Schlagwort-Archive: Marc Forster

Untoter Unsinn

Zombies! Überall Zombies! Alle mögen Zombies! Die wandelnden und bissigen Untoten haben es geschafft, sich von einem nur von Horror-Fans beachteten Subgenre zum Mainstream-Phänomen zu wandeln. Als großer Fan von George A. Romeros frühen Zombie-Werken und von Robert Kirkmans Comic The Walking Dead beobachte ich diese Entwicklung schon seit einiger Zeit mit großem Interesse. Ja, auch ich mag Zombies! (Links in diesem Absatz zu Wikipedia)

Zombies bewegen sich (eigentlich) langsam voran. Langsam aber stetig haben sie die verschiedensten Medien zombifiziert. Zombie-Bücher, Zombie-Filme, Zombie-Comics, Zombie-TV-Serien, Zombie-Spiele – der Siegeszug der Zombies ist unaufhaltsam. Selbst Menschen mit schwächeren Nerven und einem Smartphone sind die schleichenden Beißer spätestens seit dem enormen Erfolg der Spiele-App Pflanzen gegen Zombies (Plants vs. Zombies, Link zu Wikipedia) ein Begriff. Die Schlacht der mutigen und wehrhaften Gewächse gegen die murmelnden Hirnvertilger hat die Toplisten sämtlicher Spieleplattformen im Sturm erobert.

Weniger niedlich geht es in der Verfilmung der oben genannten Comicreihe als TV-Serie zu, über die in der Presse schon viel berichtet wurde. Ich persönlich widme meine Aufmerksamkeit nach der ersten Staffel lieber weiter und ausschließlich der Comicvorlage. Zu eklatant sind für mich die offensichtlichen Unterschiede und die Kompromisse, welche man für die TV-Umsetzung einging. „The Walking Dead“ zählt zu meinen absoluten Lieblingscomics. Ich bewundere den Autor wegen seines Einfallsreichtums. Er führt das Zombie-Genre zurück zu seinen Wurzeln und offenbart den Lesern gleichzeitig immer wieder neue und noch nie dagewesene Aspekte. Obwohl die Zombieapokalypse das Grundthema der Geschichte ist, sind es die Abgründe der verbliebenen und ständig auf der Flucht befindlichen Menschen, die diese Erzählung so interessant und einzigartig machen.

Ein weiterer Autor, der sich dem Thema „Zombies“ auf verschiedenste Weisen nähert, ist Max Brooks. Der Sohn von Mel Brooks liefert die Buchvorlage für den aktuellen Kinofilm World War Z. Da ich grundsätzlich ein Herz für Zombies habe, ließ ich mir diesen Film nicht entgehen, wenngleich ich im Nachhinein davon überzeugt bin, dass ich mir lieber die Monster Uni hätte anschauen sollen, die ich – auf den Kinoplan für die nächsten Wochen schauend – voraussichtlich auf der großen Leinwand verpassen werde. Die in World War Z präsentierte Version der Zombieapokalypse hat mich jedenfalls schwer enttäuscht und alles andere als gut unterhalten.

Der Film erzählt die Geschichte des UN-Angestellten Gerry Lane, der von seinen Arbeitgebern auf die Suche nach dem Ursprung der sich weltweit mit enormer Geschwindigkeit ausbreitenden Zombie-Seuche geschickt wird. Er soll nach Lösungsansätzen fahnden während seine Familie im Austausch für seine Dienste auf einem Flugzeugträger in Sicherheit hausen darf. Die Zeit ist knapp, denn dank in mehrfacher Hinsicht rasender Zombiemassen schreitet die Pandemie voran und die Zahl der Überlebenden sinkt mit jeder Sekunde rapide.

Die Geschichte klingt im Grundsatz bekannt und trotzdem spannend. Das ist sie sicher auch – zumindest in Buchform. Ich selbst habe Max Brooks Werk zwar nicht gelesen, dafür aber andere Geschichten des Autors. Er nähert sich seinen Helden stets mit fantsievoller Realitätsnähe, Feingefühl für die einzelnen Charaktere und frischen Erzählansätzen. So hat mich die Comicreihe „G.I. Joe: Hearts & Minds“ begeistert, in der einzelne Charaktere in kurzen aber intensiven Geschichten vorgestellt und neu beleuchtet werden. Sein neuestes Werk in Bildergeschichtenform, „The Extinction Parade“, das in Zusammenarbeit mit Zeichner Raulo Caceres entsteht und die Zombieapokalypse mit der Not von Vampiren auf Nahrungssuche verbindet, konnte im ersten und bisher einzigen Heft ebenfalls meine Aufmerksamkeit erregen. Selbst wenn ich World War Z nicht gelesen habe, werde ich das Gefühl nicht los, dass der Film der Vorlage nicht gerecht wird. Betrachte ich die vielen Autoren, die sich am Drehbuch beteiligt haben (u.a. J. Michael Straczynski und Damon Lindelof) so ist das Ergebnis noch enttäuschender.

