Archiv der Kategorie: Gelesen

Jahresrückblick 2013 – Comics

Nachdem DC Comics im Jahr 2012 seinem Universum einen Neustart verpasste, zog Konkurrent Marvel wenig später nach. Die Ereignisse von Marvel Now! – so der Name des neuen Konzepts – trafen in diesem Jahr endlich auch auf Deutsch in den Comicläden ein. Neben den großen Umwälzungen bei den Superhelden gab es 2013 selbstverständlich eine Fülle an weiterem, buntem Lesestoff.

Im Folgenden präsentiere ich interessierten Lesern meine persönlichen Top 10 der Comics (inklusive Manga), die für mich im vergangenen Jahr aus der großen Anzahl an qualitativ hochwertigen Publikationen besonders herausragten. Bedingung für die Aufnahme in diese Liste ist, dass im Jahr 2013 mindestens ein Heft erschienen ist – egal in welcher Sprache. Der Beginn und auch das Ende der Serien können deshalb, bei unterschiedlicher Veröffentlichung in unterschiedlichen Ländern, weiter in der Vergangenheit liegen.

  1. Saga (Image Comics, in Deutschland bei Cross Cult)
  2. Sweet Tooth (DC Comics / Vertigo, in Deutschland bei Panini Comics)
  3. Gute Nacht, Punpun (Inio Asano, auf Deutsch erschienen bei Tokyopop)
  4. Teenage Mutant Ninja Turtles – City Fall Storyline (IDW Comics)
  5. Dexter (Marvel Comics)
  6. Die Neuen X-Men (Marvel Now!, in Deutschland bei Panini Comics)
  7. Bryhildr in the Darkness (Lynn Okamoto, auf Deutsch erschienen bei TokyoPop)
  8. Batman – Der Tod der Familie Storyline (DC Comics, in Deutschland bei Panini Comics)
  9. Shifter (Anomaly Productions)
  10. Die Kinder des Kapitän Grant (Alexis Nesme, auf Deutsch erschienen bei Splitter)

(Links zu den Verlagsseiten.)

Achtung!
Diese Liste ist rein subjektiv! ;-)

Es donnern die Motoren

Selbst für mich als Menschen mit vielen und verschiedenen Interessen, gibt es Themen, für die ich mich wenig begeistern kann. Die Formel 1 gehört dazu. Obwohl ich schöne und schnelle Autos mag, empfinde ich das Beobachten von rasenden und am Ende trotz aller Kurven im Kreis fahrenden Boliden als nicht sonderlich spannend. Eingefleischte Fans wie Speedwriter33 mögen mich gerne als Banausin titulieren. Das nehme ich in Kauf.

Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass mich Ron Howards neuer Film, Rush (Link zu IMDB), nicht ins Kino locken konnte, wenngleich ich Chris Hemsworth für einen talentierten Schauspieler halte, der über das Image als langhaariges, blondes Muskelpaket hinauszuwachsen vermag. Das im Film beschriebene Duell der beiden Rennfahrer fand statt, bevor ich das Licht der Welt erblickte. Nichtsdestotrotz weiß ich um Niki Laudas spektakulären Unfall. Ich kann mich sogar daran erinnern, dass mich die Berichterstattung darüber im Fernsehen fasziniert hat, die im Zusammenhang mit Rückkehr des Fahrers in die Formel 1 wieder auflebte. Für mich blieb Niki Lauda seitdem der „Rennfahrer mit den verkohlten Ohren“. Morbide Dinge haben einfach schon immer eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bleibe dabei, mir im Kino Muskelmänner in getunten Sportwägen mit donnernden Motoren anzusehen und glänzende Lacke und schicke Lichter auf der Internationalen Automobil-Ausstellung zu bewundern. Das Beurteilen von Dingen, die mit dem „richtigen“ Motorsport zusammenhängen, überlasse ich Spezialisten. Deshalb freue ich mich sehr, dass Speedwriter33 eine wunderbare Filmkritik zu Rush geschrieben und auf seinem Blog veröffentlicht hat. Diese möchte ich allen Interessierten hiermit ans Herz legen (Link zum Artikel). Wer die Kommentarfunktion unter der Rezension vermisst, kann seine Anmerkungen gerne unter diesem Artikel loswerden.

