Gerippe, Schein und Sein

Oskar. So hieß das erste, lebensgroße, menschliche Plastikskelett, das ich in der Schule sah. Lange Zeit war dieser Name für mich deshalb gleichbedeutend mit Skeletten. Zumindest so lange, bis ich begann, mich intensiver für Filme zu interessieren und mitbekam, dass es da in der großen weiten Welt, auf der anderen Seite des großen Teichs, kleine, goldene Trophäen gibt, die einmal im Jahr verliehen werden und die den gleichen Namen tragen (bis auf einen läppischen Buchstaben).

Am vergangenen Sonntag war es wieder soweit: Die Oscars wurden verliehen. Ich habe die Preisverleihung nicht live im Fernsehen gesehen, mich aber selbstverständlich, wie es sich für eine anständige Cineastin gehört, im Nachhinein intensiv darüber informiert.

In den Medien kam man in den vergangenen Tagen auch kaum an diesem Thema vorbei. Jeder hatte etwas zu sagen, jeder wollte seine Meinung zu dem großen Event und zu den Preisträgern kundtun, die von der Academy mit einem der kleinen, goldenen Männchen bedacht wurden. Skandale und Skandälchen wurden beschrieben. Gründe für oder gegen Entscheidungen wurden ausgeführt. Eine wahre Bilderflut ergoss sich über alle Kanäle. Natürlich schaute auch ich mir gerne die Bilder von den Stars und Sternchen auf dem roten Teppich an und bewunderte ihre tollen Roben.

Da ich zugegebenermaßen (noch) nicht alle, der nominierten Filme gesehen habe und konnte ich mir auch noch keine abschließende Meinung zur diesjährigen Preisverleihung bilden. Einige Filme werde ich sicher noch nachholen und sie dann wie gewohnt einzeln besprechen.

Filme verdienen Aufmerksamkeit, egal ob sie oscarnominiert sind, oder nicht. Solange sie es schaffen, auf irgendeine Weise mein Interesse zu wecken, bin ich gerne bereit mich mit ihnen zu befassen. Am Ende ist es der persönliche Geschmack, der entscheidet und so darf man nie vergessen, dass auch die Jury der Academy nur aus Menschen besteht, die alle eigene Ansichten haben. Mann kann vieles in die Entscheidungen hineininterpretieren, vielleicht sollte man das aber gar nicht tun. Die Oscar-Verleihung ist vor allem ein Fest, bei dem sich Hollywood und die Filmbranche selbst feiert. Ein verdientes Fest, wie ich finde.

Dolby Theatre, HollywoodLetztes Jahr führte mich meine Hochzeitsreise direkt nach Hollywood. Das Hotel, in dem wir nächtigten, war nur einen Steinwurf vom Walk of Fame entfernt. Gerade weil die Erinnerungen an die Reise noch so frisch sind, haben mich dieses Jahr insbesondere die Bilder von den Vorbereitungen zur Oscar-Verleihung fasziniert. Mir war gar nicht bewusst, dass der rote Teppich mitten auf der Straße aufgebaut wird. Es ist ob seiner Größe logisch, aber vieles begreift man eben erst richtig, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat.

So ging es mir generell mit dem Film an sich als Kunst und Werk. Ich konnte zuvor noch so viel lesen und ansehen, welche Arbeit in einem Film wahrhaftig steckt, konnte ich erst fassen, als ich zum ersten Mal ein Filmstudio besuchte. Schon ein Besuch vor Jahrzehnten in den Bavaria Filmstudios in München bestärkte meine Faszination. Was ich in den großen Studios in Hollywood sah, faszinierte mich noch viel mehr. Auch wenn ich nur das Touristenprogramm absolvierte, bekam ich doch genug Einblick, um Filme noch mehr würdigen zu können.

Die menschliche Arbeit, gute und ehrliche Arbeit, zu großen Teilen Handarbeit, die geleistet werden muss bis Filmkulissen stehen, die Masse an Menschen, die an der Entstehung eines Films beteiligt sind und die vielen Tricks, mit denen gearbeitet wird um das Ergebnis auf der Leinwand zu perfektionieren, das alles vergisst man leicht, wenn man einen Film konsumiert. Das Filmemachen an sich ist nicht wirklich glamourös. Man darf es nicht mit den rauschenden Premierefeiern verwechseln.

