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Gerippe, Schein und Sein

Oskar. So hieß das erste, lebensgroße, menschliche Plastikskelett, das ich in der Schule sah. Lange Zeit war dieser Name für mich deshalb gleichbedeutend mit Skeletten. Zumindest so lange, bis ich begann, mich intensiver für Filme zu interessieren und mitbekam, dass es da in der großen weiten Welt, auf der anderen Seite des großen Teichs, kleine, goldene Trophäen gibt, die einmal im Jahr verliehen werden und die den gleichen Namen tragen (bis auf einen läppischen Buchstaben).

Am vergangenen Sonntag war es wieder soweit: Die Oscars wurden verliehen. Ich habe die Preisverleihung nicht live im Fernsehen gesehen, mich aber selbstverständlich, wie es sich für eine anständige Cineastin gehört, im Nachhinein intensiv darüber informiert.

In den Medien kam man in den vergangenen Tagen auch kaum an diesem Thema vorbei. Jeder hatte etwas zu sagen, jeder wollte seine Meinung zu dem großen Event und zu den Preisträgern kundtun, die von der Academy mit einem der kleinen, goldenen Männchen bedacht wurden. Skandale und Skandälchen wurden beschrieben. Gründe für oder gegen Entscheidungen wurden ausgeführt. Eine wahre Bilderflut ergoss sich über alle Kanäle. Natürlich schaute auch ich mir gerne die Bilder von den Stars und Sternchen auf dem roten Teppich an und bewunderte ihre tollen Roben.

Da ich zugegebenermaßen (noch) nicht alle, der nominierten Filme gesehen habe und konnte ich mir auch noch keine abschließende Meinung zur diesjährigen Preisverleihung bilden. Einige Filme werde ich sicher noch nachholen und sie dann wie gewohnt einzeln besprechen.

Filme verdienen Aufmerksamkeit, egal ob sie oscarnominiert sind, oder nicht. Solange sie es schaffen, auf irgendeine Weise mein Interesse zu wecken, bin ich gerne bereit mich mit ihnen zu befassen. Am Ende ist es der persönliche Geschmack, der entscheidet und so darf man nie vergessen, dass auch die Jury der Academy nur aus Menschen besteht, die alle eigene Ansichten haben. Mann kann vieles in die Entscheidungen hineininterpretieren, vielleicht sollte man das aber gar nicht tun. Die Oscar-Verleihung ist vor allem ein Fest, bei dem sich Hollywood und die Filmbranche selbst feiert. Ein verdientes Fest, wie ich finde.

Dolby Theatre, HollywoodLetztes Jahr führte mich meine Hochzeitsreise direkt nach Hollywood. Das Hotel, in dem wir nächtigten, war nur einen Steinwurf vom Walk of Fame entfernt. Gerade weil die Erinnerungen an die Reise noch so frisch sind, haben mich dieses Jahr insbesondere die Bilder von den Vorbereitungen zur Oscar-Verleihung fasziniert. Mir war gar nicht bewusst, dass der rote Teppich mitten auf der Straße aufgebaut wird. Es ist ob seiner Größe logisch, aber vieles begreift man eben erst richtig, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat.

So ging es mir generell mit dem Film an sich als Kunst und Werk. Ich konnte zuvor noch so viel lesen und ansehen, welche Arbeit in einem Film wahrhaftig steckt, konnte ich erst fassen, als ich zum ersten Mal ein Filmstudio besuchte. Schon ein Besuch vor Jahrzehnten in den Bavaria Filmstudios in München bestärkte meine Faszination. Was ich in den großen Studios in Hollywood sah, faszinierte mich noch viel mehr. Auch wenn ich nur das Touristenprogramm absolvierte, bekam ich doch genug Einblick, um Filme noch mehr würdigen zu können.

Die menschliche Arbeit, gute und ehrliche Arbeit, zu großen Teilen Handarbeit, die geleistet werden muss bis Filmkulissen stehen, die Masse an Menschen, die an der Entstehung eines Films beteiligt sind und die vielen Tricks, mit denen gearbeitet wird um das Ergebnis auf der Leinwand zu perfektionieren, das alles vergisst man leicht, wenn man einen Film konsumiert. Das Filmemachen an sich ist nicht wirklich glamourös. Man darf es nicht mit den rauschenden Premierefeiern verwechseln.

