Archiv der Kategorie: Gesehen

Yo Joe!

Actionfiguren. Ich mag Actionfiguren. Und ich mag die G.I. Joes, jene Actionfigurenserie, die sich in den USA größter Beliebtheit erfreut, aber so amerikanisch ist, dass sie hierzulande vor dem ersten Kinofilm im Jahr 2009, G.I. Joe: Geheimakte Cobra (G.I. Joe: Rise of Cobra, Link zu IMDB), wohl nur eingefleischten Fans ein Begriff war. Außerdem gebe ich offen, ehrlich und gerne zu, dass ich zu den Menschen gehöre, denen schon der erste Leinwandauftritt der Supersoldatentruppe gut gefallen hat, ganz entgegen allen vernichtenden Kritiken.

In den Wohnräumen, die ich zusammen mit meinem Ehemann behause, tummeln sich einige der kleinen Actionhelden und auch mehrere ihrer Superfahrzeuge. Die kleinen Plastiksoldaten und -superschurken sind mit wahnsinnig vielen, kleinen Details ausgestattet, immer bereit, die wahnwitzigsten Abenteuer zu erleben und Missionen zu erfüllen, die so geheim sind, dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Einige dieser Erlebnisse kann man regelmäßig in Comics verfolgen. Auch das tue ich mit Vergnügen. Die Zuständigen bei Hasbro haben ein Händchen dafür, ihre Marken zu pflegen und multimedial in alle möglichen Richtungen weiterzuentwickeln. Das stellen sie auch im Hinblick auf die Transformers eindrucksvoll unter Beweis, die ich mindestens genauso schätze wie die G.I. Joes. Leider kommt von all dem beim Ottonormalkonsumenten und Kinobesucher in Deutschland wenig an. Die Comics erscheinen gar nicht auf Deutsch. Wer der englischen Sprache nicht mächtig ist und keinen gut sortierten Comicshop in der Nähe hat, dem entgeht auf diesem Gebiet vermutlich einiges.

Ohne Hintergundwissen, sind die Kinoabenteuer der G.I. Joes mutmaßlich ein wenig schwerer zu greifen. Für den ein oder anderen mögen es dann nur knallige Actionfilme mit Supersoldaten sein, die sich komische Codedamen geben. Die Superhelden von Marvel und DC haben es da dank größerer Bekanntheit definitiv einfacher. Ich bin aber nach wie vor und vor allem nach Sichtung des zweiten Kinoabenteuers G.I. Joe: Die Abrechnung (G.I. Joe: Retaliation) der Meinung, dass diese Filme zu wenig Anerkennung erhalten.

Die Story von G.I. Joe: Die Abrechnung folgt dem altbekannten Schema „Supergut gegen Superböse“. Die geheime Verbrecherorganisation Cobra hat unter der Führung der Oberbösewichtes Cobra Commander einen finsteren Plan zur Übernahme der Weltherrschaft ersonnen. Um diesen in die Tat umzusetzen, wurde der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gekidnappt und durch Zartan, einen Superschurken, dessen geheime Fähigkeit es ist, sein Aussehen zu verändern, ersetzt. Der falsche Präsident nutzt die Gunst der Stunde und startet einen Großangriff auf die, ebenfalls geheime, aber gute, Supersoldateneinheit G.I. Joe. Es gelingt ihm allerdings nicht, alle G.I. Joes zu vernichten. Eine kleine Truppe von Verbliebenen macht sich auf, ihre Kameraden zu rächen und gleichzeitig die Welt zu retten.

Die Story klingt einfach und vorhersehbar? Ja, das ist sie auch. Das gebe ich offen und ehrlich zu. Sie muss es allerdings bis zu einem gewissen Grad auch sein, denn nichts anderes erwartet man von Actionfigurengeschichten. Ich erinnere daran: G.I. Joe ist eine Actionfigurenmarke. Die Geschichte des Films ist aus diesem Grund gleichermaßen nahe am Kern der Sache. Andere Actionfilme haben übrigens nicht minder vorhersehbare Storylines.

So weit, so gut. Was die Besetzung anbelangt, freute ich mich als Fan sehr, zu sehen, dass man in G.I. Joe: Die Abrechnung nicht alle aus dem ersten Teil bekannten Gesichter gleich verbannte, auch wenn man im Vorhinein bekannt gab, dass man gleichzeitig einen Neustart wagen würde. So bleiben doch einige Charaktere erhalten: Duke (Channing Tatum), Storm Shadow (Lee Byung-hun), der Präsident (Jonathan Pryce), Zartan (Arnold Vosloo) und sogar im Kostüm des dauermaskierten und stummen Helden Snake Eyes steckt nach wie vor Ray Park. Auch wird auf den Superschurken Destro noch einmal verwiesen, bevor der Cobra Commander das Ruder übernimmt. All diese Kleinigkeiten habe ich großer Freude zur Kenntnis genommen.

Verstärkt wird die neue Heldentruppe durch Dwayne Johnson, der als Roadblock schon wegen seiner Statur eine gute Figur abgibt. Wenn einer eine lebende Actionfigur verkörpern kann, dann ohne Zweifel „The Rock“. Außerdem neu im Team Joe: Flint (D.J. Cotrona), Lady Jaye (Adrianne Palicki), Jinx (Elodie Yung) und Bruce Wilis als General Joseph Colton. Die Gegenseite bekommt ebenfalls Verstärkung mit Ray Stevenson als Firefly. Schauspielerische Glanzleistungen darf man in diesem Film von keinem der vielen Protagonisten erwarten. Es gibt einfach zu viele Charaktere, als dass einer davon auch in Anbetracht der kurzen Zeitspanne an besonderer Tiefe gewinnen könnte. Flotte, witzige und unterhaltsame Sprüche haben sie aber alle auf den Lippen.

Dank explosiven und in meinen Augen sehr gut gemachten Actionszenen am laufenden Band ist die fehlende Tiefe aber auch kein Problem. G.I. Joe: Die Abrechnung ist ein Actionfilm, der zu unterhalten weiß. Mehr als ein Jahr habe ich auf diesen Film gewartet und es hat sich gelohnt. Schon 2012 hätte G.I. Joe: Die Abrechnung ins Kino kommen sollen. Die Macher waren mit dem Endergebnis allerdings nicht voll zufrieden und hatten deshalb beschlossen, sich das gesamte Werk noch einmal vorzunehmen. Dies wurde mir auch auf unserer Hochzeitsreise und der damit verbundenen Tour durch die Paramount Studios in Hollywood erklärt.

Der Film wurde tatsächlich nicht einfach nur auf 3D umgearbeitet. Man merkt, dass hier einiges an Energie, Zeit und Geld investiert wurde und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die neuen Szenen wissen mit tollen Effekten zu überzeugen. Einzig die Szene mit den an einer Felswand kämpfenden Ninjas wurde leider nicht neu aufgenommen. Man sieht es ihr an einigen Stellen an. Sie ist aber auch in der auf 3D umgearbeiteten Form gelungen und in meinen Augen eine der besten Szenen des Films. Herausragend sind meiner Meinung nach auch der Kampf zwischen den Erzfeinden Snake Eyes und Storm Shadow, sowie der Endkampf zwischen Roadblock und Firefly – handfeste Action und ganz so wie man sich einen echten Kampf zwischen Actionfiguren vorstellt.

Was mich jedes Mal stört, wenn ich es in Filmen sehe, ist fehlende Detailtreue bei Szenen, die in anderen Ländern spielen sollen. Bei G.I. Joe: Die Abrechnung gibt es eine Szene, die in Deutschland spielen soll. Auf einem Stoppschild steht HÄLT statt STOP. Als das Tor mit samt dem Schild daran über den Haufen gefahren wurde formierte sich in meinem Kopf sofort situationskomikbedingt der Gedanke „Hält doch nicht!“. Solch auffällige Filmfehler ärgern mich bei allen Filmen. Eine Szene aus „The A-Team“, in der der Kölner Hauptbahnhof in Frankfurt steht und eine Szene aus „The Avengers“, bei der irgendeine Stadt zu Stuttgart umdekoriert wurde, sind weitere Beispiele. Hier sollten sich Requisiteure und Szenenbildner ruhig ein bisschen mehr Mühe geben. Ganze Städte oder Stadtteile nachzubilden ist sicher schwieriger, aber Google hätte ihnen auf jeden Fall verraten, wie ein deutsches Stoppschild aussieht. In den USA wird das allerdings den wenigsten Kinobesuchern auffallen. Immerhin ist den Machern von G.I Joe: Die Abrechnung dann doch noch ein recht ungewöhnliches Wortspiel gelungen. Das deutsche Supergefängnis, in dem Superschurken gelähmt und in Wassertanks verpackt weggesperrt werden, trägt den Namen „Einsargen“. Das hat mich etwas entschädigt.