Die Kunst des Knotens

Es ist immer wieder erstaunlich, über welche Themen in den Medien – besonders in den Online-Medien – berichtet wird. Nicht alles, was im Internet publiziert wird, ist interessant. Viele Seltsamkeiten tummeln sich im Netz. An nicht wenigen kuriosen Berichten und Bildern bleibe ich regelmäßig hängen. Es ist sicher die kunterbunte Vielfalt im Netz, die auch große News-Seiten dazu inspiriert, das Interesse ihrer Leser mit auf den ersten Blick seltsam anmutenden Artikeln zu wecken, die näher betrachtet aber interessante Botschaften vermitteln. Hauptsache die Neugierde wird geweckt! So widmet sich Spiegel Online in einem lesenswerten Artikel dem Zusammenhang von Schuhen, Schnürsenkeln und Mathematik. (Quelle: Spiegel Online)

Zuerst faszinierte mich das Geschriebene, mehr noch weckte das letzte Bild der dazugehörigen Fotostrecke mein Interesse. Als ich den Text unter dem Bild las, traute ich meinen Augen kaum. Das Binden einer Schleife mag für den Außenstehenden nun nicht gerade ein spektakuläres Thema sein, über das es sich länger nachzudenken lohnt. Es gab diesbezüglich allerdings ein Erlebnis in meiner Kindheit, an das ich mich immer erinnern werde.

Es begab sich in den frühen Achtzigerjahren. Ich war im Kindergarten. Da die nette, verständnisvolle und für die Gruppe normalerweise zuständige Erzieherin aus irgendeinem Grund nicht zur Hand war, versuchte sich eine Vertreterin am täglichen Gruppenspiel im Stuhlkreis. Die resolute Dame mit der Absicht, den Kleinen an diesem Tag unbedingt etwas fürs Leben zu lehren, teilte an jedes Kind ein langes Band aus. Dieses musste im Sitzen um einen Oberschenkel gewickelt werden, auf dessen Oberseite eine Schleife gebunden werden sollte. In der Tat konnten einige Kinder sich noch nicht alleine die Schuhe zubinden. Dieser Zustand sollte nun für immer beendet werden.

Die Vertretungserzieherin zeigte langsam, wie das Schleifebinden ihrer Meinung nach richtig ging: Ein einfacher Knoten. Eine Schlaufe. Das andere Band um die Schlaufe herum. Durchziehen. Festziehen. Fertig. So musste das gemacht werden.

Dumm nur, dass ich nicht zu den Kindern gehörte, die keine Schleife binden konnten. Meine Mutter hatte mir schon längst beigebracht, meine Schuhe selbst zuzubinden, allerdings auf eine weniger komplizierte Art: Ein einfacher Knoten. Zwei Öhrchen (Schlaufen). Mit den Öhrchen einen weiteren einfachen Knoten binden. Festziehen. Fertig. Für mich als Kind ging das viel einfacher von der Hand, als die umständliche Wickelaktion mit anschließendem Durchziehen.

Zuerst versuchte ich der Verzieherin – in Anbetracht ihrer Sturheit sicher der passendere Ausdruck – zu erklären, dass es nicht nur eine Möglichkeit gab, musste mich argumentativ aber einem mehrfachen, profanen „Nein!“ geschlagen geben. Solche Situationen sollten mir im weiteren Leben – vor allem im Arbeitsleben – noch öfter begegnen. Sie wollte einfach nicht hören. Argumentieren zwecklos. Schließlich hatte sie sich zuvor penibelst zurechtgelegt, was sie an diesem Tag lehren wollte und es wäre ja unerhört, wenn sie sich da von einem kleinen Naseweis dazwischenfunken hätte lassen. Und wie sie es lehren wollte! Als es um das Leeren des Gruppenraumes am Ende des Vormittages ging, setzte sie kurzerhand fest, dass nur diejenigen Kinder aufstehen und gehen durften, die erfolgreich eine Schleife gebunden hatten.

Ein Mädchen neben mir verzweifelte an dem für Kinderhände komplizierten Knoten. Ich konnte das nicht mit ansehen und verweigerte mich zu dem Zeitpunkt innerlich schon aus purem Trotz dem Lerninhalt. Als die Verzieherin sich verzog und mir den Rücken zuwandte, da sie damit beschäftigt war, anderen Kindern ihre Wahrheit über schön gebundene Schleifen einzutrichtern, zeigte ich dem Mädchen geschwind meine Schleifentechnik. Sie begriff es sofort und freute sich. Verschwörerisch sah ich sie an und legte meinen Finger auf den Mund: „Pssst!“ Im nächsten Moment rief ich die sture Madam herbei und wir präsentierten ihr unsere Ergebnisse. Sie nickte erfreut und lobte obendrein die schönen, gleichmäßigen Schleifen. Dass diese anders gebunden worden waren, als von ihr vorgegeben, bemerkte sie auch mit prüfendem Blick nicht. Wir durften (endlich) gehen.

