Und bitte verzichten Sie auf langhaarige Gruselkinder.“

Meine Faszination für das Genre, in dem die Fantasie von Machern und Zuschauern finstere Abgründe erforscht und Gänsehautgefühle erwünscht sind, begann früh. Vielfach wird diesen Filmen und ihren Fans wenig Verständnis entgegen gebracht, vor allem in Deutschland. Hierzulande wird jedes Werk, in dem das kleinste bisschen Kunstblut fließt, sofort kritisch beäugt. Der Staat schaltet sich ein, zensiert, indiziert, verbietet und verstümmelt damit gleichzeitig massenweise Filme. Wege, sich über diese Bevormundung hinwegzusetzen, lernt man als Fan schnell und so habe auch ich rasch Möglichkeiten gefunden, Horrorfilme ungeschnitten zu sehen. Zensur in jeglicher Form lehne ich strikt ab. Meiner Meinung nach obliegt die Entscheidung darüber, was man sich ansieht, was man liest und was man spielt, jedem einzelnen Menschen selbst. Dass bestimmte Materialien nicht in Kinderhand gehören, versteht sich dabei von selbst. Eine Alterskennzeichnung ist richtig und wichtig, Verbote sind nichts davon. Der Horrorfilm ist und bleibt ein Teil der Filmkunst, den nicht alle Menschen gleichermaßen verstehen und mögen, aber wie bei anderen Kunstformen gilt: Man muss nicht alles mögen, sollte aber gleichzeitig nichts prinzipiell und rigoros verurteilen.

Ein Horrorfilm, der in Deutschland schon lange indiziert und beschlagnahmt ist, ist Sam Raimis Tanz der Teufel (The Evil Dead, Link zu IMDB) aus dem Jahr 1981. Unter Fans genießt dieses Werk absoluten Kultstatus und auch für mich gehört „Tanz der Teufel“ zu den besten Horrorfilmen aller Zeiten. Der Held der Geschichte, Ashley „Ash“ J. Williams, ist in meinen Augen einer der coolsten Monsterbezwinger aller Zeiten. Seine Abenteuer nach der Evil-Dead-Trilogie (auf den ersten Film folgten zwei weitere in den Jahren 1978 und 1992, Links zu IMDB) werden seit einiger Zeit in den „Army of Darkness“-Comics bei verschiedenen US-Verlagen weitergeführt. Ich verfolge seine Reisen durch Raum und Zeit bis heute. „Tanz der Teufel“ hat Regisseur Sam Raimi und Darsteller Bruce Campbell zum Durchbruch in Hollywood verholfen – und das zu Recht. Sieht man einmal von der gezeigten Brutalität und den wirklich gelungenen Maskeneffekten ab, muss nämlich jeder Filmliebhaber eingestehen, dass die Stilmittel (z.B. Kameraperspektive aus Dämonensicht, schnelle Schnitttechniken), die Sam Raimi virtuos einsetzte, revolutionär und wegweisend waren, nicht nur für das Horrorgenre.

Evil Dead, dieser Kultfilm, der für mich und viele andere Fans über jeden Zweifel und jede Kritik erhaben ist, erhält nun eine Neuauflage. Entsprechend groß war die Skepsis in der Fangemeinde seit der Ankündigung. Hoffnung machte die Beteiligung von Sam Raimi und Bruce Campbell als Produzenten. Die Trailer waren gruselig und dämonisch genug um die Zuversicht zwischenzeitlich nicht aufzugeben. Aber sollte man ein solch großes Kultobjekt überhaupt anfassen? Ist nicht jedes Remake gleichzeitig ein Sakrileg? Und kann es Evil Dead ohne Ash überhaupt geben?

Nachdem ich Evil Dead gesehen habe, kann ich  sagen, dass mich der Film außerordentlich positiv überrascht hat und dass alle meine Hoffnungen erfüllt wurden. Was für ein Fest! Endlich wieder ein Horrorfilm, der sich traut zu den Wurzeln des Genres zurückzukehren!

Die erzählte Geschichte ist der des Originals sehr ähnlich und könnte klischeebehafteter kaum sein. Fünf Jugendliche treffen sich in einem einsamen Haus im Wald. Im Gegensatz zu anderen Horrorfilmen wird sogar ein plausibler Grund für den Aufenthalt präsentiert: Mia, ein Mitglied der Gruppe, ist drogenabhängig. Fern ab der Zivilisation soll ihr unter dem Beistand ihres Bruders und ihrer Freunde endlich der kalte Entzug gelingen. Dieses Vorhaben entpuppt sich als wesentlich schwieriger als angenommen, denn das Haus birgt ein dunkles Geheimnis. Im Keller finden die Fünf ein rätselhaftes Buch, das Necronomicon, mit dem sie versehentlich etwas Uraltes und absolut Böses befreien, das sich auf die Jagd nach ihren Seelen macht und sie gnadenlos heimsucht. Der Ausflug in die Natur wird zum brutalen Horrortrip.

Evil Dead präsentiert sich als absolut klassischer Horrorfilm. Frei nach dem Motto „Back to the Roots“ wird gemetzelt was das Zeug hält. An Kunstblut, Kunsthaut und Kunstgebein wurde bei der Produktion nicht gespart. Dass dieser Film in derselben Schnittfassung wie in den USA (R-Rating) in den deutschen Kinos läuft, freut Fans und Kinobetreiber gleichermaßen. Zartbesaiteten muss ich leider von einem Kinobesuch abraten. Für einige könnte dies tatsächlich der schockierendste Film sein, den sie jemals sehen werden. Ein paar unvorbereitete Zuschauer hatten nach der Kinovorstellung, die ich besucht habe, sichtlich weiche Knie. Horrorfilmfans dagegen sollten sich Evil Dead aller Skepsis zum Trotz nicht entgehen lassen.

So viel Liebe zum Detail, so viele klein(st)e Hinweise auf das Original (und auch auf dessen zweiten Teil), so viele Interpretationsmöglichkeiten – mein Herz hüpfte an vielen Stellen fröhlich in die Höhe. Konkrete Beispiele verkneife ich mir an dieser Stelle aus Rücksicht vor allen, die den Film noch nicht gesehen haben. Ein paar ausgewählte Schlagworte sollten ausreichen: Kettensäge, Schrotflinte, Dornenranke, Dämonenhand, Kellerluke. Fans bleiben bitte unbedingt bis zum Schluss, also bis nach dem Abspann, sitzen …

Vor zu viel Insidermaterial muss sich aber dennoch niemand fürchten. Evil Dead ist sowohl für Fans des Originals als auch für Horrorfans geeignet, die Sam Raimis Urwerk nie gesehen haben. Endlich ein Film, der sich zurückbesinnt auf die Wirkung von Masken und Prothesen und der sich bei Schockeffekten nicht auf CGI verlässt! Die Arbeit der an der Produktion beteiligten Maskenbildner ist in Kombination mit satten Soundeffekten zum Niederknien gut gelungen.

