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Eiserne Helden und falsche Schurken

Da war es wieder! Dieses unangenehme Gefühl und die dazugehörigen Worte, die sich in meinem Kopf formten: „Nein! DAS ist NICHT …!“ Die Rückkehr der nagenden Enttäuschung, die sich festsetzt und die nach dem Ende eines Films nicht aufhört im Hirn zu rotieren. Ganz schlimm erging es mir vergangenen Herbst bei The Dark Knight Rises (Link zu IMDB), nach dessen Ende sich dieses Gefühl in andauernde Wut verwandelte, die nach wie vor durchbricht, wenn man mich auf besagten Film anspricht. Ganz so dramatisch war es dieses Mal glücklicherweise nicht, aber seit ich Iron Man 3 gesehen habe, frisst sich wieder ein gewisser Unmut in meinen Gedanken fest und je mehr ich nachdenke, desto geringer wird leider die Chance, dass ich ihn wieder loswerde.

Was habe ich mich auf diesen Film gefreut! Nach drei Wochen mit Thrillern, die einfach nicht spannend sein wollten, ließ die Aussicht auf knallige Superheldenaction große Hoffnungen in mir aufkeimen. Viel wurde schon geschrieben und gesagt zum neuen Marvel-Streifen. Einiges hatte ich gelesen und noch mehr ignoriert, schließlich wollte ich unbefangen an die Sache herangehen – zumindest soweit es mir als Comicleser und Fan des Helden in der eisernen Rüstung möglich ist. Meiner Vorfreude wurde der Film am Ende leider nur bedingt gerecht. Im Folgenden erkläre ich warum und warne hiermit Leser, die den Film noch nicht gesehen haben und ihn noch sehen wollen, ausdrücklich vor Spoilern, die ich an entsprechender Stelle kennzeichne, ohne die ich in diesem Fall aber nicht auskomme.

Die Story von Iron Man 3 ist im wachsenden Mavel-Filmuniversum nicht nur nach Iron Man 2, sondern auch nach The Avengers angesiedelt (Links zu IMDB). Tony Stark, der Mann im rot-goldenen Kampfanzug, leidet seit seinem gemeinsamen Einsatz als Teil des Superhelden-Teams unter Angstattacken. Die Ereignisse in New York und das Zusammentreffen mit den außeririschen Chitauri haben ihn geprägt. Seitdem tüftelt er noch verbissener an Verbesserungen für seine Iron-Man-Rüstung. Zusätzlich holt ihn die Vergangenheit in Form des ambitionierten und skrupellosen Wissenschaftlers Aldrich Killian ein, der ein Supervirus namens „Extremis“ (weiter)entwickelt hat, mit dem gewöhnliche Soldaten zu Supersoldaten mutiert werden können. All dies scheint in Zusammenhang mit einem neuen Superschurken zu stehen, der sich „Der Mandarin“ nennt und regelmäßig Drohbotschaften an ganz Amerika entsendet. Als Iron Man persönlich angegriffen wird, nehmen die Dinge ihren Lauf.

Iron Man 3 präsentiert sich als Abschluss einer Trilogie und als Abschluss der Storyline Extremis (Link zu Wikipedia), die aus dem Marvel-Comicuniversum übernommen wurde und von der Teile in allen drei Iron-Man-Filmen verwendet wurden. Extremis umfasste zwar nur 6 Hefte, bot aber eine gewaltige Fülle an Inhalten. Wer daran zweifelt, was man alles in ein einziges Comicheft packen kann, für den ist diese Geschichte ein perfektes Gegenbeispiel. Generell kann ich diesen Comic nur empfehlen, von dem vor Kurzem anlässlich des Films eine Neuauflage auf Deutsch bei Panini Comics erschien (Link zur Produktseite auf der Panini-Webseite).

Das Problem von Comic- oder Buchverfilmungen, die eine konkrete Vorlage heranziehen, ist stets der schmale Grad zwischen Originaltreue und den für das Medium Film und ein breiteres Publikum nötigen Änderungen. Es gibt viele Werke, die diesen Balanceakt bravourös meistern. Von geradezu akribischer Originaltreue bei The Green Mile über eine gute Mischung wie bei Kick-Ass bis zu Filmen, die nur eine Basis heranziehen um daraus ein neues, viel größeres und eigenständiges Konzept zu machen. Ein sehr gutes Beispiel für letztere Gattung ist RED, der nach ca. 20 Minuten zu Ende gewesen wäre, hätte man nur die Comicvorlage verfilmt. Bisher haben auch die allermeisten der bisherigen Marvel-Filme den Spagat zwischen Mainstream und Comicvorlage sehr gut vollführt. Ausnahmen bilden für mich lediglich Spider-Man 3 und X-Men: First Class. Nun reiht sich hier leider Iron Man 3 ein. Keiner dieser Filme hat mich jedoch so sehr enttäuscht, wie The Dark Knight Rises, denn nichts ist so schlimm wie der auf Minimalgröße geschrumpfte und statt mächtigem Venom Schmerzmittel inhalierende Bane, aber lassen wir das. Der gehört ja auch in ein anderes Comicuniversum. (Links in diesem Absatz zu IMDB)

Zurück zum Eisenmann. Tatsächlich wurden viele Elemente der Extremis-Storyline in den Film übernommen, was ich mit großem Wohlwollen zur Kenntnis nahm. Auch fielen mir die vielen Verweise auf die anderen Marvel-Filme positiv auf. Ich habe wirklich nichts gegen diverse Interpretationen und Abweichungen vom Comic. Ein Film muss sich einer Vorlage nicht einhundertprozentig unterwerfen, um deren Botschaft adäquat zu vermitteln. Ausschlaggebend ist für mich weniger die absolute Treue zur Geschichte, als vielmehr zu den Charakteren. Genau dies ist die Achillesverse von Iron Man 3, genauer gesagt: es ist der Mandarin.

(Spoilerwarnung!)

Das ungute Gefühl beschlich mich schon, beim ersten Auftritt des Mandarin im Film, denn eine Darstellung als „Aushilfs-Bin-Laden“ passt überhaupt nicht zu diesem Charakter. Der Mandarin ist der älteste und mächtigste Erzfeind von Iron Man. Er kommt aus China, stammt von Dschingis Khan ab und besitzt übermenschliche geistige und physische Fähigkeiten. Seine Waffe sind zehn magische Ringe, die er nur dank seiner immensen Geisteskraft und intensivem Training nutzen kann. Jeder Ring hat eine eigene, zerstörerische Kraft. Das immerwährende Ziel des Mandarin ist die Eroberung der Welt. So viel zur Comicvorlage.

Wer Iron Man 3 gesehen hat, wird meine Enttäuschung in Anbetracht der Stärke der Comicfigur hoffentlich verstehen, denn der Film-Mandarin hat nichts – oder besser: ÜBERHAUPT NICHTS – von der eigentlichen Figur. Im Film wird der Mandarin zur Fassade degradiert, ein Stich ins Herz eines jeden Fans, zumal um die Figur im Vorhinein ein Riesenwirbel gemacht wurde. Plakate wurden veröffentlicht und zur Interpretation durch die Fans freigegeben. Auf diesen waren die zehn Ringe deutlich zu sehen. Diese sind im Film nur leider überhaupt nicht von Bedeutung. Der ganze Mandarin ist am Ende überhaupt nicht von Bedeutung.

Bezeichnend für die Situation ist ein kurzer Dialog zwischen Iron Man und War Machine zu diesem Thema:
War Machine: „DAS ist der Mandarin?“
Iron Man: „Ja, ich weiß. Irgendwie lächerlich.“

Ich kann Iron Man nur zustimmen, denn dieser Mandarin IST lächerlich und ich als Fan kann darüber überhaupt nicht lachen. Zumal es weder der Story noch dem allgemeinen Verständnis geschadet hätte, den Mandarin mit Superkräften auszustatten und ihm die Rolle zuzugestehen, die ihm gebührt. Der Plottwist, ihn als Betrüger zu entlarven, ist unschön und unnötig. Zu gut ist auch Ben Kingsleys Darstellung der Figur. Man kann keinesfalls den Schauspieler für den Untergang der Rolle verantwortlich machen. Die Verantwortung tragen allein die Drehbuchautoren. So viel hätte man aus diesem Charakter machen können! Der Mandarin hätte das Potenzial gehabt, als Superschurke und ultimativer Gegner über mehrere Filme aufgebaut zu werden, ähnlich wie man es mit Loki, dem Gegenspieler von Thor, macht. Diese und viele weitere Chancen wurden mit Iron Man 3 vertan.

Es war zwar größtenteils, aber nicht nur der Mandarin, der bei mir zur Verankerung von unguten Gefühlen während des Films führte. Auch die Iron-Patriot-Rüstung ist komplett fehl am Platz und wird von den Autoren nur als Mittel für Ihre Zwecke missbraucht. War Machine bleibt War Machine und James Rhodes hat in den Comics nichts mit der Iron-Patriot-Rüstung zu schaffen. Der Iron Patriot war einst Norman Osborn, der Erzfeind von Spider-Man. Dass die Geschichte um den Superschurken in der eisernen Rüstung die Grenzen des Films gesprengt hätte, ist klar. Der Rüstungswechsel von War Machine ist aber trotzdem völlig unnötig. Man hätte ihm die alte Rüstung lassen und auf den Iron Patriot verzichten können. Die eiserne Hülle im Design der amerikanischen Flagge dient in Iron Man 3 nur zur Verdeutlichung von fragwürdigen Rettungsaktionen im Namen der Vereinigten Staaten und um den Präsidenten im Endkampf standesgemäß „verpacken“ zu können. Wenigstens wurde die Rüstung kurz von Bösewicht Aldrich Killian entführt, obwohl der im Comicuniversum genauso wenig wie Rhodes mit dieser Rüstung zu tun hat, was den Iron Patriot aber zumindest für einen kleinen Moment die Seiten wechseln lässt. Ein schwacher Trost.