Jahre später stupste mich eines Tages bei einem Bummel in meiner Heimatstadt ein weibliches Wesen von der Seite an. „Hey! Ja! Du bist es!“ Ich war verwirrt. Wer war sie? Woher kannte sie mich? „Wir waren zusammen im Kindergarten! Du hast mir beigebracht, wie man Schuhe zubindet! Erinnerst du dich? Die Schleifen!“ Natürlich erinnerte ich mich an die Verzieherin, auch wenn ich inzwischen längst beide Schleifentechniken beherrschte. Aus dem Mund der jungen Dame folgte der erstaunlichste Satz der ganzen Geschichte: „Weißt du, ich binde meine Schuhe bis heute so zu!“ Ich war total baff und absolut gerührt. Weder den Tag im Kindergarten, noch das Wiedersehen werde ich jemals vergessen.

Zurück zum Foto auf Spiegel Online und dessen Beschreibungstext, in dem etwas von Kreuzknoten und Altweiberknoten steht, die miteinander verglichen werden. Beim Lesen ratterte es in meinem Hirn und da ich nicht sofort etwas mit den beiden Begriffen anfangen konnte, forschte ich nach. Wikipedia sei Dank (Links im Text) fand ich schnell heraus, was sich hinter den beiden Worten verbirgt und wo die Unterschiede liegen. Schleife ist eben doch nicht gleich Schleife! Die Methode, die mir meine Mutter als die einfachere beibrachte, die zwei kleinen Mädchen lange Erklärungen von einer sturen Frau ersparte, stellte sich am Ende doch als die eigentlich vorteilhaftere Schleife zum Schuhebinden heraus.

Die Windsbraut

Vor dem Fenster bläst der Wind durch die Bäume. Im Haus hört man ab und an Türen zuknallen, wenn sich ein Windstoß an ihnen zu schaffen macht. Das lässt mich an einen lustigen Verhörer aus meiner Kindheit denken.

Wenn bei meiner Oma im Haus eine Tür vom Wind zugeschlagen wurde, sagte sie immer: „Hui! Die Windsbraut!“ Sie murmelte das weniger für mich, als vielmehr vor sich hin. Eine Redewendung eben. Dass der Wind schuld war an dem Geräusch war mir als Kind bewusst. Ich hielt es deshalb nicht für sonderlich beachtenswert. Den Spruch der Großmutter hörte ich nur mit einem Ohr. Trotzdem setzte er sich in meinem Hirn fest und ich dachte im Hinterkopf ein wenig länger darüber nach.

Ich hatte schon immer eine blühende Fantasie, die mir bis heute sehr wichtig ist und die daran schuld ist, dass sich alles was ich lese und höre sofort in meinem Kopf in Bilder umwandelt. Es passiert, ob ich es will oder nicht. Mein Kopfkino ist sehr leicht zu aktivieren. Da ich der Oma nicht so genau zugehört hatte, verstand ich zwar das Wort, dachte aber aus unerfindlichen Gründen, es würde anders geschrieben – mit „z“statt „ds“ in der Mitte, also „Winzbraut“. Vor meinem inneren Auge entstand sofort ein Bild von einem winzigen Wesen, ähnlich einer Fee, das im weißen, luftigen Gewand mit dem Wind durchs Haus fliegt und die Menschen ärgert, indem es Türen zuschlägt. Es war ja auch logisch, dass die Braut so klein sein musste, denn wie könnte sie sonst mit dem Wind weiterziehen? Dank ihrer Winzigkeit passt sie durch das Schlüsselloch und kann auch im nächsten Raum ihre Streiche spielen.

Den Verhörer aufgeklärt, hat einige Zeit später meine Mutter, als ich kühn versuchte, den Spruch selbst anzuwenden und gleich die passende Erklärung mitliefern wollte. Wir lachten darüber herzlich. Sie erzählte mir bei der Gelegenheit, dass sich wohl fast jeder Mensch irgendwann einmal verhört – egal ob in der eigenen oder eine anderen Sprache – und dass dabei die wildesten Missverständnisse herauskommen können.