Regisseur Fede Alvarez, der gleichzeitig am Drehbuch mitschrieb, beweist mit Evil Dead großes Können und Fingerspitzengefühl für das Genre. Er weiß um die Bedeutung des Originals und inszeniert seine Version als grandiose Hommage, eine tiefe und aufrichtige Verbeugung vor den Machern. Ihm ist es zu verdanken, dass die ursprüngliche Trilogie trotz allem quasi unangetastet weiter im Horrorolymp existieren kann. Sam Raimi und Bruce Campbell haben eine vortreffliche Entscheidung getroffen, indem sie Fede Alvarez im Regiestuhl Platz nehmen ließen. Er verbindet klassisches Filmhandwerk mit brillanten Bildern und verleiht seinem Evil Dead einen einzigartigen Look, dem sich kein Zuschauer entziehen kann. Vor seinem Mut, alle Trends einfach Trends sein zu lassen und zu den Anfängen des modernen Horrorfilms zurückzukehren, kann ich nur den Hut ziehen.

Die Besetzung sämtlicher Rollen mit frischen und von Hollywood bisher unverbrauchten Talenten trägt neben dem bis dato eher unbekannten Regisseur zusätzlich dazu bei, dass Fans und Neulinge dem Film gleichermaßen neutral gegenübertreten können. Darüber hinaus sind alle beteiligten Schauspieler sehr talentiert. Die Darstellung von Angst, Panik und Gewalttaten erfordert trotz aller Maskerade enormes schauspielerisches Können. In vielen Horrorfilmen sind die Darsteller nur Kanonenfutter für die jeweiligen Monster. Mann kennt das: Schönes, dummes Mädchen fährt an einen See. Schönes, dummes Mädchen hat Sex. Schönes, dummes Mädchen schreit und rennt. Schönes, dummes Mädchen geht drauf. In Evil Dead ist dies nicht der Fall. Hier wird mit sichtlicher Hingabe und mit viel Ausdruck gespielt. Dieser Film ist Beweis genug dafür, dass bei Horrorfilmen fähige und talentierte Leute vor und hinter der Kamera vonnöten sind, um ein vollendetes Schockerlebnis auf die Leinwand zu bringen. Schon Alfred Hitchcock wusste das. Es gerät nur oftmals in Vergessenheit.

Wer meckern möchte, findet bei Evil Dead sicher einige Anhaltspunkte dazu. Der Film ist an vielen Stellen anders als das Original und auch für mich thront Sam Raimis Werk nach wie vor über allem. Fede Alvarez Version ist aber so gut, dass sie sich meiner Meinung nach einen Platz in den Herzen der Fans durchaus verdient hat. Man sollte das Ganze vielleicht weniger als reines Remake und vielmehr als neue Herangehensweise an die Materie sehen. Ash wird immer Ash bleiben und seinen Status als „The Chosen One“ kann und wird ihm keiner absprechen. Das Wirken des Necronomicon ist aber schon immer unergründlich und geht ganz eigene Wege.

Ich persönlich hoffe, dass weitere Filme dem Beispiel von Evil Dead folgen werden und dass es endlich eine Rückkehr zu mehr klassischem Horror geben wird. Ich bin bereit für mehr Monster, übermenschliche Slasher und handgemachte Effekte, die reine Computeranimationen noch heute locker in die Tasche stecken können. Der Horrorfilm hat ein zünftiges Revival verdient, ohne langhharige Gruselkinder.

Ich gebe hiermit meine Bestellung für die nächsten Horrorfilme auf und hoffe auf viele weitere Gänge à la Evil Dead.

Berauschende Bilderflut

Betrachtet man die wöchentlichen Neustarts im Kino so sind in den letzten Wochen und Monaten Verfilmungen, im Gegensatz zu den extra für die Leinwand erdachten und gemachten Werken, geradezu übermächtig. Comics, Bücher, bereits existierende Filme, alles wird (neu) verfilmt, mit neuer Technik aufbereitet und der Vorlage mehr oder weniger Respekt zollend in das Medium Film übertragen.

Prinzipiell habe ich nichts gegen Verfilmungen und Remakes. Wenn sie denn gut gemacht sind, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen und es können durchaus mehrere unterschiedliche Versionen der gleichen Vorlage gleichberechtigt nebeneinander existieren. Ein gutes Beispiel dafür ist Stephen Kings Roman „The Shining“. Stanley Kubricks Version hat mit dem Buch (zu) wenig zu tun, besticht jedoch durch Jack Nicholsons einzigartige Schauspielkunst. Der TV-Zweiteiler arbeitet dagegen wesentlich näher an der Vorlage, was mich als Stephen-King-Fan sehr freut. Jede Version hat ihre Stärken und Schwächen.

Aus diesem Grund war ich sehr neugierig auf Baz Luhrmanns Neuverfilmung von F. Scott Fitzgeralds gleichnamigen Roman The Great Gatsby. Ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich das Buch nie ganz gelesen habe. In meiner Schulzeit musste ich irgendwann einmal Ausschnitte daraus lesen, in einer Unterrichtseinheit über den Amerikanischen Traum. Die Geschichte des Buches und die weitreichenden Interpretationsmöglichkeiten der Geschichte sind mir deshalb bekannt. Ich kann mir jedoch nicht anmaßen, zu sagen wie genau der Film der Vorlage im Wortlaut und in den kleinsten Feinheiten folgt. Das muss ich anderen Kritikern überlassen.

Dennoch kann ich den Vorwurf, der Film sei bloß kitschig und komplett inhaltsleer, den ich in einigen Filmkritiken bereits gelesen habe, nicht teilen. Sämtlichen Aspekten der Geschichte, die mir bekannt sind, wird in irgendeiner Form Rechnung getragen. The Great Gatsby spielt in den 1920er Jahren in New York. Erzählt wird die Geschichte des reichen und geheimnisvollen Jay Gatsby aus der Sicht seines Freundes Nick Carraway, der ein kleines Haus neben der riesigen Villa des Millionärs bewohnt. Nick ist der Cousin der schönen Daisy, Gatsbys großer Liebe. Daisy ist verheiratet mit dem reichen Ex-Footballspieler Tom Buchanan und wohnt in einem Haus in derselben Bucht, genau gegenüber von Gatsby und Carraway. Der hoffnungsvolle Nick, der auf der Suche nach Reichtum und Erfolg nach New York gezogen ist, wird von Gatsby langsam in dessen Vorhaben verwickelt, Daisy für sich zurückzugewinnen, wobei Aufgeben keine Option darstellt. Ereignisse werden in Gang gesetzt, die langsam aber sicher auf ein dramatisches Ende zusteuern.

Die „Roaring Twenties“ inklusive ausufernden Partys, Untergrundlokalitäten aufgrund der Prohibition, die unübersehbaren Differenzen zwischen Arm und Reich, die durch die Wall Street geschürte Hoffnung auf das große Geld, Dekadenz, Rassenkonflikte, die tiefe Verwurzelung des Amerikanischen Traums in den Köpfen der Menschen, der vielschichtige und teilweise in sich gegensätzliche Charakter von Jay Gatsby – Baz Luhrmanns Verfilmung enthält jede Menge Ansätze zum Nachdenken und viele Botschaften, die bis heute nicht an Aktualität und Bedeutung verloren haben. Lässt sich nicht jeder Mensch ein bisschen durch seine Vergangenheit fesseln? Mit Geld kann man sich nicht alles kaufen, oder doch? Diese und viele weitere Fragen kann man sich als Zuschauer nach dem Film stellen.