Was für eine großartige Leistung die Schauspieler vollbringen, indem sie uns das, was wir im Film sehen, glaubhaft machen, wurde mir in Hollywood erst richtig bewusst. Oft wird über die Marotten und die Selbstdarstellung von Schauspielern gemeckert. Wenn sie einen Film drehen, sind es aber sehr oft nicht sie, die den Ton angeben. In der verbleibenden Zeit zwischen verschiedenen Anstellungen müssen sie sich verkaufen, auf sich aufmerksam machen und vielleicht auch ein bisschen kompensieren, dass sie beim Drehen nur ein Rädchen im großen Getriebe sind. Ich bewundere deshalb die Schauspieler umso mehr, die mit wenigen Marotten oder gar allürenfrei auskommen. So gönne ich beispielsweise Christoph Waltz seinen diesjährigen Oscar sehr.

Gerade weil die Produktion eines Films so umfangreich ist, finde ich es übrigens gut, dass es die „kleineren“ Oscar-Kategorien, wie Make-up, Ton und Szenenbild gibt. Sie erinnern die Zuschauer daran, dass zum Filmemachen mehr gehören, als nur die Stars, die von den Plakaten herabblicken und die Zuschauer ins Kino locken. Ohne all diese Menschen wären Filme wie Gerippe, blasse Gebilde ohne Fleisch und Blut.

Hollywood ist mehr Schein als Sein, das wird einem an geradezu jeder Straßenecke dort bewusst. Die Menschen, die es schaffen, den großen Schein zu wahren und aufrechtzuerhalten, der so viele Zuschauer unterhält haben sich ihr großes Fest einmal im Jahr verdient. Skandale, Skandälchen, Allüren und Politik hin oder her. Ob die ausgezeichneten Filme auch als solche empfunden werden, das muss jeder Zuschauer am Ende für sich selbst entscheiden.

Von Siegern und Heimkehrern

In Hollywood wurden wieder einmal Trophäen verteilt: Goldene Weltkugeln. Die Rede ist natürlich von den Golden Globes (Link zur Offiziellen Webseite).

Ob man die Meinung der Jury teilt, von der die Preise vergeben werden, bleibt natürlich jedem Film- und Serien-Fan selbst überlassen. Ich persönlich habe mich über die Meldung gefreut, dass Quentin Tarantino und Christoph Waltz jeweils eine der begehrten Trophäen erhielten, denn ich verehre die Arbeit von beiden sehr. Ihren neuen Film Django Unchained werde ich mir ansehen und separat darüber berichten. Auch der Animationsfilm Merida (Brave) wurde mit einem Golden Globe ausgezeichnet, den er meiner Meinung nach ebenfalls verdient hat. (Links zu IMDB, auch die folgenden Links)

Ich habe (teilweise noch) nicht alle der nominierten Filme und Serien gesehen, weshalb ich mir auch kein abschließendes Urteil zum Thema Golden Globes erlauben kann.

Was ich allerdings gesehen habe, ist die TV-Serie Homeland, die ebenfalls mit drei der begehrten Weltkugeln ausgezeichnet wurde. Das sind bei weitem nicht die ersten Preise, die die Serie erhalten hat. Schon 2012 wurden den Schauspielern und Machern von Homeland Golden Globes, Emmys und weitere Preise verliehen. In den Medien wurde Homeland schon oft als bedeutende Drama-Serie gelobt, was mich, neben dem Rummel um die ganzen Preise, dann auch dazu veranlasst hat mir die erste Staffel anzusehen.

(Achtung: Der Rest dieses Artikels enthält Spolier zur ersten Staffel von Homeland!)

Leider muss ich sagen, dass ich den Hype um Homeland nicht wirklich nachvollziehen kann. Die Geschichte um den im Irakkrieg verschollenen Soldaten Nicholas Brody (Damian Lewis), der nach acht Jahren wieder auftaucht, beginnt durchaus sehr spannend, Zusammen mit der CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes) fragt sich der Zuschauer, ob der Heimkehrer während seiner Gefangenschaft zum Überläufer und damit ein Terrorist geworden sein könnte.

Die erste Hälfte der ersten Staffel dreht sich nur um diese Fragestellung und wird damit zum meiner Meinung nach stärksten Part von dieser. Denn leider wird die Frage viel zu schnell beantwortet. Das Verwirrspiel alleine und die verschiedenen Plottwists hätte man mit weiteren Inhalten anfüllen und sicherlich über die gesamte Staffel hinweg behandeln können. Hätte man weiterhin solch gute Ideen wie zu Beginn gehabt und diese konsequent umgesetzt, hätte man Brodys Beweggründe noch eine ganze Zeit lang verschleiern können. Stattdessen wird Brody (zumindest für die Zuschauer) schnell als Überläufer enttarnt. Dadurch ergibt sich natürlich die Möglichkeit auch noch seine Gefangenschaft zu beleuchten, zusätzlich zum ständig drohenden Attentat.