Generell kann ich keinem der Schauspieler einen Vorwurf machen. Robert Downey Jr. ist und bleibt wie geschaffen für die Rolle des unsympathischen und aufschneiderischen Tony Stark und Guy Pearce ist herrlich fies als Aldrich Killian. Wie bereits erwähnt passt eigentlich auch Ben Kingsley perfekt für die Rolle des Mandarin. Das Grundproblem des Films liegt im Drehbuch, bei dem Regisseur Shane Black gnadenlos seine Spuren hinerlassen hat. Prinzipiell spricht nichts dagegen, eine existierende Storyline auseinanderzunehmen und neu zu interpretieren, man sollte sie sich aber auch nicht auf Biegen und Brechen untertan machen. Iron Man darf coole Sprüche reißen, in Iron Man 3 war es mir aber fast schon zu viel des Guten. Der Regisseur schreckt zusätzlich nicht davor zurück, sich selbst in einem in meinen Augen völlig unpassenden Moment selbst ein Denkmal zu setzen. In Erinnerung an seine Lethal-Weapon-Filme gibt es einen unsäglichen Dialog zwischen Tony Stark und James Rhodes hinter einer Deckung, bei dem die beiden über ihre Lage und über Waffen diskutieren. In einer solchen Situation wäre mir geradlinige Action lieber gewesen. Alles in allem habe ich das Gefühl, dass der Regisseur den Film teilweise für ein paar markige Sprüche mehr unnötig in die Länge zieht. Dies nimmt der Geschichte leider auf Dauer die Spannung und die Überraschungen. Bis Tony Stark herausfindet, dass es die Supersoldaten selbst sind, die explodieren, hat es der Zuschauer schon zehnmal selbst begriffen und wartet sehnsüchtig auf den befreienden Endkampf. Amerikakritik und flotte Dialoge in allen Ehren, denn Shane Black beherrscht zweifellos beides, allein die Dauerbefeuerung unterminiert in diesem Fall das Können.

(Spoiler Ende)

Es sind nicht die Bilder, die enttäuschen – ganz im Gegenteil. Iron Man 3 bietet scharfe 3D-Bilder und sehr gut umgesetzte Actionszenen, bei denen die Tricks der Technik gezielt und gekonnt eingesetzt werden. Wer gedanklich nicht an irgendwelche Vorstellungen oder Vorlagen gebunden ist, dem werden die Dinge, die mir so furchtbares Kopfzerbrechen bereiten, wahrscheinlich gar nicht auffallen. Mir persönlich haben die Iron-Man-Filme von John Favreau besser gefallen. Sie hatten beide auch andere Drehbuchautoren.

Ich kann und will Iron Man 3 abschließend nicht als schlechten Film und auch nicht als vollkommene Enttäuschung bezeichnen. Es gibt ein paar sehr nette und treffende Szenen und einige Dinge aus der Extremis-Storyline wurden sehr gut und passend in den Film übertragen. Aus genannten Gründen will sich bei mir nur leider nicht dieses Hochgefühl einstellen, das mich nach einem exzellenten Film überkommt, obwohl ich beispielsweise den Endkampf mit den verschiedenen Rüstungen und dessen symbolische Bedeutung für die Zukunft und die Vergangenheit von Iron Man geradezu genial fand. Egal wie lange ich mit mir selbst im Geiste ringe, ein Gedanke blitzt immer wieder auf und ich kann mich nicht von ihm lösen: „Nein! DAS ist NICHT der Mandarin!“

Wirkungslose Nebenwirkungen

Es gibt Regisseure, von denen ich mehrere Filme so schätze, dass ich es gar nicht recht wahrhaben will, wenn ihre Leistungen plötzlich abfallen und spätere Werke einfach nicht an frühere heranreichen können. Zu dieser Gattung gehören unter anderem Taylor Hackford, dessen Im Auftrag des Teufels (The Devil’s Advocate) nach wie vor zu meinen Lieblingsfilmen zählt und Christopher Nolan, der mich mit Inception und The Dark Knight Rises furchtbar enttäuscht und sogar wütend gemacht hat. Nachdem ich Side Effects gesehen habe, reiht sich nun Steven Soderbergh endgültig und nahtlos in diese Riege ein. (Links in diesem Absatz und im weiteren Verlauf des Artikels zu IMDB)

Out of Sight, Erin Brockovich, Ocean’s Eleven, allesamt sehr gut gemachte, spannende und unterhaltsame Filme, in denen Schauspieler, von denen ich es weniger erwartet hätte, zu Höchstform aufliefen. Für Traffic – Die Macht des Kartells erhielt Steven Sonderbergh im Jahr 2001 sogar den Oscar für die beste Regie und das nicht unverdient. Für mich persönlich begann die Qualität seiner Filme ab dem furchtbar unspektakulären und unspannenden „Schnupfenfilm“ Contagion rapide nachzulassen. Türklinken alleine sorgen leider noch nicht für beklemmende Outbreak-Stimmung und zu viele Charaktere können einen Plot leicht überstrapazieren. So richtig aufgeben, wollte ich Herrn Soderbergh aber dennoch nicht und so schaute ich mir Side Effetcs an, den Film, der laut eigenen Angaben sein vorerst letzter Kinofilm sein soll.

Etwas über Side Effects zu schreiben, ohne zu spoilern, ist wirklich schwer, aber ich versuche es, für alle Leser, die sich den Film evetuell doch noch ansehen wollen.

Der Film beginnt mit der Geschichte eines jungen Ehepaars. Der Ehemann, Martin Taylor, hat eine Haftstrafe von vier Jahre wegen Insiderhandel abgesessen und wird aus dem Gefängnis entlassen. Wieder auf freiem Fuß trifft er auf seine Ehefrau, Emily Taylor, die auf ihn gewartet hat. Die junge Frau kämpft aufgrund ihrer schwierigen Lebensumstände mit Depressionen und begibt sich schließlich in die Behandlung des Psychiaters Dr. Jonathan Banks. Verschiedene tragische Ereignisse geraten ins Rollen und für den Psychiater beginnt eine Odyssee auf der Suche nach der Wahrheit.

Side Effects beginnt spannend und ich würde die ersten beiden Drittel auch als durchaus guten Film bezeichnen, allerdings empfand ich das letzte Drittel als so unfassbar schlecht, dass es das komplette Werk zum „Rohrkrepierer“ werden lässt. Was als interessante Geschichte über Medikamente und deren Gefahren, über die Pharmaindustrie, Lobbyismus und den Umgang der heutigen Gesellschaft mit psychischen Krankheiten beginnt, zerstört sich und all die möglichen, sinnvollen Botschaften durch eine völlig abstruse Auflösung quasi selbst. Wie viel ließe sich darüber nachdenken und philosophieren, dass die Einnahme von Pillen zu großen Teilen Alltag geworden ist. Schon kleine Kinder werden analysiert und beim kleinsten Anzeichen von Unruhe gegen ADHS medikamentiert. Schüler und Studenten nehmen Mittel zur Verbesserung der Konzentration und Lernfähigkeit und sind ein strahlendes Beispiel dafür, wie sorglos oftmals mit Medikamenten umgegangen wird und wie mögliche Nebenwirkungen völlig außer Acht gelassen werden. Das alles hätte in Verbindung mit der Betrachtung von Ärzten, deren Beratertätigkeiten für Pharmakonzerne im Rahmen von Studien und ihren Einfluss auf Patienten als Stoff für einen guten Thriller ausgereicht. Andere Filme haben es mit ähnlichen realitätsnahen und politischen Themen vorgemacht. Ich denke da beispielsweise an die spannende Betrachtung der Tabakindustrie in The Insider.

In Side Effects werden viele interessante Themen angerissen und ich wähnte sogar schon einen genialen Schachzug, als zwei Psychiater dazu ansetzten, sich gegenseitig zu analysieren. In dem Moment, in dem die Wahrheit ans Licht kommt, ab einer gewissen Szene, die ich schlicht als unnötig, reißerisch und absolut unglaubwürdig ansehe, schlägt die Story allerdings so viele Haken und Salti und reduziert alles auf eine absolut billige und einfallslose Erklärung. All die kleinen Hinweise und Gedanken, die zuvor enthalten waren, werden damit komplett außer Kraft gesetzt, ihnen wird schlichtweg der Boden für weitere Interpretationen entzogen. Wenn alles so einfach ist, braucht man an das Große und Ganze keinen Gedanken mehr zu verschwenden. Alle Nebenwirkungen werden mit einem Schlag wirkungslos. Ich habe es lange nicht erlebt, dass ein Film so stark angefangen und mit einem Mal so stark nachgelassen hat. Side Effects ist ein Film mit Selbstzerstörungsmechanismus. Bedeutungsvielfalt verpufft mit einem Schlag. Was bleibt ist Bedeutungslosigkeit.

Der Film weist aber nicht nur storytechnisch grobe Lücken auf. Auch die Schauspieler können meiner Meinung nach nicht überzeugen. Rooney Mara schleicht als depressive und tieftraurige Ehefrau mit einem ewig gleichen Gesichtsausdruck durch den Film. Sämtliche Wendungen und Wandel, die die Figur durchlebt, nehme ich ihr leider nicht ab. Catherine Zeta-Jones schlafwandelt als undurchsichtige Psychiaterin und Vorgängerin von Dr. Banks bei der Bahandlung von Emily durch den Film, völlig ohne Emotion und Ausdruckskraft. Channing Tatum bekommt in seiner Rolle als aus dem Gefängnis entlassener Ehemann nicht besonders viel zu tun und wirkt sehr blass. Er gefiel mir in der Rolle des G.I. Joe „Duke“ wesentlich besser. Jude Law liefert von allen Beteiligten zwar die beste Leistung ab, aber auch er hat schon viel besser gespielt, z.B. als Dr. Watson an er Seite von Robert Downey Jr. als Sherlock Holmes.

Neben all den inhaltlichen und handwerklichen Defiziten ist Side Effects ein weiteres Beispiel für unterirdische deutsche Synchronisation. Ich kann vom Ansehen der deutschen Fassung nur abraten. Warum tendieren Synchronsprecher neuerdings eigentlich vermehrt dazu das „T“ in „nicht“ zu verschlucken? Mir fiel dies schon bei „Lincoln“ unangenehm auf und ich kann und will diese Entwicklung überhaupt nichT nachvollziehen. Es gibt einfach zu wenige Kinos, die Filme (zu „Prime Time“-Anfangszeiten) im Original zeigen.

