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Berauschende Bilderflut

Betrachtet man die wöchentlichen Neustarts im Kino so sind in den letzten Wochen und Monaten Verfilmungen, im Gegensatz zu den extra für die Leinwand erdachten und gemachten Werken, geradezu übermächtig. Comics, Bücher, bereits existierende Filme, alles wird (neu) verfilmt, mit neuer Technik aufbereitet und der Vorlage mehr oder weniger Respekt zollend in das Medium Film übertragen.

Prinzipiell habe ich nichts gegen Verfilmungen und Remakes. Wenn sie denn gut gemacht sind, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen und es können durchaus mehrere unterschiedliche Versionen der gleichen Vorlage gleichberechtigt nebeneinander existieren. Ein gutes Beispiel dafür ist Stephen Kings Roman „The Shining“. Stanley Kubricks Version hat mit dem Buch (zu) wenig zu tun, besticht jedoch durch Jack Nicholsons einzigartige Schauspielkunst. Der TV-Zweiteiler arbeitet dagegen wesentlich näher an der Vorlage, was mich als Stephen-King-Fan sehr freut. Jede Version hat ihre Stärken und Schwächen.

Aus diesem Grund war ich sehr neugierig auf Baz Luhrmanns Neuverfilmung von F. Scott Fitzgeralds gleichnamigen Roman The Great Gatsby. Ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich das Buch nie ganz gelesen habe. In meiner Schulzeit musste ich irgendwann einmal Ausschnitte daraus lesen, in einer Unterrichtseinheit über den Amerikanischen Traum. Die Geschichte des Buches und die weitreichenden Interpretationsmöglichkeiten der Geschichte sind mir deshalb bekannt. Ich kann mir jedoch nicht anmaßen, zu sagen wie genau der Film der Vorlage im Wortlaut und in den kleinsten Feinheiten folgt. Das muss ich anderen Kritikern überlassen.

Dennoch kann ich den Vorwurf, der Film sei bloß kitschig und komplett inhaltsleer, den ich in einigen Filmkritiken bereits gelesen habe, nicht teilen. Sämtlichen Aspekten der Geschichte, die mir bekannt sind, wird in irgendeiner Form Rechnung getragen. The Great Gatsby spielt in den 1920er Jahren in New York. Erzählt wird die Geschichte des reichen und geheimnisvollen Jay Gatsby aus der Sicht seines Freundes Nick Carraway, der ein kleines Haus neben der riesigen Villa des Millionärs bewohnt. Nick ist der Cousin der schönen Daisy, Gatsbys großer Liebe. Daisy ist verheiratet mit dem reichen Ex-Footballspieler Tom Buchanan und wohnt in einem Haus in derselben Bucht, genau gegenüber von Gatsby und Carraway. Der hoffnungsvolle Nick, der auf der Suche nach Reichtum und Erfolg nach New York gezogen ist, wird von Gatsby langsam in dessen Vorhaben verwickelt, Daisy für sich zurückzugewinnen, wobei Aufgeben keine Option darstellt. Ereignisse werden in Gang gesetzt, die langsam aber sicher auf ein dramatisches Ende zusteuern.

Die „Roaring Twenties“ inklusive ausufernden Partys, Untergrundlokalitäten aufgrund der Prohibition, die unübersehbaren Differenzen zwischen Arm und Reich, die durch die Wall Street geschürte Hoffnung auf das große Geld, Dekadenz, Rassenkonflikte, die tiefe Verwurzelung des Amerikanischen Traums in den Köpfen der Menschen, der vielschichtige und teilweise in sich gegensätzliche Charakter von Jay Gatsby – Baz Luhrmanns Verfilmung enthält jede Menge Ansätze zum Nachdenken und viele Botschaften, die bis heute nicht an Aktualität und Bedeutung verloren haben. Lässt sich nicht jeder Mensch ein bisschen durch seine Vergangenheit fesseln? Mit Geld kann man sich nicht alles kaufen, oder doch? Diese und viele weitere Fragen kann man sich als Zuschauer nach dem Film stellen.

Der interpretatorische Gehalt hat seinen Ursprung jedoch nicht im Film selbst, sondern in der Buchvorlage. Einiges kommt im Film durch, mehr jedoch wird plattgeklopft durch die schiere Wucht der Bilder. The Great Gatsby ist weniger ein Kostümfilm als vielmehr ein Kulissenfilm, durchgestylt bis ins kleinste Detail. Baz Luhrmann versucht, die Geschichte in zum Leben erweckten Gemälden darzustellen. Wallende Vorhänge, märchenhafte Gewächse, durchchoreographierte Partyszenen – hier wird nichts dem Zufall überlassen. Jede Rauchschwade windet sich in feinster Digitalqualität wie vorgesehen, jeder Anzug und jede Frisur sitzt perfekt. Ich kann den auf diese Weise entstandenen Bildern eine gewisse Faszination nicht absprechen, jedoch beherrschen viel zu oft Kulissen oder Accessoires die Szenerie. Die Schauspieler werden durch viel Glanz und Gloria wesentlich in ihren Möglichkeiten eingeschränkt, sie agieren in goldenen Käfigen aus Ausstattung und Technik. Besonders im Kopf geblieben ist mir eine Szene, in der Gatsby seiner geliebten Daisy sein Anwesen zeigt und sie mit seinen Reichtümern wortwörtlich überhäuft. Die Kamera zeigt dabei nicht die Gesichter der Protagonisten, wenngleich ich in einem winzigen Moment am Rande ein mitreißendes Minenspiel von Leonardo DiCapro beobachtet habe. Der Fokus liegt auf schwebenden, bunten Stoffen, was der Emotionalität der Szene nicht zuträglich ist.

Beispiele für ähnliche Szenen könnte ich viele aufzählen. Nur als die Protagonisten endlich alle in einem Raum zusammenkommen, kann man das wahre Potenzial erkennen, die Wucht der Emotionen, die hätte transportiert werden können. Bunte 3D-Technik ist schön und ich bin ein großer Freund davon, wenn neue Möglichkeiten ausgeschöpft und geschickt genutzt werden. Bombastische, bunte, berauschende Bilder alleine machen aber noch keinen guten Film. Dazu gehören nun mal die Schauspieler, von denen alle bei The Great Gatsby in meinen Augen leider nicht über ihre eigenen Standards hinauskommen. Leonardo DiCaprio hat sich seit seiner Zeit als ewiger Sonnyboy schon lange als ernst zu nehmender Schauspieler mit großem Potenzial etabliert. Als Gatsby kann er seine Magie leider nicht wirken. Tobey Maguire wird einmal mehr auf den großäugigen, hoffnungsvollen und leicht naiven Typen reduziert, seine Paraderolle. Joel Edgerton versucht, seinem Tom Buchanan etwas mehr Profil zu verleihen, wird im Wesentlichen aber auf die Rolle des moralbefreiten, untreuen Ehemannes reduziert. Der Rest der Besetzung bewegt sich leistungsmäßig mehr oder weniger im Durchschnittsbereich und nimmt die jeweils durch die Kulissen diktierten Plätze ein.

„Pomp and Circumstance“ ist leider nicht alles, schon gar nicht bei Filmen. Baz Luhrmanns The Great Gatsby  belegt dies eindrucksvoll. Trotz guter Besetzung und vielen, durchaus sehr gekonnten digitalen Kunstgriffen konnte mich der Film am Ende nicht begeistern. Zu viel Potenzial wird verschenkt, zu sehr verlässt sich der Regisseur auf die Ausdruckskraft der Bilder und die Inhalte der Geschichte selbst. Die Zusammenführung von Kulisse, Technik und Schauspiel zu einer Einheit gelingt ihm meiner Meinung nach leider über weite Teile des Films nicht, auch nicht durch den mutigen Soundtrack. Letzterer ist für mich das größte Highlight des Films, selbst wenn die enthaltenen Lieder nicht meinen Musikgeschmack treffen. Moderne Songs in Kombination mit einer hochstilisierten Interpretation der 20er-Jahre ist eine durchaus gewagte aber passende Kombination. Für die Auswahl der Lieder zeigt sich Rapper Jay-Z verantwortlich, dessen Arbeit auf jeden Fall bemerkenswert ist. Leider vermag er es dadurch nicht, die Übermacht der Ausstattung über das Schauspiel zu kaschieren, an dem der Film letzten Endes scheitert. Baz Luhrmann hatte die Personen und die Mittel, einen hervorragenden Film zu machen, mutmaßlich ist er durch zu große Wünsche und übertriebene Vorstellungen gescheitert – ganz nach Gatsby-Art.

Where No One Has Gone Before

Star Trek. Dieses unglaublich vielschichtige Science-Fiction-Universum mit seinen verschiedenen Serien und ganz eigenen Gesetzen, Wesen und Regeln. Schon sehr früh hat es mich fasziniert und komplett in seinen Bann gezogen. Ja, ich bin ein Trekkie und werde es für immer bleiben. Ich habe alle Serien und alle Filme gesehen, viele davon mehrfach. Ich besitze eine eigene Star-Trek-Uniform. Sie hängt in meinem Schrank. Ganz zu schweigen von all den Büchern, Comics und anderen tollen Merchandising- und Sammelgegenständen, die ich sonst noch mein Eigen nenne. Wenn also irgendetwas Neues zum Thema „Star Trek“ erscheint – egal was – ich muss es sehen! Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ich mir den neuen Film Star Trek: Into Darkness gleich in der ersten Woche angesehen habe.

Deas neueste Werk von J. J. Abrams führt die Abenteuer von Captain James T. Kirk und seiner Crew in dem in seinem ersten Star-Trek-Film im Jahr 2009 eingeführten alternativen Universum fort. Kirk und die Besatzung der USS Enterprise sind seit ihrem ersten Kinoabenteuer schon einige Zeit gemeinsam im Weltraum unterwegs und haben verschiedenste Missionen erfüllt. Als ein neuer, mächtiger und unbekannter Gegner die Sternenflotte gezielt und brutal angreift, wird die Enterprise entsandt, um den Widersacher aufzuspüren und zu vernichten. Problematisch ist dabei vor allem, dass der mysteriöse Gegenspieler auf die klingonische Heimatwelt, Kronos, geflüchtet ist, denn der Frieden mit den stolzen und kriegerischen Klingonen ist fragil und es ist nur ein kleiner Anstoß nötig, um diesen und damit auch das Schicksal der Vereinigten Föderation der Planeten aufs Spiel zu setzen.