Wer sich in eine Welt mit Supersoldaten und Superschurken nicht recht hineindenken kann und vor von außen betrachtet sicher seltsamen Namen (man beachte den Ninjameister „Hard Master“) zurückschreckt, für den bleibt G.I. Joe: Die Abrechnung einfach ein bunter Actionfilm mit seltsamen Protagonisten. Wer allerdings Lust auf gut gemachte Actionszenen und witzige Sprüche hat und bereit ist sich auf die Joes einzulassen, egal ob er ihre Hintergründe nun genauer kennt oder nicht, der wird für 110 Minuten gut unterhalten. Für G.I. Joe-Fans ist der Film ohnehin ein „Must See“. Im Vergleich zum ersten Teil legt G.I. Joe: Die Abrechnung auch noch eine große Schippe drauf, sowohl an Action wie auch an Nähe zur Marke G.I. Joe. Mich freut das und ich hoffe außerdem auf einen Extended Cut auf DVD bzw. Blu-ray. Einige Szenen sind in der Kinofassung sehr kurz geraten und ich gehe davon aus, dass hier noch einiges an Material ungenutzt geblieben ist. Mir hat der Film jedenfalls so viel Spaß gemacht, dass ich meine Sammlung umgehend um ein paar Figuren erweitern muss. In diesem Sinne verbleibe ich mit dem Schlachtruf der G.I. Joes: Yo Joe!

Realität und Fiktion

Argo. Der Film, der bei der Oscarverleihung 2013 mit dem begehrten Titel „Bester Film“ ausgezeichnet wurde. Ein Film, den ich aufgrund seiner in meinen Augen sterbenslangweiligen Trailer lange Zeit gar nicht auf meiner gedanklichen Liste unter „Must See“ verbucht hatte. Nach der hohen Auszeichnung musste ich ihn mir am Ende doch ansehen. Die Neugierde siegte.

Dieser Film gab mir auch die Gelegenheit, Frankfurts neues Luxuskino zu testen. Interessierte können meine Locationbewertung dazu auf Qype lesen. Am Ende konnte mich leider weder das auf Luxus getrimmte Kino, noch der Film restlos überzeugen. Aber fangen wir wie immer vorne an, und damit wovon Argo überhaupt handelt.

Argo basiert auf realen Gegebenheiten und erzählt die Geschichte einer raffinierten Rettungsaktion der CIA. Im November 1979 wird die amerikanische Botschaft in Teheran von islamischen Studenten besetzt. 52 US-Diplomaten werden als Geiseln dort festgehalten. Sechs findige Botschaftsmitarbeiter können im Tumult entkommen, als die Islamisten die Botschaft stürmen. Sie suchen Unterschlupf in der kanadischen Botschaft. Die CIA startet eine wahnwitzige Rettungsaktion, bei der die Amerikaner gemeinsam mit dem Rettungsspezialisten Tony Mendez als Filmteam getarnt entkommen sollen. Der fingierte Hollywoodfilm, der als Tarnung dient, trägt den Namen Argo.

Die reale Hintergrundgeschichte des Films ist äußerst interessant. Die Geiselnahme von Teheran, die Geheimdienstoperation, das alles gab es wirklich. Tony Mendez ist heute Künstler und Autor und berichtet offen über seine Einsätze, die inzwischen nicht mehr der Geheimhaltung unterliegen.

Dass die Realität schon spektakulär ist, ist meiner Meinung nach der größte Nachteil des Films. Denn eigentlich ist die gesamte Geiselnahme von Interesse. Immerhin wurden die Geiseln in der Botschaft für ganze 444 Tage, also mehr als ein Jahr, dort festgehalten. Man mag sich gar nicht ausmalen, was für ein Martyrium das gewesen sein muss. Gerade dieser Gedankengang war es auch, der mich den gesamten Film über beschäftigte. Ständig fragte ich mich, was eigentlich mit den Geiseln in der Botschaft passiert. Diesen Aspekt beleuchtet der Film nämlich nur am Rand. Zwar werden ständig und in verschiedenster Form echte TV-Aufzeichnungen gezeigt, anhand derer man den Verhandlungsprozess erahnen kann, das Meiste bleibt aber dennoch im Dunkeln und wird im Wesentlichen auf dann doch überflüssige eine Folterszene reduziert.

Vielleicht wäre die gesamte Geiselnahme mit all ihren Aspekten vom Inhalt her eine zu große Herausforderung gewesen. Eine etwas erweiterte Sicht hätte dem Film in meinen Augen aber nicht geschadet. So konzentriert sich Argo auf die Rettungsaktion der 6 entkommenen Amerikaner. Während ihre Kollegen in der Botschaft unter Bedingungen ausharren und Ängste ausstehen müssen, die man sich gar nicht näher vorstellen mag, residieren die Sechs vergleichsweise komfortabel beim kanadischen Botschafter, sehr charmant gespielt von Victor Garber. Als Tony Mendez schließlich auftaucht und ihnen die Rettungsaktion erklärt, geben sie sich eilweise auch noch wählerisch. Ich bin mir nicht sicher, ob das der Zielsetzung von Ben Afflecks Regie entspricht, aber ich konnte mit den sechs zu rettenden Personen den ganzen Film über nicht recht mitfühlen. Sie haben mich regelrecht erzürnt. Immerhin bekamen sie die Chance überhaupt gerettet zu werden, während das Schicksal der Geiseln dank ständiger Hinrichtungsandrohungen komplett im Ungewissen lag. Insofern hat der Film definitiv Emotionen bei mir hervorgerufen. Ob das die vom Regisseur beabsichtigten waren, halte ich eher für unwahrscheinlich.

Was die Schauspieler anbelangt, fiel mir Ben Affleck selbst leider negativ auf. Er ist in meinen Augen kein großer Mime. Eventuell ist ein immer gleicher, langweiliger und emotionsloser Gesichtsausruck mit halboffenem Mund ja das Markenzeichen von Tony Mendez. Wenn ich Bilder von dem guten Mann sehe, glaube ich das allerdings kaum. Wer eine solch kluge und ausgefeilte Rettungsaktion plant, der muss einfach mit Leib und Seele dahinter stehen und dem sieht man das sicherlich auch an. Ben Affleck verkörpert leider nichts davon. Irgendwie wartete ich den ganzen Film über darauf, dass er anfängt, aus dem Mundwinkel zu sabbern – was natürlich nicht passierte. Vielleicht sollte er sich bei seinen kommenden Filmen lieber komplett hinter denn vor der Kamera aufhalten. Er trägt bei Argo jedenfalls meiner Meinung nach nicht dazu bei, die Spannung zu erhöhen.

Großartig spielt dagegen wieder einmal Bryan Cranston seine Rolle als Mendez Vorgesetzter Jack O’Donnell. Er zählt für mich zu den derzeit besten Schauspielern überhaupt. Mimik, Gestik, Bryan Cranston nutzt sein gesamtes schauspielerisches Repertoire in jeder Rolle meisterlich. Positiv aufgefallen sind mir außerdem John Goodman als Maskenbildner John Chambers und Alan Arkin als Filmproduzent Lester Siegel, die Mendez tatkräftig unterstützen und der Geheimoperation den nötigen, glaubhaften Background verleihen. Der Rest des Cast legt eine solide Leistung an den Tag. Keiner außer den gerade Genannten fiel mir besonders auf, weder positiv noch negativ.

Was das Erzähltempo anbelangt würde ich Argo als einen sehr seichten Thriller bezeichnen. Es gibt einige Szenen, in denen mehr Spannung aufkommt, indem man die Rettungsaktion hollywoodgerecht sicherlich noch etwas spektakulärer aussehen lässt, als sie es ohnehin schon war. Wie nahe hier die Fiktion an der Realität ist, vermag ich nicht zu sagen. Den Großteil des Films plätschert die Handlung aber mehr oder weniger vor sich hin. Trotz der Konzentration auf die Rettungsaktion sind sehr viele Personen am Geschehen beteiligt. Als Zuschauer blieb mir kaum die Gelegenheit, einzelne Akteure, vor allem von den sechs zu rettenden Amerikanern, konzentrierter und spezieller wahrzunehmen.

Abschließend kann ich sagen: Der Ansatz des Films ist gut, allein die Präsentation konnte mich leider nicht überzeugen. Ich habe noch immer nicht alle Filme gesehen, die bei den Oscars 2013 im Rennen um den Titel „Bester Film“ gegeneinander antraten. Die Verleihung des Preises an Argo erscheint mir aber schon jetzt fragwürdig. Ein abschließendes Urteil werde ich mir selbstverständlich erst nach Sichtung weiterer Filme erlauben. Am Ende reduziert sich alles ja doch wieder auf die Geschichte mit dem Affen und der Seife unter der Überschrift „Geschmacksache“.

Was die Diskussionen in der Presse darüber anbelangt, wie man den Iran als Land in Argo darstellt, so kann ich diese übrigens nicht nachvollziehen. Besonders gut kommen in meinen Augen beide Seiten nicht weg – also sowohl der Iran, wie auch die USA. Zumindest das halte ich dem Film im Vergleich zu anderen plakativ pro-amerikanischen Werken zugute.

HITCH Your Wagon to a Star

Sir Alfred Hitchcock. Sein Name ist eine Legende. Seine Filme sind weltberühmt. Es gibt wohl kaum jemanden – sogar in der jugendlichen Bevölkerung – der nicht mindestens einen seiner Filme gesehen, oder zumindest von ihm gehört hat. Sein berühmtestes und gleichzeitig erfolgreichstes Werk ist Psycho (Link zu IMDB). Die Entstehungsgeschichte dieses Meisterwerkes, das den Schrecken auf der Leinwand salonfähig machte und als Grundstein sowohl des Psychothriller- wie auch des Slasher-Genres gilt, erzählt der Film Hitchcock.