Der interpretatorische Gehalt hat seinen Ursprung jedoch nicht im Film selbst, sondern in der Buchvorlage. Einiges kommt im Film durch, mehr jedoch wird plattgeklopft durch die schiere Wucht der Bilder. The Great Gatsby ist weniger ein Kostümfilm als vielmehr ein Kulissenfilm, durchgestylt bis ins kleinste Detail. Baz Luhrmann versucht, die Geschichte in zum Leben erweckten Gemälden darzustellen. Wallende Vorhänge, märchenhafte Gewächse, durchchoreographierte Partyszenen – hier wird nichts dem Zufall überlassen. Jede Rauchschwade windet sich in feinster Digitalqualität wie vorgesehen, jeder Anzug und jede Frisur sitzt perfekt. Ich kann den auf diese Weise entstandenen Bildern eine gewisse Faszination nicht absprechen, jedoch beherrschen viel zu oft Kulissen oder Accessoires die Szenerie. Die Schauspieler werden durch viel Glanz und Gloria wesentlich in ihren Möglichkeiten eingeschränkt, sie agieren in goldenen Käfigen aus Ausstattung und Technik. Besonders im Kopf geblieben ist mir eine Szene, in der Gatsby seiner geliebten Daisy sein Anwesen zeigt und sie mit seinen Reichtümern wortwörtlich überhäuft. Die Kamera zeigt dabei nicht die Gesichter der Protagonisten, wenngleich ich in einem winzigen Moment am Rande ein mitreißendes Minenspiel von Leonardo DiCapro beobachtet habe. Der Fokus liegt auf schwebenden, bunten Stoffen, was der Emotionalität der Szene nicht zuträglich ist.

Beispiele für ähnliche Szenen könnte ich viele aufzählen. Nur als die Protagonisten endlich alle in einem Raum zusammenkommen, kann man das wahre Potenzial erkennen, die Wucht der Emotionen, die hätte transportiert werden können. Bunte 3D-Technik ist schön und ich bin ein großer Freund davon, wenn neue Möglichkeiten ausgeschöpft und geschickt genutzt werden. Bombastische, bunte, berauschende Bilder alleine machen aber noch keinen guten Film. Dazu gehören nun mal die Schauspieler, von denen alle bei The Great Gatsby in meinen Augen leider nicht über ihre eigenen Standards hinauskommen. Leonardo DiCaprio hat sich seit seiner Zeit als ewiger Sonnyboy schon lange als ernst zu nehmender Schauspieler mit großem Potenzial etabliert. Als Gatsby kann er seine Magie leider nicht wirken. Tobey Maguire wird einmal mehr auf den großäugigen, hoffnungsvollen und leicht naiven Typen reduziert, seine Paraderolle. Joel Edgerton versucht, seinem Tom Buchanan etwas mehr Profil zu verleihen, wird im Wesentlichen aber auf die Rolle des moralbefreiten, untreuen Ehemannes reduziert. Der Rest der Besetzung bewegt sich leistungsmäßig mehr oder weniger im Durchschnittsbereich und nimmt die jeweils durch die Kulissen diktierten Plätze ein.

„Pomp and Circumstance“ ist leider nicht alles, schon gar nicht bei Filmen. Baz Luhrmanns The Great Gatsby  belegt dies eindrucksvoll. Trotz guter Besetzung und vielen, durchaus sehr gekonnten digitalen Kunstgriffen konnte mich der Film am Ende nicht begeistern. Zu viel Potenzial wird verschenkt, zu sehr verlässt sich der Regisseur auf die Ausdruckskraft der Bilder und die Inhalte der Geschichte selbst. Die Zusammenführung von Kulisse, Technik und Schauspiel zu einer Einheit gelingt ihm meiner Meinung nach leider über weite Teile des Films nicht, auch nicht durch den mutigen Soundtrack. Letzterer ist für mich das größte Highlight des Films, selbst wenn die enthaltenen Lieder nicht meinen Musikgeschmack treffen. Moderne Songs in Kombination mit einer hochstilisierten Interpretation der 20er-Jahre ist eine durchaus gewagte aber passende Kombination. Für die Auswahl der Lieder zeigt sich Rapper Jay-Z verantwortlich, dessen Arbeit auf jeden Fall bemerkenswert ist. Leider vermag er es dadurch nicht, die Übermacht der Ausstattung über das Schauspiel zu kaschieren, an dem der Film letzten Endes scheitert. Baz Luhrmann hatte die Personen und die Mittel, einen hervorragenden Film zu machen, mutmaßlich ist er durch zu große Wünsche und übertriebene Vorstellungen gescheitert – ganz nach Gatsby-Art.

Where No One Has Gone Before

Star Trek. Dieses unglaublich vielschichtige Science-Fiction-Universum mit seinen verschiedenen Serien und ganz eigenen Gesetzen, Wesen und Regeln. Schon sehr früh hat es mich fasziniert und komplett in seinen Bann gezogen. Ja, ich bin ein Trekkie und werde es für immer bleiben. Ich habe alle Serien und alle Filme gesehen, viele davon mehrfach. Ich besitze eine eigene Star-Trek-Uniform. Sie hängt in meinem Schrank. Ganz zu schweigen von all den Büchern, Comics und anderen tollen Merchandising- und Sammelgegenständen, die ich sonst noch mein Eigen nenne. Wenn also irgendetwas Neues zum Thema „Star Trek“ erscheint – egal was – ich muss es sehen! Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ich mir den neuen Film Star Trek: Into Darkness gleich in der ersten Woche angesehen habe.

Deas neueste Werk von J. J. Abrams führt die Abenteuer von Captain James T. Kirk und seiner Crew in dem in seinem ersten Star-Trek-Film im Jahr 2009 eingeführten alternativen Universum fort. Kirk und die Besatzung der USS Enterprise sind seit ihrem ersten Kinoabenteuer schon einige Zeit gemeinsam im Weltraum unterwegs und haben verschiedenste Missionen erfüllt. Als ein neuer, mächtiger und unbekannter Gegner die Sternenflotte gezielt und brutal angreift, wird die Enterprise entsandt, um den Widersacher aufzuspüren und zu vernichten. Problematisch ist dabei vor allem, dass der mysteriöse Gegenspieler auf die klingonische Heimatwelt, Kronos, geflüchtet ist, denn der Frieden mit den stolzen und kriegerischen Klingonen ist fragil und es ist nur ein kleiner Anstoß nötig, um diesen und damit auch das Schicksal der Vereinigten Föderation der Planeten aufs Spiel zu setzen.

