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Von Siegern und Heimkehrern

In Hollywood wurden wieder einmal Trophäen verteilt: Goldene Weltkugeln. Die Rede ist natürlich von den Golden Globes (Link zur Offiziellen Webseite).

Ob man die Meinung der Jury teilt, von der die Preise vergeben werden, bleibt natürlich jedem Film- und Serien-Fan selbst überlassen. Ich persönlich habe mich über die Meldung gefreut, dass Quentin Tarantino und Christoph Waltz jeweils eine der begehrten Trophäen erhielten, denn ich verehre die Arbeit von beiden sehr. Ihren neuen Film Django Unchained werde ich mir ansehen und separat darüber berichten. Auch der Animationsfilm Merida (Brave) wurde mit einem Golden Globe ausgezeichnet, den er meiner Meinung nach ebenfalls verdient hat. (Links zu IMDB, auch die folgenden Links)

Ich habe (teilweise noch) nicht alle der nominierten Filme und Serien gesehen, weshalb ich mir auch kein abschließendes Urteil zum Thema Golden Globes erlauben kann.

Was ich allerdings gesehen habe, ist die TV-Serie Homeland, die ebenfalls mit drei der begehrten Weltkugeln ausgezeichnet wurde. Das sind bei weitem nicht die ersten Preise, die die Serie erhalten hat. Schon 2012 wurden den Schauspielern und Machern von Homeland Golden Globes, Emmys und weitere Preise verliehen. In den Medien wurde Homeland schon oft als bedeutende Drama-Serie gelobt, was mich, neben dem Rummel um die ganzen Preise, dann auch dazu veranlasst hat mir die erste Staffel anzusehen.

(Achtung: Der Rest dieses Artikels enthält Spolier zur ersten Staffel von Homeland!)

Leider muss ich sagen, dass ich den Hype um Homeland nicht wirklich nachvollziehen kann. Die Geschichte um den im Irakkrieg verschollenen Soldaten Nicholas Brody (Damian Lewis), der nach acht Jahren wieder auftaucht, beginnt durchaus sehr spannend, Zusammen mit der CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes) fragt sich der Zuschauer, ob der Heimkehrer während seiner Gefangenschaft zum Überläufer und damit ein Terrorist geworden sein könnte.

Die erste Hälfte der ersten Staffel dreht sich nur um diese Fragestellung und wird damit zum meiner Meinung nach stärksten Part von dieser. Denn leider wird die Frage viel zu schnell beantwortet. Das Verwirrspiel alleine und die verschiedenen Plottwists hätte man mit weiteren Inhalten anfüllen und sicherlich über die gesamte Staffel hinweg behandeln können. Hätte man weiterhin solch gute Ideen wie zu Beginn gehabt und diese konsequent umgesetzt, hätte man Brodys Beweggründe noch eine ganze Zeit lang verschleiern können. Stattdessen wird Brody (zumindest für die Zuschauer) schnell als Überläufer enttarnt. Dadurch ergibt sich natürlich die Möglichkeit auch noch seine Gefangenschaft zu beleuchten, zusätzlich zum ständig drohenden Attentat.

Der größte Fehler, den die Serie begeht, ist in meinen Augen der, dass was Brody anbelangt zu früh alle Karten auf den Tisch gelegt werden. Zwar verbleiben dennoch einige Überraschungsmomente, jedoch büßen diese dadurch an Wirkung ein, dass die Charaktere in der Kürze der Zeit und durch die Masse an Inhalten nicht wirklich vorgestellt werden und auch keine ausreichende Entwicklung erkennen lassen können.