Dass die Rollen im neuen Star-Trek-Universum passend besetzt wurden, konnte ich schon bei Herrn Abrams erstem Film feststellen. Chris Pine mimt den draufgängerischen Kirk überzeugend, bekommt in beiden Filmen meiner Meinung nach jedoch zu wenig Gelegenheit, alle Facetten des Charakters zu zeigen. Es werden viele Andeutungen gemacht – Kirk im Bett mit zwei außerirdischen Damen, Kirk beim Prügeln in der Bar – diese alleine reichen aber nicht aus, um der Figur Kirk die nötige Tiefe zu verleihen, denn diese hat er durachus, auch wenn es im ersten Moment nicht so scheinen mag. Etwas mehr Seiten darf dagegen Zachary Quinto an seinem Spock zeigen, der sehr zwischen seiner emotionalen, menschlichen und seiner strikt logischen, vulkanischen Seite schwankt. Mir persönlich schwankt er hier und da etwas zu viel und seine Beziehung mit Uhura empfinde ich nach wie vor als sehr gewöhnungsbedürftig. Trotzdem halte ich die Rolle für geradezu ideal besetzt. Von Zachary Quintos schauspielerischen Fähigkeiten bin ich seit seiner Rolle als Superbösewicht Sylar in der TV-Serie „Heroes“ absolut überzeugt. Es wäre mir nur etwas lieber, wenn er in Zukunft die Gelegenheit bekäme, den Vulkanier in sich noch etwa mehr herauszulassen. Besonders viel Freude bereitet mir auch Simon Pegg als Montgomery „Scotty“ Scott. Er plaudert den Rest der Besatzung getrost an die Wand und schafft es gleichzeitig, die Rolle nie ins Lächerliche abdriften zu lassen. Karl Urban spielt als Dr. „Pille“ McCoy leider in beiden Filmen nur eine untergeordnete Rolle. Ich würde in Zukunft gerne mehr von ihm sehen. Der Rest der Enterprise-Crew ist ebenfalls passend besetzt, geht von der Größe der Rollen her aber leider relativ unter, auch wenn man hier und da versucht, dem Einzelnen zumindest etwas Raum zu geben. Überragend spielt in Star Trek: Into Darkness Benedict Cumberbatch seinen Part als Kirks Erzfeind Khan. Ja, alle Gerüchte haben sich trotz der abramsschen Geheimhaltungspolitik bewahrheitet und es ist nicht schlimm, diesen Fakt zu kennen wenn man den Film noch nicht gesehen hat. Benedikt Cumberbatch verkörpert den Bösewicht so überzeugend und facettenreich, dass diese Enthüllung die kleinste ist. Vor seiner Leistung kann ich nur den Hut ziehen. Es wird Zeit, dass ich mir die Serie Sherlock ansehe, in der er in der Hauptrolle als Sherlock Holmes zu sehen ist.

Khan oder nicht Khan? Das war seit Langem unter Fans die Frage. Das Gerücht kam schon während der Produktion des Films auf, wurde jedoch nie von den Machern bestätigt. Ich kann die Einstellung von J. J. Abrams und seinen Wahn, möglichst alles über einen Film geheim zu halten bis er endlich im Kino läuft, nur bedingt verstehen und nicht für gut befinden. Bei mir resultiert zu viel Geheimniskrämerei grundsätzlich in Skepsis. Als Fan möchte ich mich freuen und sauge jede Information dankbar auf. Dabei neige ich nicht dazu, gleich alles im Voraus totzudiskutieren und überzuinterpretieren. Es gibt einige, die das machen, aber genauso viele, die es eben nicht tun und Informationsschnipsel nur zum Aufbauen ihrer Vorfreude nutzen. So wächst meine Vorfreude auf Pacific Rim zum Beispiel mit jedem neuen Plakat und mit jedem neuen Trailer ins schier Unermessliche, selbst wenn trotz aller veröffentlichten Details noch relativ wenig über den Film bekannt ist. Auch hatte ich große Hoffnungen für den Mandarin beim Anblick der ersten Charakterposter für Iron Man 3. Am Ende kommt es bei einem Film doch immer auf das Gesamtwerk an und darauf, wie die einzelnen Dinge am Ende zusammengeführt werden. Bei allen vorherigen Star-Trek-Filmen wurde eine andere Politik verfolgt und auch wenn die Fans im ersten Augenblick so wirken mögen, als wollten sie alles Neue gleich zerpflücken, ist dem in keinster Weise so. Was wurde über die mysteriöse Borgkönigin im Vorfeld zu Star Trek: Der erste Kontakt (Star Trek: First Contact, Links in diesem Absatz zu IMDB) diskutiert und am Ende wurde sie doch akzeptiert, weil sie stimmig in den Film und somit in das gesamte Star-Trek-Universum eingebunden wurde. Informationen erhöhen in meinen Augen die Vorfreude und so war meine Freude im Vorfeld zu Star Trek: Into Darkness viel geringer, als sie eigentlich hätte sein sollen, zumal es kaum Merchandising und sonstige Dinge zum Film gibt, mit denen Fans ihre Wartezeit hätten überbrücken können.

Das neue Star-Trek-Paralleluniversum existiert bisher fast nur durch die beiden Filme. Eine TV-Serie, die das Ganze vertiefen und in der sich die Charaktere weiter entfalten könnten, gibt es nicht, sehr zu meinem Bedauern. Die Verbindung von TV und Kino war fester Bestandteil von Star Trek. Genau deswegen ist dieses Universum so groß und umfangreich. Umso dankbarer bin ich für die Comics, die zwischen den beiden Filmen von J. J. Abrams erschienen sind und bei deren Geschichten die Autoren der Filme hauptverantwortlich mitwirken. Dank einer inzwischen durchaus beachtlichen Anzahl an Heften habe ich mich in der Zwischenzeit näher an das Filmuniversum herangetastet und mich an die teilweise neuen Wesenszüge der Charaktere gewöhnt. Hätte ich nur die beiden Filme gesehen, würde mein Urteil sicher nicht so gut ausfallen. Man kann die Tiefe von Star Trek selbst bei einem Neustart nicht durch Filme allein vermitteln. Sehr gefreut habe ich mich deshalb über die winzigen aber vorhandenen Verweise auf die in den Comics beschriebenen Abenteuer, die es in Star Trek: Into Darkness gibt.

Auch andere Tricks und Kniffe in der Storyline von Star Trek: Into Darkness haben mein Fanherz höher schlagen lassen. J. J. Abrams sagt selbst, er und sein Team hätten Star Trek auseinandergenommen und neu zusammengesetzt und genau diese Darstellung trifft das Konzept des Films sehr gut. Star Trek: Into Darkness tritt im direkten Vergleich mit meinem letztwöchigen Kinoerlebnis im Rahmen von „Iron Man 3“ in vielen Situationen den positiven Gegenbeweis an. Es ist durchaus möglich, sich eine Vorlage herzunehmen, Dinge (sogar wesentlich) zu verändern, aber dennoch den nötigen Respekt vor dem Original zu zeigen. J. J. Abrams verbiegt zwar einiges, was Fans wie mir lieb und teuer ist, jedoch nie ohne sich gleichzeitig geschickt vor der Vorlage zu verbeugen. Wann immer in meinem Kopf ein „Muss das denn jetzt unbedingt so sein?“ aufblitzt folgt im nächsten Moment eine Szene, bei der ich denke „Genau so muss es sein!“.

Noch verbinden mich recht zwiespältige Gefühle mit dem neuen Universum. Noch habe ich mich nicht vollständig daran gewöhnt. Ich kann es aber auch unter keinen Umständen ablehnen oder es nur kritisch sehen. Zu viel „Star Trek“ steckt im neuen Paralleluniversum, als dass ich als Fan enttäuscht sein könnte. Als Trekkie ist man ja zugegebenermaßen einige Höhen und Tiefen gewöhnt. Fast jede neue Star-Trek-Serie und somit jede neue Herangehensweise an das Universum hatte ihre Startschwierigkeiten. In den Serien wurde der Wechsel von der zaghaften Annäherung zu erzählerischen Höchstleistungen meist von einer markanten optischen Änderung begleitet. Ich denke, es werden mir viele Fans zustimmen, wenn ich sage, bei „Star Trek: The Next Generation“ ging es erst richtig los, als Captain Picard und seine Crew Kragen an ihren Uniformen trugen und sich Commander Riker einen Bart wachsen ließ, „Star Trek: Deep Space Nine“ wurde um ein Vielfaches aufregender, als Captain Sisko die Haare auf dem Kopf fallen ließ und sich gleichzeitig für mehr Haare im Gesicht entschied und „Star Trek: Voyager“ geriet erst richtig in Fahrt, als sich Captain Janeway eine neue Frisur zulegte.

Aller Anfang ist schwer und auch das neue Star-Trek-Universum ist (hoffentlich) noch lange nicht an seinem Ende angelangt. Es bestehen wie man liest bereits Pläne für einen weiteren Film. J. J. Abrams widmet sich als nächstes erst mal dem Star-Wars-Universum. Das kann er und das soll er ruhig tun. Meiner Meinung nach muss er nicht unbedingt ein weiteres Mal im Regiestuhl Platz nehmen. Er hat den Grundstein gelegt und es gibt andere, die an dieser Stelle sicher gerne übernehmen wollen. Ich hoffe nur, dass das aktuelle Autoren-Team dem Star-Trek-Universum erhalten bleibt. Was sie in den Comics erzählen, weckt bei mir große Hoffnungen für eine erfolgreiche und stimmige Weiterführung der Geschichte von Captain Kirk und seiner Mannschaft. Und mit dem bereits in Star Trek: Into Darkness angedeuteten brodelnden Konflikt mit den Klingonen könnte ein interessantes und klassisches Star-Trek-Thema neu beleuchtet werden.