Nicht die fixen Zombies sind es, die mich stören, es sind die eklatanten Logik- und Storylücken. Natürlich muss man dem Zuschauer nicht jedes kleine Detail präsentieren. Nachdenken über einen Film und während einer Kinovorstellng macht Spaß. The Place Beyond the Pines (Link zu IMDB) beweist dies, wie ich an anderer Stelle beschrieben habe, eindrucksvoll.

Meine Gedankengänge am Anfang von World War Z kann ich am ehesten als „umgekehrtes Hangover-Erebnis“ bezeichnen. In The Hangover, wurden meiner Meinung nach schon früh zu viele Informationen und Hinweise (sich schließende Tür) präsentiert, weshalb mich letztlich das Ende enttäuschte. In World War Z dagegen wird zu wenig erzählt und erklärt. Die gesamte erste Hälfte des Films verbrachte ich damit, darüber nachzudenken warum um alles in der Welt sich Gerry mit seiner kompletten Familie im Schlepptau überhaupt ursprünglich auf den Weg gemacht hat, nur um dann komplett überrascht mit Zombies konfrontiert zu werden. War es, weil er einfach Urlaub machen wollte? War es, weil er im Fernsehen die Meldung über den ausgerufenen Ausnahmezustand sah? Ich kann es bis jetzt nicht sagen. Eine sinnlose Abfolge von zuckersüßen Bildern der glücklichen Familie genügt in den Augen der Macher als Botschaft und gleichzeitig Storybeginn offenbar.

Die Liste der Fragen, die in regelmäßigen Abständen in meinem Kopf aufflammten riss während des gesamten Films nicht ab. Warum wird er von seinem Vorgesetzten von der UN angerufen und warum ist er über den Anruf überrascht? Und warum zur Hölle vergisst jemand, der die ganze Zeit gegen beißwütige und lebensbedrohliche Zombies kämpft, von einer auf die andere Sekunde seine Waffe vor der Tür? Das sind nur einige wenige Beispiele. Zombiegeschichten haben ihre eigene Logik, die durchaus veränderbar und dehnbar ist. World War Z ist in meinen Augen kompletter Unsinn, wobei dies weniger die Grundgedanken als die Art betrifft, in der die Story präsentiert wird.

Zusätzlich zu den Inhalten schwächelt die Erzählweise in ihrer optischen Darstellung, die so mainstreamig ist, dass es jeden Fan von handfesten Horrorfilmen gruselt. Kommen die Zombies größer und einzeln ins Bild, wirken sie eher lächerlich, als angsteinflößend. Die Reaktionen der um mich herum befindlichen Menschen im Kinosaal bestätigen dies. Selten lachten in einem nicht als Komödie angesiedelten Film mehr Menschen, als in World War Z. Für mich ein eher seltsames Erlebnis.

Auf der Suche nach Pluspunkten für den Film werde ich leider auch bei der schauspielerischen Leistung nicht fündig. Brad Pitt fällt als Gerry Lane in seine Anfangszeiten als wechselweise grinsender und mit großen erstaunten Augen dreinblickender Sonnyboy zurück, selbst wenn er bei World War Z mit verschiedenen Waffen hantiert. Der Rest der Schauspieler verschwimmt zum schlagwortgebenden Einheitsbrei. Wer wann welchen Anstoß zum Fortgang der Story gibt, ist gleichgültig. Die blasse Mireille Enos ist dabei so unbedeutend wie der völlig übertrieben spielende Moritz Bleibtreu. Statt Schauspiel ist durchweg „Trauerspiel“ der passendere Begriff.

Die langatmige Geschichte mit all ihren sinnfreien Etappen wirkt wie ein Flickenteppich, der nur durch das kaum erkennbare Grundkonzept zusammengehalten wird. All die Schießereien und Flugzeugabstürze und all die wabernden und rennenden Zombiehorden, die zwangsläufig ab und an gezeigt werden müssen, können den Film nicht retten. World War Z bleibt der schwache Versuch, einen Zombiefilm für die breite Masse zu schaffen. Schade, denn auch ohne die Buchvorlage zu kennen, bin ich der festen Überzeugung, dass man mehr daraus hätte machen können und müssen. Für mich zählt World War Z zu den bisher größten Enttäuschungen des Jahres auf der Kinoleinwand.