Dass die Rollen im neuen Star-Trek-Universum passend besetzt wurden, konnte ich schon bei Herrn Abrams erstem Film feststellen. Chris Pine mimt den draufgängerischen Kirk überzeugend, bekommt in beiden Filmen meiner Meinung nach jedoch zu wenig Gelegenheit, alle Facetten des Charakters zu zeigen. Es werden viele Andeutungen gemacht – Kirk im Bett mit zwei außerirdischen Damen, Kirk beim Prügeln in der Bar – diese alleine reichen aber nicht aus, um der Figur Kirk die nötige Tiefe zu verleihen, denn diese hat er durachus, auch wenn es im ersten Moment nicht so scheinen mag. Etwas mehr Seiten darf dagegen Zachary Quinto an seinem Spock zeigen, der sehr zwischen seiner emotionalen, menschlichen und seiner strikt logischen, vulkanischen Seite schwankt. Mir persönlich schwankt er hier und da etwas zu viel und seine Beziehung mit Uhura empfinde ich nach wie vor als sehr gewöhnungsbedürftig. Trotzdem halte ich die Rolle für geradezu ideal besetzt. Von Zachary Quintos schauspielerischen Fähigkeiten bin ich seit seiner Rolle als Superbösewicht Sylar in der TV-Serie „Heroes“ absolut überzeugt. Es wäre mir nur etwas lieber, wenn er in Zukunft die Gelegenheit bekäme, den Vulkanier in sich noch etwa mehr herauszulassen. Besonders viel Freude bereitet mir auch Simon Pegg als Montgomery „Scotty“ Scott. Er plaudert den Rest der Besatzung getrost an die Wand und schafft es gleichzeitig, die Rolle nie ins Lächerliche abdriften zu lassen. Karl Urban spielt als Dr. „Pille“ McCoy leider in beiden Filmen nur eine untergeordnete Rolle. Ich würde in Zukunft gerne mehr von ihm sehen. Der Rest der Enterprise-Crew ist ebenfalls passend besetzt, geht von der Größe der Rollen her aber leider relativ unter, auch wenn man hier und da versucht, dem Einzelnen zumindest etwas Raum zu geben. Überragend spielt in Star Trek: Into Darkness Benedict Cumberbatch seinen Part als Kirks Erzfeind Khan. Ja, alle Gerüchte haben sich trotz der abramsschen Geheimhaltungspolitik bewahrheitet und es ist nicht schlimm, diesen Fakt zu kennen wenn man den Film noch nicht gesehen hat. Benedikt Cumberbatch verkörpert den Bösewicht so überzeugend und facettenreich, dass diese Enthüllung die kleinste ist. Vor seiner Leistung kann ich nur den Hut ziehen. Es wird Zeit, dass ich mir die Serie Sherlock ansehe, in der er in der Hauptrolle als Sherlock Holmes zu sehen ist.

Khan oder nicht Khan? Das war seit Langem unter Fans die Frage. Das Gerücht kam schon während der Produktion des Films auf, wurde jedoch nie von den Machern bestätigt. Ich kann die Einstellung von J. J. Abrams und seinen Wahn, möglichst alles über einen Film geheim zu halten bis er endlich im Kino läuft, nur bedingt verstehen und nicht für gut befinden. Bei mir resultiert zu viel Geheimniskrämerei grundsätzlich in Skepsis. Als Fan möchte ich mich freuen und sauge jede Information dankbar auf. Dabei neige ich nicht dazu, gleich alles im Voraus totzudiskutieren und überzuinterpretieren. Es gibt einige, die das machen, aber genauso viele, die es eben nicht tun und Informationsschnipsel nur zum Aufbauen ihrer Vorfreude nutzen. So wächst meine Vorfreude auf Pacific Rim zum Beispiel mit jedem neuen Plakat und mit jedem neuen Trailer ins schier Unermessliche, selbst wenn trotz aller veröffentlichten Details noch relativ wenig über den Film bekannt ist. Auch hatte ich große Hoffnungen für den Mandarin beim Anblick der ersten Charakterposter für Iron Man 3. Am Ende kommt es bei einem Film doch immer auf das Gesamtwerk an und darauf, wie die einzelnen Dinge am Ende zusammengeführt werden. Bei allen vorherigen Star-Trek-Filmen wurde eine andere Politik verfolgt und auch wenn die Fans im ersten Augenblick so wirken mögen, als wollten sie alles Neue gleich zerpflücken, ist dem in keinster Weise so. Was wurde über die mysteriöse Borgkönigin im Vorfeld zu Star Trek: Der erste Kontakt (Star Trek: First Contact, Links in diesem Absatz zu IMDB) diskutiert und am Ende wurde sie doch akzeptiert, weil sie stimmig in den Film und somit in das gesamte Star-Trek-Universum eingebunden wurde. Informationen erhöhen in meinen Augen die Vorfreude und so war meine Freude im Vorfeld zu Star Trek: Into Darkness viel geringer, als sie eigentlich hätte sein sollen, zumal es kaum Merchandising und sonstige Dinge zum Film gibt, mit denen Fans ihre Wartezeit hätten überbrücken können.

Das neue Star-Trek-Paralleluniversum existiert bisher fast nur durch die beiden Filme. Eine TV-Serie, die das Ganze vertiefen und in der sich die Charaktere weiter entfalten könnten, gibt es nicht, sehr zu meinem Bedauern. Die Verbindung von TV und Kino war fester Bestandteil von Star Trek. Genau deswegen ist dieses Universum so groß und umfangreich. Umso dankbarer bin ich für die Comics, die zwischen den beiden Filmen von J. J. Abrams erschienen sind und bei deren Geschichten die Autoren der Filme hauptverantwortlich mitwirken. Dank einer inzwischen durchaus beachtlichen Anzahl an Heften habe ich mich in der Zwischenzeit näher an das Filmuniversum herangetastet und mich an die teilweise neuen Wesenszüge der Charaktere gewöhnt. Hätte ich nur die beiden Filme gesehen, würde mein Urteil sicher nicht so gut ausfallen. Man kann die Tiefe von Star Trek selbst bei einem Neustart nicht durch Filme allein vermitteln. Sehr gefreut habe ich mich deshalb über die winzigen aber vorhandenen Verweise auf die in den Comics beschriebenen Abenteuer, die es in Star Trek: Into Darkness gibt.

Auch andere Tricks und Kniffe in der Storyline von Star Trek: Into Darkness haben mein Fanherz höher schlagen lassen. J. J. Abrams sagt selbst, er und sein Team hätten Star Trek auseinandergenommen und neu zusammengesetzt und genau diese Darstellung trifft das Konzept des Films sehr gut. Star Trek: Into Darkness tritt im direkten Vergleich mit meinem letztwöchigen Kinoerlebnis im Rahmen von „Iron Man 3“ in vielen Situationen den positiven Gegenbeweis an. Es ist durchaus möglich, sich eine Vorlage herzunehmen, Dinge (sogar wesentlich) zu verändern, aber dennoch den nötigen Respekt vor dem Original zu zeigen. J. J. Abrams verbiegt zwar einiges, was Fans wie mir lieb und teuer ist, jedoch nie ohne sich gleichzeitig geschickt vor der Vorlage zu verbeugen. Wann immer in meinem Kopf ein „Muss das denn jetzt unbedingt so sein?“ aufblitzt folgt im nächsten Moment eine Szene, bei der ich denke „Genau so muss es sein!“.