Schon der Trailer und der hochkarätige Cast hatten mich neugierig auf Hitchcock gemacht. Bei einer Veranstaltung durfte ich den Film dann sogar schon einen Tag vor seinem offiziellen Deutschlandstart sehen. Eine glückliche Fügung.

Hitchcock ist ein Biopic, das von seiner Erzählweise und Gangart an ein fröhliches Jazzstück erinnert. Die Geschichte des Films beginnt mit einem Alfred Hitchcock, der sich mit dem Altern auseinandersetzt, auf der Suche nach einer neuen Idee ist und gleichzeitig versucht, sich selbst neu zu erfinden. Ihm zur Seite steht unerschütterlich seine Gattin Alma Revill. Bis am Ende der fertige Film „Psycho“ das erste Mal über eine Kinoleinwand flimmert, müssen die beiden einigen Widrigkeiten trotzen und nicht unerhebliche Risiken auf sich nehmen.

Die Besetzung von Hitchcock ist mit Sir Anthony Hopkins als Alfred Hitchcock und Helen Mirren als Alma Reville absolut gelungen. Die beiden Hauptdarsteller beweisen großes Talent und sind in sichtlicher Spiellaune. Einziger Nachteil ist in meinen Augen die relativ prominente Maske, unter der Anthony Hopkins ein wenig zu sehr „begraben“ wird. Natürlich tragen Kostüm- und Maskenteile an Körper und Gesicht dazu bei, ihn dem realen Vorbild ähnlicher werden zu lassen, allerdings nehmen sie ihm auch etwas Freiheit, insbesondere im Hinblick auf die Mimik. Vielleicht wäre etwas weniger hier mehr gewesen, aber Anthony Hopkins ist so talentiert, dass er schon mit seinen Augen enorm viel ausdrücken kann. Das Auftreten und markante Verhalten von Hitchcock hat er verinnerlicht. Allerdings gebührt mein vollster Respekt und der Hauptteil meiner Begeisterung in diesem Fall Helen Mirren, die in ihrer Rolle als eigenwillige, schnodderige und nicht minder liebenswerte Hitchcock-Gattin alle an die Wand spielt. Eine, wie ich finde, großartige Leistung, denn sie transportiert damit den Hauptteil der sympathischen Atmosphäre des gesamten Films.

Hitchcock beleuchtet viele verschiedene Aspekte der Entstehungsgeschichte von „Psycho“. Zum einen ist da der Regisseur, der sich in eine Idee verbeißt und bereit ist, dafür seine komplette Karriere, sowie sein Hab und Gut aufs Spiel zu setzen. Die Ehefrau, die an ihren Mann glaubt, ihm zur Seite stehen will und trotzdem gegen Zweifel und Verlockungen ankämpft. Die Studiobosse, die von dem Projekt alles andere als begeistert sind, denen Hitchcock aber noch einen Film schuldig ist. Die Zensurbehörde, die das neuartige und alles andere als gewaltfreie Filmexperiment mit Argusaugen beobachtet. Das Flair des alten Hollywood. Die Auswahl der Schauspieler. Zum anderen beleuchtet der Film auch die Beziehung von Mr. und Ms. Hitchcock, die sehr eigenwilliger Natur ist.

Viele Dinge werden nur kurz angerissen oder nur angedeutet. An einigen Stellen hätte ich mir durchaus ein paar mehr Details gewünscht. Andererseits ist Hitchcock ja keine Dokumentation, sondern ein Biopic, was letzten Endes doch wieder ein Hollywoodfilm über das Leben einer realen Person ist. Regisseur Sacha Gervasi hatte auch sicher nicht den Anspruch von A bis Z historisch korrekte Szenen zu präsentieren. Er hält die Legende Hitchcock am Leben und erweitert sie um ein paar Details, Spekulationen und Visionen. Zu viel Realität hätte dem Film viel Charme genommen. Da bin ich mir sicher. Dafür, dass manche Kritiker dennoch meinen, fehlenden Realismus lautstark beklagen zu müssen, habe ich keinerlei Verständnis (Beispiel: SPON-Kritik vom 11.03.2013).

Bei meinem Besuch in den verschiedenen Filmstudios in Hollywood wusste beinahe jeder der Touristenführer einige tolle Geschichten über den großen „Meister des Suspense“ zu erzählen. Das Bild, das ich vor Ort vermittelt bekam, deckt sich an vielen Stellen mit dem, was in Hitchcock vermittelt wird. Alfred Hitchcock war zweifelsohne ein schrulliger Typ mit einigen Eigenarten. Er war ein absolutes Ausnahmetalent mit einem einzigartigen Gespür für neue Ideen und dafür, wie man bestimmte Inhalte am besten präsentiert – nicht nur in seinen Filmen, sondern auch darum herum. Er war auch ein Marketing-Genie, sowohl filmbezogen wie auch bezogen auf seine Person.

Alfred Hitchcock verdient Bewunderung, er verdient es eine Legende zu sein und zu bleiben. Auch wenn Sacha Gervasi sie den Zuschauern humorvoll näher bringt, verliert die schillernde Figur dadurch nicht an Glanz und Mysterie. Es könnte so gewesen sein, es könnte aber auch sein, dass alles ganz anders war. Dieses Gefühl vermittelt der Film mit einem stetig spürbaren Augenzwinkern. Ich habe das Gefühl, dass vor allem die Szene, in der sich Hitchcock bei der Filmpremiere von „Psycho“ auf charmante Art an den Zuschauerreaktionen ergötzt, dem echten Hitchcock sehr nahe kommt.

Bates Motel,  Universal Studios, HollywoodWas mir an Hitchcock sehr gut gefällt, sind die authentischen Kulissen, die natürlich in Form der Studios noch heute einfach vor Ort stehen. Ich habe den Weg vor Alfred Hitchcocks Büro in den Paramount Studios schon abgeschritten. Ich habe das Bates Motel und das Bates-Haus mit eigenen Augen gesehen. Diese Orte im Film wiederzusehen ließ mein Herz fröhlich hüpfen, auch wenn mir in einer Szene nicht entging, dass man das BBates-Haus, Psycho,  Universal Studios, Hollywoodates-Haus direkt hinter Hitchcocks Paramount-Büro montiert hatte, obwohl sich die Filmkulisse in den Universal Studios befindet, die von dort aus nicht annähernd in Sichtweite sind. Es war nämlich gerade die Anordnung von Motel und Haus an einem Hügel und die Perspektive, die Hitchcock besonders begeisterte. Außerdem wurde der Film tatsächlich in zwei verschiedenen Studios gedreht. Aber das sind im Wesentlichen Kleinigkeiten und alles andere hätte vermutlich erzählerisch zu weit geführt.

Die Frage „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“, die sich François Truffaut auf dem deutschen Titel seines berühmten Buches stellt, beantwortet Hitchcock mit dem Ratschlag, an Ideen festzuhalten, zusammenzuhalten und die Eigenarten von anderen anzunehmen, egal was kommen mag. Wer zu den Sternen greift, sollte beherzt zugreifen und sich treu bleiben. Meiner Meinung nach ist das eine sehr schöne Botschaft.

Hitchcock-Fans und Fans von Anthony Hopkins und Helen Mirren sollten sich Hitchcock allen negativen und durchwachsenen Kritiken zum Trotz ansehen. Dieser Film weiß zu unterhalten. Außerdem bietet er gerade dadurch, dass so viele Dinge angerissen werden, jede Menge Stoff für Interpretationen, Spekulationen und andere Gedankenexperimente.

Halber Wind und ganze Kunst

Die Schirn in Frankfurt gehört definitiv zu meinen Lieblingskunsthallen (Link zur Homepage der Schirn). Was Direktor Max Hollein und seine Kuratoren an Ausstellungen nach Frankfurt holen und die Art, wie dort Kunst präsentiert wird, ist regelmäßig spektakulär und absolut sehenswert. Zurzeit stellt dort Yoko Ono (Link zu Wikipedia) unter dem Motto „Half-a-Wind Show. Eine Retrospektive.“ aus. Die Ausstellung gastiert noch bis zum 12. Mai 2013 in der Schirn und ich kann jedem, der an zeitgenössischer Kunst interessiert ist, nur empfehlen sich die dort präsentierten Werke anzusehen.

Yoko Ono ist vielen ein Begriff. Fans der Beatles reagieren regelmäßig empfindlich auf den Namen der Künstlerin, sag man ihr doch nach, sie habe die Band (vorsätzlich) auseinandergebracht. Ich persönlich bin kein großer Fan der Beatles, obwohl ich ihre musikalischen Verdienste zu würdigen weiß. Wahrscheinlich konnte ich den Kunstwerken von Frau Ono deshalb auch von Anfang an vorurteilsfrei begegnen. Ich kann nur jedem nahelegen, es mir gleich zu tun. Es lohnt sich.

Meine Mutter, die mit mir zusammen die Ausstellung besuchte, ist zwar kein ausgesprochener Beatles-Fan, allerdings hat sie deren große musikalische Zeiten erlebt und konnte sich deshalb anfangs nicht ganz von einer gewissen Grundskepsis Yoko Ono gegenüber lösen. Im Nachhinein musste sie jedoch zugeben, dass sie durch das Gesehene ein komplett anderes und fast gänzlich neues Bild von der Künstlerin gewonnen hat. Meine ohnehin kunstinteressierte Mama, die stets offen und bereit ist, ihre Meinung zu revidieren, ist vielleicht nicht der beste Maßstab, aber ich hoffe dennoch sehr, dass es vielen Menschen ähnlich geht. Yoko Ono hat positive Aufmerksamkeit mehr als verdient.