Die Optik von Star Trek: Into Darkness gefällt mir größtenteils sehr gut. Die 3D-Effekte verleihen vor allem den Raumschiffschlachten und allen Kamerafahrten rund um die Enterprise einen epischen Anstrich. Negativ aufgefallen ist mir allerdings das Aufsetzen von unübersehbaren, riesigen und störenden Lichteffekten in sämtlichen Szenen, die auf der Brücke der Enterprise spielen. Hier wird versucht 3D um jeden Preis einzusetzen, obwohl ohne das Simulieren von blendendem Licht eine viel größere Wirkung hätte erzielt werden können. Viele der Reflektionen lenken vom eigentlichen Geschehen und damit von den Charakteren ab, was ich als sehr schade empfinde.

Zusammenfassend kann ich Star Trek: Into Darkness als Film nur empfehlen. Er ist sowohl für Fans als auch für alle Zuschauer geeignet, die Science Fiction und Action mögen. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass man den ersten Film nicht notwendigerweise gesehen haben muss, um als Zuschauer Spaß zu haben.

Dennoch, um mit Goethes Faust zu sprechen: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust!“ Jeder Trekkie hat einen Lieblingscaptain und meiner ist Captain Picard. Der neue Kirk hat es nicht geschafft ihn abzulösen. Trotzdem stellt das neue Star-Trek-Universum einen mutigen Schritt und eine interessante Ergänzung zu den bestehenden Geschichten dar. Hier und da habe ich das Gefühl, dass die Inhalte und die wichtigen Botschaften und Ideale von „Star Trek“ auf Kosten der Schauwerte etwas vernachlässigt werden, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich hoffe sehr, dass bis zum nächsten Abenteuer von Kirk und Spock nicht wieder erst 4 Jahre vergehen müssen und ich würde mir wünschen, dass das neue Universum dazu beitragen kann Star Trek wieder zu alter Größe zu verhelfen. Der Anfang ist gemacht und Möglichkeiten für Veränderungen und Verbesserungen gibt es sicherlich einige. Es wird Zeit, dass die Enterprise sich weiter von der Erde entfernt und in Galaxien vordringt, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Auf dass das neue Universum es seinen Vorgängern gleichtut und mit der Zeit stärker und besser wird. Ich werde es auf jeden Fall gespannt weiter verfolgen, vorerst wieder auf dem Papier.

Ganz im Zeichen von Star Trek beende ich diesen Artikel mit dem vulkanischen Gruß und wünsche allen Lesern „Live long and prosper!“

Eiserne Helden und falsche Schurken

Da war es wieder! Dieses unangenehme Gefühl und die dazugehörigen Worte, die sich in meinem Kopf formten: „Nein! DAS ist NICHT …!“ Die Rückkehr der nagenden Enttäuschung, die sich festsetzt und die nach dem Ende eines Films nicht aufhört im Hirn zu rotieren. Ganz schlimm erging es mir vergangenen Herbst bei The Dark Knight Rises (Link zu IMDB), nach dessen Ende sich dieses Gefühl in andauernde Wut verwandelte, die nach wie vor durchbricht, wenn man mich auf besagten Film anspricht. Ganz so dramatisch war es dieses Mal glücklicherweise nicht, aber seit ich Iron Man 3 gesehen habe, frisst sich wieder ein gewisser Unmut in meinen Gedanken fest und je mehr ich nachdenke, desto geringer wird leider die Chance, dass ich ihn wieder loswerde.

Was habe ich mich auf diesen Film gefreut! Nach drei Wochen mit Thrillern, die einfach nicht spannend sein wollten, ließ die Aussicht auf knallige Superheldenaction große Hoffnungen in mir aufkeimen. Viel wurde schon geschrieben und gesagt zum neuen Marvel-Streifen. Einiges hatte ich gelesen und noch mehr ignoriert, schließlich wollte ich unbefangen an die Sache herangehen – zumindest soweit es mir als Comicleser und Fan des Helden in der eisernen Rüstung möglich ist. Meiner Vorfreude wurde der Film am Ende leider nur bedingt gerecht. Im Folgenden erkläre ich warum und warne hiermit Leser, die den Film noch nicht gesehen haben und ihn noch sehen wollen, ausdrücklich vor Spoilern, die ich an entsprechender Stelle kennzeichne, ohne die ich in diesem Fall aber nicht auskomme.

Die Story von Iron Man 3 ist im wachsenden Mavel-Filmuniversum nicht nur nach Iron Man 2, sondern auch nach The Avengers angesiedelt (Links zu IMDB). Tony Stark, der Mann im rot-goldenen Kampfanzug, leidet seit seinem gemeinsamen Einsatz als Teil des Superhelden-Teams unter Angstattacken. Die Ereignisse in New York und das Zusammentreffen mit den außeririschen Chitauri haben ihn geprägt. Seitdem tüftelt er noch verbissener an Verbesserungen für seine Iron-Man-Rüstung. Zusätzlich holt ihn die Vergangenheit in Form des ambitionierten und skrupellosen Wissenschaftlers Aldrich Killian ein, der ein Supervirus namens „Extremis“ (weiter)entwickelt hat, mit dem gewöhnliche Soldaten zu Supersoldaten mutiert werden können. All dies scheint in Zusammenhang mit einem neuen Superschurken zu stehen, der sich „Der Mandarin“ nennt und regelmäßig Drohbotschaften an ganz Amerika entsendet. Als Iron Man persönlich angegriffen wird, nehmen die Dinge ihren Lauf.

Iron Man 3 präsentiert sich als Abschluss einer Trilogie und als Abschluss der Storyline Extremis (Link zu Wikipedia), die aus dem Marvel-Comicuniversum übernommen wurde und von der Teile in allen drei Iron-Man-Filmen verwendet wurden. Extremis umfasste zwar nur 6 Hefte, bot aber eine gewaltige Fülle an Inhalten. Wer daran zweifelt, was man alles in ein einziges Comicheft packen kann, für den ist diese Geschichte ein perfektes Gegenbeispiel. Generell kann ich diesen Comic nur empfehlen, von dem vor Kurzem anlässlich des Films eine Neuauflage auf Deutsch bei Panini Comics erschien (Link zur Produktseite auf der Panini-Webseite).

Das Problem von Comic- oder Buchverfilmungen, die eine konkrete Vorlage heranziehen, ist stets der schmale Grad zwischen Originaltreue und den für das Medium Film und ein breiteres Publikum nötigen Änderungen. Es gibt viele Werke, die diesen Balanceakt bravourös meistern. Von geradezu akribischer Originaltreue bei The Green Mile über eine gute Mischung wie bei Kick-Ass bis zu Filmen, die nur eine Basis heranziehen um daraus ein neues, viel größeres und eigenständiges Konzept zu machen. Ein sehr gutes Beispiel für letztere Gattung ist RED, der nach ca. 20 Minuten zu Ende gewesen wäre, hätte man nur die Comicvorlage verfilmt. Bisher haben auch die allermeisten der bisherigen Marvel-Filme den Spagat zwischen Mainstream und Comicvorlage sehr gut vollführt. Ausnahmen bilden für mich lediglich Spider-Man 3 und X-Men: First Class. Nun reiht sich hier leider Iron Man 3 ein. Keiner dieser Filme hat mich jedoch so sehr enttäuscht, wie The Dark Knight Rises, denn nichts ist so schlimm wie der auf Minimalgröße geschrumpfte und statt mächtigem Venom Schmerzmittel inhalierende Bane, aber lassen wir das. Der gehört ja auch in ein anderes Comicuniversum. (Links in diesem Absatz zu IMDB)

Zurück zum Eisenmann. Tatsächlich wurden viele Elemente der Extremis-Storyline in den Film übernommen, was ich mit großem Wohlwollen zur Kenntnis nahm. Auch fielen mir die vielen Verweise auf die anderen Marvel-Filme positiv auf. Ich habe wirklich nichts gegen diverse Interpretationen und Abweichungen vom Comic. Ein Film muss sich einer Vorlage nicht einhundertprozentig unterwerfen, um deren Botschaft adäquat zu vermitteln. Ausschlaggebend ist für mich weniger die absolute Treue zur Geschichte, als vielmehr zu den Charakteren. Genau dies ist die Achillesverse von Iron Man 3, genauer gesagt: es ist der Mandarin.

(Spoilerwarnung!)

Das ungute Gefühl beschlich mich schon, beim ersten Auftritt des Mandarin im Film, denn eine Darstellung als „Aushilfs-Bin-Laden“ passt überhaupt nicht zu diesem Charakter. Der Mandarin ist der älteste und mächtigste Erzfeind von Iron Man. Er kommt aus China, stammt von Dschingis Khan ab und besitzt übermenschliche geistige und physische Fähigkeiten. Seine Waffe sind zehn magische Ringe, die er nur dank seiner immensen Geisteskraft und intensivem Training nutzen kann. Jeder Ring hat eine eigene, zerstörerische Kraft. Das immerwährende Ziel des Mandarin ist die Eroberung der Welt. So viel zur Comicvorlage.

Wer Iron Man 3 gesehen hat, wird meine Enttäuschung in Anbetracht der Stärke der Comicfigur hoffentlich verstehen, denn der Film-Mandarin hat nichts – oder besser: ÜBERHAUPT NICHTS – von der eigentlichen Figur. Im Film wird der Mandarin zur Fassade degradiert, ein Stich ins Herz eines jeden Fans, zumal um die Figur im Vorhinein ein Riesenwirbel gemacht wurde. Plakate wurden veröffentlicht und zur Interpretation durch die Fans freigegeben. Auf diesen waren die zehn Ringe deutlich zu sehen. Diese sind im Film nur leider überhaupt nicht von Bedeutung. Der ganze Mandarin ist am Ende überhaupt nicht von Bedeutung.

Bezeichnend für die Situation ist ein kurzer Dialog zwischen Iron Man und War Machine zu diesem Thema:
War Machine: „DAS ist der Mandarin?“
Iron Man: „Ja, ich weiß. Irgendwie lächerlich.“

Ich kann Iron Man nur zustimmen, denn dieser Mandarin IST lächerlich und ich als Fan kann darüber überhaupt nicht lachen. Zumal es weder der Story noch dem allgemeinen Verständnis geschadet hätte, den Mandarin mit Superkräften auszustatten und ihm die Rolle zuzugestehen, die ihm gebührt. Der Plottwist, ihn als Betrüger zu entlarven, ist unschön und unnötig. Zu gut ist auch Ben Kingsleys Darstellung der Figur. Man kann keinesfalls den Schauspieler für den Untergang der Rolle verantwortlich machen. Die Verantwortung tragen allein die Drehbuchautoren. So viel hätte man aus diesem Charakter machen können! Der Mandarin hätte das Potenzial gehabt, als Superschurke und ultimativer Gegner über mehrere Filme aufgebaut zu werden, ähnlich wie man es mit Loki, dem Gegenspieler von Thor, macht. Diese und viele weitere Chancen wurden mit Iron Man 3 vertan.