Der größte Fehler, den die Serie begeht, ist in meinen Augen der, dass was Brody anbelangt zu früh alle Karten auf den Tisch gelegt werden. Zwar verbleiben dennoch einige Überraschungsmomente, jedoch büßen diese dadurch an Wirkung ein, dass die Charaktere in der Kürze der Zeit und durch die Masse an Inhalten nicht wirklich vorgestellt werden und auch keine ausreichende Entwicklung erkennen lassen können.

In der zweiten Hälfte der Staffel bekommen die Zuschauer Brodys Zeit im Irak und in Gefangenschaft in Rückblenden präsentiert. Allerdings vollzieht sich die Gehirnwäsche so schnell, dass das Ganze auf mich doch (sicher unfreiwilligerweise) sehr unrealistisch wirkte. Der Mann war ganze acht Jahre von Zuhause entfernt und muss ein regelrechtes Martyrium an Gedanken und Sehnsüchten durchlebt haben. Heimweh, Gedanken an die geliebte Familie, Gedanken über den Krieg, Gedanken über seinen Job als Soldat – all diese Dinge werden weder behandelt noch im Detail dargestellt. Viel zu schnell fügt er sich nach unmenschlichen Folterqualen in sein Schicksal ein, vertraut dem einzigen Menschen, der ihn in der Fremde gut behandelt und macht dessen Ideale zu den eigenen, schmiedet sogar selbständig Rachepläne an seinem Heimatland.

Die menschliche Entwicklung von Brody halte ich an sich nicht für unrealistisch. Es ist natürlich möglich, Menschen durch Folter und verschiedene psychologische Techniken zu indoktrinieren und auch so weit zu treiben, dass sie bereit sind, als Märtyrer zu sterben und andere Menschen mit in den Tod zu reißen. Allerdings ist Gehirnwäsche kein leichter Prozess und er ist sicherlich auch mit Rückschlägen verbunden. All diese Aspekte lässt Homeland in seiner ersten Staffel außen vor, meiner Meinung nach auf Kosten der Glaubwürdigkeit der Serie. Auf der anderen Seite werden den Charakteren auch teilweise in meinen Augen unnötige Wesenszüge verpasst. So muss eine CIA-Agentin auf der Suche nach der Wahrheit nicht unbedingt manisch-depressive Züge haben, um den Konflikt mit ihren Kollegen zu verstärken.

Von der reinen filmischen Qualität der Bilder würde ich die Serie am ehesten mit 24 vergleichen, wobei ich 24, trotz zugegebenermaßen unrealistischerer Storyline und noch mehr Plottwists, nach wie vor für die bessere Serie halte.

Kiefer Sutherland habe ich den toughen Jack Bauer sofort abgekauft. Bei Homeland finde ich die schauspielerischen Leistungen sowohl von Damian Lewis wie auch von Claire Danes nicht restlos überzeugend. Es gibt mittlerweile auch einfach viele überragende Seriendarsteller. Es mag sein, dass es das Fangirl ist, das aus mir spricht, aber dennoch kann ich mich dem Eindruck nicht erwehren, dass Bryan Cranston in Breaking Bad mehr schauspielerische Leistung zeigt – oftmals nur in einem Blick – als die Darsteller in Homeland in einer ganzen Szene. Das ist aber eben nur meine persönliche Meinung.

Ich bitte an dieser Stelle ausdrücklich darum, mich nicht falsch zu verstehen. Homeland ist keine absolut schlechte Serie. Die Idee dahinter ist und bleibt spannend und für amerikanische Verhältnisse vielleicht auch revolutionär und preisverdächtig. Sicherlich werde ich mir auch die zweite Staffel ansehen. Ich bin gespannt, wie man das Ganze weiterentwickelt. Soweit ich weiß wird Brody zum Doppelagenten und dieses Thema bietet durchaus einiges an Potenzial. Ich halte Homeland jedoch nicht für so überragend, wie es oftmals dargestellt wird und den Medienhype halte ich für übertrieben. Breaking BadThe Sopranos oder Dexter, nur um ein paar Beispiele zu nennen, sind als Serien in meinen Augen Homeland weit überlegen.

Was für Überlegungen bei der Vergabe der ganzen Preise an Homeland eine Rolle spielten, weiß ich nicht. Es wäre ja auch irgendwie schwachsinnig über Jahre hinweg immer die gleichen Serien zu ehren. Vielleicht ist Homeland ja nun auch genug geehrt worden.

Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn spätestens im nächsten Jahr bei den Preisverleihungen wieder Platz für neue Serien ist. Die US-Serienlandschaft wird glücklicherweise immer spannender, denn es gibt immer mehr gute TV-Serien mit tollen Ideen und hochkarätigen Darstellern. Für Nachschub für Serienjunkies wie mich wird bestens gesorgt.