Ein wunderbares Buch zum Thema „Verhören“ haben Axel Hacke und Michael Sowa geschaffen. Genau genommen sind es drei kleinere Bücher, die inzwischen als Zusammenfassung erhältlich sind und die ich jedem, der sich selbst schon einmal verhört hat, empfehlen möchte: Der weiße Neger Wumbaba I – III (Link zur Produktseite auf Amazon.de). Viele der darin aufgeführten Verhörer waren mir neu, viele kannte ich aus Erzählungen aus der Familie und aus dem Freundeskreis. Der lockere Schreibstil in Kombination mit wunderschönen, humorvollen Bildern, haben mich beim Lesen mehrfach laut auflachen lassen.

Nachdem sich die Vorstellung von der winzigen, schelmischen Frau, die sich mit dem Wind durch die Häuser treiben lässt, erst einmal in meinem Kopf festgesetzt hatte, ergab eine größere Windsbraut fast keinen Sinn mehr – bis auf die Schreibweise, das Wort an sich, versteht sich. Selbst wenn ich heute darüber nachdenke, gefällt mir die Winzbraut immer noch besser als die Windsbraut. Auch Stephen King und sein Revolvermann wissen schließlich, dass Wind durch Schlüssellöcher bläst …

Leselieblinge

Kettenaktionen – egal ob es Briefe auf Papier, E-Mails oder Posts sind – stehe ich schon immer kritisch gegenüber. Etliche Kettenbriefe sind schon zu Schulzeiten bei mir versiegt. Die einzige Aktion, an der ich mich tatsächlich beteiligt habe, war der Hefekuchen „Hermann“, der irgendwann in der Schule die Runde machte. Ich habe ihn „gefüttert“ und gepflegt, bis er groß genug war, um gebacken zu werden. Er schmeckte hervorragend, weshalb ich seine Ableger, inklusive dazugehöriger Anleitung, sogar weiterverbreitet habe. Alle anderen Vorhaben, die auch nur annähernd an Kettenbriefe erinnerten, habe ich geflissentlich ignoriert.

Nun macht ein Kettenblogpost die Runde. Er nennt sich „Liebster-Blog-Award“. ponyhofbesucher war so freundlich und hat mich in diesem Zusammenhang bei der Aufzählung seiner Lieblingsblogs genannt. An dieser Stelle möchte ich mich dafür von Herzen bedanken. Ich bin froh, wenn es da draußen Leute gibt, die meinen Blog lesen und denen meine Artikel obendrein gefallen. Die Spielregeln, die sich die Teilnehmer bei der Vergabe des Awards auferlegen, sind vom Aufwand her nicht zu verachten, weshalb die Nominierung eine noch größere Ehre für mich ist.

Aber auch wenn ich die Aktion unter dem Aspekt, dadurch neue Blogs und Blogger kennenlernen zu können, toll finde, werde ich mich den Regeln der Kettenaktion nicht unterwerfen. Gleichwohl lasse ich mir einige Empfehlungen in eigener Sache nicht nehmen.

Um meine persönlichen Lieblingsblogs zu empfehlen habe ich meine Blogroll. Alle Seiten, die dort genannt sind, kann ich jedem Leser nur ans Herz legen, ganz ohne Ausnahme und ohne Wenn und Aber. Trotzdem möchte ich die Gelegenheit nutzen, um vier ganz besondere Blogger zu erwähnen, ohne die ich mir den Stream in meinen Reader einfach nicht mehr vorstellen kann.

Zum ersten ist da Herr Hallmackenreuter, den ich im Real Life schon lange kenne und dessen Freundschaft ich sehr schätze. Er schreibt treffend, charmant und witzig und bringt mich oft zum Schmunzeln. Das Einzige, was ich bei seinem Blog vermisse, sind Kommentarfunktionen. So muss ich ihm meine Anregungen auf anderem Wege zukommen lassen. Auch er lässt sich die eine oder andere Anmerkung zu meinem Blog nicht nehmen. Ich schreibe hier nun schon eine ganze Weile über dies und das und es macht mir riesigen Spaß. Herr Hallmackenreuter macht mich bisweilen dezent auf manchen Tippfehler und darauf aufmerksam, dass ich doch viel mehr über Filme, als über andere Dinge schreibe. Dabei ist es überhaupt nicht meine Absicht, mich ausschließlich mit einem Thema befassen oder mich thematisch festzufahren. Wie dem auch sei, ich werde mich weiterhin bemühen, abwechslungsreiches Lesevergnügen zu präsentieren – nicht nur für Herrn Hallmackenreuter, versteht sich.