Die „Half-a-Wind Show“ in der Schirn deckt als Retrospektive das gesamte Spektrum der künstlerischen Tätigkeit von Yoko Ono ab. Neben Zeichnungen, Bildern und Installationen wird auch den Performances, sowie ihrem musikalischen und filmischen Schaffen Rechnung getragen. Die Kunstwerke sind dabei thematisch sowie chronologisch angeordnet.

Dass Yoko Ono eine gehörige Portion Humor hat, wird schon beim Betreten der Ausstellung klar, wenn viele Besucher dem Drang der inneren Ordnung nachgeben und versuchen, den ersten Ausstellungsraum durch eine Drehtür zu betreten. Diese führt allerdings nicht hinein, sondern nur wieder an den Anfang zurück. Nur durch den blauen Perlenvorhang daneben, der die Besucher unweigerlich streift, ihnen quasi die Vorurteile und den Alltag abstreift, kann der erste mit Kunstwerken bestückte Raum betreten werden. Schon durch diese, auf den ersten Blick unscheinbaren, gar gewöhnlichen Details wird den Besuchern das erste Lächeln auf die Gesichter gezaubert.

In der Ausstellung gibt es viele Werke, bei denen die Künstlerin den Betrachter direkt einbezieht, ihn auffordert, an der Kunst teilzunehmen, sogar Teil der Kunst zu werden. An Kaugummiautomaten können „Air Capsules“ (Kapseln mit Luft) gezogen werden. Ein Kunstwerk aus Marmor lädt zum Befühlen und sinnlichen Erkunden ein. Weitere Werke, wie ein Labyrinth aus Plexiglas, gilt es zu betreten und mit allen Sinnen zu erleben. Das von Yoko Ono eigens für die Schirn entwickelte Kunstwerk „Moving Mountains“ ist quasi eine offene Performance, bei der jeder mitmachen kann, der möchte.

All diese Kunst zum Anfassen erzeugt eine wunderbare Atmosphäre in den Ausstellungsräumen. Leute tasten sich fröhlich durch das durchsichtige Labyrinth, lachen zusammen, hören Musik und schauen sich verschieden lange Filminstallationen an. Ich habe noch nie eine Ausstellung gesehen (oder besser erlebt), bei der konstant so viele lächelnde Gesichter zugegen waren, bei der Groß und Klein sich gemeinsam und in gleich großem Maße an der Kunst freuten. Yoko Ono schafft damit etwas, was nur ganz wenigen Künstlern gelingt: Begeisterung ganz ohne Erklärungsbedarf.

Yoko Onos Werke enthalten eine Menge Bedeutung, schöne Botschaften. So hat mich beispielsweise ihre „Sky Machine“ fasziniert, ein silberner Automat, an dem sich Interessierte kleine, handgeschriebene Zettelchen ziehen konnten, auf denen nur das Wort „Sky“ (Himmel) stand. Leider war dies keines der Kunstwerke zum Anfassen, aber die Botschaft der Künstlerin war dennoch greifbar: „Ich würde gerne Sky Machines in den Straßen sehen, statt Getränkeautomaten. Wir brauchen mehr Himmel, statt Coke.“ Eine sehr schöne Aussage, finde ich, besonders wenn man bedenkt, dass der Himmel für Yoko Ono gleichbedeutend mit dem perfekten Zustand und mit Zufriedenheit ist.

Auch eine Installation mit dem Namen „Cricket Memories“ hat mich beeindruckt. Kleine Vogelkäfige stehen als Sinnbild für schreckliche Erlebnisse. Darunter befinden sich ein Stuhl, ein Tisch mit einem schwarzen Buch darauf und die Aufforderung, die eigenen „Cricket Memories“ hineinzuschreiben. Nicht wenige Besucher haben dies getan, gleich neben Zeichnungen von Kindern, denen einfach nur Buch und Stift in die Hände gefallen sind, die aber wahrscheinlich auch glücklicherweise noch keine „Cricket Memories“ haben und deshalb einfach fröhliche Dinge mitteilten.

Nicht alle der ausgestellten Werke konnten mich gleichermaßen begeistern, aber das ist sicher nicht ungewöhnlich, besonders wenn ein einzelner Künstler so viele verschiedene Bereiche der Kunst abdeckt. Yoko Onos musikalisches Schaffen, sowie die gezeigten Filme, mit Ausnahme der Aufnahmen ihrer „Cut Piece“ Performance, empfand ich persönlich als weniger spektakulär, wenngleich mir einige darin enthaltene Ideen gefielen. Aber Kunst ist immer auch Geschmacksache und so konnte ich mich umso mehr für eine riesige Serie an Tuschezeichnungen und große Installationen mit Möbelstücken begeistern, eine davon komplett in Schwarz-Weiß.

Yoko Ono hat die Bekanntheit ihren Ehemannes, John Lennon, sicherlich eine ganze Zeit lang genutzt. Ich bin jedoch der Meinung, dass sie abseits davon und auch ohne den ganzen Beatles-Hintergrund als eigenständige und wichtige Künstlerin angesehen werden muss. Betrachtet man ihre Werke wird einem schnell klar: Yoko Ono lebt für die Kunst. Sie kann nicht anders. Yoko Ono ist gleichermaßen Kunst, wie Teil ihrer Kunst, aber auf keinen Fall künstlich. Sie ist ehrlich und steht einhundertprozentig hinter dem, was sie tut. Ich kann so viel Kreativität, Ideenvielfalt und Überzeugung nur bewundern. Vielleicht ging es John Lennon ja ähnlich, als er die Leiter des Kunstwerkes „Ceiling Painting“ emporstieg um, oben angekommen, mit der Lupe auf einem Spiegel das Wort „Yes“ (Ja) zu suchen und zu finden. Ich kann es mir gut vorstellen.

Was Superhelden menschlich und Menschen super macht

Superman. Der Held der Helden. Der Mann aus Stahl, ausgestattet mit jeder Menge Superfähigkeiten. Bis auf Kryptonit, Gestein, das seinen Ursprung auf seinem Heimatplaneten Krypton hat, kann ihm so gut wie nichts etwas anhaben. Er ist übermenschlich, aber trotzdem nicht unmenschlich.

Seine Abenteuer wurden schon vielfach verfilmt. Eine Version davon ist die TV-Serie Smallville (Link zu Wikipedia), die die Jugendzeit und den Wandel von Clark Kent zu Superman erzählt. Ich habe noch nicht alle Folgen gesehen. Das hole ich zurzeit nach. Die Serie beginnt als schmalzige Teenie-Serie, wird jedoch von Staffel zu Staffel immer besser. Wer die Helden des DC-Universums mag und die Serie noch nicht kennt, sollte meiner Meinung nach durchaus einen Blick riskieren. Dranbleiben wird hier definitiv belohnt.

Folge 19 der sechsten Staffel trägt den Namen „Nemesis“ und beschäftigt sich mit den Erzfeinden Superman und Lex Luthor, die beide in einem Tunnellabyrinth gefangen sind und sich gemeinsam befreien müssen. Was mich an dieser Folge besonders fasziniert, ist eine Unterhaltung, die Clark Kents menschliche Adoptivmutter, Martha Kent, am Ende mit ihrem Sohn führt. Sie erklärt ihm, dass seine größte Schwäche und das, was ihn am menschlichsten macht, seine immerwährende Hoffnung ist.

Martha Kent hat damit Recht. Hoffnung ist das, was uns Menschen vereint. Sie treibt uns an. Jeder hat seine eigenen Wünsche, Träume und Hoffnungen, die er zu verwirklichen und zu erreichen sucht. Die Hoffnung ist allgegenwärtig. Sie begleitet uns in allen Lebensbereichen und kommt immer dann zum Tragen, wenn wir etwas nicht oder nicht vollständig planen können, wenn sich Dinge unserem direkten Einfluss entziehen.

Manchmal verhält sich die Hoffnung so, als wäre sie eine Art Kryptonit der Menschen. Die Hoffnung kann ein großes Arschloch sein. Im Griff der Hoffnung fahren wir auf der Achterbahn der Gefühle. Wenn wir hoffen, können wir uns fühlen, wie Superman, der über den Wolken fliegt, oder aber wie der Mann aus Stahl, fast besiegt, begraben unter einem Haufen grün leuchtenden Kryptongesteins. So viele Gefühlsregungen und auch Entscheidungen (gute wie schlechte) der Menschen können auf die Hoffnung zurückgeführt werden.

Die Hoffnung macht uns alle ein bisschen mehr „super“. Sie stählt unsere Nerven und lässt uns weitermachen, sie macht, dass wir uns nach herben Enttäuschungen wieder aufrappeln, egal was kommt. Und Superman? Den macht die Hoffnung ein bisschen weniger „super“, dafür aber menschlicher. Das Kryptonit kann ihn zwar körperlich verletzen, aber die Hoffnung, etwas Gutes in jedem Menschen finden zu können, nagt mehr an ihm und kann ihm zu einem größeren Verhängnis werden, als es die Gesteinsbrocken je könnten.

Ich finde diese Betrachtungsweise sehr interessant, denn sie enthält viel Wahrheit. Es ist das, was uns all die Geschichten über Superhelden immer wieder zeigen wollen: Wir dürfen unsere Hoffnungen und Träume nicht fahren lassen. Wir können die Hoffnung aufgeben, aber die Hoffnung gibt uns nicht auf.