Was für eine großartige Leistung die Schauspieler vollbringen, indem sie uns das, was wir im Film sehen, glaubhaft machen, wurde mir in Hollywood erst richtig bewusst. Oft wird über die Marotten und die Selbstdarstellung von Schauspielern gemeckert. Wenn sie einen Film drehen, sind es aber sehr oft nicht sie, die den Ton angeben. In der verbleibenden Zeit zwischen verschiedenen Anstellungen müssen sie sich verkaufen, auf sich aufmerksam machen und vielleicht auch ein bisschen kompensieren, dass sie beim Drehen nur ein Rädchen im großen Getriebe sind. Ich bewundere deshalb die Schauspieler umso mehr, die mit wenigen Marotten oder gar allürenfrei auskommen. So gönne ich beispielsweise Christoph Waltz seinen diesjährigen Oscar sehr.

Gerade weil die Produktion eines Films so umfangreich ist, finde ich es übrigens gut, dass es die „kleineren“ Oscar-Kategorien, wie Make-up, Ton und Szenenbild gibt. Sie erinnern die Zuschauer daran, dass zum Filmemachen mehr gehören, als nur die Stars, die von den Plakaten herabblicken und die Zuschauer ins Kino locken. Ohne all diese Menschen wären Filme wie Gerippe, blasse Gebilde ohne Fleisch und Blut.

Hollywood ist mehr Schein als Sein, das wird einem an geradezu jeder Straßenecke dort bewusst. Die Menschen, die es schaffen, den großen Schein zu wahren und aufrechtzuerhalten, der so viele Zuschauer unterhält haben sich ihr großes Fest einmal im Jahr verdient. Skandale, Skandälchen, Allüren und Politik hin oder her. Ob die ausgezeichneten Filme auch als solche empfunden werden, das muss jeder Zuschauer am Ende für sich selbst entscheiden.

Sterbende Helden leben länger

Fünfundzwanzig Jahre ist es her, seit Bruce Willis das erste Mal in die Rolle des Polizisten John McClane schlüpfte. Die Verkörperung dieser Figur verhalf ihm letztendlich zum Durchbruch als Actionfilm-Star und das völlig zu Recht. Stirb langsam (Die Hard, Link zu IMDB) kam zu einer Zeit auf die Leinwand, als Actionhelden wie Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger ihre großen Erfolge feierten, muskelbepackte und superheldengleiche Männer, die mit großen Knarren alles niedermähten, was ihnen im Weg stand. Kratzer bekamen sie selbst dabei recht selten ab. Der einfache New Yorker Cop John McClane, der zwar auch im Alleingang ein ganzes Hochhaus von Gangstern befreite, blutete, schwitzte und fluchte während seiner Mission ordentlich und unübersehbar, ganz im Gegensatz zu seinen unberührbaren Heldenkollegen. Diese menschlichere, bodenständigere Version des Helden wurde für viele weitere Actionfilme zum Vorbild und fand bis heute in unzähligen Varianten ihren Weg auf die Leinwand.

Fünfundzwanzig Jahre? Ja, fünfundzwanzig Jahre! Wenn es da mal nicht Zeit für einen weiteren Film ist! Das dachten sich wohl auch die Macher von Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (A Good Day to Die Hard), dem mittlerweile fünften Stirb-langsam-Film. Die ersten drei Teile sind bei Actionfilmfans schon lange Kult. Der vierte Film enttäuschte nicht nur mich. Trotzdem freute ich mich sehr auf den neuen Teil der Reihe. Man soll ja grundsätzlich neue Chancen gewähren, weshalb ich auch bei Mr. McClane nicht zu engstirnig sein wollte. Und siehe da, dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht.

Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben ist ein Actionfilm. Punkt. Der Anspruch des Films wurde schon in den Trailern klar: Bruce Willis lässt es noch einmal krachen! Die Story, die um die Actionszenen gestrickt wurde, ist zugegebenermaßen recht verworren und keine drehbuchschreiberische Glanzleistung.
John McClane erfährt von einem Kollegen bei der New Yorker Polizei, dass sein Sohn, John „Jack“ McClane, Jr., in Russland im Gefängnis sitzt und verurteilt werden soll. Kurzentschlossen macht er sich auf den Weg nach Moskau um dort nach dem Rechten zu sehen und um herauszufinden, was sein Sohn da eigentlich treibt. Dass der, wie von John fälschlicherweise angenommen, kein Drogedealer ist, stellt der besorgte Vater recht schnell fest und wird ein weiteres Mal mehr oder weniger freiwillig in eine explosive Verbrecherjagd verwickelt.

Wer zu viele Gedanken an die Story verschwendet, wird mit ziemlicher Sicherheit enttäuscht. Zu groß sind die logischen Lücken. Ich bin in diesem Fall aber durchaus bereit, über die Story hinwegzusehen, denn die Actionszenen stimmten und Bruce lässt es in der Tat wieder ordentlich krachen. Eine lange aber sehr gut inszenierte Autoverfolgungsjagd und eine Menge Schießereien lassen die Grundstory in den Hintergrund verschwinden. Hinzu kommt, dass man mit dem Charakter „John McClane“ und seinen bisherigen Abenteuern schwungvoll und selbstironisch umgeht. Mir gefällt dieser Ansatz sehr gut. Eine bierernste Inszenierung wäre hier absolut fehl am Platz.

So ballern sich Vater und Sohn munter durch Moskau und Umgebung, bis Bruce am Ende wieder blutüberströmt sein übliches weißes Unterhemd trägt. Und selbstverständlich darf auch der Stirb-langsam-Standardspruch „Yippie-ya-yay, Schweinebacke!“ (im Original: „Yippee-ki-yay, motherfucker!“) nicht fehlen. In seinen fünfundzwanzig Jahren als Held ist John McClane zwar letztendlich zu einem ähnlich unbesiegbaren Helden mutiert, wie seine Kollegen aus den Achtzigern, allerdings hat er sich das meiner Meinung nach auch verdient. So viele Abenteuer, wie er schon bestritten hat, da musste er ja einiges hinzulernen und etwas von seiner Bodenständigkeit verlieren. Immerhin wirkt er in Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben wieder emotionaler und verletzbarer als im vierten Teil Stirb langsam 4.0 (Live Free or Die Hard, Link zu IMDB). Ich liebe Action und sehe gerne auch überzogene, unwahrscheinliche Szenen, aber im vierten Teil wurde mir John McClane dann doch zu übermächtig und superman-gleich dargestellt. Ich denke da mit Schaudern an die Szene mit dem Kampfjet. Viele Szenen im neuen Teil sind zwar auch übertrieben, aber wie bei James Bond gilt für mich auch bei John McClane: Wenn ich es mit viel gutem Willen irgendwie halbwegs noch als „realitätsnah“ einstufen kann, ist es in Ordnung. Insofern kehrt Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben zumindest ein winzig kleines bisschen zu den Wurzeln der Filmserie zurück.

Der gesamte Film ist auf Bruce Willis zugeschnitten. Jai Courtney wirkt da als Jack McClane zwangsläufig etwas blass, ist aber meiner Meinung nach auch keine absolute Fehlbesetzung.

Positiv aufgefallen ist mir das Bildformat. Im Gegensatz zu dem immer häufiger verwendeten 2,35:1-Format wird Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben im Format 1,85:1 gezeigt, was – kombiniert mit den durchaus epischen Explosionen und Feuergefechten – doch einen Hauch retro wirkte. Schließlich wird die Kinoleinwand von den meisten Filmen heutzutage in ihrer vollen Breite ausgenutzt, besonders wenn viel Action zu sehen ist.