Als zweiten Blogger möchte ich First.Person.Writer erwähnen. Auch er ist ein geschätzter Freund in der Welt außerhalb des Internet. Die Themenvielfalt, die er auf seinem Blog präsentiert, ist erstaunlich. In Artikeln von verschiedenen Länge – mal nur ein Satz, mal mehrere Seiten – widmet er sich allen Bereichen des Lebens. Ich mag seine Sicht auf die Dinge. Er ist ein wahres Interpretationsgenie und entdeckt in Videospielen einige Aspekte, der mir ohne ihn verborgen geblieben wären. Besonders schätze ich darüber hinaus den Austausch mit ihm über Filme.

Ein weiterer Schreiberling, den ich zwar nicht persönlich kenne, der mir aber mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist, ist niggli-aigner. Auf seinem bunten und stilvollen Blog präsentiert er eine tolle, interessante und immer aktuelle Mischung. Er verehrt den Meisterautor Stephen King genauso sehr wie ich, weswegen ich mit ihm gerne Gespräche über den Dunklen Turm und andere Welten führe. Zusätzlich ist er ein Filmenthusiast, was zu weiteren regen Diskussionen über dieses Thema führt.

Als letztes möchte ich eine Bloggerin erwähnen, die sich mit diversen Familiengeschichten innerhalb kürzester Zeit einen festen Platz in meinem Reader erobert hat: Good Word for Bad World. Die wortgewandt erzählten Erlebnisse entlocken mir nur allzu oft ein breites Lächeln und lächeln ist toll und gesund.

Weitere Leselieblinge befinden sich, wie oben bereits erwähnt, in meiner Blogroll. Über mich selbst und meine Gedankengänge erfahren geneigte Leser in meinen Artikeln genug. Ich verzichte deshalb darauf, zusammenhanglos weitere Fakten aufzulisten. Fragen an andere Blogger äußere ich lieber persönlich und in den Kommentaren zu den jeweiligen Artikeln – soweit Kommentarfunktion vorhanden, versteht sich. Und wer mir Fragen stellen will, nur zu. Ich bin zum Austausch jederzeit gerne bereit.

Ich freue mich über alle treuen, über alle neuen Leser und auf viele weitere Beiträge und Gespräche. Der ponyhofbesucher, dessen Blog über Games, alte Zeiten und andere Gedankengänge ich im Übrigen auch sehr schätze und regelmäßig lese, möge mir meinen eigenwilligen Umgang mit dem Liebster-Blog-Award verzeihen. Meine einzige wirkliche Ketten(re)aktion wird der Hefekuchen bleiben. Falls mir heute jemand einen solchen Teigableger anbieten würde, würde ich sogar ernsthaft überlegen, ihn wieder aufzupäppeln. Er war schon außerordentlich schmackhaft, der gute Hermann …

Bildergeschichten

Ich lese Comics, viele Comics. Jede Woche führt mein Weg mindestens einmal in den Comicshop meines Vertrauens (Link zum Blog des T3 in Frankfurt). Unter den Heften und Büchern mit Bildergeschichten aller Art finden sich regelmäßig solche, die aus der Masse herausstechen. Diesen Artikel möchte ich deshalb nutzen, um einige Comics vorzustellen, die mir in den letzten Wochen und Monaten besonders positiv aufgefallen sind.

Buddha

Bei den japanischen Comics, den Manga (Link zu Wikipedia), ist mir ein Werk unglaublich ans Herz gewachsen: Buddha (Link zur Übersichtsseite der Serie beim Carlsen-Verlag) von Osamu Tezuka (Link zu Wikipedia). Tezuka war ein Mangaka mit Leib und Seele. Er lebte für das Zeichnen und hat viele einzigartige Serien geschaffen. In Buddha erzählt er die Lebensgeschichte von Siddharta Gautama (Link zu Wikipedia), dem Begründer des Buddhismus. Er folgt dem historischen Charakter von der Geburt an und beschreibt in einzigartigen Bildern dessen Lebens- und Leidensgeschichte. Bis Siddharta zum „Erwachten“ werden kann, muss er eine lange und beschwerliche Reise auf sich nehmen, immer auf der Suche nach Erleuchtung und dem ewigen Leben. Er schreckt vor nichts zurück und probiert alles aus, was nur den geringsten Anschein hat, ihn den ersehnten Antworten näher zu bringen. Im aktuellen fünften Band, der den Untertitel „Die Askese“ trägt, wird die Verbissenheit und die Sehnsucht des Charakters besonders deutlich. Wenn Siddharta sich beinahe zu Tode hungert und sich im nächsten Moment, egal wie geschwächt er ist, rührend um seine Mitmenschen kümmert, wird einem als Leser die Größe und Bedeutung dieser Figur bewusst.