Hexenjagd

Es war einmal … Nein. Knusper, knusper … Nein. Was wäre wenn … Nein. Bei Themen, die in den Bereich „Märchen“ fallen, ist es gar nicht so einfach, eine einfallsreiche Einleitung zu finden. Versuchen wir es also weiter …

Was wurde eigentlich aus Hänsel und Gretel? Dieser Satz ist auch nicht besonders einfallsreich, aber genau dieser Frage widmet sich der Film Hänsel & Gretel: Hexenjäger (Hansel & Gretel: Witch Hunters), über den ich an dieser Stelle berichten möchte.

Beschlossen, dass ich Hänsel & Gretel: Hexenjäger unbedingt sehen muss, hatte ich schon vor Monaten, nachdem ich den ersten Trailer gesehen hatte. Viele Märchen haben im verganenen Jahr in abgewandelten, modernisierten und manchmal gar abstrakten Versionen den Weg auf die Kinoleinwand gefunden. Keine davon konnte mein Interesse wecken. Snow White and the Huntsman (Link zu IMDB) hat mich mit Kristen Steward als Schneewittchen geradezu abgeschreckt. Vielleicht tue ich der Dame ja damit furchtbar Unrecht, aber ich kann mich einfach (noch) nicht davon lösen, bei ihrem Anblick unweigerlich an glitzernde Vampire zu denken und ich habe leider kein Herz für schmachtende Vampire, die in der Sonne schöner werden. Die ersten Szenen von Hänsel & Gretel: Hexenjäger, bei denen es schmachtfrei und ordentlich blutig zur Sache ging, stimmten mich deshalb um vieles positiver.

Der Ansatz, Märchen düster und für Erwachsene zu verfilmen, gefällt mir. Analysiert man die alten Kindergeschichten nämlich einmal genauer, wird einem klar, wie viel Brutalität in ihnen steckt. Kinder nehmen das alles anders wahr, das weiß ich aus eigener Erfahrung, aber man kann nicht ignorieren, dass in Märchen durchweg fröhlich gemordet und gemeuchelt wird, vor allem bei denen der Gebrüder Grimm. So bietet denn auch die Geschichte um die Geschwister Hänsel und Gretel einigen Stoff, der offenbar auch die Fantasie von Tommy Wikola, Autor und Regisseur von Hänsel & Gretel: Hexenjäger, beflügelt hat.

In seinem Film modifiziert er das Grimm’sche Märchen leicht und erzählt es weiter. Hänsel und Gretel besiegen, wie allseits bekannt, die Hexe im Knusperhaus, kehren danach aber nicht nachhause zurück, sondern werden kurzerhand zu Hexenjägern. Sie schwören sich, ihre Mitmenschen und vor allem die Kinder vor den fiesen Geschöpfen zu schützen. So kommen Hänsel und Gretel als Kopfgeldjäger des Märchenlandes eines Tages nach Augsburg. Der Bürgermeister der Stadt hat sie angeheuert, nachdem immer mehr Kinder aus der Stadt verschwunden sind. Nach kurzer Zeit finden die bis an die Zähne bewaffneten Hexenjäger heraus, dass hier nicht eine einzelne Hexe am Werk, sondern etwas Größeres im Gange ist.

Mehr möchte ich von der Geschichte gar nicht verraten, die meiner Meinung nach viele sehr lustige Ideen in sich vereint. Es mag alles für sich genommen zwar nicht wahnsinnig innovativ und neu sein – man wird das Gefühl nicht los vieles schon einmal irgendwo gesehen zu haben – aber in der gebotenen Kombination ist es doch sehr unterhaltsam. Ich hatte zugegebenermaßen auch nichts anderes erwartet, als eine humorvolle, blutige Story, präsentiert als rasantes Actionfeuerwerk.

Tommy Wirkola hat mit Hänsel & Gretel: Hexenjäger keinen Film für schwache Nerven geschaffen. Seine Hexen sind fies und hässlich. Sie sind eine Version des absoluten Bösen und dienen als Fantasy-Kanonenfutter, ähnlich wie die Vampire in Filmen wie From Dusk till Dawn oder John Carpenters Vampires. Hänsel und Gretel machen mit einem riesigen Waffenarsenal Jagd auf sie und töten die Hexen auf vielfältigste Arten, die für den Zuschauer auch mithilfe von 3D-Effekten sehr gekonnt in Szene gesetzt werden. Mir als Action- und Horrorfan gefällt das. Bisweilen braucht es nicht mehr als eine gut gemachte Schnetzelei, um mich zu unterhalten. Klingt einfach? Ist aber so.

Die Wahl der Schauspieler ist sehr gut gelungen. Jeremy Renner hat sich bereits mit seiner Rolle als Superschütze Hawkeye in The Avengers (Link zu IMDB) einen Platz in meiner Liste der hoffnungsvollsten Schauspieler verdient. Für mich zählt er zu den Talenten, die es verdient haben, auch in Zukunft mehr Beachtung zu finden. Momentan ist er auf Action abonniert, aber ich bin davon überzeugt, dass er durchaus noch mehr kann. Sein Hänsel ist nicht gerade der hellste Kopf, hat sein Herz aber am rechten Fleck und kann kräftig zuhauen, wenn es vonnöten ist. Die Knabberei am Lebkuchenhaus in Kindertagen ist ihm nicht besonders gut bekommen. Seitdem leidet er an der Zuckerkrankheit. Eine großartige Idee, wie ich finde. Jeremy Renner überzeugt in Hänsel & Gretel: Hexenjäger auch durch schauspielerische Zurückhaltung. Nur dadurch wirken die beiden Geschwister gleichberechtigt. Er könnte den Film sicherlich dominieren, tut es aber nicht. So kommt auch Gemma Arterton als toughe Gretel im Lederoutfit besser zur Geltung. Die Schauspielerin, die mit ihrer bisherigen Filmwahl – ausgenommen vielleicht James Bond 007: Ein Quantum Trost (Link zu IMDB) – kein besonders geschicktes Händchen hatte, mimt ihren Part sehr überzeugend und kann auch in Actionsequenzen mit „Hänsel“ Schritt halten. Von beiden Schauspielern möchte ich in Zukunft gerne noch mehr sehen.

Die vielen, vernichtenden Kritiken zu Hänsel & Gretel: Hexenjäger kann ich nicht nachvollziehen. Dieser Film will nicht bis ins Detail interpretiert werden. Was die FAZ in ihrer Filmkritik schreibt, empfinde ich beispielsweise als wirklich schlechten Scherz. Filme wie diesen oder „From Dusk Till Dawn“ mag man, oder man mag sie nicht, aber politische Botschaften sind garantiert nicht enthalten. Ich denke, es kommt vor allem auf die Erwartungshaltung an, mit der man ins Kino geht. Wer Tiefgang erwartet, ist hier fehl am Platz. Wer Horrorfilme mag und bereit ist, einen augenzwinkernden Ausflug ins düstere Märchenland zu unternehmen, der wird sicher nicht enttäuscht werden.

Ein guter Anhaltspunkt für die Entscheidung, sich Hänsel & Gretel: Hexenjäger anzusehen ist vielleicht auch Abraham Lincoln: Vamire Hunter (Link zu IMDB), den ich übrigens auch als sehr unterhaltsam empfand, nicht mehr und nicht weniger. Wer Herrn Lincoln als axtschwingender Vampirjäger mochte, dem wird auch die Neuinterpretation von „Hänsel und Gretel“ gefallen, die im Vergleich zum wehrhaften US-Präsidenten meiner Meinung nach weniger Längen hat.

Ich jedenfalls habe mich für 90 Minuten gut unterhalten gefühlt und werde mir den Film sicher auch irgendwann noch ein zweites Mal ansehen (mutmaßlich auf DVD), um all die witzigen und durchaus liebevoll herausgearbeiteten Kleinigkeiten zu entdecken, die mir beim ersten Mal entgangen sind. Schade, dass es zu Hänsel & Gretel: Hexenjäger keine Actionfiguren gibt. Die Charaktere würden sich gut als solche machen.

Gerippe, Schein und Sein

Oskar. So hieß das erste, lebensgroße, menschliche Plastikskelett, das ich in der Schule sah. Lange Zeit war dieser Name für mich deshalb gleichbedeutend mit Skeletten. Zumindest so lange, bis ich begann, mich intensiver für Filme zu interessieren und mitbekam, dass es da in der großen weiten Welt, auf der anderen Seite des großen Teichs, kleine, goldene Trophäen gibt, die einmal im Jahr verliehen werden und die den gleichen Namen tragen (bis auf einen läppischen Buchstaben).

Am vergangenen Sonntag war es wieder soweit: Die Oscars wurden verliehen. Ich habe die Preisverleihung nicht live im Fernsehen gesehen, mich aber selbstverständlich, wie es sich für eine anständige Cineastin gehört, im Nachhinein intensiv darüber informiert.

In den Medien kam man in den vergangenen Tagen auch kaum an diesem Thema vorbei. Jeder hatte etwas zu sagen, jeder wollte seine Meinung zu dem großen Event und zu den Preisträgern kundtun, die von der Academy mit einem der kleinen, goldenen Männchen bedacht wurden. Skandale und Skandälchen wurden beschrieben. Gründe für oder gegen Entscheidungen wurden ausgeführt. Eine wahre Bilderflut ergoss sich über alle Kanäle. Natürlich schaute auch ich mir gerne die Bilder von den Stars und Sternchen auf dem roten Teppich an und bewunderte ihre tollen Roben.