Auf ganzer Linie überzeugen, konnte mich der Film am Ende aber leider doch nicht. Zu schlampig waren vielfach die Kulissen. So wurde Prypjat nur sehr schlecht nachgebaut. Der geneigte Zuschauer hat die Geisterstadt vor dem Kernkraftwerk Tschernobyl inzwischen schon in TV-Dokumentationen oder Videospielen (S.T.A.L.K.E.R., Link zu Wikipedia) zur Genüge gesehen und weiß markante Punkte zu erinnern. Man deutete im Film zwar einen Kinderspielplatz an, der jedoch nur ein schlechter Ersatz für den berühmten Rummelplatz ist. Auch die Maske hat an einigen Stellen kläglich versagt. Hatte Jack McClane im einen Augenblick noch eine sehr gut geschminkte Verletzung an der Lippe, war diese Sekunden später in einer anderen Einstellung nur noch ein Strich Kunstblut. Für einen Film mit einem so hohen Budget, wie es für Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben sicherlich zur Verfügung stand, sind solche Fehler in meinen Augen inakzeptabel. Auch wenn die Action nicht immer realistisch ist, so müssen die Details trotzdem stimmen. Sonst geht leider einiges an Atmosphäre verloren. In diesem Fall ist das in meinen Augen einfach unnötig und wirklich schade.

Für mich ist Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben ein guter Actionfilm mit einigen Schönheitsfehlern. Er ist wesentlich besser as der vorangegangene vierte Teil und damit auf keinen Fall der schlechteste Teil der Reihe. Ja, John McClane ist mehr Superheld, als früher, allerdings steht der Figur das inzwischen auch nicht schlecht zu Gesicht – immerhin ist er eine Kultfigur. Leidende Helden gibt es heutzutage genug. Nach so vielen Jahren sehe ich gerne wieder schießende Muskelmänner, vor allem, wenn es die aus alten Zeiten sind. Deshalb gefielen mir auch die beiden The Expendables-Filme so gut.

Bruce Willis hat bereits angekündigt, dass er für einen weiteren Stirb-langsam-Teil zur Verfügung steht. Von mir aus gerne. Ich werde ihn mir sicher wieder im Kino ansehen. Aber ich hoffe sehr, dass das nächste Mal bei Kulissen und Maske wieder sorgfältiger gearbeitet wird.

Fans von Actionfilmen, Explosionen, markigen Sprüchen und Bruce Willis sollten sich Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben auf der großen Leinwand nicht entgehen lassen. Dieser Film weiß dank guten Actionszenen und einem gut aufgelegten Buce Willis zu unterhalten. Was Parker falsch macht, macht dieser Film richtig. Hier kommt keine Langeweile auf.

Kaugummi-Action

Bevor am Valentinstag Bruce Willis endlich wieder langsam stirbt, macht gerade ein anderer Actionheld das Kino unsicher: Jason Statham, den ich wegen seines extrem durchtrainierten Körpers auch gerne als die „lebende Actionfigur“ bezeichne. Filme mit ihm sehe ich mir in der Regel gerne an. Er ist der personifizierte Actionheld, noch nicht so alt, wie die klassischen Helden (Stallone, Arnie & Co.) und er kann eine Menge nette Kampfkunst-Tricks.

Eigentlich hätte ich mir diese Woche zwar gerne Dustin Hoffmans Regiedebüt Quartett (Quartet, Link zu IMDB) angesehen. Dieser Film wurde wegen dem momentan vorherrschenden Überangebot an großen Filmen aber leider ins Nachmittagsprogramm verlegt, was nicht in die wochenendliche Planung passte. Quartett kann ich mir dann in ein paar Monaten auf DVD anschauen. Sehen will ich ihn unbedingt.

Die Wahl des Kinofilms für diese Woche fiel dann eben doch wieder auf einen Actionfilm. Jason Statham auf dem Plakat versprach einen unterhaltsamen Abend und auch der Trailer, den ich zu Parker gesehen hatte, war gut gemacht. Große Innovationen habe ich nicht erwartet, Hauptsache Action. Zur Hirnentspannung reicht das allemal.