Noch verbinden mich recht zwiespältige Gefühle mit dem neuen Universum. Noch habe ich mich nicht vollständig daran gewöhnt. Ich kann es aber auch unter keinen Umständen ablehnen oder es nur kritisch sehen. Zu viel „Star Trek“ steckt im neuen Paralleluniversum, als dass ich als Fan enttäuscht sein könnte. Als Trekkie ist man ja zugegebenermaßen einige Höhen und Tiefen gewöhnt. Fast jede neue Star-Trek-Serie und somit jede neue Herangehensweise an das Universum hatte ihre Startschwierigkeiten. In den Serien wurde der Wechsel von der zaghaften Annäherung zu erzählerischen Höchstleistungen meist von einer markanten optischen Änderung begleitet. Ich denke, es werden mir viele Fans zustimmen, wenn ich sage, bei „Star Trek: The Next Generation“ ging es erst richtig los, als Captain Picard und seine Crew Kragen an ihren Uniformen trugen und sich Commander Riker einen Bart wachsen ließ, „Star Trek: Deep Space Nine“ wurde um ein Vielfaches aufregender, als Captain Sisko die Haare auf dem Kopf fallen ließ und sich gleichzeitig für mehr Haare im Gesicht entschied und „Star Trek: Voyager“ geriet erst richtig in Fahrt, als sich Captain Janeway eine neue Frisur zulegte.

Aller Anfang ist schwer und auch das neue Star-Trek-Universum ist (hoffentlich) noch lange nicht an seinem Ende angelangt. Es bestehen wie man liest bereits Pläne für einen weiteren Film. J. J. Abrams widmet sich als nächstes erst mal dem Star-Wars-Universum. Das kann er und das soll er ruhig tun. Meiner Meinung nach muss er nicht unbedingt ein weiteres Mal im Regiestuhl Platz nehmen. Er hat den Grundstein gelegt und es gibt andere, die an dieser Stelle sicher gerne übernehmen wollen. Ich hoffe nur, dass das aktuelle Autoren-Team dem Star-Trek-Universum erhalten bleibt. Was sie in den Comics erzählen, weckt bei mir große Hoffnungen für eine erfolgreiche und stimmige Weiterführung der Geschichte von Captain Kirk und seiner Mannschaft. Und mit dem bereits in Star Trek: Into Darkness angedeuteten brodelnden Konflikt mit den Klingonen könnte ein interessantes und klassisches Star-Trek-Thema neu beleuchtet werden.

Die Optik von Star Trek: Into Darkness gefällt mir größtenteils sehr gut. Die 3D-Effekte verleihen vor allem den Raumschiffschlachten und allen Kamerafahrten rund um die Enterprise einen epischen Anstrich. Negativ aufgefallen ist mir allerdings das Aufsetzen von unübersehbaren, riesigen und störenden Lichteffekten in sämtlichen Szenen, die auf der Brücke der Enterprise spielen. Hier wird versucht 3D um jeden Preis einzusetzen, obwohl ohne das Simulieren von blendendem Licht eine viel größere Wirkung hätte erzielt werden können. Viele der Reflektionen lenken vom eigentlichen Geschehen und damit von den Charakteren ab, was ich als sehr schade empfinde.

Zusammenfassend kann ich Star Trek: Into Darkness als Film nur empfehlen. Er ist sowohl für Fans als auch für alle Zuschauer geeignet, die Science Fiction und Action mögen. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass man den ersten Film nicht notwendigerweise gesehen haben muss, um als Zuschauer Spaß zu haben.

Dennoch, um mit Goethes Faust zu sprechen: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust!“ Jeder Trekkie hat einen Lieblingscaptain und meiner ist Captain Picard. Der neue Kirk hat es nicht geschafft ihn abzulösen. Trotzdem stellt das neue Star-Trek-Universum einen mutigen Schritt und eine interessante Ergänzung zu den bestehenden Geschichten dar. Hier und da habe ich das Gefühl, dass die Inhalte und die wichtigen Botschaften und Ideale von „Star Trek“ auf Kosten der Schauwerte etwas vernachlässigt werden, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich hoffe sehr, dass bis zum nächsten Abenteuer von Kirk und Spock nicht wieder erst 4 Jahre vergehen müssen und ich würde mir wünschen, dass das neue Universum dazu beitragen kann Star Trek wieder zu alter Größe zu verhelfen. Der Anfang ist gemacht und Möglichkeiten für Veränderungen und Verbesserungen gibt es sicherlich einige. Es wird Zeit, dass die Enterprise sich weiter von der Erde entfernt und in Galaxien vordringt, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Auf dass das neue Universum es seinen Vorgängern gleichtut und mit der Zeit stärker und besser wird. Ich werde es auf jeden Fall gespannt weiter verfolgen, vorerst wieder auf dem Papier.

Ganz im Zeichen von Star Trek beende ich diesen Artikel mit dem vulkanischen Gruß und wünsche allen Lesern „Live long and prosper!“

Der Wassermann

Abflüsse und Wasserrohre haben die Angewohnheit, manchmal komische Geräusche von sich zu geben. Sie gurgeln und gluckern vor sich hin, auch ohne ersichtlichen Grund. Als ich bei einem solchen Geräusch auf die Frage des Ehemannes, was das denn gerade gewesen sei, mit „Der Wassermann!“ antwortete, schaute er mich verdutzt an. „Ja! Der Wassermann! Der lebt im Main!“ Sein Gesichtsausdruck wandelte sich zu völliger Verständnislosigkeit. Ich muss zugeben, dass mir die erste Aussage eher zufällig herausgerutscht war, ein Relikt aus frühen Kindertagen.

Als ich klein war haben meine Mutter und ich uns wahnsinnig gerne Geschichten ausgedacht. Auf die Idee mit dem Wassermann kam Mama eines Tages, als ich in der Badewanne saß und aus der Armatur ein Gluckern ertönte. „Das ist der Wassermann!“ sagte sie. Ich war gerade groß genug, um zu wissen, dass das nicht der Wahrheit entsprach, aber ich genoss es immer sehr, die Fantasie schweifen zu lassen. Also dachten wir uns die wildesten Storys um den Wassermann im Main aus. Schließlich gibt es im Rhein ja auch die schöne Nixe Loreley. Warum also sollte der Main nicht einen Wassermann haben? Wenn wir ganz still waren, konnten wir über die Brause mit ihm „telefonieren“ und hören, wie er von den Abenteuern erzählte, die er und seine Wasserfrau erlebt hatten. So fantasierten und erzählten wir stundenlang vor uns hin.

Der Wassermann ist nur ein Beispiel von vielen, bunten, fantastischen Dingen, die ich mir in meinem Leben schon zurechtgedacht habe. Fantasie ist etwas Großes, etwas Wichtiges. Ohne Fantasie ist die Welt trist, ganz egal wie bunt alle Blumen blühen und wie grell alle Reklametafeln leuchten. Ich für meinen Teil suche mir bis heute immer neue Ventile, durch die ich meiner Fantasie Ausdruck verleihen kann und neue Geschichten, mit denen ich sie beflügeln kann. Auf dass sie mich nie verlässt.