Da ich zugegebenermaßen (noch) nicht alle, der nominierten Filme gesehen habe und konnte ich mir auch noch keine abschließende Meinung zur diesjährigen Preisverleihung bilden. Einige Filme werde ich sicher noch nachholen und sie dann wie gewohnt einzeln besprechen.

Filme verdienen Aufmerksamkeit, egal ob sie oscarnominiert sind, oder nicht. Solange sie es schaffen, auf irgendeine Weise mein Interesse zu wecken, bin ich gerne bereit mich mit ihnen zu befassen. Am Ende ist es der persönliche Geschmack, der entscheidet und so darf man nie vergessen, dass auch die Jury der Academy nur aus Menschen besteht, die alle eigene Ansichten haben. Mann kann vieles in die Entscheidungen hineininterpretieren, vielleicht sollte man das aber gar nicht tun. Die Oscar-Verleihung ist vor allem ein Fest, bei dem sich Hollywood und die Filmbranche selbst feiert. Ein verdientes Fest, wie ich finde.

Dolby Theatre, HollywoodLetztes Jahr führte mich meine Hochzeitsreise direkt nach Hollywood. Das Hotel, in dem wir nächtigten, war nur einen Steinwurf vom Walk of Fame entfernt. Gerade weil die Erinnerungen an die Reise noch so frisch sind, haben mich dieses Jahr insbesondere die Bilder von den Vorbereitungen zur Oscar-Verleihung fasziniert. Mir war gar nicht bewusst, dass der rote Teppich mitten auf der Straße aufgebaut wird. Es ist ob seiner Größe logisch, aber vieles begreift man eben erst richtig, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat.

So ging es mir generell mit dem Film an sich als Kunst und Werk. Ich konnte zuvor noch so viel lesen und ansehen, welche Arbeit in einem Film wahrhaftig steckt, konnte ich erst fassen, als ich zum ersten Mal ein Filmstudio besuchte. Schon ein Besuch vor Jahrzehnten in den Bavaria Filmstudios in München bestärkte meine Faszination. Was ich in den großen Studios in Hollywood sah, faszinierte mich noch viel mehr. Auch wenn ich nur das Touristenprogramm absolvierte, bekam ich doch genug Einblick, um Filme noch mehr würdigen zu können.

Die menschliche Arbeit, gute und ehrliche Arbeit, zu großen Teilen Handarbeit, die geleistet werden muss bis Filmkulissen stehen, die Masse an Menschen, die an der Entstehung eines Films beteiligt sind und die vielen Tricks, mit denen gearbeitet wird um das Ergebnis auf der Leinwand zu perfektionieren, das alles vergisst man leicht, wenn man einen Film konsumiert. Das Filmemachen an sich ist nicht wirklich glamourös. Man darf es nicht mit den rauschenden Premierefeiern verwechseln.

Was für eine großartige Leistung die Schauspieler vollbringen, indem sie uns das, was wir im Film sehen, glaubhaft machen, wurde mir in Hollywood erst richtig bewusst. Oft wird über die Marotten und die Selbstdarstellung von Schauspielern gemeckert. Wenn sie einen Film drehen, sind es aber sehr oft nicht sie, die den Ton angeben. In der verbleibenden Zeit zwischen verschiedenen Anstellungen müssen sie sich verkaufen, auf sich aufmerksam machen und vielleicht auch ein bisschen kompensieren, dass sie beim Drehen nur ein Rädchen im großen Getriebe sind. Ich bewundere deshalb die Schauspieler umso mehr, die mit wenigen Marotten oder gar allürenfrei auskommen. So gönne ich beispielsweise Christoph Waltz seinen diesjährigen Oscar sehr.

Gerade weil die Produktion eines Films so umfangreich ist, finde ich es übrigens gut, dass es die „kleineren“ Oscar-Kategorien, wie Make-up, Ton und Szenenbild gibt. Sie erinnern die Zuschauer daran, dass zum Filmemachen mehr gehören, als nur die Stars, die von den Plakaten herabblicken und die Zuschauer ins Kino locken. Ohne all diese Menschen wären Filme wie Gerippe, blasse Gebilde ohne Fleisch und Blut.

Hollywood ist mehr Schein als Sein, das wird einem an geradezu jeder Straßenecke dort bewusst. Die Menschen, die es schaffen, den großen Schein zu wahren und aufrechtzuerhalten, der so viele Zuschauer unterhält haben sich ihr großes Fest einmal im Jahr verdient. Skandale, Skandälchen, Allüren und Politik hin oder her. Ob die ausgezeichneten Filme auch als solche empfunden werden, das muss jeder Zuschauer am Ende für sich selbst entscheiden.

Sterbende Helden leben länger

Fünfundzwanzig Jahre ist es her, seit Bruce Willis das erste Mal in die Rolle des Polizisten John McClane schlüpfte. Die Verkörperung dieser Figur verhalf ihm letztendlich zum Durchbruch als Actionfilm-Star und das völlig zu Recht. Stirb langsam (Die Hard, Link zu IMDB) kam zu einer Zeit auf die Leinwand, als Actionhelden wie Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger ihre großen Erfolge feierten, muskelbepackte und superheldengleiche Männer, die mit großen Knarren alles niedermähten, was ihnen im Weg stand. Kratzer bekamen sie selbst dabei recht selten ab. Der einfache New Yorker Cop John McClane, der zwar auch im Alleingang ein ganzes Hochhaus von Gangstern befreite, blutete, schwitzte und fluchte während seiner Mission ordentlich und unübersehbar, ganz im Gegensatz zu seinen unberührbaren Heldenkollegen. Diese menschlichere, bodenständigere Version des Helden wurde für viele weitere Actionfilme zum Vorbild und fand bis heute in unzähligen Varianten ihren Weg auf die Leinwand.

Fünfundzwanzig Jahre? Ja, fünfundzwanzig Jahre! Wenn es da mal nicht Zeit für einen weiteren Film ist! Das dachten sich wohl auch die Macher von Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (A Good Day to Die Hard), dem mittlerweile fünften Stirb-langsam-Film. Die ersten drei Teile sind bei Actionfilmfans schon lange Kult. Der vierte Film enttäuschte nicht nur mich. Trotzdem freute ich mich sehr auf den neuen Teil der Reihe. Man soll ja grundsätzlich neue Chancen gewähren, weshalb ich auch bei Mr. McClane nicht zu engstirnig sein wollte. Und siehe da, dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht.

Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben ist ein Actionfilm. Punkt. Der Anspruch des Films wurde schon in den Trailern klar: Bruce Willis lässt es noch einmal krachen! Die Story, die um die Actionszenen gestrickt wurde, ist zugegebenermaßen recht verworren und keine drehbuchschreiberische Glanzleistung.
John McClane erfährt von einem Kollegen bei der New Yorker Polizei, dass sein Sohn, John „Jack“ McClane, Jr., in Russland im Gefängnis sitzt und verurteilt werden soll. Kurzentschlossen macht er sich auf den Weg nach Moskau um dort nach dem Rechten zu sehen und um herauszufinden, was sein Sohn da eigentlich treibt. Dass der, wie von John fälschlicherweise angenommen, kein Drogedealer ist, stellt der besorgte Vater recht schnell fest und wird ein weiteres Mal mehr oder weniger freiwillig in eine explosive Verbrecherjagd verwickelt.

Wer zu viele Gedanken an die Story verschwendet, wird mit ziemlicher Sicherheit enttäuscht. Zu groß sind die logischen Lücken. Ich bin in diesem Fall aber durchaus bereit, über die Story hinwegzusehen, denn die Actionszenen stimmten und Bruce lässt es in der Tat wieder ordentlich krachen. Eine lange aber sehr gut inszenierte Autoverfolgungsjagd und eine Menge Schießereien lassen die Grundstory in den Hintergrund verschwinden. Hinzu kommt, dass man mit dem Charakter „John McClane“ und seinen bisherigen Abenteuern schwungvoll und selbstironisch umgeht. Mir gefällt dieser Ansatz sehr gut. Eine bierernste Inszenierung wäre hier absolut fehl am Platz.

So ballern sich Vater und Sohn munter durch Moskau und Umgebung, bis Bruce am Ende wieder blutüberströmt sein übliches weißes Unterhemd trägt. Und selbstverständlich darf auch der Stirb-langsam-Standardspruch „Yippie-ya-yay, Schweinebacke!“ (im Original: „Yippee-ki-yay, motherfucker!“) nicht fehlen. In seinen fünfundzwanzig Jahren als Held ist John McClane zwar letztendlich zu einem ähnlich unbesiegbaren Helden mutiert, wie seine Kollegen aus den Achtzigern, allerdings hat er sich das meiner Meinung nach auch verdient. So viele Abenteuer, wie er schon bestritten hat, da musste er ja einiges hinzulernen und etwas von seiner Bodenständigkeit verlieren. Immerhin wirkt er in Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben wieder emotionaler und verletzbarer als im vierten Teil Stirb langsam 4.0 (Live Free or Die Hard, Link zu IMDB). Ich liebe Action und sehe gerne auch überzogene, unwahrscheinliche Szenen, aber im vierten Teil wurde mir John McClane dann doch zu übermächtig und superman-gleich dargestellt. Ich denke da mit Schaudern an die Szene mit dem Kampfjet. Viele Szenen im neuen Teil sind zwar auch übertrieben, aber wie bei James Bond gilt für mich auch bei John McClane: Wenn ich es mit viel gutem Willen irgendwie halbwegs noch als „realitätsnah“ einstufen kann, ist es in Ordnung. Insofern kehrt Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben zumindest ein winzig kleines bisschen zu den Wurzeln der Filmserie zurück.

