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Veränderung und Verstehen

In den letzten Tagen ging ein bestimmtes Thema durch die Presse. Ich nahm es erst nur mit einem Auge wahr. Je länger ich aber darüber nachdachte, desto mehr beschäftigte es mich. Es nistete sich in den Windungen meines Gehirns ein und rotierte in meinem Kopf. Es ist eines dieser Themen, über das heftig diskutiert wird. Mittlerweile wurde an vielen Stellen viel dazu publiziert. Auch wenn vielleicht schon alles irgendwo und irgendwie dazu gesagt wurde, kann ich nicht anders, als an dieser Stelle auch meine bescheidene Meinung zu äußern.

Um was es hier eigentlich geht? Ich spreche von der Überarbeitung von Kinderbuchklassikern, wie Die kleine Hexe und Der Räuber Hotzenplotz von Otfried Preußler (Links zu Wikipedia). Der Stern berichtet in einem Artikel auf seiner Webseite darüber und auch in anderen Medien, z.B. Spiegel Online, las ich darüber. Die ganze Diskussion fing aber schon vor Weihnachten an, als Familienministerin Kristina Schröder – neben anderen Dingen, die allerorten heiß diskutiert wurden – kundtat, dass sie beim Vorlesen bisweilen Stellen zensiere, bzw. beschönige.

Ich habe in meiner Kindheit viele Kinderbuchklassiker vorgelesen bekommen und selbst gelesen. Die kleine Hexe und Der Räuber Hotzenplotz waren ebenso darunter wie Pippi Langstrumpf, Max & Moritz, Die Abenteuer des Tom Sawyer, Die Abenteuer des Huckleberry Finn, Der Struwwelpeter und die Märchen der Gebrüder Grimm. All diese Geschichten wurden vor langer Zeit geschrieben. Die Zeiten ändern sich und damit auch die Gewohnheiten, Gepflogenheiten und Ansichten der Menschen. Auch die Sprache unterliegt im Laufe der Zeit einer stetigen Wandlung. Ständig drängen sich neue Begriffe in unseren Sprachgebrauch, werden verbreitet und ersetzen im täglichen Leben andere Begriffe. Das ist der Lauf der Dinge.

Aber muss man, nur weil neue Begriffe hinzukommen, die alten gleich vollständig streichen, auch wenn ein Autor sie zu seiner Zeit wohlüberlegt niedergeschrieben hat? Meiner Meinung nach muss man das nicht. Wie sollen Kinder ein solch wundervolles Werkzeug wie die Sprache verstehen und virtuos einzusetzen lernen, wenn sie nicht gezeigt und erklärt bekommen, wie sich diese im Laufe der Zeit entwickelt hat und dass man früher eben anders sprach, als heute. Ein großer Wortschatz ist ein Schatz, den man sich erarbeiten muss. Den Grundstein dafür legen die Eltern, indem sie mit ihren Kindern sprechen und sie in die Geheimnisse der Sprache einweihen.

Schon in meiner Kindheit war der Begriff Schuhe zu „wichsen“ nicht mehr gebräuchlich und jedem war bewusst, dass das Wort „Neger“ zwar früher nicht ausschließlich im rassistischen Sinn gebraucht wurde, dass es aber trotzdem zum allergrößten Teil negativ belastet ist. Meine Eltern haben mir den Gebrauch und die Bedeutung von alten Worten eben während des Vorlesens erklärt. Kleine Kinder verstehen mehr, als man ihnen oftmals zutraut. Davon bin ich überzeugt.

Zu meiner Zeit wurde im Kindergarten sogar oft „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ gespielt. Allerdings habe ich dabei nie an einen Menschen mit dunkler Hautfarbe gedacht, sondern eher an ein gruseliges Ungetüm, vielleicht eine Art Sensenmann. Ich weiß nicht, wie man mit diesem Spiel heutzutage umgeht, oder ob es aus politischer Korrektheit aus dem Repertoire der Kinderspiele gestrichen wurde. Man sprach jedenfalls zu meiner Zeit mit den Kindern über Begriffe und Redewendungen, über deren oftmals verschiedene Bedeutung und darüber, wie man Dinge unterschiedlich interpretieren kann.