Königliche Fantasie

Große Fantasy-Epen werden, dank dem wachsenden Interesse der Filmindustrie an fantastischen Geschichten und dank moderner Tricktechniken, die das möglich machen, was viele Jahre als unmöglich erschien, einem immer breiteren Publikum bekannt. Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien und A Song of Ice and Fire (bzw. der Name des ersten Buches A Game of Thrones) von George R.R. Martin sind nur zwei Beispiele.

Ein Epos, das ich persönlich in den nächsten Jahren gerne verfilmt sehen würde, ist der Dunkle-Turm-Zyklus von Stephen King. Das großartige Werk besteht aus nicht weniger als sieben Büchern:

  • Band 1: Schwarz (The Gunslinger)
  • Band 2: Drei (The Drawing of the Three)
  • Band 3: Tot (The Waste Lands)
  • Band 4: Glas (Wizard and Glas)
  • Band 5: Wolfsmond (The Wolves of the Calla)
  • Band 6: Susannah (Song of Susannah)
  • Band 7: Der Turm (The Dark Tower)

Ein weiterer Band Wind (Wind Through the Keyhole), der zwischen den Bänden 4 und 5 spielt, ist erst vor Kurzem erschienen.

In den ersten sieben Bänden beschreibt Stephen King die Suche des Revolvermannes Roland Deschain von Gilead nach dem Dunklen Turm. Er ist der letzte seiner Art und bereist eine fantastische Welt, die zu sterben droht, in der Hoffnung sie am Ende vor der Zerstörung durch den Scharlachroten König retten zu können. Im Laufe der Geschichte bekommt er drei Gefährten zur Seite gestellt, die unterschiedlicher und vielschichtiger nicht sein könnten: Den Jungen Jake Chambers, den Drogensüchtigen Eddie Dean und Susannah, eine Frau mit multiplen Persönlichkeiten.

Stephen King beginnt seine Geschichte langsam und lässt dem Leser viel Zeit, sich in Rolands Welt zurechtzufinden. Den ersten Roman würde ich als einen Western-Roman mit fantastischen Elementen beschreiben. In den Bänden 2 und 3 geht es dann schon fantastischer zu. Band 4 enthüllt die Vorgeschichte und die Herkunft des Revolvermannes, bis die Reise der Gefährten dann in den Bänden 5 bis 7 fortgesetzt und zu Ende geführt wird.

Eine komplette Inhaltsangabe von Rolands Reise möchte ich an dieser Stelle gar nicht geben. Interessierte finden in den Weiten des WWW genügend Informationen darüber. Ich kann die Bücher nur jedem ans Herz legen, der fantastische Geschichten mag und bereit ist, sich auf ein gänzlich anderes Fantasy-Erlebnis einzulassen, mit Cowboy-Rittern, Burgen, Robotern, Türen zu anderen Welten und noch viel, viel mehr.

Der Autor selbst bezeichnet den Dunklen Turm als sein wichtigstes Werk. In der Geschichte des Revolvermannes werden viele aus anderen Büchern des Autors bekannte Charaktere und Geschichten zusammengeführt. Zusätzlich wird auch in anderen Büchern Bezug auf den Dunklen Turm genommen. Das bedeutet allerdings nicht, dass man alle King-Romane gelesen haben muss, um den Dunklen-Turm-Zyklus lesen und verstehen zu können. Das Werk kann durchaus für sich selbst stehen. Stephen-King-Fans werden allerdings sicher das eine oder andere mehr verstehen, als King-Neulinge.

Ich selbst habe die ersten drei Bücher über den Dunklen Turm am Stück gelesen und den Rest immer dann, wenn ein neues Buch erschienen ist. Zu der Zeit war noch nicht einmal bekannt, ob und wie die Geschichte überhaupt zu Ende gebracht wird und wie viele Bücher sie am Ende umspannen wird. Neue Leser haben nun den großen Vorteil, dass sie gleich alle sieben Bände am Stück lesen können. Das garantiert ein komplett anderes Leseerlebnis. Während ich mich beispielsweise über Band 4, in dem der Revolvermann seine Herkunft erläutert, die eigentliche Reise aber kaum fortgesetzt wird, wunderte und ihn deshalb als nicht wirklich spannend abgetan habe, ist er im Gesamtkonzept am Ende jedoch sehr wichtig und erzählerisch richtig platziert. Ich hingegen schmorte 6 Jahre mit einem großen Stirnrunzeln vor mich hin, bis die Reise weiterging.