Ich beschäftige mich schon lange mit dem Buddhismus und seine Lehren, außerdem verehre ich die Werke von Osamu Tezuka. Deshalb musste ich diese Serie selbstverständlich lesen. Ich kann sie aber auch historisch interessierten Manga-Neulingen empfehlen, die bereit sind, sich auf eine neue Art der Erzählung einzulassen. Tezukas Zeichenstil mag jenen, die vorher noch nicht mit seinen Comics in Berührung gekommen sind, vielleicht etwas befremdlich vorkommen. Die Zeichnungen in Buddha sind am ehesten vergleichbar mit einer Mischung aus sehr frühen Mickey-Mouse-Versionen und ähnlich überzeichneten Figuren wie Popeye. Alles wirkt reduziert und teilweise fast rudimentär. Die einzelnen Charaktere transportieren jedoch, ganz unabhängig von der ersten Wirkung ihres Aussehens, so viele Emotionen, dass man sich ihrem Bann schon nach einigen gelesenen Seiten nicht mehr entziehen kann.

Dank der hochwertigen Hardcover-Ausgabe des Carlsen Verlags, inklusive erklärenden Einleitungen und einigen sehr schön gestalteten Farbseiten, wird das Lesen dieses Klassikers, der nicht umsonst 2004 und 2005 mit dem unter Comickünstlern begehrten Eisner Award (Link zu Wikipedia) ausgezeichnet wurde, zu einem wahren Genuss. Die gesamte Serie erscheint in 10 Bänden von denen bis zum heutigen Tag bereits 5 erschienen sind.

Jinnrise

Der US Comicverlag IDW Publishig (Link zur Homepage) veröffentlicht eine Menge Comicheftserien, die ich regelmäßig meiner Sammlung hinzufüge. Seit Januar 2013 befindet sich eine neue Serie im Verlagsprogramm, auf deren Folgehefte ich nun Monat für Monat sehnsüchtig warte: Jinnrise (Link zur offiziellen Homepage der Serie).

Jinnrise handelt von dem Studenten Andrew Marcus, der bei einer Reise nach Marokko mitten in ein fantastisches und actiongeladenes Abenteuer schliddert, das seine Weltanschauung in den Grundfesten erschüttert und für immer verändern wird. Bei einem Bummel über einen Basar wird er Zeuge eines Angriffs von außerirdischen Kreaturen, den Kibrani. Die Invasoren sind den Erdenewohnern keinesfalls freundlich gesonnen. Um ein Haar wäre dieser Ausflug sein letzter gewesen, wären da nicht ein kleiner Junge und ein Flaschengeist, der  Dschinn Jabal, die dem verdutzten Andrew kurzerhand das Leben retten. Es beginnt eine spannende Geschichte über fremde Kulturen, Vorurteile und Freundschaften, die trotz des bunten Gewandes stets auch Stoff zum Nachdenken bietet und die trotz all ihrer fantastischen Elemente der Realität nicht gänzlich fremd ist.

Das erste Heft beginnt sehr actionreich und wirkt gleichermaßen wie eine Einführung und eine Teaser-Ausgabe. Viele Fragen bleiben offen und werden erst in den folgenden und noch kommenden Heften beantwortet. Das einzigartige Charakterdesign und die sympathischen, humorvollen Protagonisten halten die Spannung aufrecht und geben der Serie ihren besonderen Charme. Die Künstler sind allesamt noch recht unbekannt, aber so talentiert, dass sie mit dieser Serie sicher bald einige Bekanntheit erlangen werden. Bisher sind von Jinnrise insgesamt 4 Hefte erschienen. Wer einen gut sortierten Comichändler in der Nähe hat, der auch US-Hefte führt, sollte unbedingt einen Blick auf diese Serie werfen.