Der gesamte Film ist auf Bruce Willis zugeschnitten. Jai Courtney wirkt da als Jack McClane zwangsläufig etwas blass, ist aber meiner Meinung nach auch keine absolute Fehlbesetzung.

Positiv aufgefallen ist mir das Bildformat. Im Gegensatz zu dem immer häufiger verwendeten 2,35:1-Format wird Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben im Format 1,85:1 gezeigt, was – kombiniert mit den durchaus epischen Explosionen und Feuergefechten – doch einen Hauch retro wirkte. Schließlich wird die Kinoleinwand von den meisten Filmen heutzutage in ihrer vollen Breite ausgenutzt, besonders wenn viel Action zu sehen ist.

Auf ganzer Linie überzeugen, konnte mich der Film am Ende aber leider doch nicht. Zu schlampig waren vielfach die Kulissen. So wurde Prypjat nur sehr schlecht nachgebaut. Der geneigte Zuschauer hat die Geisterstadt vor dem Kernkraftwerk Tschernobyl inzwischen schon in TV-Dokumentationen oder Videospielen (S.T.A.L.K.E.R., Link zu Wikipedia) zur Genüge gesehen und weiß markante Punkte zu erinnern. Man deutete im Film zwar einen Kinderspielplatz an, der jedoch nur ein schlechter Ersatz für den berühmten Rummelplatz ist. Auch die Maske hat an einigen Stellen kläglich versagt. Hatte Jack McClane im einen Augenblick noch eine sehr gut geschminkte Verletzung an der Lippe, war diese Sekunden später in einer anderen Einstellung nur noch ein Strich Kunstblut. Für einen Film mit einem so hohen Budget, wie es für Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben sicherlich zur Verfügung stand, sind solche Fehler in meinen Augen inakzeptabel. Auch wenn die Action nicht immer realistisch ist, so müssen die Details trotzdem stimmen. Sonst geht leider einiges an Atmosphäre verloren. In diesem Fall ist das in meinen Augen einfach unnötig und wirklich schade.

Für mich ist Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben ein guter Actionfilm mit einigen Schönheitsfehlern. Er ist wesentlich besser as der vorangegangene vierte Teil und damit auf keinen Fall der schlechteste Teil der Reihe. Ja, John McClane ist mehr Superheld, als früher, allerdings steht der Figur das inzwischen auch nicht schlecht zu Gesicht – immerhin ist er eine Kultfigur. Leidende Helden gibt es heutzutage genug. Nach so vielen Jahren sehe ich gerne wieder schießende Muskelmänner, vor allem, wenn es die aus alten Zeiten sind. Deshalb gefielen mir auch die beiden The Expendables-Filme so gut.

Bruce Willis hat bereits angekündigt, dass er für einen weiteren Stirb-langsam-Teil zur Verfügung steht. Von mir aus gerne. Ich werde ihn mir sicher wieder im Kino ansehen. Aber ich hoffe sehr, dass das nächste Mal bei Kulissen und Maske wieder sorgfältiger gearbeitet wird.

Fans von Actionfilmen, Explosionen, markigen Sprüchen und Bruce Willis sollten sich Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben auf der großen Leinwand nicht entgehen lassen. Dieser Film weiß dank guten Actionszenen und einem gut aufgelegten Buce Willis zu unterhalten. Was Parker falsch macht, macht dieser Film richtig. Hier kommt keine Langeweile auf.

Kaugummi-Action

Bevor am Valentinstag Bruce Willis endlich wieder langsam stirbt, macht gerade ein anderer Actionheld das Kino unsicher: Jason Statham, den ich wegen seines extrem durchtrainierten Körpers auch gerne als die „lebende Actionfigur“ bezeichne. Filme mit ihm sehe ich mir in der Regel gerne an. Er ist der personifizierte Actionheld, noch nicht so alt, wie die klassischen Helden (Stallone, Arnie & Co.) und er kann eine Menge nette Kampfkunst-Tricks.

Eigentlich hätte ich mir diese Woche zwar gerne Dustin Hoffmans Regiedebüt Quartett (Quartet, Link zu IMDB) angesehen. Dieser Film wurde wegen dem momentan vorherrschenden Überangebot an großen Filmen aber leider ins Nachmittagsprogramm verlegt, was nicht in die wochenendliche Planung passte. Quartett kann ich mir dann in ein paar Monaten auf DVD anschauen. Sehen will ich ihn unbedingt.

Die Wahl des Kinofilms für diese Woche fiel dann eben doch wieder auf einen Actionfilm. Jason Statham auf dem Plakat versprach einen unterhaltsamen Abend und auch der Trailer, den ich zu Parker gesehen hatte, war gut gemacht. Große Innovationen habe ich nicht erwartet, Hauptsache Action. Zur Hirnentspannung reicht das allemal.

Parker handelt von dem gleichnamigen Hauptcharakter, einem Dieb, der nach dem Grundsatz handelt, nur diejenigen zu bestehlen, denen es nichts ausmacht, weil sie ohnehin genug Geld haben und bei den Raubzügen niemanden zu töten. Bei einem Job wird er allerdings von seinen Kollegen aufs Kreuz gelegt und sie versuchen ihn obendrein auch noch zu töten. Der Versuch misslingt und so zieht Parker los, um sich an den Verrätern zu rächen.

Die Geschichte klingt bekannt? Das ist kein Wunder, denn schon Point Blank und Payback behandelten das gleiche Thema, die gleiche Story: Das Buch The Hunter von Donald E. Westlake. Das Buch habe ich nicht gelesen und kann mir deshalb kein Urteil bilden, welcher der drei Filme den Stoff am originalgetreusten abbildet oder dem Thema am gerechtesten wird. Nachdem ich Parker gesehen habe, kann ich aber sagen, dass dieser Film dem spannenden Thema nicht gerecht wird. (Links in diesem Absatz zu IMDB und Wikipedia)

Payback ist düster und brutal und kann durch eine mit Farbfiltern erzeugte kalte Optik überzeugen. Parker dagegen ist bunt und wirkt stellenweise regelrecht schrill. Nichts will so richtig zusammenpassen. Die Action ist hart und blutig, aber sie kommt viel zu kurz. Jason Statham zeigt sein Actionheldenkönnen zwar an einigen Stellen, aber die gehen unter im Vergleich zu den monströsen und verworrenen Erzählsträngen, die man dem Zuschauer gleichzeitig präsentieren möchte. Keiner der Darsteller liefert hier eine Glanzleistung ab, weder Jason Statham, noch Michael Chiklis, NiIck Nolte oder Jennifer Lopez. La Lopez spielt ihren Part zwar recht humorig, ihre Kinokarriere hatte ihren Höhepunkt meiner Meinung nach bisher aber mit Out of Sight (Link zu IMDB). Der Rest der Darsteller ist schlichtweg unterfordert.

Erwartet hatte ich nur solide Action, die zu unterhalten weiß. Leider wurden aber nicht einmal meine zurückgeschraubten Minimalerwartungen erfüllt. Schade eigentlich. Aus dem Thema hätte man definitiv mehr machen können. Taylor Hackford hat mit Im Auftrag des Teufels (The Devil’s Advocate, Link zu IMDB) einen meiner filmischen All-Time-Favorites geschaffen. Bei Parker hat er leider versagt. Der Film zog sich und ich empfand ihn schlichtweg als langweilig und einfallslos.

Jason Statham kann von mir aus gerne weiter Filme machen. Ich werde sie mir auch ansehen (Actionfiguern FTW!). Allerdings sollte er sich wieder Filmen zuwenden, bei denen es richtig zur Sache geht und die sich nicht ziehen, wie Kaugummi. Es muss nicht immer innovativ sein, aber wenn Langeweile aufkommt, ist doch irgendetwas schiefgelaufen.

Lieber Bruce Willis,
ich zähle auf dich! Nächste Woche geht es rund und für dich werde ich meine Erwartungen nicht herunterschrauben – ganz im Gegenteil. Es ist an dir, mir zu zeigen, dass es noch Actionhelden im weißen Unterhemd gibt, die richtig zuschlagen und ordentlich Zerstörung anrichten können. Wir sehen uns!
Erwartungsvolle Grüße
tigermaus8

Abstürze

Nachdem in den letzten Wochen sehr viel Action im Kino geboten wurde, befand ich, dass es mal wieder an der Zeit sei, sich einem anderen Filmgenre zu widmen. Zwei Oscar-Nominierungen und viele gute Kritiken lenkten mein Augenmerk auf Flight, den neuen Film von Robert Zemeckis. Zur Abwechslung gab es im Kino diese Woche also ein Drama, bevor es spätestens zum Valentinstag auf der Leinwand wieder explosiv zugeht.