Es war zwar größtenteils, aber nicht nur der Mandarin, der bei mir zur Verankerung von unguten Gefühlen während des Films führte. Auch die Iron-Patriot-Rüstung ist komplett fehl am Platz und wird von den Autoren nur als Mittel für Ihre Zwecke missbraucht. War Machine bleibt War Machine und James Rhodes hat in den Comics nichts mit der Iron-Patriot-Rüstung zu schaffen. Der Iron Patriot war einst Norman Osborn, der Erzfeind von Spider-Man. Dass die Geschichte um den Superschurken in der eisernen Rüstung die Grenzen des Films gesprengt hätte, ist klar. Der Rüstungswechsel von War Machine ist aber trotzdem völlig unnötig. Man hätte ihm die alte Rüstung lassen und auf den Iron Patriot verzichten können. Die eiserne Hülle im Design der amerikanischen Flagge dient in Iron Man 3 nur zur Verdeutlichung von fragwürdigen Rettungsaktionen im Namen der Vereinigten Staaten und um den Präsidenten im Endkampf standesgemäß „verpacken“ zu können. Wenigstens wurde die Rüstung kurz von Bösewicht Aldrich Killian entführt, obwohl der im Comicuniversum genauso wenig wie Rhodes mit dieser Rüstung zu tun hat, was den Iron Patriot aber zumindest für einen kleinen Moment die Seiten wechseln lässt. Ein schwacher Trost.

Generell kann ich keinem der Schauspieler einen Vorwurf machen. Robert Downey Jr. ist und bleibt wie geschaffen für die Rolle des unsympathischen und aufschneiderischen Tony Stark und Guy Pearce ist herrlich fies als Aldrich Killian. Wie bereits erwähnt passt eigentlich auch Ben Kingsley perfekt für die Rolle des Mandarin. Das Grundproblem des Films liegt im Drehbuch, bei dem Regisseur Shane Black gnadenlos seine Spuren hinerlassen hat. Prinzipiell spricht nichts dagegen, eine existierende Storyline auseinanderzunehmen und neu zu interpretieren, man sollte sie sich aber auch nicht auf Biegen und Brechen untertan machen. Iron Man darf coole Sprüche reißen, in Iron Man 3 war es mir aber fast schon zu viel des Guten. Der Regisseur schreckt zusätzlich nicht davor zurück, sich selbst in einem in meinen Augen völlig unpassenden Moment selbst ein Denkmal zu setzen. In Erinnerung an seine Lethal-Weapon-Filme gibt es einen unsäglichen Dialog zwischen Tony Stark und James Rhodes hinter einer Deckung, bei dem die beiden über ihre Lage und über Waffen diskutieren. In einer solchen Situation wäre mir geradlinige Action lieber gewesen. Alles in allem habe ich das Gefühl, dass der Regisseur den Film teilweise für ein paar markige Sprüche mehr unnötig in die Länge zieht. Dies nimmt der Geschichte leider auf Dauer die Spannung und die Überraschungen. Bis Tony Stark herausfindet, dass es die Supersoldaten selbst sind, die explodieren, hat es der Zuschauer schon zehnmal selbst begriffen und wartet sehnsüchtig auf den befreienden Endkampf. Amerikakritik und flotte Dialoge in allen Ehren, denn Shane Black beherrscht zweifellos beides, allein die Dauerbefeuerung unterminiert in diesem Fall das Können.

(Spoiler Ende)

Es sind nicht die Bilder, die enttäuschen – ganz im Gegenteil. Iron Man 3 bietet scharfe 3D-Bilder und sehr gut umgesetzte Actionszenen, bei denen die Tricks der Technik gezielt und gekonnt eingesetzt werden. Wer gedanklich nicht an irgendwelche Vorstellungen oder Vorlagen gebunden ist, dem werden die Dinge, die mir so furchtbares Kopfzerbrechen bereiten, wahrscheinlich gar nicht auffallen. Mir persönlich haben die Iron-Man-Filme von John Favreau besser gefallen. Sie hatten beide auch andere Drehbuchautoren.

Ich kann und will Iron Man 3 abschließend nicht als schlechten Film und auch nicht als vollkommene Enttäuschung bezeichnen. Es gibt ein paar sehr nette und treffende Szenen und einige Dinge aus der Extremis-Storyline wurden sehr gut und passend in den Film übertragen. Aus genannten Gründen will sich bei mir nur leider nicht dieses Hochgefühl einstellen, das mich nach einem exzellenten Film überkommt, obwohl ich beispielsweise den Endkampf mit den verschiedenen Rüstungen und dessen symbolische Bedeutung für die Zukunft und die Vergangenheit von Iron Man geradezu genial fand. Egal wie lange ich mit mir selbst im Geiste ringe, ein Gedanke blitzt immer wieder auf und ich kann mich nicht von ihm lösen: „Nein! DAS ist NICHT der Mandarin!“

Kleine Stadt, großer Held

Er ist der größte, mächtigste und weltweit bekannteste Superheld. Er hat nur eine Schwäche und zwar das Gestein seines zerstörten Heimatplaneten. Sonst kann ihm nichts und niemand etwas anhaben. Unglaublich viele Geschichten wurden seit seiner Erschaffung in den 1930er Jahren über ihn erzählt und er feierte in verschiedensten Inkarnationen massenweise Erfolge auf Bildschirmen, auf der Leinwand und auf dem Papier. Die Rede ist einmal mehr von Superman (Link zu Wikipedia).

Die TV-Serie Smallville, die von 2001 bis 2011 produziert und nach 10 Staffeln erfolgreich abgeschlossen wurde, erzählt die Herkunftsgeschichte des Mannes aus Stahl neu. Ich berichtete in einem anderen Artikel bereits über eine spezielle Folge und meine Gedanken dazu und möchte an dieser Stelle noch einmal meiner Begeisterung für die komplette Serie Ausdruck verleihen.

Benannt ist Smallville nach dem gleichnamigen Dorf in Kansas, in dem der außerirdische Besucher Kal-El als kleines Kind auf einem ihm fremden Planeten landet und bei seinen menschlichen Adoptiveltern, Jonathan und Martha Kent, unter dem Namen Clark Kent aufwächst. Angefangen bei seiner Ankunft auf der Erde begleitet der Zuschauer den werdenden Helden über seine High-School-Jahre und eine Zeit an der Universität bis zu seinem Job als Reporter des Daily Planet in Metropolis und wird am Ende Zeuge des endgültigen Wandels zu Superman. Dabei ist Clark Kent anfangs noch gar nicht so super. Zwar ausgestattet mit allerlei übermenschlichen Kräften, von denen er im Laufe der Serie immer mehr entwickelt, muss er den Umgang damit erst lernen. Er erkennt schnell, dass es alles andere als leicht ist, immer das Richtige zu tun, selbst wenn man prinzipiell alles tun kann. Seine Bestimmung muss der Held in spe erst finden.

Auf seinem Weg begleiten ihn jede Menge Freunde und es gilt mindestens genauso viele Feinde zu besiegen. Dabei ist es erstaunlich wie viele verschiedene, bekannte und weniger bekannte Charaktere aus dem DC-Universum ihren Weg nach Smallville gefunden haben. Natürlich dürfen Supermans Erzfeind Lex Luthor und seine Jugendliebe Lana Lang (bevor er endlich Lios Lane kennen und lieben lernt) nicht fehlen, es gibt jedoch viele weitere Figuren, die direkt oder indirekt Erwähnung finden. Green Arrow, Doctor Fate, Hawkman, Flash (unter dem Namen Impulse), Aquaman und Queen Mera sind nur einige wenige Beispiele. So viele kleine Hinweise, so viele Erwähnungen und sogar Querverweise zu anderen Superman-Serien bzw. -Filmen – für Fans wie mich ist das ein wahres Fest, besonders ab der sechsten Staffel. Bei Auftritten von Teri Hatcher und Christopher Reeve schlägt das Herz wohl eines jeden Superman-Fans höher. Die Macher von Smallville schrecken auch nicht davor zurück sehr spezielle und vermutlich nur eigefleischten Fans bekannte Figuren, wie Cosmic Boy, Saturn Girl, Booster Gold, Deathstroke, Mr. Mxyzptlk, Amanda Waller und das Suicide Squad, in die Serie zu integrieren. Für andere Charaktere, denen Clark Kent nicht direkt begegnet, werden kreative Cameos und Hinweisschnipsel eingebaut, z.B. der Dolch von Black Adam oder die Laterne von Green Lantern. Zeitreisen, Paralleluniversen, die Phantomzone und die Festung der Einsamkeit, Smallville bietet alles, was einen guten Superman-Comic ausmacht.

Genau diese Detailverliebtheit ist es, die mir beim Zuschauen regelmäßig verzückte Begeisterungslaute entlockte. Sie ist es, die all meine Zweifel schmelzen lässt, ob es möglich ist, in kommenden Serien oder Filmen weniger bekannte Charaktere einzubauen, zu würdigen und in neuer Form auch neuen Zuschauergruppen näherzubringen, nicht jedoch ohne den nötigen Respekt dem Comic-Original gegenüber. Mir spukt in diesem Zusammenhang schon der kommende Film über Marvels „Guardians of the Galaxy“ durch den Kopf.