Atalante

Der Splitter Verlag (Link zur Homepage des Verlages) ist bekannt für seine qualitativ hochwertigen Comicalben. Unter den Mai-Neuheiten befindet sich der erste Band einer wunderschönen Serie des belgischen Comiczeichners Crisse (Didier Crispels, Link zu Wikipedia): Atalante (Link zur Serienübersicht auf der Splitter-Webseite).

Atalante erzählt in farbenprächtigen Bildern die Geschichte der schönen und draufgängerischen Jägerin Atalante, einer Figur aus der griechischen Mythologie (Link zu Wikipedia). Mit seinen Zeichnungen entführt Crisse den Leser in eine Welt voller fantastischer Kreaturen, die detailreiche Landschaften bevölkern. Die Charakterdarstellungen sind liebevoll-comichaft und unglaublich ausdrucksstark. Nach dem aktuellen ersten Band freue ich mich schon sehr auf die kommenden Alben. Wer ein Herz für alte Götter- und Heldensagen, für schlagfertige Heldinnen und für fabelhafte Wesen hat, der sollte sich dieses Comicmeisterwerk nicht entgehen lassen.

Manchmal kommen sie wieder

„Du wirst es nicht glauben, was ich letzte Woche in einer Buchhandlung gesehen habe!“ begann meine Mutter am Telefon ein neues Thema. Ich tippte im Geiste auf irgendetwas das die Buchreihe „A Song of Ice and Fire“ betrifft, die ich mittels Weihnachtsgeschenk erfolgreich an sie herangetragen habe. Aber weit gefehlt! „Sie sind wieder da!“ frohlockte Mama weiter. Ganz im Gegensatz zu düsterer Fantasy ging es um etwas sehr Buntes und Lustiges. Nach einem verwirrten Grunzlaut meinerseits löste sie das Rätsel endlich auf: „Die kleinen Büchlein über die Damen und Herren gibt es wieder!“

Diese Nachricht zauberte sofort ein Lächeln auf mein Gesicht, ging es doch um die Kinderbuchreihe Unsere kleinen Damen und Herren von Roger Hargreaves (Links zu Wikipedia), jene Serie von kleinen, quadratischen Büchern, die ich als Kind so verehrte. Ich habe sie alle gesammelt, vom ersten bis zum letzten Büchlein und ich habe sie heute noch. Die kleinen Damen und Herren schlummern in einer großen Kiste im Keller, bereit zum richtigen Zeitpunkt hervorgeholt und der nachfolgenden Generation vorgelesen zu werden.

In Großbritannien sind die „Mister Men and Little Miss“, so lautet der Original-Titel der Serie, seit ihrem ersten Erscheinen Kult. Es gibt nicht nur die Bücher, sondern auch Spielsachen in verschiedensten Ausprägungen, Formen und Größen. Wer in England in ein Spielwarengeschäft geht, der kommt um die Figuren des britischen Kinderbuchautors und -illustrators nicht herum. Auf der offiziellen Webseite feiern die kleinen Damen und Herren gerade ihr vierzigstes Jubiläum. Mutmaßlich ist dieses auch der Grund dafür, dass man sich nun in unseren Landen an einer Neuauflage versucht.

Versuchen? Ja, ich nenne es lieber so. Wie meine Mutter in unserem Gespräch später leicht konsterniert feststellte, hat man nämlich die Namen der lustigen Figürchen einfach geändert, sie modernisiert. Im Jahr 2013 halten unnötige Anglizismen fröhlich Einzug in die Kinderzimmer. Dass wir heute ohne verenglischte Sprache kaum mehr auskommen, ist mir klar. Ich selbst komme oft nicht mehr ohne aus. Dank Werbung ruft es quasi Anglizismen von jeder Straßenecke. Sprache lebt, Sprache verändert und vermischt sich. Das ist auch in gewissem Maße wichtig und richtig so. Die ursprünglichen Übersetzungen der Geschichten der kleinen Damen und Herren waren allerdings so liebevoll, dass man in diesem Fall getrost ohne auskommen könnte.

