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Sterbende Helden leben länger

Fünfundzwanzig Jahre ist es her, seit Bruce Willis das erste Mal in die Rolle des Polizisten John McClane schlüpfte. Die Verkörperung dieser Figur verhalf ihm letztendlich zum Durchbruch als Actionfilm-Star und das völlig zu Recht. Stirb langsam (Die Hard, Link zu IMDB) kam zu einer Zeit auf die Leinwand, als Actionhelden wie Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger ihre großen Erfolge feierten, muskelbepackte und superheldengleiche Männer, die mit großen Knarren alles niedermähten, was ihnen im Weg stand. Kratzer bekamen sie selbst dabei recht selten ab. Der einfache New Yorker Cop John McClane, der zwar auch im Alleingang ein ganzes Hochhaus von Gangstern befreite, blutete, schwitzte und fluchte während seiner Mission ordentlich und unübersehbar, ganz im Gegensatz zu seinen unberührbaren Heldenkollegen. Diese menschlichere, bodenständigere Version des Helden wurde für viele weitere Actionfilme zum Vorbild und fand bis heute in unzähligen Varianten ihren Weg auf die Leinwand.

Fünfundzwanzig Jahre? Ja, fünfundzwanzig Jahre! Wenn es da mal nicht Zeit für einen weiteren Film ist! Das dachten sich wohl auch die Macher von Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (A Good Day to Die Hard), dem mittlerweile fünften Stirb-langsam-Film. Die ersten drei Teile sind bei Actionfilmfans schon lange Kult. Der vierte Film enttäuschte nicht nur mich. Trotzdem freute ich mich sehr auf den neuen Teil der Reihe. Man soll ja grundsätzlich neue Chancen gewähren, weshalb ich auch bei Mr. McClane nicht zu engstirnig sein wollte. Und siehe da, dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht.

Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben ist ein Actionfilm. Punkt. Der Anspruch des Films wurde schon in den Trailern klar: Bruce Willis lässt es noch einmal krachen! Die Story, die um die Actionszenen gestrickt wurde, ist zugegebenermaßen recht verworren und keine drehbuchschreiberische Glanzleistung.
John McClane erfährt von einem Kollegen bei der New Yorker Polizei, dass sein Sohn, John „Jack“ McClane, Jr., in Russland im Gefängnis sitzt und verurteilt werden soll. Kurzentschlossen macht er sich auf den Weg nach Moskau um dort nach dem Rechten zu sehen und um herauszufinden, was sein Sohn da eigentlich treibt. Dass der, wie von John fälschlicherweise angenommen, kein Drogedealer ist, stellt der besorgte Vater recht schnell fest und wird ein weiteres Mal mehr oder weniger freiwillig in eine explosive Verbrecherjagd verwickelt.

Wer zu viele Gedanken an die Story verschwendet, wird mit ziemlicher Sicherheit enttäuscht. Zu groß sind die logischen Lücken. Ich bin in diesem Fall aber durchaus bereit, über die Story hinwegzusehen, denn die Actionszenen stimmten und Bruce lässt es in der Tat wieder ordentlich krachen. Eine lange aber sehr gut inszenierte Autoverfolgungsjagd und eine Menge Schießereien lassen die Grundstory in den Hintergrund verschwinden. Hinzu kommt, dass man mit dem Charakter „John McClane“ und seinen bisherigen Abenteuern schwungvoll und selbstironisch umgeht. Mir gefällt dieser Ansatz sehr gut. Eine bierernste Inszenierung wäre hier absolut fehl am Platz.