Die Idee zu einer Verfilmung von Stephen Kings Meisterwerk existiert bereits, es wurden schon Konzepte, bestehend aus Filmen und TV-Staffeln, aufgestellt. Leider sind, soweit ich weiß, bis jetzt alle Anläufe gescheitert und eine konkrete Umsetzung scheint aktuell noch in weiter Ferne. Ich hoffe einfach weiterhin, dass sich irgendwann ein mutiges Team an Produzenten, Regieführenden und Schauspielern finden wird, das die zugegebenermaßen wirklich nicht leichte Aufgabe angehen wird.

Als Schauspieler für die Hauptrolle war bereits von Javier Bardem und Russel Crowe die Rede. Von beiden würde mir persönlich ersterer als Roland besser gefallen. Über weitere Rollen ist nichts bekannt, allerdings hat Aaron Paul über Twitter Interesse an der Rolle des Eddie Dean bekannt, sollte es jemals zu einer Verfilmung kommen. Er wäre meiner Meinung nach eine sehr gute Wahl, wenn nicht sogar die Idealbesetzung.

Ich werde das Geschehen rund um den Dunkeln Turm jedenfalls weiter mit großem Interesse beobachten und würde mich über eine gut gemachte Verfilmung, die natürlich auch dem Umfang des Werkes gerecht werden muss, freuen. In der Zwischenzeit freue ich mich über die Comicumsetzung der Materie aus dem Hause Marvel Comics, die gerade durch ihre vielen abstrakten Elemente überzeugt. Die Comics erscheinen auf Deutsch bei Splitter Comics (Link zur Serie auf der Splitter-Homepage). Auch ist es gut, dass Stephen King den Revolvermann und seine Welt offenbar noch nicht ganz verlassen hat, was der neueste Band beweist.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern lange Tage und angenehme Nächte.

Jahresrückblick 2012 – Comics

Um meinen Rückblick auf das Jahr 2012 zu komplettieren, stelle ich im Folgenden meine ganz persönliche Hitliste zum Thema Comics (inklusive Manga) zusammen.

Einige der aufgeführten Serien laufen schon länger oder es gab sie bereits in anderen Ausführungen. Dessen bin ich mir bewusst. Trotzdem nehme ich sie in meine Liste auf. Als Voraussetzung verlange ich, dass im Jahr 2012 mindestens ein Heft erschienen ist.

  1. The Walking Dead (Image Comics)
  2. The Boys (Dynamite Entertainment, Abschluss der Serie in 2012)
  3. Before Watchmen (DC Comics)
  4. Planetoid (Image Comics)
  5. Anomaly
  6. Green Lantern (DC Universe Relaunch, in Deutschland bei Panini Comics)
  7. El Mercenario (Vicente Segrelles, auf Deutsch erschienen bei Splitter)
  8. Buddha (Osamu Tezuka, auf Deutsch erschienen bei Carlsen Comics)
  9. Lord of the Jungle (Dynamite Entertainment)
  10. He-Man and the Masters of the Universe (DC Comics)

(Links zu den Verlagsseiten.)

Achtung!
Diese Liste ist rein subjektiv! 😉

Gewaltige Anomalie

Ein Comic, der in jeder Hinsicht eine Anomalie ist, aber eine sehr positive: Anomaly. Die Macher Skip Brittenham und Brian Haberlin präsentieren mit diesem Werk etwas Neues, etwas Einzigartiges und im wahrsten Sinne des Wortes etwas Gewaltiges.

IMG_0812Alleine das riesige Buch an sich wird in jeder Comicsammlung sofort als „Anomalie“ auffallen: 370 Seiten, Hardcover, Querformat. Geliefert wird Anomaly in einem schicken Pappkarton, so dass dem guten und teuren Stück (75,00 US Dollar UVP) nichts passiert und damit der Sammler es gut verwahren kann. Links ein Bild von meinem Exemplar, aufgeschlagen. Darüber befindet sich der Karton.

Anomaly ist in keiner Hinsicht normal. Es ist groß (Format ca. 41,5 x 30 x 3,5 cm), es ist massiv (3,2 kg) – definitiv kein Buch, das man vor dem Einschlafen im Bett oder auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn lesen kann. Alleine schon wegen dieser Ausmaße verlangt das Werk von seinem Leser, dass er sich mit ihm beschäftigt, es nicht einfach konsumiert. Man sollte es am besten an einem Tisch lesen. Anders ist es kaum zu bewältigen.

Das Artwork von Anomaly ist atemberaubend. Jede Seite ist ein einzigartiges Kunstwerk. Die Macher entfalten vor dem Leser eine facettenreiche Zukunftsvision mit allem, was das Herz eines Science-Fiction-Fans begehrt. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht zu sehr auf die Inhalte eingehen, da ich mich selbst mit diesen noch eingehender beschäftigen muss. Eine gute Quelle für Interessierte ist die offizielle Webseite.