Flight handelt von dem Piloten William „Whip“ Whitaker, einem schweren Alkoholiker, der trotz seiner Sucht in den Pilotensitz steigt, um hunderte ihm anvertraute Passagiere zu transportieren. Auf einem seiner Flüge geschieht ein schreckliches Unglück: Die Technik versagt und das Flugzeug droht unkontrolliert abzustürzen. Whip schafft es jedoch, die Maschine in einem spektakulären Manöver notzulanden. Er rettet dadurch vielen Menschen, inklusive sich selbst, das Leben. Von 102 Passagieren sterben „nur“ 6. Der Rest überlebt den Absturz mehr oder weniger schwer verletzt. Im Nachgang muss der Vorfall natürlich gründlich Untersucht werden. Eine Anhörung der Flugsicherheitsbehörde steht an. Da es eindeutig technische Probleme waren, die zum Absturz geführt haben, entscheiden sich die Pilotengewerkschaft und die Airline dazu, Whitaker zu unterstützen. Der Flugzeughersteller soll als einzige Partei für die Tragödie bezahlen. Der Pilot bekommt einen Anwalt zur Seite gestellt, der den toxikologischen Befund anfechten und Whitaker entsprechend auf die Befragung vorbereiten soll. Bis zur Anhörung kämpft Whitaker an verschiedenen Fronten, um das Geschehene zu verarbeiten, einschließlich eines Kampfes gegen sich selbst und gegen sein immer wiederkehrendes, unstillbares Verlangen nach Alkohol.

Flight ist im Wesentlichen eine One-Man-Show von Denzel Washington, der den äußerlich und innerlich gebeutelten Flugkapitän sehr eindringlich und mit viel Fingerspitzengefühl spielt. Die innere Zerrissenheit, der Kampf gegen die Sucht, die Hässlichkeit der Niederlage – Washington schafft es jede Nuance einzufangen. Die Oscar-Nominierung hat er meiner Meinung nach zu Recht erhalten, auch wenn ich nicht sagen kann, ob er die Trophäe im Vergleich zu den restlichen Nominierten bekommen sollte. Die anderen Hauptdarsteller  (z.B. Daniel Day-Lewis als Lincoln) habe ich in ihren aktuellen Werken zugegebenermaßen noch nicht gesehen.

Die restlichen Rollen sind zwar gut besetzt, leider verblassen sie aber alle hinter dem übermächtigen Denzel Washington, obwohl es sicher interessant gewesen wäre auch die anderen Charaktere noch etwas genauer zu beleuchten. So bleiben viele Details über den Vertreter der Pilotengewerkschaft, Charlie Anderson (Bruce Greenwood), der offenbar schon länger über Whips Sucht Bescheid weiß, den ehrgeizigen Anwalt Hugh Lang (Don Cheadle) und den fröhlichen Drogendealer Harling Mays (John Goodman), im Dunkeln. Auch die Figur der drogenabhängigen Nicole (Kelly Reilly), in die sich Whip im Verlauf der Story verliebt, wird nur sehr oberflächlich angekratzt.

Robert Zemeckis schickt den Zuschauer in Flight auf eine verstörende Gefühlsreise, Wechselbäder inklusive. Er konzentriert sich voll auf die Darstellung des Hauptcharakters und zeigt diesen gnadenlos mit allen Höhen und insbesondere auch mit allen Tiefen. Es ist der moralische Konflikt, in den man während des Films in Gedanken immer wieder kommt, der dieses Werk sehenswert macht. Es sind diese Momente, in denen man bereit ist, auf die Frage „War der Pilot wirklich in der Lage, das Flugzeug zu fliegen?“ sofort mit „Ja!“ zu antworten, obwohl man weiß, dass dieser Alkohol und Drogen im Blut hatte. „Schließlich brauchen Alkoholiker einen gewissen Alkoholpegel, um „normal“ denken und handeln zu können“, versucht man sich innerlich herauszureden. Es sind die Momente in denen man für den gleichen Mann nur noch Abscheu empfindet, wenn er seiner Sucht nachgibt und beim Autofahren an einer Sportflasche gefüllt mit Alkohol nuckelt. Und es ist der Umgang mit der Frage „Wie weit soll man gehen, um diesen Menschen, der trotz allem eine Heldentat vollbracht hat, bei der Anhörung zu decken?“, der gerade das letzte Drittel des Films in meinen Augen zum besten Teil des Films macht. Im Großen und Ganzen erzählt der Film zwar nichts, was man über das Thema Alkoholsucht nicht schon wüsste, allerdings angereichert vielen kleinen Details, die die Botschaft sehr intensiv vermitteln.

Das alles konnte mich jedoch nicht über die relativ großen Logiklücken hinwegtrösten, an denen der Film in meinen Augen krankt. Der Flugzeugabsturz ist filmtechnisch sehr gut und auch spannend inszeniert. Ob es allerdings möglich ist, ein so großes Flugzeug in Rückenlage und anschließend wieder zurück in einen Gleitflug zu bringen, ohne dass es bei dem Versuch es zu drehen schon auseinanderbricht, wage ich stark zu bezweifeln. Außerdem müssen sich Piloten regelmäßigen Gesundheitschecks unterziehen, bei denen eine solch starke Form der Alkoholsucht, wie sie bei Captain Whitaker vorliegen muss, kaum zu vertuschen wäre, zumal er auch Drogen nimmt, die länger nachweisbar sind, als Alkohol. Ferner glaube ich nicht, dass ein Mitglied der Pilotengewerkschaft einfach schweigt, wenn es sich bewusst ist, dass ein alkoholkranker Pilot regelmäßig Passagiere befördert. Ein Alkoholiker, der jahrelang und regelmäßig so viel trinkt, wie Whip es offenbar tut, würde auch nicht mehr so gut aussehen, wie Denzel Washington im Film. Der Alkohol hätte die Gesichtszüge sicher schon mehr aufgeschwemmt. Flight beinhaltet einige Dinge, über die man großzügig hinwegzudenken in der Lage sein muss, um den Film als herausragend zu bezeichnen. Für mich verliert er dadurch leider massiv an Glaubwürdigkeit.

Dass in Flight die moralische Keule geschwungen wird, war mir von vornherein klar. Das ist bei dem Thema, dem sich der Film annimmt auch völlig in Ordnung. Bis zu einem gewissen Grad muss das auch so sein. Was mich jedoch sehr stört ist die Tatsache, dass Whip als Weg aus den Problemen und als Erklärung der Geschehnisse gleich mehrfach und von verschiedenen Stellen „Gott“ angeboten wird. Der Pilot lehnt zwar immer dankend ab und möglicherweise will der Regisseur damit auch zeigen, wie nervig spirituelle Moralpredigten sein können, ich finde es aber in der heutigen multikulturellen und multireligiösen Zeit zu einfach, sich auf eine solche Botschaft zu konzentrieren. Außerdem wäre es geschickter gewesen, dem Zuschauer die Interpretation des „Warum?“ selbst zu überlassen, so wie auch der Hauptcharakter seinen eigenen Weg finden muss. Es gibt Filme aus verschiedenen Genres, die ohne Benennung des Spirituellen auskommen und alle Interpretationsmöglichkeiten offen lassen. Flight gehört leider nicht dazu.

Trotz all dieser Kritikpunkte halte ich Flight für einen mutigen und was das Thema Alkoholismus anbelangt gelungenen Film. In einer Zeit, in der der Konsum von Alkohol immer noch häufig zum guten Ton gehört, ist es löblich, dass ein Film bereit ist, alle Facetten einer Alkoholkrankheit schonungslos offenzulegen. Mir sind im Leben bereits einige Menschen begegnet, die mehr oder weniger große Probleme mit Alkohol hatten. Alkoholsucht ist eine schleichende Sucht, von der es mehrere Formen gibt. Schnell kann es sein, dass jemand ohne das erste Glas Wein am Abend unruhig wird. Deshalb ist es durchaus wichtig und richtig, das Ganze zu thematisieren.

Zu oft werden Alkoholabstürze als „coole Sache“ für Erzählungen verwendet. Filme wie „Hangover“ tun ihr übriges, um Filmrisse als etwas Lustiges und beinahe schon Erstrebenswertes zu verkaufen. Man mag mich als spießig bezeichnen, aber meine Stirn wirft sich auch jedes Mal in nachdenkliche Falten, wenn mir Taio Cruz im Radio fröhlich entgegenkräht, dass er einen Kater (Hangover) hat und man ihm gefälligst noch etwas in den leeren Becher einschenken solle, damit er weiter Party machen kann. Häufen sich Hangovers, sind sie gefährlich und können leicht zur Sucht oder gleich zum Tod führen.

Fatal wäre natürlich ebenfalls, Alkohol komplett zu verteufeln. Der richtige Umgang damit zählt. Auch ich trinke sehr gerne einen guten Wein zum Essen. Man sollte meiner Meinung nach den Alkoholrausch einfach weniger glorifizieren. Dass Alkoholkrankheit letzten Endes zum totalen Absturz führt, verdeutlich Flight jedenfalls in mehrerlei Hinsicht.

Abschließend würde ich Flight als durchaus sehenswerten Film bezeichnen, der mit einem großartig spielenden Denzel Washington ein Thema behandelt, über das in unserer Gesellschaft noch zu oft geschwiegen wird, obwohl es den meisten Menschen bekannt ist. Wenn man über die eklatanten Logiklücken hinwegsieht, verlässt man den Kinosaal doch mit einigem Material zum Nachdenken.