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Back in Time and Back to Crime

Das erste Mal, als ich Szenen aus Gangster Squad sah, saß ich in einem Kinosaal mitten in Hollywood. Das war sicher einer der Gründe, warum mich der Trailer sofort derart begeisterte. Außerdem mag ich Gangster- und Actionfilme und mir gefiel der Ansatz des Films, das Film-noir-Genre in moderner Form wiederzubeleben. Mein erster Gedanke: Harte Typen, harte Action, tolle Klamotten – das muss ich sehen!

Ein gutes halbes Jahr und weitere Trailersichtungen später, war die Spannung entsprechend groß, als ich den Kinosaal betrat, um mir den Film endlich anzusehen. Nachdem mich Django Unchained leider nicht so sehr begeistern konnte, wie ich es aufgrund des Ausmaßes meiner Vorfreude gerne gehabt hätte, schwangen einige Bedenken mit. Diese konnten in den ersten 15 Minuten von Gangster Squad aber bereits eliminiert werden. Dieser Film hielt auf ganzer Linie, was er versprach. Ich verließ das Kino mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen.

Gangster Squad spielt in den 1940er Jahren in  Los Angeles. Der Gangsterboss Mickey Cohen (Sean Penn) hat große Pläne. Unaufhaltsam und gnadenlos schwingt sich der ehemalige Boxer zum alleinigen Herrscher über die Unterwelt von L.A. auf. Wer sich ihm entgegenstellt, wird brutal aus dem Weg geräumt. Längst hat er in allen wichtigen Gremien der Stadt Leute gekauft und auch die große Mehrheit der Polizei traut sich nicht mehr, seinen üblen Machenschaften etwas entgegenzusetzen. Der Einfluss von Chief Bill Parker (Nick Nolte) scheint ausgehebelt. Allerdings will der nicht länger zusehen, wie die Stadt langsam aber sicher komplett in die Hände von Mickey Cohen fällt. Schließlich is es seine Aufgabe als Polizeichef die Stadt der Engel und ihre Bürger vor dem Verbrechen zu schützen. Deshalb beauftragt er seinen loyalsten Mann, Sergeant John O’Mara, eine geheime und schlagfertige Truppe, das „Gangster Squad“, zusammenzustellen und Jagd auf den Unterweltboss zu machen. Allerdings würde es zu nichts führen, Cohen einfach zu töten. Es gilt, ihm systematisch das Handwerk zu legen und sein ausgeklügeltes System der Macht und des Schreckens zu zerstören.

Die Story von Gangster Squad bietet in ihrem Verlauf absolut keine Überraschungen. Das muss ich zugeben. Alles tritt genau so ein, wie man es erwartet. Ich persönlich habe das rückblickend in diesem Fall während des gesamten Films nicht als negativ empfunden – ganz im Gegenteil. Bot mir Tarantinos Django überhaupt nicht das, was ich erwartete, traf das Gangster Squad zielsicher ins Schwarze.

Ruben Fleischer dürfte den meisten Kinozuschauern zum ersten Mal mit seiner Zombiekomödie Zombieland aufgefallen sein. Gangster Squad ist sein nächster, großer Film. Geschickt und alles andere als zimperlich setzt Fleischer mit seinem Team den Krieg der Polizeitruppe gegen Cohen in Szene. Er vertraut dabei auf makellose und detailreiche Kulissen, die glatt dem Videospiel L.A. Noir (Link zu Wikipedia) entsprungen sein könnten, verschiedene Sepiafilter und für den Film noir typische Kameraeinstellungen. Kombiniert mit den opulenten Kostümen der Akteure fühlt man sich augenblicklich zurückversetzt, in die Zeit, als Männer noch Hüte trugen und als über Hollywood noch mehr als 9 Buchstaben prangten. Der abwechselnd swingende und die Dramaturgie an der richtigen Stelle einfangende Soundtrack von Steve Jablonski, der sein Gefühl für Action schon eindrucksvoll in den bisherigen drei Transformers-Filmen bewiesen hat, tut ein Übriges um dieses Gefühl zu verstärken. So muss ein echter Gangsterfilm aussehen!

Randbemerkung:
Die Mode der 1940er bis 1960er Jahre finde ich sehr schick und ich plädiere an dieser Stelle für eine Rückkehr der Hüte. Ich sollte auch öfter Hut tragen.

Die Auswahl der Schauspieler ist bis in die Nebenrollen erstklassig und hochkarätig. Hier wirkt nichts gewollt. Alles ist gekonnt. Josh Brolin hat bereits in Men in Black 3 bewiesen, dass er für Zeitreisen in die Vergangenheit der richtige Mann ist und in No Country for Old Men wurde deutlich, dass er bei harten Typen in bester Gesellschaft ist. Die Rolle des coolen und zielstrebigen Kämpfers für Recht und Ordnung ist ihm wie auf den Leib geschneidert. Ryan Gosling spielt die Rolle als galanter aber nicht minder draufgängerischer Sergeant Jerry Wooters, der sich Hals über Kopf in die schöne Grace verliebt, die ausgerechnet die Freundin von Mickey Cohen ist, routiniert. Er macht seine Sache wirklich gut, in ihm steckt aber mehr, wie man bei Drive und The Ides of March sehen konnte. Emma Stone wirkt als Grace Faraday ein bisschen zu sehr wie ein Abklatsch von Christina Hendricks als Joan Harris aus Mad Men, auch wenn Mad Men 20 Jahre später spielt. Robert Patrick brilliert als schrulliger „Westernheld“ Max Kennard, an dem sich Tarantinos Django ein Beispiel nehmen könnte, Giovanni Ribisi überzeugt als Tüftler und Techniker und Sean Penn macht sein Part als Oberbösewicht sichtlich Spaß. Die Rolle als Mickey Cohen dürfte ihn als Schauspieler nicht besonders gefordert haben. Er beherrscht seine Kunst einfach meisterlich. Seine vielen Preise wurden ihm verdientermaßen verliehen. (Links in diesem Absatz zu IMDB)

Gangster Squad lässt so gut wie kein Klischee des klassischen Gangsterfilms aus und könnte sogar als zeitversetzter Western durchgehen. Von markigen Sprüchen, über coole Posen beim Schießen, bis zum großen, finalen Shootout zwischen Gut und Böse ist alles dabei. Das ist vielleicht nicht besonders einfallsreich, aber es ist rundum gut gemacht und es ist definitiv unterhaltsam.

Wie sagt man noch gleich? Geduld zahlt sich aus. Ich musste mich in dem Fall nur eine Woche gedulden, bis ich wieder einen Film sehen konnte, der meine Erwartungen voll erfüllte. Alle, die schon einmal in Los Angeles waren, L.A. Noir gespielt haben und/oder mal wieder Lust auf einen echten Gangsterfilm haben, sollten sich Gangster Squad auf jeden Fall ansehen. Hier wird nicht lange gefackelt, hier wird scharf geschossen – und das auch noch gut angezogen.