Nachdem ich dem Ehemann die Geschichte und die Herkunft meiner Äußerung erzählt hatte, verwandelte sich der verblüffte Gesichtsausdruck in ein breites Lächeln. Die Magie des Wassermannes zeigte Wirkung. Fantasie ist altersunabhängig, wir müssen sie uns nur bewahren, sie nähren und sie trainieren. Wo immer zu viel Tristesse uns einzuholen sucht, kann schon ein kleines bisschen Fantasie wahre Wunder wirken. Und wer weiß schon, wie viele aufregende Abenteuer des Wassermanns noch unerzählt sind? Wer ein offenes Ohr hat und fantastische Geschichten so sehr mag wie ich, der sollte beim nächsten Gurgeln im Wasserrohr doch einmal genauer hinhören …

Eiserne Helden und falsche Schurken

Da war es wieder! Dieses unangenehme Gefühl und die dazugehörigen Worte, die sich in meinem Kopf formten: „Nein! DAS ist NICHT …!“ Die Rückkehr der nagenden Enttäuschung, die sich festsetzt und die nach dem Ende eines Films nicht aufhört im Hirn zu rotieren. Ganz schlimm erging es mir vergangenen Herbst bei The Dark Knight Rises (Link zu IMDB), nach dessen Ende sich dieses Gefühl in andauernde Wut verwandelte, die nach wie vor durchbricht, wenn man mich auf besagten Film anspricht. Ganz so dramatisch war es dieses Mal glücklicherweise nicht, aber seit ich Iron Man 3 gesehen habe, frisst sich wieder ein gewisser Unmut in meinen Gedanken fest und je mehr ich nachdenke, desto geringer wird leider die Chance, dass ich ihn wieder loswerde.

Was habe ich mich auf diesen Film gefreut! Nach drei Wochen mit Thrillern, die einfach nicht spannend sein wollten, ließ die Aussicht auf knallige Superheldenaction große Hoffnungen in mir aufkeimen. Viel wurde schon geschrieben und gesagt zum neuen Marvel-Streifen. Einiges hatte ich gelesen und noch mehr ignoriert, schließlich wollte ich unbefangen an die Sache herangehen – zumindest soweit es mir als Comicleser und Fan des Helden in der eisernen Rüstung möglich ist. Meiner Vorfreude wurde der Film am Ende leider nur bedingt gerecht. Im Folgenden erkläre ich warum und warne hiermit Leser, die den Film noch nicht gesehen haben und ihn noch sehen wollen, ausdrücklich vor Spoilern, die ich an entsprechender Stelle kennzeichne, ohne die ich in diesem Fall aber nicht auskomme.

Die Story von Iron Man 3 ist im wachsenden Mavel-Filmuniversum nicht nur nach Iron Man 2, sondern auch nach The Avengers angesiedelt (Links zu IMDB). Tony Stark, der Mann im rot-goldenen Kampfanzug, leidet seit seinem gemeinsamen Einsatz als Teil des Superhelden-Teams unter Angstattacken. Die Ereignisse in New York und das Zusammentreffen mit den außeririschen Chitauri haben ihn geprägt. Seitdem tüftelt er noch verbissener an Verbesserungen für seine Iron-Man-Rüstung. Zusätzlich holt ihn die Vergangenheit in Form des ambitionierten und skrupellosen Wissenschaftlers Aldrich Killian ein, der ein Supervirus namens „Extremis“ (weiter)entwickelt hat, mit dem gewöhnliche Soldaten zu Supersoldaten mutiert werden können. All dies scheint in Zusammenhang mit einem neuen Superschurken zu stehen, der sich „Der Mandarin“ nennt und regelmäßig Drohbotschaften an ganz Amerika entsendet. Als Iron Man persönlich angegriffen wird, nehmen die Dinge ihren Lauf.

Iron Man 3 präsentiert sich als Abschluss einer Trilogie und als Abschluss der Storyline Extremis (Link zu Wikipedia), die aus dem Marvel-Comicuniversum übernommen wurde und von der Teile in allen drei Iron-Man-Filmen verwendet wurden. Extremis umfasste zwar nur 6 Hefte, bot aber eine gewaltige Fülle an Inhalten. Wer daran zweifelt, was man alles in ein einziges Comicheft packen kann, für den ist diese Geschichte ein perfektes Gegenbeispiel. Generell kann ich diesen Comic nur empfehlen, von dem vor Kurzem anlässlich des Films eine Neuauflage auf Deutsch bei Panini Comics erschien (Link zur Produktseite auf der Panini-Webseite).

Das Problem von Comic- oder Buchverfilmungen, die eine konkrete Vorlage heranziehen, ist stets der schmale Grad zwischen Originaltreue und den für das Medium Film und ein breiteres Publikum nötigen Änderungen. Es gibt viele Werke, die diesen Balanceakt bravourös meistern. Von geradezu akribischer Originaltreue bei The Green Mile über eine gute Mischung wie bei Kick-Ass bis zu Filmen, die nur eine Basis heranziehen um daraus ein neues, viel größeres und eigenständiges Konzept zu machen. Ein sehr gutes Beispiel für letztere Gattung ist RED, der nach ca. 20 Minuten zu Ende gewesen wäre, hätte man nur die Comicvorlage verfilmt. Bisher haben auch die allermeisten der bisherigen Marvel-Filme den Spagat zwischen Mainstream und Comicvorlage sehr gut vollführt. Ausnahmen bilden für mich lediglich Spider-Man 3 und X-Men: First Class. Nun reiht sich hier leider Iron Man 3 ein. Keiner dieser Filme hat mich jedoch so sehr enttäuscht, wie The Dark Knight Rises, denn nichts ist so schlimm wie der auf Minimalgröße geschrumpfte und statt mächtigem Venom Schmerzmittel inhalierende Bane, aber lassen wir das. Der gehört ja auch in ein anderes Comicuniversum. (Links in diesem Absatz zu IMDB)

Zurück zum Eisenmann. Tatsächlich wurden viele Elemente der Extremis-Storyline in den Film übernommen, was ich mit großem Wohlwollen zur Kenntnis nahm. Auch fielen mir die vielen Verweise auf die anderen Marvel-Filme positiv auf. Ich habe wirklich nichts gegen diverse Interpretationen und Abweichungen vom Comic. Ein Film muss sich einer Vorlage nicht einhundertprozentig unterwerfen, um deren Botschaft adäquat zu vermitteln. Ausschlaggebend ist für mich weniger die absolute Treue zur Geschichte, als vielmehr zu den Charakteren. Genau dies ist die Achillesverse von Iron Man 3, genauer gesagt: es ist der Mandarin.

(Spoilerwarnung!)

Das ungute Gefühl beschlich mich schon, beim ersten Auftritt des Mandarin im Film, denn eine Darstellung als „Aushilfs-Bin-Laden“ passt überhaupt nicht zu diesem Charakter. Der Mandarin ist der älteste und mächtigste Erzfeind von Iron Man. Er kommt aus China, stammt von Dschingis Khan ab und besitzt übermenschliche geistige und physische Fähigkeiten. Seine Waffe sind zehn magische Ringe, die er nur dank seiner immensen Geisteskraft und intensivem Training nutzen kann. Jeder Ring hat eine eigene, zerstörerische Kraft. Das immerwährende Ziel des Mandarin ist die Eroberung der Welt. So viel zur Comicvorlage.