Anomaly ist aber nicht nur größenmäßig etwas Besonderes. Es gibt eine kostenlose App für Apple- und Android-Geräte, die das Buch um eine UAR (Ultimate Augmented Reality) erweitert. Für den Leser bedeutet das, dass er auf bestimmten Seiten interaktive Inhalte ansehen kann, wer er sie mithilfe der App betrachtet. So erscheinen auf dem Display des Smartphones beispielsweise detaillierte und nützliche Informationen über Alienrassen und Technik, gepaart mit Figuren, die quasi aus dem Buch „herauswachsen“ und die sich bewegen, wenn sie angetippt werden. Das Ganze ist wirklich spitzenmäßig gemacht und perfekt in das Gesamtkonzept eingearbeitet. Die Inhalte der UAR-App werden kontinuierlich erweitert, so dass es sich sicherlich lohnt, sich mit Anomaly mehr als einmal zu befassen.

Anomaly ist kein gewöhnlicher Comic, es ist ein Erlebnis, der Name der offiziellen Webseite ExperienceAnomaly.com besagt es schon. In den kommenden Monaten soll das Ganze um weitere Funktionen und neue Aspekte (z.B. ein Spiel) erweitert werden.

Ich persönlich bin restlos begeistert von diesem mutigen und neuen Konzept, das so vieles in sich vereint und ich bin gespannt, wie es die Macher weiterentwickeln werden. Comic- und Science-Fiction-Fans, die für eine echte Anomalie, ein Erlebnis, bereit sind, sollten sich Anomaly nicht entgehen lassen.

Von Essenswächtern und Erleuchtungen

Wenn ich lese, dass Foodwatch sich wieder einmal zu irgendetwas geäußert hat, kann ich mir mittlerweile ein präventives Stirnrunzeln kaum verkneifen. Regelmäßig rege ich mich über die Feststellungen und Erkenntnisse des gemeinnützigen Vereins auf, der auf seiner Webseite unter dem Motto „Die Essensretter“ für seine Kampagnen wirbt. Die Wächter von Foodwatch haben es sich als Ziel gesetzt, die Werbelügen der Lebensmittelindustrie schonungslos aufzudecken und die Verbraucher zu schützen. Prinzipiell ist das ein lobenswertes Vorhaben. Was dabei herauskommt, sind meiner Ansicht nach jedoch nicht mehr als banale Allgemeinplätze.

Ein gutes Beispiel ist die aktuelle Kampagne von Foodwatch gegen Cerealien und Frühstücksflocken, die speziell Kinder ansprechen sollen oder in irgendeiner Weise als für Kinder geeignet gekennzeichnet sind. Der Stern berichtete am 17. Dezember 2012 in einem Artikel auf seiner Webseite darüber.

Dass man Kinder nicht schon früh an viel Zucker und zu süße Lebensmittel gewöhnen soll, ist richtig, aber die Tatsache, dass die meisten Cerealien – und dabei spielt es keine Rolle, ob sie für Kinder oder für Erwachsene entwickelt wurden – im Grunde zu viel Zucker enthalten, ist keine Neuigkeit. Das war schlichtweg schon immer so. Aus was soll die weiße Kruste auf den bereits eine gefühlte Ewigkeit auf dem Markt befindlichen Kellogg’s Frosties bitte sonst sein? Wer etwas, das er seinen Kindern zu essen gibt, immer zuerst einmal selbst testet, wird schnell feststellen, wie süß es schmeckt, seien es Cerealien oder andere Lebensmittel. Das wiederum kann ja nur an Zucker oder anderen Süßungsmitteln (die alle nicht minder ungesund sind) liegen.

Generell würde ich, trotz aller Nachteile und Gefahren, davon abraten Cerealien generell zu verurteilen. Kinder können meiner Meinung nach ruhig ein paar süße Frühstücksflocken essen, solange die restliche Ernährung stimmt. Eine kleine Portion Cerealien ist noch weniger schlimm, wenn sie als Frühstück beispielsweise mit Obst und einem Vollkornbrot kombiniert wird. Ich selbst habe als Kind schon süße Cerealien als Frühstücksbestandteil gegessen und es hat mir, zumindest soweit ich es beurteilen kann, nicht geschadet. Man muss alles immer relativ betrachten.

Ich bin kein Freund von falschen Werbeversprechen, und ich bin auch der Meinung, dass auf diversen Produkten (nicht nur auf Lebensmitteln) mit zu großen Versprechen geworben wird, die am Ende nicht eingelöst werden können. Allerdings ist Schönreden doch die Kernaufgabe von Marketing und Werbung. Diese simple Tatsache ist kein Geheimnis und sollte mittlerweile jedem Verbraucher ausreichend bekannt sein. Zu oft und zu viel werden wir überall und jeden Tag mit Werbung aller Art konfrontiert – egal ob online oder offline, ob mit Bildern oder ohne.