Parker handelt von dem gleichnamigen Hauptcharakter, einem Dieb, der nach dem Grundsatz handelt, nur diejenigen zu bestehlen, denen es nichts ausmacht, weil sie ohnehin genug Geld haben und bei den Raubzügen niemanden zu töten. Bei einem Job wird er allerdings von seinen Kollegen aufs Kreuz gelegt und sie versuchen ihn obendrein auch noch zu töten. Der Versuch misslingt und so zieht Parker los, um sich an den Verrätern zu rächen.

Die Geschichte klingt bekannt? Das ist kein Wunder, denn schon Point Blank und Payback behandelten das gleiche Thema, die gleiche Story: Das Buch The Hunter von Donald E. Westlake. Das Buch habe ich nicht gelesen und kann mir deshalb kein Urteil bilden, welcher der drei Filme den Stoff am originalgetreusten abbildet oder dem Thema am gerechtesten wird. Nachdem ich Parker gesehen habe, kann ich aber sagen, dass dieser Film dem spannenden Thema nicht gerecht wird. (Links in diesem Absatz zu IMDB und Wikipedia)

Payback ist düster und brutal und kann durch eine mit Farbfiltern erzeugte kalte Optik überzeugen. Parker dagegen ist bunt und wirkt stellenweise regelrecht schrill. Nichts will so richtig zusammenpassen. Die Action ist hart und blutig, aber sie kommt viel zu kurz. Jason Statham zeigt sein Actionheldenkönnen zwar an einigen Stellen, aber die gehen unter im Vergleich zu den monströsen und verworrenen Erzählsträngen, die man dem Zuschauer gleichzeitig präsentieren möchte. Keiner der Darsteller liefert hier eine Glanzleistung ab, weder Jason Statham, noch Michael Chiklis, NiIck Nolte oder Jennifer Lopez. La Lopez spielt ihren Part zwar recht humorig, ihre Kinokarriere hatte ihren Höhepunkt meiner Meinung nach bisher aber mit Out of Sight (Link zu IMDB). Der Rest der Darsteller ist schlichtweg unterfordert.

Erwartet hatte ich nur solide Action, die zu unterhalten weiß. Leider wurden aber nicht einmal meine zurückgeschraubten Minimalerwartungen erfüllt. Schade eigentlich. Aus dem Thema hätte man definitiv mehr machen können. Taylor Hackford hat mit Im Auftrag des Teufels (The Devil’s Advocate, Link zu IMDB) einen meiner filmischen All-Time-Favorites geschaffen. Bei Parker hat er leider versagt. Der Film zog sich und ich empfand ihn schlichtweg als langweilig und einfallslos.

Jason Statham kann von mir aus gerne weiter Filme machen. Ich werde sie mir auch ansehen (Actionfiguern FTW!). Allerdings sollte er sich wieder Filmen zuwenden, bei denen es richtig zur Sache geht und die sich nicht ziehen, wie Kaugummi. Es muss nicht immer innovativ sein, aber wenn Langeweile aufkommt, ist doch irgendetwas schiefgelaufen.

Lieber Bruce Willis,
ich zähle auf dich! Nächste Woche geht es rund und für dich werde ich meine Erwartungen nicht herunterschrauben – ganz im Gegenteil. Es ist an dir, mir zu zeigen, dass es noch Actionhelden im weißen Unterhemd gibt, die richtig zuschlagen und ordentlich Zerstörung anrichten können. Wir sehen uns!
Erwartungsvolle Grüße
tigermaus8

Digitale Charakterköpfe

Es gibt viele Spieleserien, die mir in der langen Zeit, in der ich mich schon mit Videospielen beschäftige, richtig ans Herz gewachsen sind und von denen ich bedingungslos jeden neuen Teil kaufe und spiele.