Smallville beschreibt nicht ganz das DC-Comicuniversum, das zugegebenermaßen selbst einem ständigen Wandel unterliegt – man siehe den erfolgreichen und in meinen Augen sehr gelungenen Neustart im Jahr 2011 (The New 52, Link zu Wikipedia). Die Serie beschreibt eine Art alternatives Universum, das jedoch in seiner Kontinuität sehr nahe am DC-Comicuniversum liegt. Ich vergleiche Smallville am liebsten mit dem Ultimativen Universum aus dem Hause Marvel, das im Jahr 2000 mit insgesamt verjüngten Helden gestartet wurde und das Marvel-Universum komplett neu aufrollt, also keinerlei direkten Bezug zu und keine Überschneidungen mit dem bestehenden Marvel-Universum aufweist. Zusätzlich gibt es bei Marvel das Marvel-Filmuniversum, das bei einem Vergleich mit den Comicuniversen etwas näher am Ultimativen Universum liegt als an der Standard-Kontinuität.  Neben Smallville ist das Marvel-Filmuniversum ein weiterer Beweis dafür, wie man Superheldengeschichten gekonnt umsetzt und sowohl Fans als auch Neulinge zufriedenstellen kann.

Wer durch meine Beschreibungen neugierig geworden ist, aber vielleicht (noch) kein Comicexperte ist, muss sich keine Sorgen machen. Eine genaue Kenntnis des DC-Comicuniversums ist nicht zwingend nötig, um Spaß an der Serie zu haben. Selbst wer noch gar nichts oder wenig über Superman weiß sollte sich Smallville ruhig einmal ansehen.

Das Ganze beginnt als mehr oder minder seichte Teenie-High-School-Serie und mausert sich immer mehr zur actionreichen Superheldengeschichte. Man nimmt sich viel Zeit um die Entwicklung der verschiedenen Charaktere zu erzählen. Dabei werden Freunde und Feinde gleichermaßen beleuchtet. Es ist größtenteils den Schauspielern zu verdanken, dass die Figuren so vielschichtig sind und dass der Einfluss von kleinen Ereignissen auf den jeweiligen Charakter sichtbar wird. Tom Welling ist Clark Kent. Er sieht nicht nur aus wie das Comicvorbild, sondern füllt diese Rolle komplett und mit sichtbarer Hingabe aus, von Anfang an. Ich hätte mir Tom Welling auch gut als „Man of Steel“ im kommenden Kinofilm vorstellen können, der jedoch wieder einen kompletten Neustart für Superman darstellt. In dem Fall ist es wahrscheinlich besser, mit unverbrauchten Gesichtern zu arbeiten.

Eine großartige Leistung liefert auch Michael Rosenbaum als Lex Luthor ab, dessen Entwicklung zum ultimativen Bösewicht in der siebten Staffel ihren Höhepunkt findet. John Glover brilliert als Lex Luthors Vater, Lionel. Er zeigt im Laufe der Serie mehr als einmal seine unglaubliche Wandlungsfähigkeit in einer einzigen Rolle. Und natürlich ist da noch Lois Lane, frisch, stark, sehr präsent, schlagfertig in Worten und Taten, die perfekte Partie für den stählernen Helden. Nach der Interpretation von Erica Durance wirkt Amy Adams als Lois Lane in den Trailern zu „Man of Steel“ etwas blass. Ich hoffe sehr, dass man von allen hier genannten Schauspielern und vom Rest der Smallville-Besetzung an anderer Stelle noch mehr sehen wird.

SmallvilleDenke ich über die Entwicklung der Serie über alle Staffeln hiweg nach, ergibt sich in meinem Kopf ein Diagramm wie das Linke. Meiner Meinung nach legt Smallville innerhalb der Serie kontinuierlich an Qualität und Spannung zu und steigert sich bis zum Schluss stetig. Einzige Ausnahme ist für mich die achte Staffel, die anfangs etwas schwach wirkt, sich aber letzten Endes dann doch wieder steigert. Grund dafür ist unter anderem sicher die grandiose siebte Staffel, nach deren Ende man als Zuschauer so gebannt ist, dass sich die ruhigere Erzählweise und all die neuen Figuren zu Beginn der achten Staffel einfach etwas seltsam anfühlen.

Nach dem Ende der zehnten Staffel findet Smallville zwar auf dem Bildschirm ein Ende, DC-Comics hat dieses alternative Universum aber glücklicherweise noch keineswegs aufgegeben. So erscheint seit kurzem eine Smallville-Comicheftserie, die genau dort ansetzt, wo die TV-Serie endet und die Abenteuer des jungen Superman in einer „elften Staffel“ fortführt. Mich freut das sehr. Ich erwarte jedes neue Heft mit Spannung und hoffe, dass die Abenteuer von Lois und Clark im Smallville-Universum noch eine ganze Weile weitergehen werden.

Auf den neuen Superman-Kinofilm bin ich sehr gespannt, haben einige Szenen in den bisher veröffentlichten Trailern doch merkliche Ähnlichkeit mit einigen Geschichten und Ideen aus Smallville. Ich würde mir wünschen, dass das DC-Universum bald eine ähnliche Leinwandversion, inklusive Team-Ups und Crossovers, erhält, wie es Marvel mit dem Marvel-Filmuniversum vormacht. Wer weiß, vielleicht bekomme ich meinen heiß ersehnten Justice-League-Film ja tatsächlich in den nächsten Jahren zu sehen.

(Links bei den in diesem Artikel genannten Schauspielern zu IMDB.)

Wirkungslose Nebenwirkungen

Es gibt Regisseure, von denen ich mehrere Filme so schätze, dass ich es gar nicht recht wahrhaben will, wenn ihre Leistungen plötzlich abfallen und spätere Werke einfach nicht an frühere heranreichen können. Zu dieser Gattung gehören unter anderem Taylor Hackford, dessen Im Auftrag des Teufels (The Devil’s Advocate) nach wie vor zu meinen Lieblingsfilmen zählt und Christopher Nolan, der mich mit Inception und The Dark Knight Rises furchtbar enttäuscht und sogar wütend gemacht hat. Nachdem ich Side Effects gesehen habe, reiht sich nun Steven Soderbergh endgültig und nahtlos in diese Riege ein. (Links in diesem Absatz und im weiteren Verlauf des Artikels zu IMDB)

Out of Sight, Erin Brockovich, Ocean’s Eleven, allesamt sehr gut gemachte, spannende und unterhaltsame Filme, in denen Schauspieler, von denen ich es weniger erwartet hätte, zu Höchstform aufliefen. Für Traffic – Die Macht des Kartells erhielt Steven Sonderbergh im Jahr 2001 sogar den Oscar für die beste Regie und das nicht unverdient. Für mich persönlich begann die Qualität seiner Filme ab dem furchtbar unspektakulären und unspannenden „Schnupfenfilm“ Contagion rapide nachzulassen. Türklinken alleine sorgen leider noch nicht für beklemmende Outbreak-Stimmung und zu viele Charaktere können einen Plot leicht überstrapazieren. So richtig aufgeben, wollte ich Herrn Soderbergh aber dennoch nicht und so schaute ich mir Side Effetcs an, den Film, der laut eigenen Angaben sein vorerst letzter Kinofilm sein soll.

Etwas über Side Effects zu schreiben, ohne zu spoilern, ist wirklich schwer, aber ich versuche es, für alle Leser, die sich den Film evetuell doch noch ansehen wollen.

Der Film beginnt mit der Geschichte eines jungen Ehepaars. Der Ehemann, Martin Taylor, hat eine Haftstrafe von vier Jahre wegen Insiderhandel abgesessen und wird aus dem Gefängnis entlassen. Wieder auf freiem Fuß trifft er auf seine Ehefrau, Emily Taylor, die auf ihn gewartet hat. Die junge Frau kämpft aufgrund ihrer schwierigen Lebensumstände mit Depressionen und begibt sich schließlich in die Behandlung des Psychiaters Dr. Jonathan Banks. Verschiedene tragische Ereignisse geraten ins Rollen und für den Psychiater beginnt eine Odyssee auf der Suche nach der Wahrheit.

Side Effects beginnt spannend und ich würde die ersten beiden Drittel auch als durchaus guten Film bezeichnen, allerdings empfand ich das letzte Drittel als so unfassbar schlecht, dass es das komplette Werk zum „Rohrkrepierer“ werden lässt. Was als interessante Geschichte über Medikamente und deren Gefahren, über die Pharmaindustrie, Lobbyismus und den Umgang der heutigen Gesellschaft mit psychischen Krankheiten beginnt, zerstört sich und all die möglichen, sinnvollen Botschaften durch eine völlig abstruse Auflösung quasi selbst. Wie viel ließe sich darüber nachdenken und philosophieren, dass die Einnahme von Pillen zu großen Teilen Alltag geworden ist. Schon kleine Kinder werden analysiert und beim kleinsten Anzeichen von Unruhe gegen ADHS medikamentiert. Schüler und Studenten nehmen Mittel zur Verbesserung der Konzentration und Lernfähigkeit und sind ein strahlendes Beispiel dafür, wie sorglos oftmals mit Medikamenten umgegangen wird und wie mögliche Nebenwirkungen völlig außer Acht gelassen werden. Das alles hätte in Verbindung mit der Betrachtung von Ärzten, deren Beratertätigkeiten für Pharmakonzerne im Rahmen von Studien und ihren Einfluss auf Patienten als Stoff für einen guten Thriller ausgereicht. Andere Filme haben es mit ähnlichen realitätsnahen und politischen Themen vorgemacht. Ich denke da beispielsweise an die spannende Betrachtung der Tabakindustrie in The Insider.

In Side Effects werden viele interessante Themen angerissen und ich wähnte sogar schon einen genialen Schachzug, als zwei Psychiater dazu ansetzten, sich gegenseitig zu analysieren. In dem Moment, in dem die Wahrheit ans Licht kommt, ab einer gewissen Szene, die ich schlicht als unnötig, reißerisch und absolut unglaubwürdig ansehe, schlägt die Story allerdings so viele Haken und Salti und reduziert alles auf eine absolut billige und einfallslose Erklärung. All die kleinen Hinweise und Gedanken, die zuvor enthalten waren, werden damit komplett außer Kraft gesetzt, ihnen wird schlichtweg der Boden für weitere Interpretationen entzogen. Wenn alles so einfach ist, braucht man an das Große und Ganze keinen Gedanken mehr zu verschwenden. Alle Nebenwirkungen werden mit einem Schlag wirkungslos. Ich habe es lange nicht erlebt, dass ein Film so stark angefangen und mit einem Mal so stark nachgelassen hat. Side Effects ist ein Film mit Selbstzerstörungsmechanismus. Bedeutungsvielfalt verpufft mit einem Schlag. Was bleibt ist Bedeutungslosigkeit.