Vielleicht braucht Steven Soderbergh die angekündigte kreative Pause von Hollywood. Meinen Segen hat er nach Side Effects. Dass Regisseure nach einer Tiefphase zu alter Größe zurückfinden können, hat Steven Spielberg mit Lincoln vor Kurzem eindrucksvoll bewiesen. Ich wünsche mir, dass anderen dies auch gelingt.

Nach drei Wochen mit mehr oder weniger durchschnittlichen Kinoerlebnissen, sehne ich mich nun nach einem richtigen Kracher. Ich hoffe sehr, dass „Iron Man 3“ nächste Woche diese Lücke füllen kann. Der Mai verspricht ja ohnehin ein äußerst spannender Kinomonat zu werden. Im Wochentakt laufen interessante Filme an. Der eiserne Held wird gefolgt von „Star Trek: Into Darkness“ und „Evil Dead“. Ich sehe Licht am Ende des Tunnels, der durch den Einheitsbrei führt. Wie viel „Extremis“ steckt wirklich in „Iron Man 3“? Wie viel Action und J. J. Abrams verträgt „Star Trek“? Kann „Evil Dead“ ohne Ash funktionieren? Fragen über Fragen, deren Beantwortung ich mich in den nächsten Wochen mit Freuden stellen werde. In diesem Sinne: Stay tuned!

Kaputte Stadt

Schon wieder ein Thriller? Ja, schon wieder. Nachdem mich „Dead Man Down“ letzte Woche nicht wirklich überzeugen konnte, gab ich diese Woche einem anderen Film die Chance, es besser zu machen. Die Rede ist von Broken City.

Wie „Dead Man Down“ spielt auch Broken City in New York, für mich als New-York-Fan fast immer auch ein Grund dafür einen Film anzusehen. Erzählt wird die Geschichte von Ex-NYPD-Detective und Privatdetektiv Billy Taggart, der einen Sonderauftrag vom amtierenden Bürgermeister, Nicholas Hostetler, persönlich erhält. Er soll herausfinden, mit wem die Frau des Bürgermeisters eine Affäre hat und als Beweismittel entsprechende Fotos liefern. Es dauert nicht lange, bis Billy herausfindet, dass es bei dieser Sache um mehr als um den Betrug einer Ehefrau mitten im Bürgermeisterwahlkampf geht und ehe er sich versieht, ist er in einem Geflecht aus Lügen und politischen Machenschaften gefangen, aus dem zu entfliehen die schwierigste Aufgabe seines Lebens werden könnte.

Getragen wird Broken City über die gesamte Länge von der großartigen schauspielerischen Leistung von Russell Crowe als machthungriger Bürgermeister Hostetler. Er mimt die Verschlagenheit und Hinterlist des Charakters mit sichtlicher Freude und Hingabe. Russell Crowe gehört meiner Meinung nach immer noch zu den wirklich großen Schauspielern Hollywoods, auch wenn er bei der Auswahl seiner Filme kein ausnahmslos gutes Händchen beweist. Ich bin auf seine Performance als Supermans Vater Jor-El im kommenden Superhelden-Reboot „Man of Steel“ wirklich sehr gespannt. Auch wenn dies nur eine Nebenrolle ist, es ist eine wichtige.

Mark Wahlberg spielt seine Rolle als Detektiv und Ex-Cop Billy Taggart routiniert. Harte aber sympathische Typen mit Macken und Schwächen sind für ihn Paraderollen. Gleichwohl merkt man ihm an, dass ihm diese Darstellung nicht viel abverlangt, er nicht wirklich gefordert wird. Gleiches gilt für Catherine Zeta-Jones als Bürgermeistergattin, Cathleen Hostetler, die auch aufgrund der wenigen Szenen, die der Regisseur ihr gönnt, eher untergeht. Interessante Nebencharaktere wie Justin Chambers als leicht exzentrischer Independent-Filmer Ryan Blake, bekommen viel zu kurze Auftritte. Keine weitere Figur wird näher ausgearbeitet, nicht einmal der Gegenkandidat des Bürgermeisters, Jack Valliant, sehr blass verkörpert von Barry Pepper.

Genau diese fehlende Tiefe der Figuren ist es auch, die den Film ins Mittelmaß abdriften lässt, über das er sich letzten Endes auch insgesamt nicht hinwegbewegen kann. Mal wird ein bisschen über die offenbar schwierige Beziehung von Taggart zu seiner Freundin erzählt, kurz werden seine Schwierigkeiten, sich in die Welt der Schauspielerin und ihrer Freunde einzufinden angedeutet, aber nichts wird vertieft. Immer wenn es bei einer der Figuren beziehungsmäßig tiefer geht, gibt es storytechnisch einen Bruch und die Sache ist erledigt. Das ist wirklich schade, denn einige Facetten hätte man leicht weiter ausleuchten und betrachten können. Diese fehlende Liebe zum Detail trägt letzten Endes auch zur Vorhersehbarkeit der Geschichte bei.

Die Alkoholsucht von Taggart ist nur ein Beispiel von vielen, wie der Film interessante Charaktereigenschaften erst einführt, nur um sie gleich danach konsequent zu ignorieren. Zuerst sträubt sich der Privatdetektiv gegen jeden Drink, erzählt jedem er sei seit Jahren trocken. Nachdem er sich dann in einer Frustreaktion den ersten Schluck Alkohol genehmigt hat, machen ihm nicht etwa Suchtgefühle zu schaffen, er hat die Trinkerei vielmehr scheinbar voll im Griff. Sie beeinträchtigt weder seine Wahrnehmung noch seine Arbeit. Mannigfaltige Möglichkeiten, Zuschauer und Schauspieler zu fordern bleiben ungenutzt.

Viele Filmkritiken zu Broken City geben dem Alleingang von Allen Hughes, der diesen Film ohne seinen Bruder Albert drehte, die Schuld an der fehlenden Qualität. Das kann ich so nicht unterschreiben. Bis auf From Hell konnte mich bisher kein Film der Hughes Brothers wirklich überzeugen. The Book of Eli krankte beispielsweise in meinen Augen ebenfalls an der flachen Story und zu viel Vorhersehbarkeit. (Links in diesem Absatz zu IMDB)

Im direkten Thriller-Vergleich zu „Dead Man Down“ kann Broken City punkten. Die Bilder haben mehr Leinwandniveau, die Story wird schwungvoller inszeniert und dank Russell Crowe gibt es ein paar wirklich interessante Gesprächsszenen. In der Gesamtbetrachtung handelt es sich meiner Meinung nach bei Broken City aber dennoch um einen durchschnittlichen Film, dem viele Klassiker weit überlegen sind. Auch der Soundtrack enttäuschte mich, denn in spannenden Szenen musikalisch mit dem Halloween-Thema zu spielen, ist nicht besonders einfallsreich und für einen Thriller unpassend. Wer Russell Crowe in einem wirklich guten, detailreichen und spannenden Thriller mit politischem und realitätsnahem Hintergrund sehen will, sollte sich lieber The Insider (Link zu IMDB) ansehen.

Actionfilme – Eine Diskussion

Jüngst fand ein sehr angeregtes Gespräch zwischen @BenFlavor und @neeisklar über Actionfilme seinen Anfang auf Twitter. Die beiden Herren diskutierten über die besten Actionfilme und deren Auflistung und Kategorisierung.

Nach einer kurzen Weile verlagerte sich die Diskussion von Twitter auf @BenFlavors Blog, wo selbiger einen entsprechenden Artikel zum Thema verfasste. Als ich dann um meinen Input gebeten wurde, ehrte mich das sehr und ich ließ es mir natürlich nicht nehmen, eine eigene Liste in den Kommentaren zu hinterlassen.

Diese Liste ging mir in den letzten Tagen noch mehrfach durch den Kopf und ich bin auch heute noch prinzipiell zufrieden damit. Ich übernehme sie an dieser Stelle noch einmal in leicht abgeänderter Form, denn nach langen Überlegungen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Transformers unbedingt mit aufgeführt werden müssen. Da ich aber auch auf die Turtles nicht verzichten möchte, habe ich die Liste kurzerhand auf 16 Plätze erweitert.

Voilà! (Links zu IMDB)

  1. The Matrix, 1999
  2. Heat, 1995
  3. District 9, 2009
  4. Gladiator, 2000
  5. Batman Returns, 1992
  6. Terminator 2: Judgment Day, 1991
  7. Aliens, 1986
  8. Expendables 2, 2012
  9. Con Air, 1997
  10. Die Hard With a Vengeance, 1995
  11. El Mariachi, 1992
  12. First Blood (Rambo), 1982
  13. The Fifth Element, 1997
  14. Transformers, 2007
  15. The Avengers, 2012
  16. Turtles 3, 1993

Als Kriterium beim Erstellen der Liste habe ich übrigens herangezogen, dass bei IMDB Action als Genre (mit) aufgeführt wird.

Diskussionen wie diese gefallen mir immer wieder sehr, denn sie zeigen, dass alles im Auge des Betrachters liegt. Außerdem macht eine genauere Betrachtung des Actiongenres bei Filmen klar, dass dieses inzwischen unglaublich diversifiziert ist und sich mit wahnsinnig vielen anderen Genres überschneidet und vermischt. Dies ist auch der Grund dafür, dass jede persönliche Liste einzigartig wird und eine eindeutige und unanfechtbare Indentifikation von DEM besten Actionfilm aller Zeiten geradezu unmöglich wird.

Ich freue mich schon auf das nächste Filmfachgespräch. Genaues Thema tbc.

Der Tote und das Mädchen

Thriller. Filme, die mit „Thrill“, also mit Nervenkitzel, zu tun haben. Schon der King of Pop besang einst den Reiz der Spannung. Mit Niels Arden Oplev hat ein dänischer Regisseur seinen Weg nach Hollywood gefunden, der seinen Einstand im Land der Filmemacher in diesem Filmgenre ansiedelt. Zuvor bekannt war mir Herr Oplev vor allem durch seine Verfilmung von Stieg Larssons gleichnamigem Roman Verblendung (Män som hatar kvinnor, Link zu IMDB) aus dem Jahr 2009. Ich muss zugeben, dass ich die Romanvorlage nicht gelesen habe und den Film deshalb nicht auf Originaltreue hin analysieren konnte. Die zweiteilige „Extended Version“ empfand ich als soliden TV-Kriminalfilm, gut genug um meine Neugierde für das Hollywooddebüt des Regisseurs zu wecken und mir Dead Man Down im Kino anzusehen.

