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Hexenjagd

Es war einmal … Nein. Knusper, knusper … Nein. Was wäre wenn … Nein. Bei Themen, die in den Bereich „Märchen“ fallen, ist es gar nicht so einfach, eine einfallsreiche Einleitung zu finden. Versuchen wir es also weiter …

Was wurde eigentlich aus Hänsel und Gretel? Dieser Satz ist auch nicht besonders einfallsreich, aber genau dieser Frage widmet sich der Film Hänsel & Gretel: Hexenjäger (Hansel & Gretel: Witch Hunters), über den ich an dieser Stelle berichten möchte.

Beschlossen, dass ich Hänsel & Gretel: Hexenjäger unbedingt sehen muss, hatte ich schon vor Monaten, nachdem ich den ersten Trailer gesehen hatte. Viele Märchen haben im verganenen Jahr in abgewandelten, modernisierten und manchmal gar abstrakten Versionen den Weg auf die Kinoleinwand gefunden. Keine davon konnte mein Interesse wecken. Snow White and the Huntsman (Link zu IMDB) hat mich mit Kristen Steward als Schneewittchen geradezu abgeschreckt. Vielleicht tue ich der Dame ja damit furchtbar Unrecht, aber ich kann mich einfach (noch) nicht davon lösen, bei ihrem Anblick unweigerlich an glitzernde Vampire zu denken und ich habe leider kein Herz für schmachtende Vampire, die in der Sonne schöner werden. Die ersten Szenen von Hänsel & Gretel: Hexenjäger, bei denen es schmachtfrei und ordentlich blutig zur Sache ging, stimmten mich deshalb um vieles positiver.

Der Ansatz, Märchen düster und für Erwachsene zu verfilmen, gefällt mir. Analysiert man die alten Kindergeschichten nämlich einmal genauer, wird einem klar, wie viel Brutalität in ihnen steckt. Kinder nehmen das alles anders wahr, das weiß ich aus eigener Erfahrung, aber man kann nicht ignorieren, dass in Märchen durchweg fröhlich gemordet und gemeuchelt wird, vor allem bei denen der Gebrüder Grimm. So bietet denn auch die Geschichte um die Geschwister Hänsel und Gretel einigen Stoff, der offenbar auch die Fantasie von Tommy Wikola, Autor und Regisseur von Hänsel & Gretel: Hexenjäger, beflügelt hat.

In seinem Film modifiziert er das Grimm’sche Märchen leicht und erzählt es weiter. Hänsel und Gretel besiegen, wie allseits bekannt, die Hexe im Knusperhaus, kehren danach aber nicht nachhause zurück, sondern werden kurzerhand zu Hexenjägern. Sie schwören sich, ihre Mitmenschen und vor allem die Kinder vor den fiesen Geschöpfen zu schützen. So kommen Hänsel und Gretel als Kopfgeldjäger des Märchenlandes eines Tages nach Augsburg. Der Bürgermeister der Stadt hat sie angeheuert, nachdem immer mehr Kinder aus der Stadt verschwunden sind. Nach kurzer Zeit finden die bis an die Zähne bewaffneten Hexenjäger heraus, dass hier nicht eine einzelne Hexe am Werk, sondern etwas Größeres im Gange ist.

Mehr möchte ich von der Geschichte gar nicht verraten, die meiner Meinung nach viele sehr lustige Ideen in sich vereint. Es mag alles für sich genommen zwar nicht wahnsinnig innovativ und neu sein – man wird das Gefühl nicht los vieles schon einmal irgendwo gesehen zu haben – aber in der gebotenen Kombination ist es doch sehr unterhaltsam. Ich hatte zugegebenermaßen auch nichts anderes erwartet, als eine humorvolle, blutige Story, präsentiert als rasantes Actionfeuerwerk.