Wer Iron Man 3 gesehen hat, wird meine Enttäuschung in Anbetracht der Stärke der Comicfigur hoffentlich verstehen, denn der Film-Mandarin hat nichts – oder besser: ÜBERHAUPT NICHTS – von der eigentlichen Figur. Im Film wird der Mandarin zur Fassade degradiert, ein Stich ins Herz eines jeden Fans, zumal um die Figur im Vorhinein ein Riesenwirbel gemacht wurde. Plakate wurden veröffentlicht und zur Interpretation durch die Fans freigegeben. Auf diesen waren die zehn Ringe deutlich zu sehen. Diese sind im Film nur leider überhaupt nicht von Bedeutung. Der ganze Mandarin ist am Ende überhaupt nicht von Bedeutung.

Bezeichnend für die Situation ist ein kurzer Dialog zwischen Iron Man und War Machine zu diesem Thema:
War Machine: „DAS ist der Mandarin?“
Iron Man: „Ja, ich weiß. Irgendwie lächerlich.“

Ich kann Iron Man nur zustimmen, denn dieser Mandarin IST lächerlich und ich als Fan kann darüber überhaupt nicht lachen. Zumal es weder der Story noch dem allgemeinen Verständnis geschadet hätte, den Mandarin mit Superkräften auszustatten und ihm die Rolle zuzugestehen, die ihm gebührt. Der Plottwist, ihn als Betrüger zu entlarven, ist unschön und unnötig. Zu gut ist auch Ben Kingsleys Darstellung der Figur. Man kann keinesfalls den Schauspieler für den Untergang der Rolle verantwortlich machen. Die Verantwortung tragen allein die Drehbuchautoren. So viel hätte man aus diesem Charakter machen können! Der Mandarin hätte das Potenzial gehabt, als Superschurke und ultimativer Gegner über mehrere Filme aufgebaut zu werden, ähnlich wie man es mit Loki, dem Gegenspieler von Thor, macht. Diese und viele weitere Chancen wurden mit Iron Man 3 vertan.

Es war zwar größtenteils, aber nicht nur der Mandarin, der bei mir zur Verankerung von unguten Gefühlen während des Films führte. Auch die Iron-Patriot-Rüstung ist komplett fehl am Platz und wird von den Autoren nur als Mittel für Ihre Zwecke missbraucht. War Machine bleibt War Machine und James Rhodes hat in den Comics nichts mit der Iron-Patriot-Rüstung zu schaffen. Der Iron Patriot war einst Norman Osborn, der Erzfeind von Spider-Man. Dass die Geschichte um den Superschurken in der eisernen Rüstung die Grenzen des Films gesprengt hätte, ist klar. Der Rüstungswechsel von War Machine ist aber trotzdem völlig unnötig. Man hätte ihm die alte Rüstung lassen und auf den Iron Patriot verzichten können. Die eiserne Hülle im Design der amerikanischen Flagge dient in Iron Man 3 nur zur Verdeutlichung von fragwürdigen Rettungsaktionen im Namen der Vereinigten Staaten und um den Präsidenten im Endkampf standesgemäß „verpacken“ zu können. Wenigstens wurde die Rüstung kurz von Bösewicht Aldrich Killian entführt, obwohl der im Comicuniversum genauso wenig wie Rhodes mit dieser Rüstung zu tun hat, was den Iron Patriot aber zumindest für einen kleinen Moment die Seiten wechseln lässt. Ein schwacher Trost.

Generell kann ich keinem der Schauspieler einen Vorwurf machen. Robert Downey Jr. ist und bleibt wie geschaffen für die Rolle des unsympathischen und aufschneiderischen Tony Stark und Guy Pearce ist herrlich fies als Aldrich Killian. Wie bereits erwähnt passt eigentlich auch Ben Kingsley perfekt für die Rolle des Mandarin. Das Grundproblem des Films liegt im Drehbuch, bei dem Regisseur Shane Black gnadenlos seine Spuren hinerlassen hat. Prinzipiell spricht nichts dagegen, eine existierende Storyline auseinanderzunehmen und neu zu interpretieren, man sollte sie sich aber auch nicht auf Biegen und Brechen untertan machen. Iron Man darf coole Sprüche reißen, in Iron Man 3 war es mir aber fast schon zu viel des Guten. Der Regisseur schreckt zusätzlich nicht davor zurück, sich selbst in einem in meinen Augen völlig unpassenden Moment selbst ein Denkmal zu setzen. In Erinnerung an seine Lethal-Weapon-Filme gibt es einen unsäglichen Dialog zwischen Tony Stark und James Rhodes hinter einer Deckung, bei dem die beiden über ihre Lage und über Waffen diskutieren. In einer solchen Situation wäre mir geradlinige Action lieber gewesen. Alles in allem habe ich das Gefühl, dass der Regisseur den Film teilweise für ein paar markige Sprüche mehr unnötig in die Länge zieht. Dies nimmt der Geschichte leider auf Dauer die Spannung und die Überraschungen. Bis Tony Stark herausfindet, dass es die Supersoldaten selbst sind, die explodieren, hat es der Zuschauer schon zehnmal selbst begriffen und wartet sehnsüchtig auf den befreienden Endkampf. Amerikakritik und flotte Dialoge in allen Ehren, denn Shane Black beherrscht zweifellos beides, allein die Dauerbefeuerung unterminiert in diesem Fall das Können.

(Spoiler Ende)

Es sind nicht die Bilder, die enttäuschen – ganz im Gegenteil. Iron Man 3 bietet scharfe 3D-Bilder und sehr gut umgesetzte Actionszenen, bei denen die Tricks der Technik gezielt und gekonnt eingesetzt werden. Wer gedanklich nicht an irgendwelche Vorstellungen oder Vorlagen gebunden ist, dem werden die Dinge, die mir so furchtbares Kopfzerbrechen bereiten, wahrscheinlich gar nicht auffallen. Mir persönlich haben die Iron-Man-Filme von John Favreau besser gefallen. Sie hatten beide auch andere Drehbuchautoren.

Ich kann und will Iron Man 3 abschließend nicht als schlechten Film und auch nicht als vollkommene Enttäuschung bezeichnen. Es gibt ein paar sehr nette und treffende Szenen und einige Dinge aus der Extremis-Storyline wurden sehr gut und passend in den Film übertragen. Aus genannten Gründen will sich bei mir nur leider nicht dieses Hochgefühl einstellen, das mich nach einem exzellenten Film überkommt, obwohl ich beispielsweise den Endkampf mit den verschiedenen Rüstungen und dessen symbolische Bedeutung für die Zukunft und die Vergangenheit von Iron Man geradezu genial fand. Egal wie lange ich mit mir selbst im Geiste ringe, ein Gedanke blitzt immer wieder auf und ich kann mich nicht von ihm lösen: „Nein! DAS ist NICHT der Mandarin!“

Die Mischung macht’s

Kurz vor dem Einschlafen gehen mir die verschiedensten Dinge durch den Kopf. Vor einigen Tagen dachte ich darüber nach, wie sich unsere Sprache im Laufe des Lebens verändert, wie wir jeden Tag hinzulernen und sie anpassen. Die Einflüsse auf unsere individuellen Sprachgewohnheiten sind vielfältig, angefangen bei den Eltern über die Medien bis zu unseren Freunden und natürlich auch den Ehepartnern.