Die entscheidende Frage, die ich mir bei den Kampagnen der „Essensretter“ stelle, egal ob sie Frühstücksflocken oder andere Lebensmittel betreffen, ist: Für wie unmündig und unwissend hält Foodwatch uns eigentlich?

Eltern, denen ihre Kinder am Herzen liegen, informieren sich über gesunde Ernährung und wollen ihnen eine solche bieten. Generell halte ich die Masse der Verbraucher heute für so schlau, dass sie nicht blind alles glaubt, was ihr auf Produktverpackungen und in der Werbung vorgekaut wird. Dafür sind einfach zu viele Informationen zu leicht für jeden verfügbar. Ich halte die große Mehrheit für clever und mündig genug, zu verstehen, dass etwas, was süß schmeckt, nicht unbedingt gesund ist und dass Zusatzstoffe, egal was sie (angeblich) bewirken sollen, keine Alternative zu Vitaminen und Mineralien sind, die ganz natürlich in ausgewogener Nahrung vorkommen. Soviel Eigenständigkeit muss man den Konsumenten zutrauen und ich sehe es auch als Pflicht der Verbraucher und insbesondere von Eltern an, sich umfassend zu informieren und sich mit ihrem Konsumverhalten und dem ihrer Kinder zu befassen.

Warnungen sind gut, allerdings habe ich ein großes Problem mit überflüssigen Informationen, wie sie Foodwatch farbenfroh aufbereitet und als regelrechte Erleuchtungen präsentiert und ich habe ein Problem mit unnötiger Panikmache wie bei den Weihnachtlichen Warentests. Es wäre einfach schön, wenn die Warentester, Verbraucherschützer und Medien ihrem Publikum etwas mehr zutrauen würden und wenn sie endlich aufhörten an der falschen Stelle, mutmaßlich mehr um die eigene Existenz zu rechtfertigen als aus wohlwollenden Gründen, Dinge so schrecklich aufzubauschen.

Ende gut, alles gut?

Egal ob bei Filmen, TV-Serien oder Comics, der Gesamteindruck steht und fällt oftmals mit dem Ende, dem Abschluss, dem Finale – ganz unabhängig davon, ob es ein Happy End ist, oder nicht.

Eine Comicserie, die vor einigen Wochen ihren Abschluss fand, ist The Boys. Erdacht und geschrieben wurde dieses Werk von Comic-Mastermind Garth Ennis (siehe auch Comic Book DB), der bekannt ist für seine unkonventionellen Geschichten, die nie zimperlich und oftmals mit brachialen sprachlichen und optischen Mitteln erzählt werden. Die Serie handelt von einer Welt, in der es Superhelden gibt, die allerdings gar nicht so heldenhaft sind, wie sie eigentlich sein sollten, und von einem geheimen Team, das diesen „Helden“ und ihren Hintermännern das Handwerk legen soll. Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht verraten. Ich kann die Serie allen Comiclesern, die nicht vor derbem Humor und expliziten Bildern zurückschrecken, nur empfehlen. Mich hat The Boys über 6 Jahre von Heft zu Heft sehr gut unterhalten.

Als bekannt wurde, dass die Serie mit Heft 72 enden sollte, überkam mich sofort ein mulmiges Gefühl. Eine Serie, die mit jedem Heft in Sachen Story, Ideen und Brutalität neue Maßstäbe zu setzen versucht, kann nur mit einem großen Knall zu Ende geführt werden. Alles andere würde sich nicht richtig anfühlen. Der große Knall kam, mehrfach sogar, sehr zu meinem Vergnügen. Als ich die letzte Seite gelesen und das letzte Heft zugeklappt hatte, verblieb das Gefühl, dass hier alles richtig gemacht wurde. Das Ende war krass und es war richtig so. Aber trotz aller erzählerischer Lautstärke hat der Autor genug Raum gelassen, um alle Story-Enden zusammenzufügen und das Ende vom Ende reduzierter ausklingen zu lassen. Für mich präsentiert The Boys das Paradebeispiel eines zufriedenstellenden und echten Endes. Ich werde die Serie vermissen, aber gleichzeitig weiß ich, dass sie zu Ende ist und es eigentlich (sag niemals nie) kein weiteres Heft mehr geben kann. Wäre das Ende anders, bzw. offener ausgefallen, wäre ich sicherlich enttäuscht gewesen.