Tommy Wirkola hat mit Hänsel & Gretel: Hexenjäger keinen Film für schwache Nerven geschaffen. Seine Hexen sind fies und hässlich. Sie sind eine Version des absoluten Bösen und dienen als Fantasy-Kanonenfutter, ähnlich wie die Vampire in Filmen wie From Dusk till Dawn oder John Carpenters Vampires. Hänsel und Gretel machen mit einem riesigen Waffenarsenal Jagd auf sie und töten die Hexen auf vielfältigste Arten, die für den Zuschauer auch mithilfe von 3D-Effekten sehr gekonnt in Szene gesetzt werden. Mir als Action- und Horrorfan gefällt das. Bisweilen braucht es nicht mehr als eine gut gemachte Schnetzelei, um mich zu unterhalten. Klingt einfach? Ist aber so.

Die Wahl der Schauspieler ist sehr gut gelungen. Jeremy Renner hat sich bereits mit seiner Rolle als Superschütze Hawkeye in The Avengers (Link zu IMDB) einen Platz in meiner Liste der hoffnungsvollsten Schauspieler verdient. Für mich zählt er zu den Talenten, die es verdient haben, auch in Zukunft mehr Beachtung zu finden. Momentan ist er auf Action abonniert, aber ich bin davon überzeugt, dass er durchaus noch mehr kann. Sein Hänsel ist nicht gerade der hellste Kopf, hat sein Herz aber am rechten Fleck und kann kräftig zuhauen, wenn es vonnöten ist. Die Knabberei am Lebkuchenhaus in Kindertagen ist ihm nicht besonders gut bekommen. Seitdem leidet er an der Zuckerkrankheit. Eine großartige Idee, wie ich finde. Jeremy Renner überzeugt in Hänsel & Gretel: Hexenjäger auch durch schauspielerische Zurückhaltung. Nur dadurch wirken die beiden Geschwister gleichberechtigt. Er könnte den Film sicherlich dominieren, tut es aber nicht. So kommt auch Gemma Arterton als toughe Gretel im Lederoutfit besser zur Geltung. Die Schauspielerin, die mit ihrer bisherigen Filmwahl – ausgenommen vielleicht James Bond 007: Ein Quantum Trost (Link zu IMDB) – kein besonders geschicktes Händchen hatte, mimt ihren Part sehr überzeugend und kann auch in Actionsequenzen mit „Hänsel“ Schritt halten. Von beiden Schauspielern möchte ich in Zukunft gerne noch mehr sehen.

Die vielen, vernichtenden Kritiken zu Hänsel & Gretel: Hexenjäger kann ich nicht nachvollziehen. Dieser Film will nicht bis ins Detail interpretiert werden. Was die FAZ in ihrer Filmkritik schreibt, empfinde ich beispielsweise als wirklich schlechten Scherz. Filme wie diesen oder „From Dusk Till Dawn“ mag man, oder man mag sie nicht, aber politische Botschaften sind garantiert nicht enthalten. Ich denke, es kommt vor allem auf die Erwartungshaltung an, mit der man ins Kino geht. Wer Tiefgang erwartet, ist hier fehl am Platz. Wer Horrorfilme mag und bereit ist, einen augenzwinkernden Ausflug ins düstere Märchenland zu unternehmen, der wird sicher nicht enttäuscht werden.

Ein guter Anhaltspunkt für die Entscheidung, sich Hänsel & Gretel: Hexenjäger anzusehen ist vielleicht auch Abraham Lincoln: Vamire Hunter (Link zu IMDB), den ich übrigens auch als sehr unterhaltsam empfand, nicht mehr und nicht weniger. Wer Herrn Lincoln als axtschwingender Vampirjäger mochte, dem wird auch die Neuinterpretation von „Hänsel und Gretel“ gefallen, die im Vergleich zum wehrhaften US-Präsidenten meiner Meinung nach weniger Längen hat.

Ich jedenfalls habe mich für 90 Minuten gut unterhalten gefühlt und werde mir den Film sicher auch irgendwann noch ein zweites Mal ansehen (mutmaßlich auf DVD), um all die witzigen und durchaus liebevoll herausgearbeiteten Kleinigkeiten zu entdecken, die mir beim ersten Mal entgangen sind. Schade, dass es zu Hänsel & Gretel: Hexenjäger keine Actionfiguren gibt. Die Charaktere würden sich gut als solche machen.