Ich wuchs in Aschaffenburg auf, einer schönen Stadt am Bayerischen Untermain. Meine Eltern bemühten sich beide möglichst Hochdeutsch mit mir zu sprechen. Sie sprachen stets viel mit mir, wofür ich im Nachhinein sehr dankbar bin und was sicher ein Grund dafür ist, dass ich nicht „auf den Mund gefallen“ bin. Ein bisschen Dialekt hat wohl fast jeder Mensch in seinem Sprachgebrauch. Meine Mutter kommt gebürtig aus Marktheidenfeld, das südöstlich von Aschaffenburg liegt und vom Dialekt her schon mehr zum Fränkischen als zum Hessischen tendiert. Auch Aschaffenburg selbst hat seine eigene Mundart, das sogenannte „Ascheberger Platt“. Zu meiner Grundschulzeit wurde dies in diversen Gedichten sogar extra vermittelt. Ein bekanntes Beispiel habe ich in der Literaturdatenbank Projekt Gutenberg bei Spiegel Online gefunden: Die Wermsche von Gustav Trockenbrodt. Der Dialekt meines Vaters war wohl größtenteils Ascheberger Platt, ist er doch in Aschaffenburg aufgewachsen. Im Aschaffenburger Dialekt vermischen sich Fränkisch und Hessisch, ist die Grenze zum benachbarten Bundsland doch nicht weit. Ganz so einfach wie ein Zusammenwürfeln von verschiedenen Worten ist das Ganze aber nicht. Man darf die sprachliche Vielfalt in der Region nicht unterschätzen. Der benachbarte Landkreis Main-Spessart hat eine Menge verschiedene Dialekte, die sich in feinen Nuancen unterscheiden. Meine Heimatstadt und die Menschen, mit denen ich im Laufe meiner Kinder- und Jugendzeit sprach, haben jede Menge Eindrücke hinterlassen. Viele Dinge haben Einfluss auf meinen Sprachgebrauch genommen. Herkunft und Heimat sind wohl bei allen von uns die ersten wichtigen, sprachlichen Einflussfaktoren.

Der größte „Clash der Kulturen“ und damit auch der Sprache, zumindest der deutschen Sprache, ereignete sich für mich, als ich meinen Ehemann kennenlernte, einen echten Ostfriesen. Er lebte bis er mir begegnete schon einige Jahre in Hessen, der norddeutsche Einfluss ist sprachlich aber selbstverständlich bei ihm nicht wegzudenken. So lernte ich durch ihn viele neue Begrifflichkeiten. Meine Oma bewahrte Süßigkeiten bei sich in einer „Süßschublade“ auf. Dank dem Ehemann erfuhr ich, dass man zu süßen Leckereien auch „Schlickersachen“ sagen kann. Wenn etwas eilt, sagt er „Ward Tiet!“. Das alles sind nur kleine Beispiele aus der Vielfalt an neuen Wörtern, die ich dank ihm gelernt habe und auch ich kann ihn bis heute manchmal mit einzelnen Ausdrücken oder Redewendungen überraschen. Mit großen Augen schaute er mich vor ein paar Monaten an, als ich sagte „Man muss auch mal ab- und zugeben können“ und auch das Wort „liedschäftig“, als Adjektiv für etwas Altersschwaches, etwas Abgenutztes, war ihm nicht geläufig.

Ich finde sprachliche Unterschiede und Eigenheiten schon immer interessant und kann viele deutsche Dialekte verstehen, inklusive Bayerisch – auch wenn ich immer wieder gerne betone, dass ich aus Unterfranken und nicht aus dem tiefsten Bayern stamme. Dennoch gibt es eine Variante des Deutschen, die mir wohl für immer ein Rätsel bleiben wird, nämlich Plattdeutsch. Der Ehemann kann es verstehen. Er hat sogar noch etwas davon in der Schule gelernt. Ich hingegen kann nur Bruchstücke erahnen, wenn sein Großvater in Emden Witze auf Mundart erzählt. Selbstverständlich lache ich höflich mit. Im Plattdeutschen vermischt sich das Deutsche mit dem Niederländischen und die Begrifflichkeiten sind teilweise so eigen, dass man bestimmte Vokabeln eben kennen muss, um alles wirklich verstehen zu können. Vielleicht komme ich ja mit der Zeit noch ein wenig mehr dahinter. Die angeheiratete Verwandtschaft wird es möglich machen.

Wir alle sind das Produkt der gesammelten Einflüsse, die auf uns wirken. Die Sprache ist der Bereich, in dem dies unmittelbar zum Ausdruck kommt. Gerade deshalb sind wir alle auch so einzigartig. Besonders deutlich wird dies auch, wenn man in die Familien schaut, die kleinen Lebensgemeinschaften, in denen wir uns ungehemmt und am natürlichsten bewegen. Jede Familie entwickelt ihre ganz eigene Umgangssprache, die Familiensprache. Hier mischen sich alle Eigenheiten zu einem ganz neuen Konstrukt. Jeder bringt etwas von sich ein. Die Familiensprache ist der Geburtsort von Kosenamen und allerlei neuen Wortschöpfungen. Viele davon dringen nicht in die Öffentlichkeit vor.

In meiner Familie hat sich beispielsweise für „Gute Nacht!“ ein Kurzausdruck verankert. Ich weiß nicht genau, wo er herkam, mutmaßlich ist er irgendwie aus „Gut’s Nächtle!“ und der Kurzform „Nacht!“ mutiert. Meine Eltern und ich, wir wünschten uns jedenfalls statt des förmlichen „Gute Nacht!“ immer nur kurz „Nächti!“. Nach einem im ersten Moment verwirrten Blick des Mannes, nachdem ich ihm irgendwann wie selbstverständlich mit diesem Wort eine gute Nacht wünschte, gefiel ihm dieser Ausdruck so gut, dass wir ihn schon lange in unsere eigene Familiensprache aufgenommen haben. Dieser Ausdruck war die gedankliche Initialzündung dafür, dass ich kurz vor dem Hinwegdämmern ins Land der Träume plötzlich über sprachliche Eigenheiten nachdachte.

Seltsam, wo einen die Gedanken manchmal hinführen. Oft kommen interessante Überlegungen eher zufällig. Ich bin kein Sprachwissenschaftler, aber ich mag es, mich mit Sprache zu beschäftigen. Ich lese und spreche und schreibe gerne. Das Thema „Sprache“ ist so weitläufig und diffizil, besonders wenn man verschiedene Sprachen und deren Eigenheiten und Herkunft analysiert. Es genügen aber schon einige wenige Gedanken über eine einzige Sprache, um sich darüber klar zu werden, dass unsere Sprache ein wichtiges Instrument ist, über das wir uns unterscheiden und definieren. Sprache lebt und verändert sich, jeden Tag, ein Leben lang, wobei sie sich nicht notwendigerweise über das gesprochene Wort definiert. Sprache muss gepflegt werden, in all ihren Äußerungsformen. Sprache ist wertvoll.