Ich bin deshalb der Ansicht, dass man klassische Bücher und Geschichten weder umschreiben, noch zensieren muss. Dass manche Eltern heutzutage bestimmte Begriffe vielleicht selbst gar nicht mehr kennen, kann ich mir durchaus vorstellen. Darum hielte ich es für eine bessere Lösung, wenn die Verlage Fußnoten an alte Begriffe, bzw. an Begriffe, die aus heutiger Sicht kritisch sein könnten, anbringen und für Eltern und Kinder am Ende der Seiten entsprechende Erklärungen liefern würden. Man sollte den Menschen helfen, Veränderungen zu verstehen und sie nicht einfach vornehmen und damit jegliche Chance auf ein Dazulernen und auch auf den zumindest teilweisen Erhalt von Wissen zu nehmen.

Was die Zensur von brutalen Stellen betrifft, daran hat sich übrigens auch meine Mutter kurzzeitig versucht, allerdings vergeblich. Sie konnte „Pitsche, patsche Peter“ nur so lange umdichten, bis ich schließlich selbst lesen konnte, dass Peter angeblich von der Katze gefressen wird. Das jagte mir dann auch keine Angst ein, sondern kam mir nur total schwachsinnig vor. Eine Katze frisst weder kleine Jungs noch Schuhwichse, Verzeihung, Schuhcreme. Das weiß doch jedes Kind!

Immerhin habe ich mit meiner Mutter schon oft über ihre misslungenen, pazifistischen Zensurversuche herzlich gelacht, habe ich doch inzwischen schon mutwillig und oft viel Brutaleres gesehen und gelesen, ebenfalls zu meinem Amüsement. Märchen und Horrorroman liegen gar so weit auseinander. Man muss nur richtig und mit offenen Augen und klarem Verstand damit umgehen.

Dass die allermeisten, klassischen Kindergeschichten im Kern sehr brutal sind, hängt auch damit zusammen, dass ihre Autoren erzieherische Botschaften vermitteln wollten. Geh nicht alleine in den dunklen Wald! Iss deine Suppe auf! Benimm Dich ordentlich am Essenstisch! Spiele anderen keine fiesen Streiche! Zündhölzer gehören nicht in Kinderhand! Und so weiter und so fort. Überall wird auf vielfältigste Art und Weise bestraft, gelitten und gestorben. In einer Zeit, in der die Erziehungsmethoden aber über reine Bestrafung schon lange weit fortgeschritten sind, wirken die Geschichten, trotz aller Brutalität, lange nicht mehr so endgütig und bedrohlich. Es sind eben Geschichten. Als solche und nur als solche habe ich sie als Kind wahrgenommen. Angst vor der bösen Hexe hatte ich nicht.

Ich hänge noch heute an vielen Dingen aus meiner Kindheit. Vieles habe ich aufgehoben, in der Hoffnung, es eines Tages weitervererben zu können. Wenn ich nun über all die sprachlichen Veränderungen und Verschlimmbesserungen lese, bin ich froh, dass im Keller noch einige Kisten mit alten Büchern lagern. So habe ich eines Tages hoffentlich die Möglichkeit, einem eigenen Kind sprachliche Veränderungen zu zeigen und ihm zu helfen, diese zu Verstehen, ganz ohne tatsächliche Veränderung der eigentlichen Materie und ohne Zensur.

Andere Zeiten, andere Sitten, andere Sprache. Wer weiß schon, was man vielleicht in 100 Jahren anders sieht, schreibt und versteht? Dann geht die Veränderungsdiskussion von neuem los. Auch kleine Veränderungen ändern Dinge, auch wenn sie das Große und Ganze, z.B. den Sinn einer Geschichte, nicht verändern. Man sollte sich rechtzeitig für das Erklären, für das Verstehen und damit auch für das Bewahren entscheiden. Zu viel geht sonst vielleicht irgendwann endgültig verloren.

Das Lernen und der Turbolader

In den letzten Tagen widmeten sich die Medien an verschiedener Stelle wieder einmal dem sogenannten „Turbo-Abitur“, einem Gymnasialzweig, in dem Schüler in 8 statt 9 Schuljahren das Abitur erreichen können. Das Ganze wird deshalb auch oft als G8 bezeichnet, im Gegensatz zum G9-Abitur. Mein Abitur liegt schon lange Jahre zurück. Damals gab es nur G9.