Hauptakteur der Geschichte ist Victor, Mitglied einer Verbrecherorganisation in den Außenbezirken von New York. Er lebt in einem hohen Wohnbunker. In der Wohnung gegenüber und in Sichtweite von Victor haust die geheimnisvolle, französische Kosmetikerin Beatrice. Die attraktive Frau wurde durch einen Autounfall entstellt und tut sich seitdem schwer, ihren Platz im Leben wiederzufinden. Die beiden kommen sich mit der Zeit näher und müssen feststellen, dass jeder von ihnen ein gefährliches Spiel treibt und dass Rache ein Gericht ist, das am besten kalt serviert wird.

Die Story klingt einfacher, als sie am Ende ist. Ich möchte an dieser Stelle aber auch nicht zu viel verraten. Das Geschehen des Films ist in seiner Gänze betrachtet kompliziert und sehr verworren. Die Zusammenhänge erschießen sich dem Zuschauer erst nach und nach, wobei ständig mit der Frage danach gespielt wird, wann wer wo stirbt, gestorben ist oder sterben soll. Prinzipiell ist das ein gutes Konzept, das jedoch nicht aufgeht, sobald wie bei Dead Man Down zu große logische Lücken sichtbar werden und zu viele Handlungsstränge offen bleiben oder künstlich und brachial geschlossen werden. Es muss in Filmen nicht immer alles logisch sein. Das wäre ja auch langweilig. Allerdings bin ich der Meinung, dass das logische Konzept innerhalb eines Film oder eines Fantasieuniversums stets stimmig sein muss. Alles andere wirkt sich auf dit Atmosphäre und die Glaubwürdigkeit (oder besser Vorstellbarkeit) aus.

Niels Arden Oplev hat sich bei Dead Man Down in meinen Augen zu viel vorgenommen. Er will zu viel in zu kurzer Zeit erzählen. Dies hat allerdings kein – wie man annehmen könnte – besonders hohes Erzähltempo zur Folge. Ganz im Gegenteil lässt der Regisseur die Handlung durchgehend leise vor sich hinplätschern. Einzig am Anfang und am Ende des Films geht es etwas mehr zur Sache. Dazwischen gibt es noch eine rasantere Szene, die allerdings augenscheinlich nur dazu dient, sich schnell und effektiv lästiger Nebencharaktere zu entledigen. Generell habe ich nichts gegen Filme, die ihre Geschichten mit Bedacht erzählen, schließlich kann das in Thrillern ein wichtiges Stilmittel sein, um die Spannung zu erhöhen. Dead Man Down hat mich stellenweise allerdings eher eingeschläfert. Zu getragen, zu gewollt und zu symbolüberladen kommen Worte und Bilder daher.

Es gibt einige Szenen und Einstellungen, die durchaus Potenzial für mehr erkennen lassen. Niels Arden Oplev zeigt die düstere Seite von New York aus teilweise neuen und ungewohnten Blickwinkeln. Die große Metropole wird quasi als Randerscheinung einer anderen Welt inszeniert. Er versucht sich auch an einer Situation, in der sich zwei Erzfeinde gegenüberstehen und eine Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht zu führen. Diese geht aber erstens leider im monotonen Erzählstil unter und zweitens enthält sie wichtige Gedankengänge, die nicht konsequent zu Ende geführt werden. Nur so viel sei gesagt: Wenn jemand einem anderen eine Falle stellt und derjenige erscheint dann nicht, muss es dem Fallensteller in irgendeiner Weise komisch vorkommen und weitere Überlegungen nach sich ziehen. Hier reicht Oplev nicht annähernd an andere Meister des Genres heran. Die beste Darstellung eines Treffens von zwei Gegenspielern Auge in Auge ist für mich persönlich nach wie vor die Kaffeehausszene in Michael Manns Heat (Link zu IMDB).

Der Regisseur verlässt sich bei Dead Man Down auch zu viel auf seine Darsteller. Mit Noomi Rapace hatte er bereits bei „Verblendung“ erfolgreich zusammengearbeitet. Sie spielt die Rolle der durch einen Autounfall entstellten und zwischen Zerbrechlichkeit und trotzigem Zorn schwankenden Beatrice routiniert. Dafür, dass sie aufgrund ihrer Narben von den Nachbarn als „Monster“ bezeichnet wird, erscheint sie allerdings viel zu hübsch. Hier hätte sich die Maske durchaus noch etwas Krasseres einfallen lassen können. Und wer würde übrigens, egal ob labil oder nicht, schmähende Kinderkritzeleien an seiner Wohnungstür einfach stehen lassen? Nur eines, der vielen Dinge, die bei mir zu wachsendem Unmut bezüglich der Glaubwürdigkeit des Films beitrugen. Colin Farrell liefert als Victor eine solide Leistung ab. Der verbitterte und gewaltbereite Mann, der verbissen seinen Plänen folgt, ist für den Schauspieler keine große Herausforderung. Dominic Cooper als Victors Freund Darcy hätte viel mehr Potenzial gehabt. Raum für Entfaltung hatte er keinen. Die restlichen Charaktere gehen in der Last der Geschichte unter und sind damit mehr oder weniger Kanonenfutter.

Dass die Charaktere zu wenige Tiefe erkennen lassen, ist in diesem Fall eher die Schuld des Regisseurs, als der Schauspieler selbst. Zu viele unterschiedliche Aspekte werden zu langsam und zu umständlich miteinander verwoben. Die Geschichte von Dead Man Down bietet viel Inhalt, allerdings hätte man diesen ruhig etwas reduzieren und entweder Victor oder Beatrice und ihre jeweilige Geschichte klar in den Vordergrund stellen sollen. Herausgekommen ist trotz einiger guter Bilder leider nur ein sehr durchschnittlicher Thriller, der sich meiner Meinung nach eher auf TV- als auf Leinwandniveau bewegt. Zu offensichtlich und vorhersehbar sind viele Wendungen in der Story trotz allem. Der Regisseur lässt gute Ansätze erkennen, kann mit Hollywoodgrößen wie Michael Mann oder Oliver Stone aber (noch) nicht mithalten.

Freiheit und Gleichheit

Oscarnominierte und -prämierte Filme haben den großen Vorteil, dass sie länger im Kino laufen, als andere Werke. Sie geistern zu verschiedenen Uhrzeiten durch verschiedene Lichtspielhäuser. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann eine Anfangszeit mit der eigenen Zeitplanung harmoniert, ist deshalb groß. So hatte ich diese Woche Glück und fand endlich eine Gelegenheit mir Lincoln anzusehen.

Steven Spielbergs neuester Film behandelt die letzten Monate des großen amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln in den Jahren 1864 und 1865. Der Amerikanische Bürgerkrieg neigt sich dem Ende zu. Abraham Lincoln wurde vor Kurzem für eine zweite Amtszeit als Präsident der Unionsstaaten bestätigt. Er ist 55 Jahre alt. Das Alter und all die tragischen Dinge, die er bis dato im Privaten, wie in seiner politischen Karriere erleben musste, liegen ihm schwer in den Knochen. Lincoln hat allerdings ein wichtiges Ziel vor Augen, eines das er mit all seinen verbleibenden Kräften verfolgt: die Verabschiedung des 13. Verfassungszusatzes im Repräsentantenhaus und die damit einhergehende Abschaffung der Sklaverei. Um die endgültige Durchsetzung sicherzustellen, muss die nötige Zweidrittelmehrheit erreicht werden, noch bevor ein Frieden mit den durch den Krieg erheblich geschwächten Konföderierten Staaten geschlossen wird. (Alle Links in diesem Absatz zu Wikipedia.)

Lincoln ist ein Historien-Drama. Das Ende ist jedem Zuschauer deshalb schon bekannt, bevor er den Kinosaal betritt. Steven Spielberg beweist mit diesem Meisterwerk allerdings eindrucksvoll, dass das kein Grund für Langeweile und für die völlige Abwesenheit von Überraschungen ist. Lincoln ist von der ersten bis zur letzten Minute fesselnd und selbst die Abstimmung im Repräsentantenhaus ist so gekonnt inszeniert, dass man als Zuschauer gebannt auf das Ergebnis wartet und mit Lincoln und seinen Mitstreitern um den Sieg bangt. Seit Jahren hat mich kein Film von Steven Spielberg mehr richtig begeistern können. Die Hoffnung auf eine Rückkehr des Meisters zu alten Höhen hatte ich schon fast aufgegeben. Umso positiver überraschte mich Lincoln.

Der Film spielt zwar an verschiedenen Orten, aber zumeist im Inneren von diversen Räumen. Diese sind allerdings mit so viel Liebe gestaltet, dass man sich sofort 150 Jahre zurückversetzt fühlt. Gleichzeitig beweisen die Macher ein geradezu meisterliches Gespür für atmosphärische Details. Lichteinfall, Staub, Rauch, Schneeflocken – einfach alles wird gezielt und absolut gekonnt eingesetzt. Untermalt wird das Ganze vom reduzierten aber gleichermaßen passenden Score von Spielbergs langem Vertrauten, John Williams. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass das Geschehen auf der Leinwand bei den Zuschauern für Gänsehautmomente sorgt, auch wenn derart bekannte, historische Ereignisse auf den ersten Blick relativ wenig Raum für Spannung bieten mögen.