Der Film weist aber nicht nur storytechnisch grobe Lücken auf. Auch die Schauspieler können meiner Meinung nach nicht überzeugen. Rooney Mara schleicht als depressive und tieftraurige Ehefrau mit einem ewig gleichen Gesichtsausdruck durch den Film. Sämtliche Wendungen und Wandel, die die Figur durchlebt, nehme ich ihr leider nicht ab. Catherine Zeta-Jones schlafwandelt als undurchsichtige Psychiaterin und Vorgängerin von Dr. Banks bei der Bahandlung von Emily durch den Film, völlig ohne Emotion und Ausdruckskraft. Channing Tatum bekommt in seiner Rolle als aus dem Gefängnis entlassener Ehemann nicht besonders viel zu tun und wirkt sehr blass. Er gefiel mir in der Rolle des G.I. Joe „Duke“ wesentlich besser. Jude Law liefert von allen Beteiligten zwar die beste Leistung ab, aber auch er hat schon viel besser gespielt, z.B. als Dr. Watson an er Seite von Robert Downey Jr. als Sherlock Holmes.

Neben all den inhaltlichen und handwerklichen Defiziten ist Side Effects ein weiteres Beispiel für unterirdische deutsche Synchronisation. Ich kann vom Ansehen der deutschen Fassung nur abraten. Warum tendieren Synchronsprecher neuerdings eigentlich vermehrt dazu das „T“ in „nicht“ zu verschlucken? Mir fiel dies schon bei „Lincoln“ unangenehm auf und ich kann und will diese Entwicklung überhaupt nichT nachvollziehen. Es gibt einfach zu wenige Kinos, die Filme (zu „Prime Time“-Anfangszeiten) im Original zeigen.

Vielleicht braucht Steven Soderbergh die angekündigte kreative Pause von Hollywood. Meinen Segen hat er nach Side Effects. Dass Regisseure nach einer Tiefphase zu alter Größe zurückfinden können, hat Steven Spielberg mit Lincoln vor Kurzem eindrucksvoll bewiesen. Ich wünsche mir, dass anderen dies auch gelingt.

Nach drei Wochen mit mehr oder weniger durchschnittlichen Kinoerlebnissen, sehne ich mich nun nach einem richtigen Kracher. Ich hoffe sehr, dass „Iron Man 3“ nächste Woche diese Lücke füllen kann. Der Mai verspricht ja ohnehin ein äußerst spannender Kinomonat zu werden. Im Wochentakt laufen interessante Filme an. Der eiserne Held wird gefolgt von „Star Trek: Into Darkness“ und „Evil Dead“. Ich sehe Licht am Ende des Tunnels, der durch den Einheitsbrei führt. Wie viel „Extremis“ steckt wirklich in „Iron Man 3“? Wie viel Action und J. J. Abrams verträgt „Star Trek“? Kann „Evil Dead“ ohne Ash funktionieren? Fragen über Fragen, deren Beantwortung ich mich in den nächsten Wochen mit Freuden stellen werde. In diesem Sinne: Stay tuned!

Monster, Masken und Macheten

If there’s something strange in your neighborhood … dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um etwas Gruseliges, etwas Schauriges. Wenn es um Gänsehaut geht und um Monster und Gestalten, die den Zuschauern das Blut in den Adern gefrieren lassen, dann flimmert wohl ein echter Horrorfilm über die Leinwand oder den Bildschirm.

Nach unserer Diskussion über Actionfilme, wurde ich von @BenFlavor und @neeisklar gebeten, eine Top-Liste zum Thema „Horror“ zu erstellen. Ich habe lange darüber nachgedacht und eröffne hiermit feierlich die neue Diskussion (Links zu IMDB).

  1. Cube, 1997
  2. The Evil Dead, 1981
  3. Freddy vs. Jason, 2003
  4. From Dusk Till Dawn, 1996
  5. Friday the 13th Part 2, 1981
  6. Saw, 2004
  7. Alien, 1979
  8. Silent Hill, 2006
  9. Hellraiser, 1987
  10. A Nightmare on Elm Street Part 2: Freddy’s Revenge, 1985
  11. The Texas Chainsaw Massacre, 1974
  12. I Know What You Did Last Summer, 1997
  13. Scream, 1996
  14. Halloween 2, 1981
  15. Piranha, 2010

Ja, ich stehe immer noch total auf die fiesen, unbesiegbaren und zumeist untoten klassischen Horrorgestalten. All die langhaarigen Gespensterkinder und Zombies können da auch nach reiflichen Überlegungen für mich persönlich nicht mithalten.

Die Ghostbusters schaffen es übrigens leider nicht in meine Liste obwohl sie schaurige Gespenster jagen, da sie bei IMDB (völlig zu Recht) nicht unter dem Genre „Horror“ aufgeführt werden, was ich jedoch gleichzeitig als Eintrittskriterium festlege.

Nun bin ich auf die Listen meiner Mitdiskutanten gespannt. Alle anderen sind natürlich auch herzlich eingeladen, ihre persönlichen Listen beizusteuern.

Kaputte Stadt

Schon wieder ein Thriller? Ja, schon wieder. Nachdem mich „Dead Man Down“ letzte Woche nicht wirklich überzeugen konnte, gab ich diese Woche einem anderen Film die Chance, es besser zu machen. Die Rede ist von Broken City.

Wie „Dead Man Down“ spielt auch Broken City in New York, für mich als New-York-Fan fast immer auch ein Grund dafür einen Film anzusehen. Erzählt wird die Geschichte von Ex-NYPD-Detective und Privatdetektiv Billy Taggart, der einen Sonderauftrag vom amtierenden Bürgermeister, Nicholas Hostetler, persönlich erhält. Er soll herausfinden, mit wem die Frau des Bürgermeisters eine Affäre hat und als Beweismittel entsprechende Fotos liefern. Es dauert nicht lange, bis Billy herausfindet, dass es bei dieser Sache um mehr als um den Betrug einer Ehefrau mitten im Bürgermeisterwahlkampf geht und ehe er sich versieht, ist er in einem Geflecht aus Lügen und politischen Machenschaften gefangen, aus dem zu entfliehen die schwierigste Aufgabe seines Lebens werden könnte.

Getragen wird Broken City über die gesamte Länge von der großartigen schauspielerischen Leistung von Russell Crowe als machthungriger Bürgermeister Hostetler. Er mimt die Verschlagenheit und Hinterlist des Charakters mit sichtlicher Freude und Hingabe. Russell Crowe gehört meiner Meinung nach immer noch zu den wirklich großen Schauspielern Hollywoods, auch wenn er bei der Auswahl seiner Filme kein ausnahmslos gutes Händchen beweist. Ich bin auf seine Performance als Supermans Vater Jor-El im kommenden Superhelden-Reboot „Man of Steel“ wirklich sehr gespannt. Auch wenn dies nur eine Nebenrolle ist, es ist eine wichtige.

Mark Wahlberg spielt seine Rolle als Detektiv und Ex-Cop Billy Taggart routiniert. Harte aber sympathische Typen mit Macken und Schwächen sind für ihn Paraderollen. Gleichwohl merkt man ihm an, dass ihm diese Darstellung nicht viel abverlangt, er nicht wirklich gefordert wird. Gleiches gilt für Catherine Zeta-Jones als Bürgermeistergattin, Cathleen Hostetler, die auch aufgrund der wenigen Szenen, die der Regisseur ihr gönnt, eher untergeht. Interessante Nebencharaktere wie Justin Chambers als leicht exzentrischer Independent-Filmer Ryan Blake, bekommen viel zu kurze Auftritte. Keine weitere Figur wird näher ausgearbeitet, nicht einmal der Gegenkandidat des Bürgermeisters, Jack Valliant, sehr blass verkörpert von Barry Pepper.

Genau diese fehlende Tiefe der Figuren ist es auch, die den Film ins Mittelmaß abdriften lässt, über das er sich letzten Endes auch insgesamt nicht hinwegbewegen kann. Mal wird ein bisschen über die offenbar schwierige Beziehung von Taggart zu seiner Freundin erzählt, kurz werden seine Schwierigkeiten, sich in die Welt der Schauspielerin und ihrer Freunde einzufinden angedeutet, aber nichts wird vertieft. Immer wenn es bei einer der Figuren beziehungsmäßig tiefer geht, gibt es storytechnisch einen Bruch und die Sache ist erledigt. Das ist wirklich schade, denn einige Facetten hätte man leicht weiter ausleuchten und betrachten können. Diese fehlende Liebe zum Detail trägt letzten Endes auch zur Vorhersehbarkeit der Geschichte bei.

Die Alkoholsucht von Taggart ist nur ein Beispiel von vielen, wie der Film interessante Charaktereigenschaften erst einführt, nur um sie gleich danach konsequent zu ignorieren. Zuerst sträubt sich der Privatdetektiv gegen jeden Drink, erzählt jedem er sei seit Jahren trocken. Nachdem er sich dann in einer Frustreaktion den ersten Schluck Alkohol genehmigt hat, machen ihm nicht etwa Suchtgefühle zu schaffen, er hat die Trinkerei vielmehr scheinbar voll im Griff. Sie beeinträchtigt weder seine Wahrnehmung noch seine Arbeit. Mannigfaltige Möglichkeiten, Zuschauer und Schauspieler zu fordern bleiben ungenutzt.

Viele Filmkritiken zu Broken City geben dem Alleingang von Allen Hughes, der diesen Film ohne seinen Bruder Albert drehte, die Schuld an der fehlenden Qualität. Das kann ich so nicht unterschreiben. Bis auf From Hell konnte mich bisher kein Film der Hughes Brothers wirklich überzeugen. The Book of Eli krankte beispielsweise in meinen Augen ebenfalls an der flachen Story und zu viel Vorhersehbarkeit. (Links in diesem Absatz zu IMDB)

Im direkten Thriller-Vergleich zu „Dead Man Down“ kann Broken City punkten. Die Bilder haben mehr Leinwandniveau, die Story wird schwungvoller inszeniert und dank Russell Crowe gibt es ein paar wirklich interessante Gesprächsszenen. In der Gesamtbetrachtung handelt es sich meiner Meinung nach bei Broken City aber dennoch um einen durchschnittlichen Film, dem viele Klassiker weit überlegen sind. Auch der Soundtrack enttäuschte mich, denn in spannenden Szenen musikalisch mit dem Halloween-Thema zu spielen, ist nicht besonders einfallsreich und für einen Thriller unpassend. Wer Russell Crowe in einem wirklich guten, detailreichen und spannenden Thriller mit politischem und realitätsnahem Hintergrund sehen will, sollte sich lieber The Insider (Link zu IMDB) ansehen.