Seit ich in meinem Leben mit dem Thema „Schule“ in Berührung kam, wird in Deutschland über das Schulsystem diskutiert und es wird in regelmäßigen und immer kürzer werdenden Abständen geändert. Die Systeme der einzelnen Bundesländer unterscheiden sich voneinander. Es gibt kein deutschlandweites Zentralabitur. Unser Bildungssystem befindet sich jedoch immer mehr auf dem Weg dorthin. Ich persönlich finde diese Entwicklung bedenklich.

Vergleichbarkeit in allen Ehren, aber nicht alles muss notwendigerweise bis ins kleinste Detail vergleichbar sein. Aufgewachsen an der Grenze zwischen zwei Bundesländern, konnte ich während meiner Schulzeit zwei verschiedene Schulsysteme miteinander vergleichen: das bayerische und das hessische. Ersteres wird von vielen Politikern oft als das Non-plus-ultra angesehen und geradezu in den Himmel gelobt. Die Bayern haben schon lange Zentralabitur, Extemporale und sehr eng gestrickte Lehrpläne. Alles ist genau vorgeschrieben und vergleichbar.

Bis zu einem gewissen Grad ist das auch vollkommen richtig und sinnvoll, aber nicht, wenn es dazu führt, dass lernwillige Schüler vernachlässigt werden und auf der Strecke bleiben. Vor allem vor dem Hintergrund der heute immer wichtiger werdenden Integration von Schülern mit Migrationshintergrund, ist es wichtig, das sich die Lehrer auf ihre Schüler und deren Bedürfnisse und Interessen einstellen können. Das ist bei zu strengen Vorgaben nicht möglich.

Vielleicht bin ich familienbedingt was dieses Thema anbelangt vorbelastet, denn meine Eltern waren beide Lehrer. Meine Mutter ist schon seit einigen Jahren pensioniert, kümmert sich aber auch heute noch, als ehrenamtlicher Lerncoach des deutschen Kinderschutzbundes, um Schüler mit Migrationshintergrund. Sie kann unterstützen und vermitteln, gegen das rigide bayerische Schulsystem kommt sie allerdings oftmals nicht an, egal wie groß die Begabung und der Wille ihrer Schützlinge sind.

In Hessen gab es in meiner Schulzeit noch kein zentrales Abitur. Ich habe dies als sehr positiv empfunden, da die Lehrer so den Lernstoff besser auf die Interessen ihrer Schüler und an den natürlichen Fortgang der Diskussion im Unterricht anpassen konnten, selbstverständlich aber nur in einem gewissen Rahmen. Generelle Vorgaben zu dem in den einzelnen Schuljahren zu absolvierenden Lernstoff gab es natürlich und diese muss es auch immer geben.

Das kleine aber feine Maß an Freiheit machte aber einen großen Unterschied, für Lehrer und Schüler. Auf aktuelle Themen wurde viel schneller reagiert und die Schüler mussten dementsprechend immer auf dem Laufenden bleiben, denn diese Themen konnten jederzeit auch in die Klausuren und sogar in die Abiturprüfung Einzug halten. Ein Zentralabitur kann meiner Meinung nach niemals so aktuell und zeitnah sein. Dazu sind die Abstimmungsprozesse viel zu schwerfällig. Man beschränkt sich dann lieber auf allgemeinere Aufgabenstellungen, wo doch in vielen Fächern, wie Geschichte und Gemeinschaftskunde, Aktualität das A und O ist.

Ich hatte das große Glück, dass viele meiner Lehrer, vor allem in der Oberstufe, sehr ambitioniert waren und ihren Beruf mit ganzem Herzen ausgefüllt haben. Schlechte Lehrer gibt es immer und es wird sie auch mit jedem Schulsystem geben. Man muss sich aber bewusst sein, dass ein unflexibles Schulsystem weniger arbeitswillige Lehrer begünstigt, die ihre Unterrichtsunterlagen ein Mal erstellen und sie dann möglichst lange nutzen wollen.