Die jahrelange und sehr gründliche Recherche des Regisseurs zur diffizilen Thematik merkt man dem Film in jeder Minute an und auch die Besetzung kann bis in die kleinste Nebenrolle überzeugen. Daniel Day-Lewis ist ein herausragender Schauspieler, der Lincoln so vielschichtig darstellt, wie es wohl kaum ein anderer gekonnt hätte. Der auf den ersten Blick gebrechliche Präsident wandelt sich von einer Sekunde auf die andere vom schweigenden Zuhörer zum flammenden Redner, dem alle Aufmerksamkeit gewiss ist, wenn er seine Anliegen mit leuchtenden Augen vorträgt. Er hat zu jedem Zeitpunkt die passende Geschichte, das passende Gleichnis parat und er ist unter keinen Umständen bereit, das ihm so wichtige Vorhaben, die Abschaffung der Sklaverei, aufzugeben. Ebenfalls brillant spielt Tommy Lee Jones seine Rolle als Rechtsanwalt Thaddeus Stevens, der mit ganzem Herzen für eine Welt kämpft, in der alle Menschen als gleich angesehen werden. Jones ist einer der ganz großen in Hollywood. Das muss ich immer wieder aufs Neue feststellen. Für seinen Mut zu oftmals ungewöhnlichen Rollen, die er ohne Angst vor dem Alter (z.B. auch als Arnold Soames in Hope Springs, Link zu IMDB) spielt, ist ihm meine Bewunderung sicher. Auch die restlichen Rollen in Lincoln wurden mit unglaublicher Treffsicherheit besetzt, sowohl was die schauspielerische Leistung anbelangt als auch im Hinblick auf die Ähnlichkeit mit den historischen „Originalen“. Wer einmal einen Blick auf Bilder aus den Jahren 1864/65 wirft, wird sofort erkennen, was ich meine. Sally Field, David Strathairn, James Spader und Jackie Earle Haley sind nur einige Beispiele für weitere Schauspieler, die mir in Lincoln positiv auffielen. Und auch Walton Goggins läuft unter der Anleitung des großen Regisseurs zu Hochform auf.

Lincoln wurde 2013 mit zwei Oscars ausgezeichnet, für 12 war er nominiert. Ich habe noch immer nicht alle Anwärter auf den Titel „Bester Film“ gesehen, allerdings rangiert Lincoln für mich schon jetzt weit vor Ben Afflecs seichtem Thriller „Argo“. Mein persönliches Unverständnis für die finale Entscheidung der Academy wurde nach Sichtung von Lincoln nur noch größer. Dafür kann ich der Vergabe der Trophäe im Bereich „Bester Hauptdarsteller“ an Daniel Day-Lewis nur zustimmen und auch der Oscar in der Kategorie „Bestes Szenenbild“ ist bei den Machern dieses Films gut aufgehoben.

Lincoln ist ein wunderbarer Film, der nicht nur in Bezug auf die historischen Begebenheiten gut gemacht ist. Seine Thematik hat heute mehr Relevanz, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Lincoln selbst hat in erster Linie für die Abschaffung von Zwangsarbeit und damit für grundsätzliche Freiheit gekämpft. Die Befreiung der Schwarzen an sich und deren Gleichstellung mit den Weißen waren für ihn dabei eher zweitrangig. Eine Szene hat mich in diesem Zusammenhang besonders beeindruckt: eine Unterhaltung von Lincoln mit einer ehemaligen Sklavin, in der der Präsident zugibt, dass er sich an deren „Volk“ wohl selbst erst noch „gewöhnen“ müsse. Ist es nicht so, dass es auch heute genügend Menschen gibt, an die sich andere erst noch „gewöhnen“ müssen? Die aktuellen Diskussionen rund um gleichgeschlechtliche Ehen sind meiner Meinung nach Beweis genug dafür, dass es immer noch Menschen gibt, die von anderen Menschen nicht als gleich angesehen werden. Selbst die von Thaddeus Stevens als Kompromiss anstelle der totalen Gleichheit proklamierte Gleichheit vor dem Gesetz ist noch nicht in allen Bereichen und in allen Fällen gegeben. Lincoln hat deshalb, trotz grundsätzlich positiver Botschaft, viel Potenzial zum Nachdenken anzuregen.

Vielleicht hat mich dieser Film auch so begeistert, weil ich mich dank dem Videospiel „Assassin’s Creeed 3“, das in meinem Osterurlaub zu Ende gespielt habe, vor Kurzem ohnehin viel mit der amerikanischen Geschichte beschäftigt habe. Die Geschichte des Spiels spielt 100 Jahre früher als Lincoln. In diesem Zusammenhang hatte ich interessehalber auch einige Dinge nachgelesen, z.B. über George Washington und über die Boston Tea Party. Da sage noch einmal einer, Videospiele könnten keinen Beitrag zur Bildung leisten. Gerade deshalb rückte der Film nun ein weiteres, interessantes historisches Kapitel in meinen Fokus – noch etwas, mit dem ich mich zuvor noch nie so eingehend beschäftig hatte.

Bei all dem Lob muss es doch irgendwo einen Haken geben? Den gibt es und zwar in Form der fast unterirdisch schlechten deutschen Synchronisation. Leider konnte ich mir Lincoln nicht im Originalton ansehen. Das werde ich auf jeden Fall nachholen. Die deutsche Fassung fand ich allerdings grausig. Ein weiteres Beispiel dafür, wie der Versuch, Dialekte ins Deutsche zu übertragen, kläglich scheitern kann. Der Synchronsprecher von Daniel Day-Lewis verschluckt regelmäßig das „T“ am Ende von Worten, vor allem bei „nicht“. Das ist einfach nur unnötig und nimmt dem Film doch einiges der großartigen Atmosphäre. Auch wird der Slang von Sklaven in Filmen immer durch eigenartiges Verziehen der deutschen Sprache zu übertragen versucht. Das war auch in „Django Unchained“ der Fall. Ich kann in Anbetracht von so viel mangelndem Feingefühl nur den Kopf schütteln und empfehle deshalb allen Interessierten, wie so oft, auch bei Lincoln den Originalton.

Zum Schluss möchte ich noch auf die recht witzige Tatsache eingehen, dass ich nach Lincoln noch einmal an einen anderen Film denken musste, den ich bereits letztes Jahr gesehen habe und in dem der berühmte Präsident ebenfalls eine Hauptrolle spielte: Abraham Lincoln: Vapirjäger (Abraham Lincoln: Vampire Hunter, Link zu IMDB) mit Benjamin Walker als Abraham Lincoln. Wenn man sich ein wenig intensiver mit der amerikanischen Geschichte und mit Abraham Lincoln selbst beschäftig, kann man nämlich durchaus feststellen, dass die Vampirjäger-Variante doch viele sehr detaillierte Verweise auf die tatsächlichen historischen Ereignisse enthält. Die humorvolle Gruselinterpretation hat durchaus mehr Unterhaltungspotenzial, betrachtet man sie vor dem historischen Hintergrund, als wenn man sie einfach nur als Horrorfilm konsumiert.

Yo Joe!

Actionfiguren. Ich mag Actionfiguren. Und ich mag die G.I. Joes, jene Actionfigurenserie, die sich in den USA größter Beliebtheit erfreut, aber so amerikanisch ist, dass sie hierzulande vor dem ersten Kinofilm im Jahr 2009, G.I. Joe: Geheimakte Cobra (G.I. Joe: Rise of Cobra, Link zu IMDB), wohl nur eingefleischten Fans ein Begriff war. Außerdem gebe ich offen, ehrlich und gerne zu, dass ich zu den Menschen gehöre, denen schon der erste Leinwandauftritt der Supersoldatentruppe gut gefallen hat, ganz entgegen allen vernichtenden Kritiken.

In den Wohnräumen, die ich zusammen mit meinem Ehemann behause, tummeln sich einige der kleinen Actionhelden und auch mehrere ihrer Superfahrzeuge. Die kleinen Plastiksoldaten und -superschurken sind mit wahnsinnig vielen, kleinen Details ausgestattet, immer bereit, die wahnwitzigsten Abenteuer zu erleben und Missionen zu erfüllen, die so geheim sind, dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Einige dieser Erlebnisse kann man regelmäßig in Comics verfolgen. Auch das tue ich mit Vergnügen. Die Zuständigen bei Hasbro haben ein Händchen dafür, ihre Marken zu pflegen und multimedial in alle möglichen Richtungen weiterzuentwickeln. Das stellen sie auch im Hinblick auf die Transformers eindrucksvoll unter Beweis, die ich mindestens genauso schätze wie die G.I. Joes. Leider kommt von all dem beim Ottonormalkonsumenten und Kinobesucher in Deutschland wenig an. Die Comics erscheinen gar nicht auf Deutsch. Wer der englischen Sprache nicht mächtig ist und keinen gut sortierten Comicshop in der Nähe hat, dem entgeht auf diesem Gebiet vermutlich einiges.

Ohne Hintergundwissen, sind die Kinoabenteuer der G.I. Joes mutmaßlich ein wenig schwerer zu greifen. Für den ein oder anderen mögen es dann nur knallige Actionfilme mit Supersoldaten sein, die sich komische Codedamen geben. Die Superhelden von Marvel und DC haben es da dank größerer Bekanntheit definitiv einfacher. Ich bin aber nach wie vor und vor allem nach Sichtung des zweiten Kinoabenteuers G.I. Joe: Die Abrechnung (G.I. Joe: Retaliation) der Meinung, dass diese Filme zu wenig Anerkennung erhalten.

Die Story von G.I. Joe: Die Abrechnung folgt dem altbekannten Schema „Supergut gegen Superböse“. Die geheime Verbrecherorganisation Cobra hat unter der Führung der Oberbösewichtes Cobra Commander einen finsteren Plan zur Übernahme der Weltherrschaft ersonnen. Um diesen in die Tat umzusetzen, wurde der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gekidnappt und durch Zartan, einen Superschurken, dessen geheime Fähigkeit es ist, sein Aussehen zu verändern, ersetzt. Der falsche Präsident nutzt die Gunst der Stunde und startet einen Großangriff auf die, ebenfalls geheime, aber gute, Supersoldateneinheit G.I. Joe. Es gelingt ihm allerdings nicht, alle G.I. Joes zu vernichten. Eine kleine Truppe von Verbliebenen macht sich auf, ihre Kameraden zu rächen und gleichzeitig die Welt zu retten.