Dass ein Ende im Umkehrschluss aber auch nicht zwangsläufig alles ruinieren muss, hat mir eine Fernsehserie bewiesen: The Sopranos. Die großartige Geschichte der Mafiosofamilie Soprano endete mit Staffel 6. Die letzte Szene präsentierte ein Ende, das zugleich nichts und alles sein konnte. Es war ein offenes Ende. Ehrlich gesagt ist mir noch kein offeneres Ende untergekommen. Ich kenne Leute, die sind begeistert von diesem Ende, ich persönlich bin es nicht.

Der Grund dafür, dass das Ende von The Sopranos so konzipiert wurde, ist dass zu dem damaligen Zeitpunkt nicht sicher war, ob die Serie in irgendeiner Form fortgeführt werden sollte. Es war von Kinofilmen die Rede. Diese Idee wurde im Nachhinein aber offenbar recht schnell verworfen. Obwohl mir das Ende überhaupt nicht gefällt, ich es jedes Mal, wenn ich daran denke, noch immer als äußerst unbefriedigend empfinde und mich in Tiraden ergehen könnte, wie man es in meinen Augen hätte besser zu Ende bringen können, finde ich den Rest der Serie mehr als gelungen. Die Preise, die The Sopranos bekommen hat (Emmys, Golden Globes), wurden zu Recht vergeben. Das Ende hat das Gesamterlebnis für mich zwar leicht geschmälert, allerdings nicht so sehr, dass ich den Rest der Serie dafür komplett verurteilen könnte. Mutmaßlich liegt dies auch an der Länge der Serie und daran, dass das Positive alleine schon dadurch überwiegt.

Es gibt aber auch Enden, die mir persönlich den Rest von etwas komplett ruiniert haben. So erging es mir beispielsweise mit dem Film The Hangover. Die Kritiker und auch die Mehrzahl der Zuschauer liebten diese Komödie. Auch in meinen Augen war der Film nicht unlustig, allerdings empfand ich den ziemlich am Anfang gesetzten Hinweis auf das Ende ziemlich plump. Dafür, dass die Suche nach dem vermissten Freund den kompletten Film einnimmt und alles so dermaßen übertrieben aufgebauscht wird, hatte ich mir irgendwie eine großartigere und raffiniertere Auflösung gewünscht. Den ganzen Film über dachte ich mir (Achtung Spoiler für alle, die den Film noch nicht kennen): „Bitte, bitte, lass ihn nicht auf dem Dach sitzen.“ Und wo saß er? Natürlich auf dem Dach! Wo auch sonst?! Denn sonst hätte der Hinweis auf die Tür, die mit dem Stein aufgehalten werden muss, auch keinen Sinn ergeben (Spoiler Ende). Das Ganze hat mir am Ende jedenfalls so sehr missfallen, dass es mir den kompletten Film verhagelt hat.

Ende schlecht, alles schlecht. Das gibt es also durchaus auch.

Zu meinen derzeitigen Lieblingsfernsehserien zählen Breaking Bad und Dexter. Beide handeln von hoch kontroversen und komplexen Charakteren. Für beide steht, soweit ich informiert bin, bereits ein Ende fest. Die Geschichte um die faszinierende Charakterentwicklung von Walter White endet mit Staffel 5 und der „Bay Harbor Butcher“ treibt nur noch bis zum Ende einer achten Staffel sein Unwesen in Miami.

Sowohl Breaking Bad, wie auch Dexter leben vom Spiel mit den Begriffen „gut“ und „böse“, die im Verlauf der Serien immer wieder neu definiert und hinterfragt werden. Die dunklen Seiten der Hauptcharaktere können vom Zuschauer nicht einfach ignoriert werden. Das hat jedoch zur Folge, dass diese Serien quasi nach einem richtigen, einem endgültigen Ende verlangen. Wenn ich daran denke, wird mir schon etwas mulmig.

Werden die Macher es schaffen, einen sinnvollen Abschluss zu finden? Ich persönlich bin bei beiden Serien was das anbelangt zuversichtlich, schon aufgrund ihrer bisher meiner Meinung nach anhaltend guten Qualität, und ich bin ehrlich gespannt wie ein Flitzebogen.

Am Ende des Tages ist ja alles doch auch wieder Geschmacksache. Die einen mögen es, die anderen nicht und jeder muss am Ende für sich selbst entscheiden ob „alles gut“ ist. Ich persönlich finde es allerdings sehr spannend, darüber nachzudenken, wie verschieden Enden sein können, wie gegensätzlich man sie empfinden kann und wie unterschiedlich sie sich auf ein Gesamterlebnis auswirken können, ganz egal durch welches Medium uns dieses vermittelt wird.