Nun aber zurück zum Anfang, dem Grund, warum ich diesen Artikel überhaupt erst angefangen habe. Viel wird heute wieder diskutiert, über das Gymnasium. Dabei geht es vor allem um die Verkürzung des Gymnasiums auf 8 Schuljahre. Der Volksmund nennt das dann Turbo-Abitur.

Nun gab es eine neue Studie, die sogenannte Kess-Studie, die als Ergebnis herausgefunden haben will, dass Schüler, die das Abitur nach 8 Jahren erhalten, besser lernen, als Schüler, die die Abiturprüfung erst nach 9 Jahren ablegen. Spiegel Online berichtete am 27. November 2012 darüber in einem Artikel.

Dieser Artikel brachte mich auf, wird dort ernsthaft das neue Schulsystem gelobt und der Studie Recht gegeben, ohne zu überdenken, was in den Ergebnissen ebenfalls implementiert sein kann. In Hamburg würden mehr Schüler die Abiturprüfung bestehen seit es dort G8 gibt. Das mag sein, vermutlich wurden zuvor aber auch viele Schüler durch das System „ausgesiebt“, die unter anderen Umständen das Abitur jedoch gemacht und bestanden hätten. Unter ihnen sicherlich auch viele Lernwillige.

G8 macht das Abitur nicht nur schwerer, sondern auch ungerechter. In 8 Jahren sollen Schüler den gleichen Lernstoff in ihre Köpfe pressen, wie ihre Vorgänger in 9 Jahren. Das geht einher mit zunehmendem Leistungsdruck und abnehmender Freizeit. Wer glaubt, dass die Lehrpläne für G8 eine sinnvolle Reduzierung und Entschlackung des vorherigen Lernstoffs darstellt, der irrt gewaltig. Es wurden lediglich dieselben Inhalte verdichtet auf einen kürzeren Zeitraum. Wird im Artikel behauptet, dass acht Jahre ausreichen können (Quelle: Spiegel Online), so ist das durchaus denkbar. Dafür müsste der Lernstoff aber nicht nur zeitlich komprimiert, sondern auch im Ganzen reduziert werden.

Der Vergleich mit einem Turbolader, der Luft verdichtet, ist deshalb recht treffend. Mehr erreichen durch schnelleres Hineinpressen von Lernstoff in die Schülerköpfe. Meiner Meinung nach ein bedenkliches Konzept, vor allem im Hinblick auf die Zeit, die die Schüler vor dem Abitur benötigen, um nach der Pubertät zu sich selbst zu finden und um ihre wirklichen Begabungen und Interessen zu analysieren und den weiteren Lebensweg zu planen. Was nutzt das schönste Turbo-Abitur-Zeugnis, wenn die Schüler anschließend orientierungslos dastehen, ohne sich genau bewusst zu sein, ob sie studieren oder eine Ausbildung machen wollen und welcher Fachrichtung genau sie sich beruflich zuwenden wollen?

Im Artikel von Spiegel Online heißt es weiter, die Kess-Studie belege, dass jeder, der über Wahlmöglichkeiten zwischen G8 und G9 nachdenke, dem „Leistungsgedanken des Gymnasiums schaden“ (Quelle: Spiegel Online) würde. Auch dies halte ich für eine sehr gewagte These. Das Gymnasium ist anspruchsvoll, das war es schon immer. Heute ist das Abitur wichtiger denn je, gilt es doch schon für die meisten Ausbildungsberufe als Voraussetzung. Im Zuge der vielen Reformen des Schulsystems wurden die anderen Schulformen meiner Meinung nach Stück für Stück viel zu sehr abgewertet. Ohne Abitur sind die Aufstiegs- und Einstiegschancen in vielen Berufen heutzutage sehr begrenzt.

Einen Tag, bevor besagter Artikel auf Spiegel Online erschien, veröffentlichte Die Welt auf ihrer Webseite einen Artikel über eine andere Studie, dessen Ergebnis ist, dass junge Menschen in Deutschland den Glauben an die Möglichkeit eines Aufstieges durch Leistung verlieren. Auch darin wird das Thema Schulsystem zum Teil behandelt.