Die Story klingt einfach und vorhersehbar? Ja, das ist sie auch. Das gebe ich offen und ehrlich zu. Sie muss es allerdings bis zu einem gewissen Grad auch sein, denn nichts anderes erwartet man von Actionfigurengeschichten. Ich erinnere daran: G.I. Joe ist eine Actionfigurenmarke. Die Geschichte des Films ist aus diesem Grund gleichermaßen nahe am Kern der Sache. Andere Actionfilme haben übrigens nicht minder vorhersehbare Storylines.

So weit, so gut. Was die Besetzung anbelangt, freute ich mich als Fan sehr, zu sehen, dass man in G.I. Joe: Die Abrechnung nicht alle aus dem ersten Teil bekannten Gesichter gleich verbannte, auch wenn man im Vorhinein bekannt gab, dass man gleichzeitig einen Neustart wagen würde. So bleiben doch einige Charaktere erhalten: Duke (Channing Tatum), Storm Shadow (Lee Byung-hun), der Präsident (Jonathan Pryce), Zartan (Arnold Vosloo) und sogar im Kostüm des dauermaskierten und stummen Helden Snake Eyes steckt nach wie vor Ray Park. Auch wird auf den Superschurken Destro noch einmal verwiesen, bevor der Cobra Commander das Ruder übernimmt. All diese Kleinigkeiten habe ich großer Freude zur Kenntnis genommen.

Verstärkt wird die neue Heldentruppe durch Dwayne Johnson, der als Roadblock schon wegen seiner Statur eine gute Figur abgibt. Wenn einer eine lebende Actionfigur verkörpern kann, dann ohne Zweifel „The Rock“. Außerdem neu im Team Joe: Flint (D.J. Cotrona), Lady Jaye (Adrianne Palicki), Jinx (Elodie Yung) und Bruce Wilis als General Joseph Colton. Die Gegenseite bekommt ebenfalls Verstärkung mit Ray Stevenson als Firefly. Schauspielerische Glanzleistungen darf man in diesem Film von keinem der vielen Protagonisten erwarten. Es gibt einfach zu viele Charaktere, als dass einer davon auch in Anbetracht der kurzen Zeitspanne an besonderer Tiefe gewinnen könnte. Flotte, witzige und unterhaltsame Sprüche haben sie aber alle auf den Lippen.

Dank explosiven und in meinen Augen sehr gut gemachten Actionszenen am laufenden Band ist die fehlende Tiefe aber auch kein Problem. G.I. Joe: Die Abrechnung ist ein Actionfilm, der zu unterhalten weiß. Mehr als ein Jahr habe ich auf diesen Film gewartet und es hat sich gelohnt. Schon 2012 hätte G.I. Joe: Die Abrechnung ins Kino kommen sollen. Die Macher waren mit dem Endergebnis allerdings nicht voll zufrieden und hatten deshalb beschlossen, sich das gesamte Werk noch einmal vorzunehmen. Dies wurde mir auch auf unserer Hochzeitsreise und der damit verbundenen Tour durch die Paramount Studios in Hollywood erklärt.

Der Film wurde tatsächlich nicht einfach nur auf 3D umgearbeitet. Man merkt, dass hier einiges an Energie, Zeit und Geld investiert wurde und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die neuen Szenen wissen mit tollen Effekten zu überzeugen. Einzig die Szene mit den an einer Felswand kämpfenden Ninjas wurde leider nicht neu aufgenommen. Man sieht es ihr an einigen Stellen an. Sie ist aber auch in der auf 3D umgearbeiteten Form gelungen und in meinen Augen eine der besten Szenen des Films. Herausragend sind meiner Meinung nach auch der Kampf zwischen den Erzfeinden Snake Eyes und Storm Shadow, sowie der Endkampf zwischen Roadblock und Firefly – handfeste Action und ganz so wie man sich einen echten Kampf zwischen Actionfiguren vorstellt.

Was mich jedes Mal stört, wenn ich es in Filmen sehe, ist fehlende Detailtreue bei Szenen, die in anderen Ländern spielen sollen. Bei G.I. Joe: Die Abrechnung gibt es eine Szene, die in Deutschland spielen soll. Auf einem Stoppschild steht HÄLT statt STOP. Als das Tor mit samt dem Schild daran über den Haufen gefahren wurde formierte sich in meinem Kopf sofort situationskomikbedingt der Gedanke „Hält doch nicht!“. Solch auffällige Filmfehler ärgern mich bei allen Filmen. Eine Szene aus „The A-Team“, in der der Kölner Hauptbahnhof in Frankfurt steht und eine Szene aus „The Avengers“, bei der irgendeine Stadt zu Stuttgart umdekoriert wurde, sind weitere Beispiele. Hier sollten sich Requisiteure und Szenenbildner ruhig ein bisschen mehr Mühe geben. Ganze Städte oder Stadtteile nachzubilden ist sicher schwieriger, aber Google hätte ihnen auf jeden Fall verraten, wie ein deutsches Stoppschild aussieht. In den USA wird das allerdings den wenigsten Kinobesuchern auffallen. Immerhin ist den Machern von G.I Joe: Die Abrechnung dann doch noch ein recht ungewöhnliches Wortspiel gelungen. Das deutsche Supergefängnis, in dem Superschurken gelähmt und in Wassertanks verpackt weggesperrt werden, trägt den Namen „Einsargen“. Das hat mich etwas entschädigt.

Wer sich in eine Welt mit Supersoldaten und Superschurken nicht recht hineindenken kann und vor von außen betrachtet sicher seltsamen Namen (man beachte den Ninjameister „Hard Master“) zurückschreckt, für den bleibt G.I. Joe: Die Abrechnung einfach ein bunter Actionfilm mit seltsamen Protagonisten. Wer allerdings Lust auf gut gemachte Actionszenen und witzige Sprüche hat und bereit ist sich auf die Joes einzulassen, egal ob er ihre Hintergründe nun genauer kennt oder nicht, der wird für 110 Minuten gut unterhalten. Für G.I. Joe-Fans ist der Film ohnehin ein „Must See“. Im Vergleich zum ersten Teil legt G.I. Joe: Die Abrechnung auch noch eine große Schippe drauf, sowohl an Action wie auch an Nähe zur Marke G.I. Joe. Mich freut das und ich hoffe außerdem auf einen Extended Cut auf DVD bzw. Blu-ray. Einige Szenen sind in der Kinofassung sehr kurz geraten und ich gehe davon aus, dass hier noch einiges an Material ungenutzt geblieben ist. Mir hat der Film jedenfalls so viel Spaß gemacht, dass ich meine Sammlung umgehend um ein paar Figuren erweitern muss. In diesem Sinne verbleibe ich mit dem Schlachtruf der G.I. Joes: Yo Joe!

Realität und Fiktion

Argo. Der Film, der bei der Oscarverleihung 2013 mit dem begehrten Titel „Bester Film“ ausgezeichnet wurde. Ein Film, den ich aufgrund seiner in meinen Augen sterbenslangweiligen Trailer lange Zeit gar nicht auf meiner gedanklichen Liste unter „Must See“ verbucht hatte. Nach der hohen Auszeichnung musste ich ihn mir am Ende doch ansehen. Die Neugierde siegte.

Dieser Film gab mir auch die Gelegenheit, Frankfurts neues Luxuskino zu testen. Interessierte können meine Locationbewertung dazu auf Qype lesen. Am Ende konnte mich leider weder das auf Luxus getrimmte Kino, noch der Film restlos überzeugen. Aber fangen wir wie immer vorne an, und damit wovon Argo überhaupt handelt.

Argo basiert auf realen Gegebenheiten und erzählt die Geschichte einer raffinierten Rettungsaktion der CIA. Im November 1979 wird die amerikanische Botschaft in Teheran von islamischen Studenten besetzt. 52 US-Diplomaten werden als Geiseln dort festgehalten. Sechs findige Botschaftsmitarbeiter können im Tumult entkommen, als die Islamisten die Botschaft stürmen. Sie suchen Unterschlupf in der kanadischen Botschaft. Die CIA startet eine wahnwitzige Rettungsaktion, bei der die Amerikaner gemeinsam mit dem Rettungsspezialisten Tony Mendez als Filmteam getarnt entkommen sollen. Der fingierte Hollywoodfilm, der als Tarnung dient, trägt den Namen Argo.

Die reale Hintergrundgeschichte des Films ist äußerst interessant. Die Geiselnahme von Teheran, die Geheimdienstoperation, das alles gab es wirklich. Tony Mendez ist heute Künstler und Autor und berichtet offen über seine Einsätze, die inzwischen nicht mehr der Geheimhaltung unterliegen.

Dass die Realität schon spektakulär ist, ist meiner Meinung nach der größte Nachteil des Films. Denn eigentlich ist die gesamte Geiselnahme von Interesse. Immerhin wurden die Geiseln in der Botschaft für ganze 444 Tage, also mehr als ein Jahr, dort festgehalten. Man mag sich gar nicht ausmalen, was für ein Martyrium das gewesen sein muss. Gerade dieser Gedankengang war es auch, der mich den gesamten Film über beschäftigte. Ständig fragte ich mich, was eigentlich mit den Geiseln in der Botschaft passiert. Diesen Aspekt beleuchtet der Film nämlich nur am Rand. Zwar werden ständig und in verschiedenster Form echte TV-Aufzeichnungen gezeigt, anhand derer man den Verhandlungsprozess erahnen kann, das Meiste bleibt aber dennoch im Dunkeln und wird im Wesentlichen auf dann doch überflüssige eine Folterszene reduziert.

Vielleicht wäre die gesamte Geiselnahme mit all ihren Aspekten vom Inhalt her eine zu große Herausforderung gewesen. Eine etwas erweiterte Sicht hätte dem Film in meinen Augen aber nicht geschadet. So konzentriert sich Argo auf die Rettungsaktion der 6 entkommenen Amerikaner. Während ihre Kollegen in der Botschaft unter Bedingungen ausharren und Ängste ausstehen müssen, die man sich gar nicht näher vorstellen mag, residieren die Sechs vergleichsweise komfortabel beim kanadischen Botschafter, sehr charmant gespielt von Victor Garber. Als Tony Mendez schließlich auftaucht und ihnen die Rettungsaktion erklärt, geben sie sich eilweise auch noch wählerisch. Ich bin mir nicht sicher, ob das der Zielsetzung von Ben Afflecks Regie entspricht, aber ich konnte mit den sechs zu rettenden Personen den ganzen Film über nicht recht mitfühlen. Sie haben mich regelrecht erzürnt. Immerhin bekamen sie die Chance überhaupt gerettet zu werden, während das Schicksal der Geiseln dank ständiger Hinrichtungsandrohungen komplett im Ungewissen lag. Insofern hat der Film definitiv Emotionen bei mir hervorgerufen. Ob das die vom Regisseur beabsichtigten waren, halte ich eher für unwahrscheinlich.