Einige davon leben von ihrem inzwischen bewährten Konzept und von immer wiederkehrenden Elementen. So wäre eine neuer Teil  von Silent Hill ohne den Pyramidenkopf und die Bubble Head Nurses undenkbar, oder ein neues The Legend of Zelda ohne den grünbemützten Link und seine verschiedenen Waffen wie Bumerang oder Enterhaken. Die allermeisten dieser Serien haben gemeinsam, dass man sich in jedem Teil entweder an einen völlig neuen Hauptcharakter, oder aber an einen bewährten Charakter immer wieder neu gewöhnen muss. So ist Super Mario zwar ein bekannter Charakter, allerdings macht er in nahezu allen Teilen die gleiche Entwicklung durch, beziehungsweise durchlebt eine sehr ähnliche Story. Link wanderte schon in den verschiedensten Inkarnationen über den Bildschirm und nach Silent Hill verirrt sich in jedem Teil jemand anderes. Die Hauptelemente bleiben in jedem Teil der Reihe bestehen und das ist es auch gerade, warum ich diese Art von Serien so mag. Jedes Mal, wenn Link seinen ersten Holzschild bekommt, hüpft mein Herz höher.

Es gibt allerdings auch Spieleserien, die durch eine stetige Weiterentwicklung des Spielprinzips und der Spielmechanik, sowie durch eine zusammenhängende Story überzeugen können. Bedingt durch die Storyline bleiben vielfach Charaktere über verschiedene Teile hinweg erhalten. Ähnlich wie in einer TV-Serie wachsen sie mir als Spieler dann auch deshalb immer mehr ans Herz. Darüber hinaus spielen diese Games in riesigen Universen, die schiere Unmengen an Stoff für Erzählungen bieten.

Vergangene Woche habe ich Assassin’s Creed: Revelations beendet, den letzten Teil der Reihe, der sich der Geschichte um den Assassinen Ezio Auditore da Firenze widmet. In insgesamt drei Spielen hatte ich so viel mit Ezio erlebt, dass ich immer etwas Bedenken vor dem Ende hatte, das allerdings in meinen Augen glücklicherweise sehr gelungen ausfiel. Assassin’s Creed 3 liegt schon neben meiner Konsole bereit. Ein bisschen Bammel habe ich allerdings davor, es anzuspielen, ist mir der neue Assassinen-Charakter Connor doch noch sehr fremd. Gut, dass es die interessante und nach vier Teilen doch recht komplex gewordene Hintergrundstory gibt, die mich so neugierig macht, dass ich mich wahrscheinlich auch mit Connor schnell anfreunden werde.

Auch bei Mass Effect bin ich gespannt, wie man die Serie weiterführen wird. Nach drei Teilen endeten die Abenteuer von Commander Shepard. Bei Assassin’s Creed ist die Gestalt der Charaktere eindeutig vorgegeben. Im Gegensatz dazu hat man bei Mass Effect die Möglichkeit, seinen eigenen Shepard zu erstellen, egal ob männlich oder weiblich. Mannkann diesen Charakter dann von Teil 1 bis Teil 3 immer weiter übernehmen. Die Möglichkeit der Anpassung des Aussehens habe ich in diesem Fall zugegebenermaßen gar nicht genutzt. Ich habe den Standard-Shepard durch das epische Sci-Fi-Abenteuer begleitet. Aber auch den habe ich mit all seinen Entscheidungen, die er zu treffen hatte, seinen Beziehungen und all den Kämpfen so liebgewonnen, dass ich ihn gedanklich für einen nächsten Mass-Efect-Teil noch nicht so recht ziehen lassen will. Über das Ende von Mass Effect 3 wurde unter Gamern sehr viel gestritten. Ich fand es übrigens völlig in Ordnung. Vielleicht war ich bis dahin schon zu sehr Shepard-Fan, dass man mir alles hätte vorsetzen können, aber aus meiner Sicht passte es durchaus ins Universum und in die Geschichte.

Natürlich werde ich auch ein Mass Effect ohne Shepard spielen, so wie ich ein Gears of War ohne Marcus Fenix spielen werde. Ja, auch diese sehr brutale Spielereihe weiß mit einem eigenen und großen Universum aufzuwarten, das mich sehr fasziniert. Große Spieleuniversen gewinnen mittlerweile auch immer öfter durch andere Medien wie Comics und Bücher an Gestalt hinzu. Ich finde das toll.