Die Schweden machen uns offenbar vor, dass Schüler auch mit weniger Druck gute Leistungen bringen können. Angesichts dessen scheint es, als fokussiere man sich in Deutschland viel zu sehr auf besagten „Leistungsgedanken“. Scheinbar wird dieser auch automatisch gleichgesetzt mit einem bestimmten Leistungspensum, das wiederum an möglichst viel Lehrstoff gekoppelt ist.

Fokussiert man sich zu viel auf Leistung und darauf, was theoretisch von Schülern in einem bestimmten Alter geleistet werden könnte, vernachlässigt man vollkommen, dass jeder Schüler ein Individuum ist, mit ganz eigenem Potenzial und ganz eigenen Möglichkeiten. Wer sich nur auf die Masse und nicht auf den Einzelnen konzentriert, kann weniger Einzelnen zu Erfolg und zu guten Leistungen verhelfen. Die Schüler, die alleine nicht mehr weiter kommen, deren Eltern zuhause nicht nachhelfen können, sich möglicherweise nicht mit Nachhilfe auskennen und kein Geld für Nachhilfe haben, kommen nicht weiter. Sie strengen sich an, es fehlt ihnen aber das Werkzeug zum Lernen. Haben sie den Anschluss erst einmal verloren, werden sie vom nachfolgenden Lernpensum erdrückt. Kein Wunder, dass sie den Glauben an Aufstieg durch Leistung schon früh verlieren.

Aber sollte es nicht gerade die Aufgabe der Lehrer sein, möglichst viele Schüler mit möglichst vielen unterschiedlichen Potenzialen zum Erfolg zu verhelfen? Das ist gleichwohl herausfordernder aber sicherlich auch befriedigender als lediglich auszusieben und nur gleichartige Abiturienten zu „züchten“.

Als Folge dieses Systems nimmt der Leistungsdruck auf alle Beteiligten enorm zu: auf Schüler, Lehrer und auch auf Eltern. Es ist kein Wunder, dass viele daran verzweifeln und dass Schüler heutzutage schon in jungen Jahren extremen Stress empfinden. Stress gehört zum Leben, ist er doch ein ganz natürlicher Mechanismus, der uns in Situationen, in denen wir mehr leisten müssen, beflügelt. Zu viel Stress ist und bleibt aber ungesund.

Ich persönlich kann und will mich mit dem Turbo-Gedanken nicht anfreunden, wenn ich an zukünftige Generationen denke. Verkürzungen sind hier und da sicherlich sinnvoll in den angestaubten Lehrplänen für das Gymnasium. Durch sinnvolle Entschlackung wäre eventuell sogar eine allgemeine Verkürzung von G9 auf G8 möglich. Solange das aber nicht geschieht propagiere ich den Eltern und Schülern die Wahl zu lassen, welches für das Individuum der beste Weg ist. Der Fokus muss von der Masse wieder auf das Individuum gelenkt werden. Nur so kann jeder seinen eigenen Weg finden und nur so können möglichst viele einzelne zum Erfolg geführt werden. Das sollte das erklärte Ziel unseres Bildungssystems sein.

Der Turbo hört auch keinesfalls nach dem Abitur auf, gibt es doch nun die neuen Studiengänge mit Bachelor- und Master-Abschlüssen, die das gute alte Diplom abgelöst haben. Ein deutsches Diplom war einmal viel wert, auch im Ausland. Die neuen Abschlüsse sind bei Arbeitgebern nachweislich weniger beliebt, im In- und im Ausland.

Was kommt dann am Ende heraus bei all dem Turbo-Gelerne? Viel zu junge Absolventen, die unerfahren und teilweise auch sehr unselbständig sind, weil sie seit Beginn der Schulzeit durchweg verplant und mit Lernen beschäftigt waren. Für die Erforschung der eigenen Interessen und Ideen verbleibt einfach keine Zeit. Ewige Studenten sind selbstverständlich auch keine Lösung, aber ein Universitätsstudium war seit jeher verbunden mit wissenschaftlichem Arbeiten und nicht nur dafür da, turboschnell „Frischfleisch“ für die Wirtschaft bereitzustellen.

Turbo? Gehört ins Auto. Der Leistungsgesellschaft täte es gut, ihn öfter dort zu belassen.