So ballern sich Vater und Sohn munter durch Moskau und Umgebung, bis Bruce am Ende wieder blutüberströmt sein übliches weißes Unterhemd trägt. Und selbstverständlich darf auch der Stirb-langsam-Standardspruch „Yippie-ya-yay, Schweinebacke!“ (im Original: „Yippee-ki-yay, motherfucker!“) nicht fehlen. In seinen fünfundzwanzig Jahren als Held ist John McClane zwar letztendlich zu einem ähnlich unbesiegbaren Helden mutiert, wie seine Kollegen aus den Achtzigern, allerdings hat er sich das meiner Meinung nach auch verdient. So viele Abenteuer, wie er schon bestritten hat, da musste er ja einiges hinzulernen und etwas von seiner Bodenständigkeit verlieren. Immerhin wirkt er in Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben wieder emotionaler und verletzbarer als im vierten Teil Stirb langsam 4.0 (Live Free or Die Hard, Link zu IMDB). Ich liebe Action und sehe gerne auch überzogene, unwahrscheinliche Szenen, aber im vierten Teil wurde mir John McClane dann doch zu übermächtig und superman-gleich dargestellt. Ich denke da mit Schaudern an die Szene mit dem Kampfjet. Viele Szenen im neuen Teil sind zwar auch übertrieben, aber wie bei James Bond gilt für mich auch bei John McClane: Wenn ich es mit viel gutem Willen irgendwie halbwegs noch als „realitätsnah“ einstufen kann, ist es in Ordnung. Insofern kehrt Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben zumindest ein winzig kleines bisschen zu den Wurzeln der Filmserie zurück.

Der gesamte Film ist auf Bruce Willis zugeschnitten. Jai Courtney wirkt da als Jack McClane zwangsläufig etwas blass, ist aber meiner Meinung nach auch keine absolute Fehlbesetzung.

Positiv aufgefallen ist mir das Bildformat. Im Gegensatz zu dem immer häufiger verwendeten 2,35:1-Format wird Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben im Format 1,85:1 gezeigt, was – kombiniert mit den durchaus epischen Explosionen und Feuergefechten – doch einen Hauch retro wirkte. Schließlich wird die Kinoleinwand von den meisten Filmen heutzutage in ihrer vollen Breite ausgenutzt, besonders wenn viel Action zu sehen ist.

Auf ganzer Linie überzeugen, konnte mich der Film am Ende aber leider doch nicht. Zu schlampig waren vielfach die Kulissen. So wurde Prypjat nur sehr schlecht nachgebaut. Der geneigte Zuschauer hat die Geisterstadt vor dem Kernkraftwerk Tschernobyl inzwischen schon in TV-Dokumentationen oder Videospielen (S.T.A.L.K.E.R., Link zu Wikipedia) zur Genüge gesehen und weiß markante Punkte zu erinnern. Man deutete im Film zwar einen Kinderspielplatz an, der jedoch nur ein schlechter Ersatz für den berühmten Rummelplatz ist. Auch die Maske hat an einigen Stellen kläglich versagt. Hatte Jack McClane im einen Augenblick noch eine sehr gut geschminkte Verletzung an der Lippe, war diese Sekunden später in einer anderen Einstellung nur noch ein Strich Kunstblut. Für einen Film mit einem so hohen Budget, wie es für Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben sicherlich zur Verfügung stand, sind solche Fehler in meinen Augen inakzeptabel. Auch wenn die Action nicht immer realistisch ist, so müssen die Details trotzdem stimmen. Sonst geht leider einiges an Atmosphäre verloren. In diesem Fall ist das in meinen Augen einfach unnötig und wirklich schade.

Für mich ist Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben ein guter Actionfilm mit einigen Schönheitsfehlern. Er ist wesentlich besser as der vorangegangene vierte Teil und damit auf keinen Fall der schlechteste Teil der Reihe. Ja, John McClane ist mehr Superheld, als früher, allerdings steht der Figur das inzwischen auch nicht schlecht zu Gesicht – immerhin ist er eine Kultfigur. Leidende Helden gibt es heutzutage genug. Nach so vielen Jahren sehe ich gerne wieder schießende Muskelmänner, vor allem, wenn es die aus alten Zeiten sind. Deshalb gefielen mir auch die beiden The Expendables-Filme so gut.

Bruce Willis hat bereits angekündigt, dass er für einen weiteren Stirb-langsam-Teil zur Verfügung steht. Von mir aus gerne. Ich werde ihn mir sicher wieder im Kino ansehen. Aber ich hoffe sehr, dass das nächste Mal bei Kulissen und Maske wieder sorgfältiger gearbeitet wird.

Fans von Actionfilmen, Explosionen, markigen Sprüchen und Bruce Willis sollten sich Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben auf der großen Leinwand nicht entgehen lassen. Dieser Film weiß dank guten Actionszenen und einem gut aufgelegten Buce Willis zu unterhalten. Was Parker falsch macht, macht dieser Film richtig. Hier kommt keine Langeweile auf.