Actionfilme – Eine Diskussion

Jüngst fand ein sehr angeregtes Gespräch zwischen @BenFlavor und @neeisklar über Actionfilme seinen Anfang auf Twitter. Die beiden Herren diskutierten über die besten Actionfilme und deren Auflistung und Kategorisierung.

Nach einer kurzen Weile verlagerte sich die Diskussion von Twitter auf @BenFlavors Blog, wo selbiger einen entsprechenden Artikel zum Thema verfasste. Als ich dann um meinen Input gebeten wurde, ehrte mich das sehr und ich ließ es mir natürlich nicht nehmen, eine eigene Liste in den Kommentaren zu hinterlassen.

Diese Liste ging mir in den letzten Tagen noch mehrfach durch den Kopf und ich bin auch heute noch prinzipiell zufrieden damit. Ich übernehme sie an dieser Stelle noch einmal in leicht abgeänderter Form, denn nach langen Überlegungen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Transformers unbedingt mit aufgeführt werden müssen. Da ich aber auch auf die Turtles nicht verzichten möchte, habe ich die Liste kurzerhand auf 16 Plätze erweitert.

Voilà! (Links zu IMDB)

  1. The Matrix, 1999
  2. Heat, 1995
  3. District 9, 2009
  4. Gladiator, 2000
  5. Batman Returns, 1992
  6. Terminator 2: Judgment Day, 1991
  7. Aliens, 1986
  8. Expendables 2, 2012
  9. Con Air, 1997
  10. Die Hard With a Vengeance, 1995
  11. El Mariachi, 1992
  12. First Blood (Rambo), 1982
  13. The Fifth Element, 1997
  14. Transformers, 2007
  15. The Avengers, 2012
  16. Turtles 3, 1993

Als Kriterium beim Erstellen der Liste habe ich übrigens herangezogen, dass bei IMDB Action als Genre (mit) aufgeführt wird.

Diskussionen wie diese gefallen mir immer wieder sehr, denn sie zeigen, dass alles im Auge des Betrachters liegt. Außerdem macht eine genauere Betrachtung des Actiongenres bei Filmen klar, dass dieses inzwischen unglaublich diversifiziert ist und sich mit wahnsinnig vielen anderen Genres überschneidet und vermischt. Dies ist auch der Grund dafür, dass jede persönliche Liste einzigartig wird und eine eindeutige und unanfechtbare Indentifikation von DEM besten Actionfilm aller Zeiten geradezu unmöglich wird.

Ich freue mich schon auf das nächste Filmfachgespräch. Genaues Thema tbc.

Der Tote und das Mädchen

Thriller. Filme, die mit „Thrill“, also mit Nervenkitzel, zu tun haben. Schon der King of Pop besang einst den Reiz der Spannung. Mit Niels Arden Oplev hat ein dänischer Regisseur seinen Weg nach Hollywood gefunden, der seinen Einstand im Land der Filmemacher in diesem Filmgenre ansiedelt. Zuvor bekannt war mir Herr Oplev vor allem durch seine Verfilmung von Stieg Larssons gleichnamigem Roman Verblendung (Män som hatar kvinnor, Link zu IMDB) aus dem Jahr 2009. Ich muss zugeben, dass ich die Romanvorlage nicht gelesen habe und den Film deshalb nicht auf Originaltreue hin analysieren konnte. Die zweiteilige „Extended Version“ empfand ich als soliden TV-Kriminalfilm, gut genug um meine Neugierde für das Hollywooddebüt des Regisseurs zu wecken und mir Dead Man Down im Kino anzusehen.

Hauptakteur der Geschichte ist Victor, Mitglied einer Verbrecherorganisation in den Außenbezirken von New York. Er lebt in einem hohen Wohnbunker. In der Wohnung gegenüber und in Sichtweite von Victor haust die geheimnisvolle, französische Kosmetikerin Beatrice. Die attraktive Frau wurde durch einen Autounfall entstellt und tut sich seitdem schwer, ihren Platz im Leben wiederzufinden. Die beiden kommen sich mit der Zeit näher und müssen feststellen, dass jeder von ihnen ein gefährliches Spiel treibt und dass Rache ein Gericht ist, das am besten kalt serviert wird.

Die Story klingt einfacher, als sie am Ende ist. Ich möchte an dieser Stelle aber auch nicht zu viel verraten. Das Geschehen des Films ist in seiner Gänze betrachtet kompliziert und sehr verworren. Die Zusammenhänge erschießen sich dem Zuschauer erst nach und nach, wobei ständig mit der Frage danach gespielt wird, wann wer wo stirbt, gestorben ist oder sterben soll. Prinzipiell ist das ein gutes Konzept, das jedoch nicht aufgeht, sobald wie bei Dead Man Down zu große logische Lücken sichtbar werden und zu viele Handlungsstränge offen bleiben oder künstlich und brachial geschlossen werden. Es muss in Filmen nicht immer alles logisch sein. Das wäre ja auch langweilig. Allerdings bin ich der Meinung, dass das logische Konzept innerhalb eines Film oder eines Fantasieuniversums stets stimmig sein muss. Alles andere wirkt sich auf dit Atmosphäre und die Glaubwürdigkeit (oder besser Vorstellbarkeit) aus.

Niels Arden Oplev hat sich bei Dead Man Down in meinen Augen zu viel vorgenommen. Er will zu viel in zu kurzer Zeit erzählen. Dies hat allerdings kein – wie man annehmen könnte – besonders hohes Erzähltempo zur Folge. Ganz im Gegenteil lässt der Regisseur die Handlung durchgehend leise vor sich hinplätschern. Einzig am Anfang und am Ende des Films geht es etwas mehr zur Sache. Dazwischen gibt es noch eine rasantere Szene, die allerdings augenscheinlich nur dazu dient, sich schnell und effektiv lästiger Nebencharaktere zu entledigen. Generell habe ich nichts gegen Filme, die ihre Geschichten mit Bedacht erzählen, schließlich kann das in Thrillern ein wichtiges Stilmittel sein, um die Spannung zu erhöhen. Dead Man Down hat mich stellenweise allerdings eher eingeschläfert. Zu getragen, zu gewollt und zu symbolüberladen kommen Worte und Bilder daher.

Es gibt einige Szenen und Einstellungen, die durchaus Potenzial für mehr erkennen lassen. Niels Arden Oplev zeigt die düstere Seite von New York aus teilweise neuen und ungewohnten Blickwinkeln. Die große Metropole wird quasi als Randerscheinung einer anderen Welt inszeniert. Er versucht sich auch an einer Situation, in der sich zwei Erzfeinde gegenüberstehen und eine Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht zu führen. Diese geht aber erstens leider im monotonen Erzählstil unter und zweitens enthält sie wichtige Gedankengänge, die nicht konsequent zu Ende geführt werden. Nur so viel sei gesagt: Wenn jemand einem anderen eine Falle stellt und derjenige erscheint dann nicht, muss es dem Fallensteller in irgendeiner Weise komisch vorkommen und weitere Überlegungen nach sich ziehen. Hier reicht Oplev nicht annähernd an andere Meister des Genres heran. Die beste Darstellung eines Treffens von zwei Gegenspielern Auge in Auge ist für mich persönlich nach wie vor die Kaffeehausszene in Michael Manns Heat (Link zu IMDB).

Der Regisseur verlässt sich bei Dead Man Down auch zu viel auf seine Darsteller. Mit Noomi Rapace hatte er bereits bei „Verblendung“ erfolgreich zusammengearbeitet. Sie spielt die Rolle der durch einen Autounfall entstellten und zwischen Zerbrechlichkeit und trotzigem Zorn schwankenden Beatrice routiniert. Dafür, dass sie aufgrund ihrer Narben von den Nachbarn als „Monster“ bezeichnet wird, erscheint sie allerdings viel zu hübsch. Hier hätte sich die Maske durchaus noch etwas Krasseres einfallen lassen können. Und wer würde übrigens, egal ob labil oder nicht, schmähende Kinderkritzeleien an seiner Wohnungstür einfach stehen lassen? Nur eines, der vielen Dinge, die bei mir zu wachsendem Unmut bezüglich der Glaubwürdigkeit des Films beitrugen. Colin Farrell liefert als Victor eine solide Leistung ab. Der verbitterte und gewaltbereite Mann, der verbissen seinen Plänen folgt, ist für den Schauspieler keine große Herausforderung. Dominic Cooper als Victors Freund Darcy hätte viel mehr Potenzial gehabt. Raum für Entfaltung hatte er keinen. Die restlichen Charaktere gehen in der Last der Geschichte unter und sind damit mehr oder weniger Kanonenfutter.

Dass die Charaktere zu wenige Tiefe erkennen lassen, ist in diesem Fall eher die Schuld des Regisseurs, als der Schauspieler selbst. Zu viele unterschiedliche Aspekte werden zu langsam und zu umständlich miteinander verwoben. Die Geschichte von Dead Man Down bietet viel Inhalt, allerdings hätte man diesen ruhig etwas reduzieren und entweder Victor oder Beatrice und ihre jeweilige Geschichte klar in den Vordergrund stellen sollen. Herausgekommen ist trotz einiger guter Bilder leider nur ein sehr durchschnittlicher Thriller, der sich meiner Meinung nach eher auf TV- als auf Leinwandniveau bewegt. Zu offensichtlich und vorhersehbar sind viele Wendungen in der Story trotz allem. Der Regisseur lässt gute Ansätze erkennen, kann mit Hollywoodgrößen wie Michael Mann oder Oliver Stone aber (noch) nicht mithalten.