In der zweiten Hälfte der Staffel bekommen die Zuschauer Brodys Zeit im Irak und in Gefangenschaft in Rückblenden präsentiert. Allerdings vollzieht sich die Gehirnwäsche so schnell, dass das Ganze auf mich doch (sicher unfreiwilligerweise) sehr unrealistisch wirkte. Der Mann war ganze acht Jahre von Zuhause entfernt und muss ein regelrechtes Martyrium an Gedanken und Sehnsüchten durchlebt haben. Heimweh, Gedanken an die geliebte Familie, Gedanken über den Krieg, Gedanken über seinen Job als Soldat – all diese Dinge werden weder behandelt noch im Detail dargestellt. Viel zu schnell fügt er sich nach unmenschlichen Folterqualen in sein Schicksal ein, vertraut dem einzigen Menschen, der ihn in der Fremde gut behandelt und macht dessen Ideale zu den eigenen, schmiedet sogar selbständig Rachepläne an seinem Heimatland.

Die menschliche Entwicklung von Brody halte ich an sich nicht für unrealistisch. Es ist natürlich möglich, Menschen durch Folter und verschiedene psychologische Techniken zu indoktrinieren und auch so weit zu treiben, dass sie bereit sind, als Märtyrer zu sterben und andere Menschen mit in den Tod zu reißen. Allerdings ist Gehirnwäsche kein leichter Prozess und er ist sicherlich auch mit Rückschlägen verbunden. All diese Aspekte lässt Homeland in seiner ersten Staffel außen vor, meiner Meinung nach auf Kosten der Glaubwürdigkeit der Serie. Auf der anderen Seite werden den Charakteren auch teilweise in meinen Augen unnötige Wesenszüge verpasst. So muss eine CIA-Agentin auf der Suche nach der Wahrheit nicht unbedingt manisch-depressive Züge haben, um den Konflikt mit ihren Kollegen zu verstärken.

Von der reinen filmischen Qualität der Bilder würde ich die Serie am ehesten mit 24 vergleichen, wobei ich 24, trotz zugegebenermaßen unrealistischerer Storyline und noch mehr Plottwists, nach wie vor für die bessere Serie halte.

Kiefer Sutherland habe ich den toughen Jack Bauer sofort abgekauft. Bei Homeland finde ich die schauspielerischen Leistungen sowohl von Damian Lewis wie auch von Claire Danes nicht restlos überzeugend. Es gibt mittlerweile auch einfach viele überragende Seriendarsteller. Es mag sein, dass es das Fangirl ist, das aus mir spricht, aber dennoch kann ich mich dem Eindruck nicht erwehren, dass Bryan Cranston in Breaking Bad mehr schauspielerische Leistung zeigt – oftmals nur in einem Blick – als die Darsteller in Homeland in einer ganzen Szene. Das ist aber eben nur meine persönliche Meinung.

Ich bitte an dieser Stelle ausdrücklich darum, mich nicht falsch zu verstehen. Homeland ist keine absolut schlechte Serie. Die Idee dahinter ist und bleibt spannend und für amerikanische Verhältnisse vielleicht auch revolutionär und preisverdächtig. Sicherlich werde ich mir auch die zweite Staffel ansehen. Ich bin gespannt, wie man das Ganze weiterentwickelt. Soweit ich weiß wird Brody zum Doppelagenten und dieses Thema bietet durchaus einiges an Potenzial. Ich halte Homeland jedoch nicht für so überragend, wie es oftmals dargestellt wird und den Medienhype halte ich für übertrieben. Breaking BadThe Sopranos oder Dexter, nur um ein paar Beispiele zu nennen, sind als Serien in meinen Augen Homeland weit überlegen.

Was für Überlegungen bei der Vergabe der ganzen Preise an Homeland eine Rolle spielten, weiß ich nicht. Es wäre ja auch irgendwie schwachsinnig über Jahre hinweg immer die gleichen Serien zu ehren. Vielleicht ist Homeland ja nun auch genug geehrt worden.

Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn spätestens im nächsten Jahr bei den Preisverleihungen wieder Platz für neue Serien ist. Die US-Serienlandschaft wird glücklicherweise immer spannender, denn es gibt immer mehr gute TV-Serien mit tollen Ideen und hochkarätigen Darstellern. Für Nachschub für Serienjunkies wie mich wird bestens gesorgt.