Was die Schauspieler anbelangt, fiel mir Ben Affleck selbst leider negativ auf. Er ist in meinen Augen kein großer Mime. Eventuell ist ein immer gleicher, langweiliger und emotionsloser Gesichtsausruck mit halboffenem Mund ja das Markenzeichen von Tony Mendez. Wenn ich Bilder von dem guten Mann sehe, glaube ich das allerdings kaum. Wer eine solch kluge und ausgefeilte Rettungsaktion plant, der muss einfach mit Leib und Seele dahinter stehen und dem sieht man das sicherlich auch an. Ben Affleck verkörpert leider nichts davon. Irgendwie wartete ich den ganzen Film über darauf, dass er anfängt, aus dem Mundwinkel zu sabbern – was natürlich nicht passierte. Vielleicht sollte er sich bei seinen kommenden Filmen lieber komplett hinter denn vor der Kamera aufhalten. Er trägt bei Argo jedenfalls meiner Meinung nach nicht dazu bei, die Spannung zu erhöhen.

Großartig spielt dagegen wieder einmal Bryan Cranston seine Rolle als Mendez Vorgesetzter Jack O’Donnell. Er zählt für mich zu den derzeit besten Schauspielern überhaupt. Mimik, Gestik, Bryan Cranston nutzt sein gesamtes schauspielerisches Repertoire in jeder Rolle meisterlich. Positiv aufgefallen sind mir außerdem John Goodman als Maskenbildner John Chambers und Alan Arkin als Filmproduzent Lester Siegel, die Mendez tatkräftig unterstützen und der Geheimoperation den nötigen, glaubhaften Background verleihen. Der Rest des Cast legt eine solide Leistung an den Tag. Keiner außer den gerade Genannten fiel mir besonders auf, weder positiv noch negativ.

Was das Erzähltempo anbelangt würde ich Argo als einen sehr seichten Thriller bezeichnen. Es gibt einige Szenen, in denen mehr Spannung aufkommt, indem man die Rettungsaktion hollywoodgerecht sicherlich noch etwas spektakulärer aussehen lässt, als sie es ohnehin schon war. Wie nahe hier die Fiktion an der Realität ist, vermag ich nicht zu sagen. Den Großteil des Films plätschert die Handlung aber mehr oder weniger vor sich hin. Trotz der Konzentration auf die Rettungsaktion sind sehr viele Personen am Geschehen beteiligt. Als Zuschauer blieb mir kaum die Gelegenheit, einzelne Akteure, vor allem von den sechs zu rettenden Amerikanern, konzentrierter und spezieller wahrzunehmen.

Abschließend kann ich sagen: Der Ansatz des Films ist gut, allein die Präsentation konnte mich leider nicht überzeugen. Ich habe noch immer nicht alle Filme gesehen, die bei den Oscars 2013 im Rennen um den Titel „Bester Film“ gegeneinander antraten. Die Verleihung des Preises an Argo erscheint mir aber schon jetzt fragwürdig. Ein abschließendes Urteil werde ich mir selbstverständlich erst nach Sichtung weiterer Filme erlauben. Am Ende reduziert sich alles ja doch wieder auf die Geschichte mit dem Affen und der Seife unter der Überschrift „Geschmacksache“.

Was die Diskussionen in der Presse darüber anbelangt, wie man den Iran als Land in Argo darstellt, so kann ich diese übrigens nicht nachvollziehen. Besonders gut kommen in meinen Augen beide Seiten nicht weg – also sowohl der Iran, wie auch die USA. Zumindest das halte ich dem Film im Vergleich zu anderen plakativ pro-amerikanischen Werken zugute.

HITCH Your Wagon to a Star

Sir Alfred Hitchcock. Sein Name ist eine Legende. Seine Filme sind weltberühmt. Es gibt wohl kaum jemanden – sogar in der jugendlichen Bevölkerung – der nicht mindestens einen seiner Filme gesehen, oder zumindest von ihm gehört hat. Sein berühmtestes und gleichzeitig erfolgreichstes Werk ist Psycho (Link zu IMDB). Die Entstehungsgeschichte dieses Meisterwerkes, das den Schrecken auf der Leinwand salonfähig machte und als Grundstein sowohl des Psychothriller- wie auch des Slasher-Genres gilt, erzählt der Film Hitchcock.

Schon der Trailer und der hochkarätige Cast hatten mich neugierig auf Hitchcock gemacht. Bei einer Veranstaltung durfte ich den Film dann sogar schon einen Tag vor seinem offiziellen Deutschlandstart sehen. Eine glückliche Fügung.

Hitchcock ist ein Biopic, das von seiner Erzählweise und Gangart an ein fröhliches Jazzstück erinnert. Die Geschichte des Films beginnt mit einem Alfred Hitchcock, der sich mit dem Altern auseinandersetzt, auf der Suche nach einer neuen Idee ist und gleichzeitig versucht, sich selbst neu zu erfinden. Ihm zur Seite steht unerschütterlich seine Gattin Alma Revill. Bis am Ende der fertige Film „Psycho“ das erste Mal über eine Kinoleinwand flimmert, müssen die beiden einigen Widrigkeiten trotzen und nicht unerhebliche Risiken auf sich nehmen.

Die Besetzung von Hitchcock ist mit Sir Anthony Hopkins als Alfred Hitchcock und Helen Mirren als Alma Reville absolut gelungen. Die beiden Hauptdarsteller beweisen großes Talent und sind in sichtlicher Spiellaune. Einziger Nachteil ist in meinen Augen die relativ prominente Maske, unter der Anthony Hopkins ein wenig zu sehr „begraben“ wird. Natürlich tragen Kostüm- und Maskenteile an Körper und Gesicht dazu bei, ihn dem realen Vorbild ähnlicher werden zu lassen, allerdings nehmen sie ihm auch etwas Freiheit, insbesondere im Hinblick auf die Mimik. Vielleicht wäre etwas weniger hier mehr gewesen, aber Anthony Hopkins ist so talentiert, dass er schon mit seinen Augen enorm viel ausdrücken kann. Das Auftreten und markante Verhalten von Hitchcock hat er verinnerlicht. Allerdings gebührt mein vollster Respekt und der Hauptteil meiner Begeisterung in diesem Fall Helen Mirren, die in ihrer Rolle als eigenwillige, schnodderige und nicht minder liebenswerte Hitchcock-Gattin alle an die Wand spielt. Eine, wie ich finde, großartige Leistung, denn sie transportiert damit den Hauptteil der sympathischen Atmosphäre des gesamten Films.

Hitchcock beleuchtet viele verschiedene Aspekte der Entstehungsgeschichte von „Psycho“. Zum einen ist da der Regisseur, der sich in eine Idee verbeißt und bereit ist, dafür seine komplette Karriere, sowie sein Hab und Gut aufs Spiel zu setzen. Die Ehefrau, die an ihren Mann glaubt, ihm zur Seite stehen will und trotzdem gegen Zweifel und Verlockungen ankämpft. Die Studiobosse, die von dem Projekt alles andere als begeistert sind, denen Hitchcock aber noch einen Film schuldig ist. Die Zensurbehörde, die das neuartige und alles andere als gewaltfreie Filmexperiment mit Argusaugen beobachtet. Das Flair des alten Hollywood. Die Auswahl der Schauspieler. Zum anderen beleuchtet der Film auch die Beziehung von Mr. und Ms. Hitchcock, die sehr eigenwilliger Natur ist.

Viele Dinge werden nur kurz angerissen oder nur angedeutet. An einigen Stellen hätte ich mir durchaus ein paar mehr Details gewünscht. Andererseits ist Hitchcock ja keine Dokumentation, sondern ein Biopic, was letzten Endes doch wieder ein Hollywoodfilm über das Leben einer realen Person ist. Regisseur Sacha Gervasi hatte auch sicher nicht den Anspruch von A bis Z historisch korrekte Szenen zu präsentieren. Er hält die Legende Hitchcock am Leben und erweitert sie um ein paar Details, Spekulationen und Visionen. Zu viel Realität hätte dem Film viel Charme genommen. Da bin ich mir sicher. Dafür, dass manche Kritiker dennoch meinen, fehlenden Realismus lautstark beklagen zu müssen, habe ich keinerlei Verständnis (Beispiel: SPON-Kritik vom 11.03.2013).

Bei meinem Besuch in den verschiedenen Filmstudios in Hollywood wusste beinahe jeder der Touristenführer einige tolle Geschichten über den großen „Meister des Suspense“ zu erzählen. Das Bild, das ich vor Ort vermittelt bekam, deckt sich an vielen Stellen mit dem, was in Hitchcock vermittelt wird. Alfred Hitchcock war zweifelsohne ein schrulliger Typ mit einigen Eigenarten. Er war ein absolutes Ausnahmetalent mit einem einzigartigen Gespür für neue Ideen und dafür, wie man bestimmte Inhalte am besten präsentiert – nicht nur in seinen Filmen, sondern auch darum herum. Er war auch ein Marketing-Genie, sowohl filmbezogen wie auch bezogen auf seine Person.

Alfred Hitchcock verdient Bewunderung, er verdient es eine Legende zu sein und zu bleiben. Auch wenn Sacha Gervasi sie den Zuschauern humorvoll näher bringt, verliert die schillernde Figur dadurch nicht an Glanz und Mysterie. Es könnte so gewesen sein, es könnte aber auch sein, dass alles ganz anders war. Dieses Gefühl vermittelt der Film mit einem stetig spürbaren Augenzwinkern. Ich habe das Gefühl, dass vor allem die Szene, in der sich Hitchcock bei der Filmpremiere von „Psycho“ auf charmante Art an den Zuschauerreaktionen ergötzt, dem echten Hitchcock sehr nahe kommt.