Freiheit und Gleichheit

Oscarnominierte und -prämierte Filme haben den großen Vorteil, dass sie länger im Kino laufen, als andere Werke. Sie geistern zu verschiedenen Uhrzeiten durch verschiedene Lichtspielhäuser. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann eine Anfangszeit mit der eigenen Zeitplanung harmoniert, ist deshalb groß. So hatte ich diese Woche Glück und fand endlich eine Gelegenheit mir Lincoln anzusehen.

Steven Spielbergs neuester Film behandelt die letzten Monate des großen amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln in den Jahren 1864 und 1865. Der Amerikanische Bürgerkrieg neigt sich dem Ende zu. Abraham Lincoln wurde vor Kurzem für eine zweite Amtszeit als Präsident der Unionsstaaten bestätigt. Er ist 55 Jahre alt. Das Alter und all die tragischen Dinge, die er bis dato im Privaten, wie in seiner politischen Karriere erleben musste, liegen ihm schwer in den Knochen. Lincoln hat allerdings ein wichtiges Ziel vor Augen, eines das er mit all seinen verbleibenden Kräften verfolgt: die Verabschiedung des 13. Verfassungszusatzes im Repräsentantenhaus und die damit einhergehende Abschaffung der Sklaverei. Um die endgültige Durchsetzung sicherzustellen, muss die nötige Zweidrittelmehrheit erreicht werden, noch bevor ein Frieden mit den durch den Krieg erheblich geschwächten Konföderierten Staaten geschlossen wird. (Alle Links in diesem Absatz zu Wikipedia.)

Lincoln ist ein Historien-Drama. Das Ende ist jedem Zuschauer deshalb schon bekannt, bevor er den Kinosaal betritt. Steven Spielberg beweist mit diesem Meisterwerk allerdings eindrucksvoll, dass das kein Grund für Langeweile und für die völlige Abwesenheit von Überraschungen ist. Lincoln ist von der ersten bis zur letzten Minute fesselnd und selbst die Abstimmung im Repräsentantenhaus ist so gekonnt inszeniert, dass man als Zuschauer gebannt auf das Ergebnis wartet und mit Lincoln und seinen Mitstreitern um den Sieg bangt. Seit Jahren hat mich kein Film von Steven Spielberg mehr richtig begeistern können. Die Hoffnung auf eine Rückkehr des Meisters zu alten Höhen hatte ich schon fast aufgegeben. Umso positiver überraschte mich Lincoln.

Der Film spielt zwar an verschiedenen Orten, aber zumeist im Inneren von diversen Räumen. Diese sind allerdings mit so viel Liebe gestaltet, dass man sich sofort 150 Jahre zurückversetzt fühlt. Gleichzeitig beweisen die Macher ein geradezu meisterliches Gespür für atmosphärische Details. Lichteinfall, Staub, Rauch, Schneeflocken – einfach alles wird gezielt und absolut gekonnt eingesetzt. Untermalt wird das Ganze vom reduzierten aber gleichermaßen passenden Score von Spielbergs langem Vertrauten, John Williams. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass das Geschehen auf der Leinwand bei den Zuschauern für Gänsehautmomente sorgt, auch wenn derart bekannte, historische Ereignisse auf den ersten Blick relativ wenig Raum für Spannung bieten mögen.

Die jahrelange und sehr gründliche Recherche des Regisseurs zur diffizilen Thematik merkt man dem Film in jeder Minute an und auch die Besetzung kann bis in die kleinste Nebenrolle überzeugen. Daniel Day-Lewis ist ein herausragender Schauspieler, der Lincoln so vielschichtig darstellt, wie es wohl kaum ein anderer gekonnt hätte. Der auf den ersten Blick gebrechliche Präsident wandelt sich von einer Sekunde auf die andere vom schweigenden Zuhörer zum flammenden Redner, dem alle Aufmerksamkeit gewiss ist, wenn er seine Anliegen mit leuchtenden Augen vorträgt. Er hat zu jedem Zeitpunkt die passende Geschichte, das passende Gleichnis parat und er ist unter keinen Umständen bereit, das ihm so wichtige Vorhaben, die Abschaffung der Sklaverei, aufzugeben. Ebenfalls brillant spielt Tommy Lee Jones seine Rolle als Rechtsanwalt Thaddeus Stevens, der mit ganzem Herzen für eine Welt kämpft, in der alle Menschen als gleich angesehen werden. Jones ist einer der ganz großen in Hollywood. Das muss ich immer wieder aufs Neue feststellen. Für seinen Mut zu oftmals ungewöhnlichen Rollen, die er ohne Angst vor dem Alter (z.B. auch als Arnold Soames in Hope Springs, Link zu IMDB) spielt, ist ihm meine Bewunderung sicher. Auch die restlichen Rollen in Lincoln wurden mit unglaublicher Treffsicherheit besetzt, sowohl was die schauspielerische Leistung anbelangt als auch im Hinblick auf die Ähnlichkeit mit den historischen „Originalen“. Wer einmal einen Blick auf Bilder aus den Jahren 1864/65 wirft, wird sofort erkennen, was ich meine. Sally Field, David Strathairn, James Spader und Jackie Earle Haley sind nur einige Beispiele für weitere Schauspieler, die mir in Lincoln positiv auffielen. Und auch Walton Goggins läuft unter der Anleitung des großen Regisseurs zu Hochform auf.

Lincoln wurde 2013 mit zwei Oscars ausgezeichnet, für 12 war er nominiert. Ich habe noch immer nicht alle Anwärter auf den Titel „Bester Film“ gesehen, allerdings rangiert Lincoln für mich schon jetzt weit vor Ben Afflecs seichtem Thriller „Argo“. Mein persönliches Unverständnis für die finale Entscheidung der Academy wurde nach Sichtung von Lincoln nur noch größer. Dafür kann ich der Vergabe der Trophäe im Bereich „Bester Hauptdarsteller“ an Daniel Day-Lewis nur zustimmen und auch der Oscar in der Kategorie „Bestes Szenenbild“ ist bei den Machern dieses Films gut aufgehoben.

Lincoln ist ein wunderbarer Film, der nicht nur in Bezug auf die historischen Begebenheiten gut gemacht ist. Seine Thematik hat heute mehr Relevanz, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Lincoln selbst hat in erster Linie für die Abschaffung von Zwangsarbeit und damit für grundsätzliche Freiheit gekämpft. Die Befreiung der Schwarzen an sich und deren Gleichstellung mit den Weißen waren für ihn dabei eher zweitrangig. Eine Szene hat mich in diesem Zusammenhang besonders beeindruckt: eine Unterhaltung von Lincoln mit einer ehemaligen Sklavin, in der der Präsident zugibt, dass er sich an deren „Volk“ wohl selbst erst noch „gewöhnen“ müsse. Ist es nicht so, dass es auch heute genügend Menschen gibt, an die sich andere erst noch „gewöhnen“ müssen? Die aktuellen Diskussionen rund um gleichgeschlechtliche Ehen sind meiner Meinung nach Beweis genug dafür, dass es immer noch Menschen gibt, die von anderen Menschen nicht als gleich angesehen werden. Selbst die von Thaddeus Stevens als Kompromiss anstelle der totalen Gleichheit proklamierte Gleichheit vor dem Gesetz ist noch nicht in allen Bereichen und in allen Fällen gegeben. Lincoln hat deshalb, trotz grundsätzlich positiver Botschaft, viel Potenzial zum Nachdenken anzuregen.

Vielleicht hat mich dieser Film auch so begeistert, weil ich mich dank dem Videospiel „Assassin’s Creeed 3“, das in meinem Osterurlaub zu Ende gespielt habe, vor Kurzem ohnehin viel mit der amerikanischen Geschichte beschäftigt habe. Die Geschichte des Spiels spielt 100 Jahre früher als Lincoln. In diesem Zusammenhang hatte ich interessehalber auch einige Dinge nachgelesen, z.B. über George Washington und über die Boston Tea Party. Da sage noch einmal einer, Videospiele könnten keinen Beitrag zur Bildung leisten. Gerade deshalb rückte der Film nun ein weiteres, interessantes historisches Kapitel in meinen Fokus – noch etwas, mit dem ich mich zuvor noch nie so eingehend beschäftig hatte.

Bei all dem Lob muss es doch irgendwo einen Haken geben? Den gibt es und zwar in Form der fast unterirdisch schlechten deutschen Synchronisation. Leider konnte ich mir Lincoln nicht im Originalton ansehen. Das werde ich auf jeden Fall nachholen. Die deutsche Fassung fand ich allerdings grausig. Ein weiteres Beispiel dafür, wie der Versuch, Dialekte ins Deutsche zu übertragen, kläglich scheitern kann. Der Synchronsprecher von Daniel Day-Lewis verschluckt regelmäßig das „T“ am Ende von Worten, vor allem bei „nicht“. Das ist einfach nur unnötig und nimmt dem Film doch einiges der großartigen Atmosphäre. Auch wird der Slang von Sklaven in Filmen immer durch eigenartiges Verziehen der deutschen Sprache zu übertragen versucht. Das war auch in „Django Unchained“ der Fall. Ich kann in Anbetracht von so viel mangelndem Feingefühl nur den Kopf schütteln und empfehle deshalb allen Interessierten, wie so oft, auch bei Lincoln den Originalton.

Zum Schluss möchte ich noch auf die recht witzige Tatsache eingehen, dass ich nach Lincoln noch einmal an einen anderen Film denken musste, den ich bereits letztes Jahr gesehen habe und in dem der berühmte Präsident ebenfalls eine Hauptrolle spielte: Abraham Lincoln: Vapirjäger (Abraham Lincoln: Vampire Hunter, Link zu IMDB) mit Benjamin Walker als Abraham Lincoln. Wenn man sich ein wenig intensiver mit der amerikanischen Geschichte und mit Abraham Lincoln selbst beschäftig, kann man nämlich durchaus feststellen, dass die Vampirjäger-Variante doch viele sehr detaillierte Verweise auf die tatsächlichen historischen Ereignisse enthält. Die humorvolle Gruselinterpretation hat durchaus mehr Unterhaltungspotenzial, betrachtet man sie vor dem historischen Hintergrund, als wenn man sie einfach nur als Horrorfilm konsumiert.