Nach dem Telefonat musste ich mich natürlich sofort selbst vergewissern, was da los war. Ein kurzer Blick auf Amazon bestätigte, weshalb meine Mutter schon in der Buchhandlung die Stirn runzelte: Unser Herr Killekille heißt nun Mister Kitzel. Warum „Mister“ und nicht mehr „Herr“? Und warum nur langweilig „Kitzel“? Im Original heißt er „Mister Tickle“, ja, aber in meinen Augen war „Herr Killekille“ definitiv die schönere Übertragung ins Deutsche. Auch die restlichen Damen und Herren haben ein sprachliches „Makeover“ verpasst bekommen, eines schlimmer als das andere. Herr Dussel wurde zu Mister Dämlich, wobei „dämlich“ einen furchtbar negativen Beigeschmack hat. Das hat er wirklich nicht verdient. Aber es geht noch dämlicher, denn Herr Schussel wurde zu Mister Aua. Den kleinen Damen ergeht es nicht besser als den Herren. Rosi Rundlich wurde zu Miss Vielfraß, Sofie Säuberlich zu Miss Tipptopp. Es sind Kinderbücher, ja, aber das sollte für Übersetzer kein Freibrief für puren Schwachsinn sein. Auch sollten Treue und Respekt zum Original keine Entschuldigung für Wortverbiegungen sein.

So sehr ich mich freue, dass auch die Kinder, deren Eltern die kleinen Büchlein nicht aufgehoben haben, nun die Chance haben, in den Genuss dieser unglaublich lehrreichen und gleichzeitig wahnsinnig charmanten und lustigen Geschichten zu kommen, so sehr ärgern mich die neuen Namen. Ich werde meine Sammlung deshalb nun noch mehr in Ehren halten. Man kann es mit den Anglizismen auch übertreiben. Die Bücher waren perfekt so wie sie waren und auch wenn ein Rechtewechsel oder Verlagswechsel zur Neuauflage oder irgend etwas anderes der Grund für die Neuübersetzung war, hätte man sich dennoch näher an die ursprüngliche Übertagung ins Deutsche halten können.

Es ist stets ein schmaler Grad, auf dem sich Übersetzungen bewegen, die das Original möglichst genau wiedergeben wollen. Immer mehr herrscht heute der teilweise sture und hirnlose Zwang vor, sich an das Original zu klammern. Ich werde das Gefühl nicht los, dass man noch vor einiger Zeit für vieles, was nicht auf Anhieb passte, kreativere Auswege gesucht hat, auch bei Filmen. So geht mir der unsägliche Satz aus „Iron Man 2“ nicht aus dem Kopf, als Iron Man seinen (ebenfalls in einer Kampfrüstung befindlichen) Gegner in der deutschen Fassung fragt „Du willst eine War Machine sein?“ (Original: „You want to be a War Machine?“), nur damit der indirekte Verweis auf den Namen des Helden im Comic „War Machine“ nicht verloren geht. Es gibt unzählige weitere Beispiele. Heraus kommen krampfige Übersetzungen, denen man den verlorengegangenen Wortwitz noch stärker anmerkt. Deshalb lese und schaue ich wo es geht immer lieber das Original.

Bei Kinderbüchern ist das natürlich eine andere Sache. Für die kleinen Damen und Herren würde ich mir jedenfalls wünschen, dass man für die nächste Auflage die Übersetzung noch einmal überdenkt. Wer die alte Version nicht kennt, wird sich vielleicht weniger daran stören, ich allerdings bleibe dabei: Die alte Übersetzung der Namen war die bessere.

Nichtsdestotrotz kann ich die kleinen Damen und Herren allen Eltern ans Herz legen. In meinem Kopf haben sie sich festgesetzt. Was habe ich mit meinen Eltern gelacht, wenn Herr Killekille einfach Leute durchkitzelt, wenn Herr Neugierig überall seine Nase hineinsteckt und sich die Nachbarin mit einer Wäscheklammer wehrt, oder wenn Herr Schussel versucht, sich nicht mehr überall zu stoßen. Jede einzelne der Figuren von Roger Hargreaves ist das Extrem von einer nur allzu menschlichen Eigenschaft. Einen Teil von sich wird jeder in fast allen von ihnen wiedererkennen. Für mich bleibt dies eine der schönsten Kinderbuchreihen aller Zeiten.

Meine Ausführungen zu diesem Thema möchte ich mit einem denkwürdigen, vielsagenden und ambivalent einsetzbaren Satz von Wendi Wirrwarr beenden, der mir noch heute des Öfteren und bei den verschiedensten Gelegenheiten durch den Kopf spukt:
„Und es ist doch Hackfleisch.“