Bates Motel,  Universal Studios, HollywoodWas mir an Hitchcock sehr gut gefällt, sind die authentischen Kulissen, die natürlich in Form der Studios noch heute einfach vor Ort stehen. Ich habe den Weg vor Alfred Hitchcocks Büro in den Paramount Studios schon abgeschritten. Ich habe das Bates Motel und das Bates-Haus mit eigenen Augen gesehen. Diese Orte im Film wiederzusehen ließ mein Herz fröhlich hüpfen, auch wenn mir in einer Szene nicht entging, dass man das BBates-Haus, Psycho,  Universal Studios, Hollywoodates-Haus direkt hinter Hitchcocks Paramount-Büro montiert hatte, obwohl sich die Filmkulisse in den Universal Studios befindet, die von dort aus nicht annähernd in Sichtweite sind. Es war nämlich gerade die Anordnung von Motel und Haus an einem Hügel und die Perspektive, die Hitchcock besonders begeisterte. Außerdem wurde der Film tatsächlich in zwei verschiedenen Studios gedreht. Aber das sind im Wesentlichen Kleinigkeiten und alles andere hätte vermutlich erzählerisch zu weit geführt.

Die Frage „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“, die sich François Truffaut auf dem deutschen Titel seines berühmten Buches stellt, beantwortet Hitchcock mit dem Ratschlag, an Ideen festzuhalten, zusammenzuhalten und die Eigenarten von anderen anzunehmen, egal was kommen mag. Wer zu den Sternen greift, sollte beherzt zugreifen und sich treu bleiben. Meiner Meinung nach ist das eine sehr schöne Botschaft.

Hitchcock-Fans und Fans von Anthony Hopkins und Helen Mirren sollten sich Hitchcock allen negativen und durchwachsenen Kritiken zum Trotz ansehen. Dieser Film weiß zu unterhalten. Außerdem bietet er gerade dadurch, dass so viele Dinge angerissen werden, jede Menge Stoff für Interpretationen, Spekulationen und andere Gedankenexperimente.

Hexenjagd

Es war einmal … Nein. Knusper, knusper … Nein. Was wäre wenn … Nein. Bei Themen, die in den Bereich „Märchen“ fallen, ist es gar nicht so einfach, eine einfallsreiche Einleitung zu finden. Versuchen wir es also weiter …

Was wurde eigentlich aus Hänsel und Gretel? Dieser Satz ist auch nicht besonders einfallsreich, aber genau dieser Frage widmet sich der Film Hänsel & Gretel: Hexenjäger (Hansel & Gretel: Witch Hunters), über den ich an dieser Stelle berichten möchte.

Beschlossen, dass ich Hänsel & Gretel: Hexenjäger unbedingt sehen muss, hatte ich schon vor Monaten, nachdem ich den ersten Trailer gesehen hatte. Viele Märchen haben im verganenen Jahr in abgewandelten, modernisierten und manchmal gar abstrakten Versionen den Weg auf die Kinoleinwand gefunden. Keine davon konnte mein Interesse wecken. Snow White and the Huntsman (Link zu IMDB) hat mich mit Kristen Steward als Schneewittchen geradezu abgeschreckt. Vielleicht tue ich der Dame ja damit furchtbar Unrecht, aber ich kann mich einfach (noch) nicht davon lösen, bei ihrem Anblick unweigerlich an glitzernde Vampire zu denken und ich habe leider kein Herz für schmachtende Vampire, die in der Sonne schöner werden. Die ersten Szenen von Hänsel & Gretel: Hexenjäger, bei denen es schmachtfrei und ordentlich blutig zur Sache ging, stimmten mich deshalb um vieles positiver.

Der Ansatz, Märchen düster und für Erwachsene zu verfilmen, gefällt mir. Analysiert man die alten Kindergeschichten nämlich einmal genauer, wird einem klar, wie viel Brutalität in ihnen steckt. Kinder nehmen das alles anders wahr, das weiß ich aus eigener Erfahrung, aber man kann nicht ignorieren, dass in Märchen durchweg fröhlich gemordet und gemeuchelt wird, vor allem bei denen der Gebrüder Grimm. So bietet denn auch die Geschichte um die Geschwister Hänsel und Gretel einigen Stoff, der offenbar auch die Fantasie von Tommy Wikola, Autor und Regisseur von Hänsel & Gretel: Hexenjäger, beflügelt hat.

In seinem Film modifiziert er das Grimm’sche Märchen leicht und erzählt es weiter. Hänsel und Gretel besiegen, wie allseits bekannt, die Hexe im Knusperhaus, kehren danach aber nicht nachhause zurück, sondern werden kurzerhand zu Hexenjägern. Sie schwören sich, ihre Mitmenschen und vor allem die Kinder vor den fiesen Geschöpfen zu schützen. So kommen Hänsel und Gretel als Kopfgeldjäger des Märchenlandes eines Tages nach Augsburg. Der Bürgermeister der Stadt hat sie angeheuert, nachdem immer mehr Kinder aus der Stadt verschwunden sind. Nach kurzer Zeit finden die bis an die Zähne bewaffneten Hexenjäger heraus, dass hier nicht eine einzelne Hexe am Werk, sondern etwas Größeres im Gange ist.

Mehr möchte ich von der Geschichte gar nicht verraten, die meiner Meinung nach viele sehr lustige Ideen in sich vereint. Es mag alles für sich genommen zwar nicht wahnsinnig innovativ und neu sein – man wird das Gefühl nicht los vieles schon einmal irgendwo gesehen zu haben – aber in der gebotenen Kombination ist es doch sehr unterhaltsam. Ich hatte zugegebenermaßen auch nichts anderes erwartet, als eine humorvolle, blutige Story, präsentiert als rasantes Actionfeuerwerk.

Tommy Wirkola hat mit Hänsel & Gretel: Hexenjäger keinen Film für schwache Nerven geschaffen. Seine Hexen sind fies und hässlich. Sie sind eine Version des absoluten Bösen und dienen als Fantasy-Kanonenfutter, ähnlich wie die Vampire in Filmen wie From Dusk till Dawn oder John Carpenters Vampires. Hänsel und Gretel machen mit einem riesigen Waffenarsenal Jagd auf sie und töten die Hexen auf vielfältigste Arten, die für den Zuschauer auch mithilfe von 3D-Effekten sehr gekonnt in Szene gesetzt werden. Mir als Action- und Horrorfan gefällt das. Bisweilen braucht es nicht mehr als eine gut gemachte Schnetzelei, um mich zu unterhalten. Klingt einfach? Ist aber so.

Die Wahl der Schauspieler ist sehr gut gelungen. Jeremy Renner hat sich bereits mit seiner Rolle als Superschütze Hawkeye in The Avengers (Link zu IMDB) einen Platz in meiner Liste der hoffnungsvollsten Schauspieler verdient. Für mich zählt er zu den Talenten, die es verdient haben, auch in Zukunft mehr Beachtung zu finden. Momentan ist er auf Action abonniert, aber ich bin davon überzeugt, dass er durchaus noch mehr kann. Sein Hänsel ist nicht gerade der hellste Kopf, hat sein Herz aber am rechten Fleck und kann kräftig zuhauen, wenn es vonnöten ist. Die Knabberei am Lebkuchenhaus in Kindertagen ist ihm nicht besonders gut bekommen. Seitdem leidet er an der Zuckerkrankheit. Eine großartige Idee, wie ich finde. Jeremy Renner überzeugt in Hänsel & Gretel: Hexenjäger auch durch schauspielerische Zurückhaltung. Nur dadurch wirken die beiden Geschwister gleichberechtigt. Er könnte den Film sicherlich dominieren, tut es aber nicht. So kommt auch Gemma Arterton als toughe Gretel im Lederoutfit besser zur Geltung. Die Schauspielerin, die mit ihrer bisherigen Filmwahl – ausgenommen vielleicht James Bond 007: Ein Quantum Trost (Link zu IMDB) – kein besonders geschicktes Händchen hatte, mimt ihren Part sehr überzeugend und kann auch in Actionsequenzen mit „Hänsel“ Schritt halten. Von beiden Schauspielern möchte ich in Zukunft gerne noch mehr sehen.

Die vielen, vernichtenden Kritiken zu Hänsel & Gretel: Hexenjäger kann ich nicht nachvollziehen. Dieser Film will nicht bis ins Detail interpretiert werden. Was die FAZ in ihrer Filmkritik schreibt, empfinde ich beispielsweise als wirklich schlechten Scherz. Filme wie diesen oder „From Dusk Till Dawn“ mag man, oder man mag sie nicht, aber politische Botschaften sind garantiert nicht enthalten. Ich denke, es kommt vor allem auf die Erwartungshaltung an, mit der man ins Kino geht. Wer Tiefgang erwartet, ist hier fehl am Platz. Wer Horrorfilme mag und bereit ist, einen augenzwinkernden Ausflug ins düstere Märchenland zu unternehmen, der wird sicher nicht enttäuscht werden.

Ein guter Anhaltspunkt für die Entscheidung, sich Hänsel & Gretel: Hexenjäger anzusehen ist vielleicht auch Abraham Lincoln: Vamire Hunter (Link zu IMDB), den ich übrigens auch als sehr unterhaltsam empfand, nicht mehr und nicht weniger. Wer Herrn Lincoln als axtschwingender Vampirjäger mochte, dem wird auch die Neuinterpretation von „Hänsel und Gretel“ gefallen, die im Vergleich zum wehrhaften US-Präsidenten meiner Meinung nach weniger Längen hat.

Ich jedenfalls habe mich für 90 Minuten gut unterhalten gefühlt und werde mir den Film sicher auch irgendwann noch ein zweites Mal ansehen (mutmaßlich auf DVD), um all die witzigen und durchaus liebevoll herausgearbeiteten Kleinigkeiten zu entdecken, die mir beim ersten Mal entgangen sind. Schade, dass es zu Hänsel & Gretel: Hexenjäger keine Actionfiguren gibt. Die Charaktere würden sich gut als solche machen.