Eine Spieleserie, die auch schon sehr lange läuft, ist Splinter Cell. Sam Fisher ist inzwischen einer meiner Lieblings-Spielehelden. Seit 2002 begleite ich ihn auf seinen geheimen Missionen. Splinter Cell gehört zur zweiten von mir hier aufgestellten Serienkategorie. Die Haupthandlung wird in jedem Teil mehr oder weniger fortgeführt, allerdings wurde das Spielprinzip im letzten Teil, Splinter Cell: Conviction, nicht nur weiterentwickelt, sondern quasi runderneuert. Ich persönlich habe die Neuerungen zwar als präsent empfunden, allerdings nicht als so krass, dass sie den kompletten Charakter der Serie verändert hätten. Sam Fisher, bekannt geworden durch sein Schattendasein und sein lautloses Vorgehen, kann noch immer schleichen und Stealth-Kills vollführen. Allerdings muss er das nicht mehr unbedingt, er kann auch offensiver vorgehen. Die Trailer des kommenden Teils, Splinter Cell: Blacklist, lassen vermuten, dass diese Elemente noch verstärkt werden und es bald noch offensiver zugeht. Ich werde Sam Fisher auf jeden Fall auch außerhalb der Schatten weiter begleiten.

Was mich an all dem so fasziniert, ist, dass es heute nicht nur lebende oder fiktive Charaktere auf dem Papier und in Film und Fernsehen gibt, die ihr Publikum zu begeistern wissen. Zu ihnen haben sich die digitalen Charakterköpfe gesellt, mit denen man genauso viel erleben kann und deren Abenteuer man ebenso emotional verfolgt.

Abstürze

Nachdem in den letzten Wochen sehr viel Action im Kino geboten wurde, befand ich, dass es mal wieder an der Zeit sei, sich einem anderen Filmgenre zu widmen. Zwei Oscar-Nominierungen und viele gute Kritiken lenkten mein Augenmerk auf Flight, den neuen Film von Robert Zemeckis. Zur Abwechslung gab es im Kino diese Woche also ein Drama, bevor es spätestens zum Valentinstag auf der Leinwand wieder explosiv zugeht.

Flight handelt von dem Piloten William „Whip“ Whitaker, einem schweren Alkoholiker, der trotz seiner Sucht in den Pilotensitz steigt, um hunderte ihm anvertraute Passagiere zu transportieren. Auf einem seiner Flüge geschieht ein schreckliches Unglück: Die Technik versagt und das Flugzeug droht unkontrolliert abzustürzen. Whip schafft es jedoch, die Maschine in einem spektakulären Manöver notzulanden. Er rettet dadurch vielen Menschen, inklusive sich selbst, das Leben. Von 102 Passagieren sterben „nur“ 6. Der Rest überlebt den Absturz mehr oder weniger schwer verletzt. Im Nachgang muss der Vorfall natürlich gründlich Untersucht werden. Eine Anhörung der Flugsicherheitsbehörde steht an. Da es eindeutig technische Probleme waren, die zum Absturz geführt haben, entscheiden sich die Pilotengewerkschaft und die Airline dazu, Whitaker zu unterstützen. Der Flugzeughersteller soll als einzige Partei für die Tragödie bezahlen. Der Pilot bekommt einen Anwalt zur Seite gestellt, der den toxikologischen Befund anfechten und Whitaker entsprechend auf die Befragung vorbereiten soll. Bis zur Anhörung kämpft Whitaker an verschiedenen Fronten, um das Geschehene zu verarbeiten, einschließlich eines Kampfes gegen sich selbst und gegen sein immer wiederkehrendes, unstillbares Verlangen nach Alkohol.

Flight ist im Wesentlichen eine One-Man-Show von Denzel Washington, der den äußerlich und innerlich gebeutelten Flugkapitän sehr eindringlich und mit viel Fingerspitzengefühl spielt. Die innere Zerrissenheit, der Kampf gegen die Sucht, die Hässlichkeit der Niederlage – Washington schafft es jede Nuance einzufangen. Die Oscar-Nominierung hat er meiner Meinung nach zu Recht erhalten, auch wenn ich nicht sagen kann, ob er die Trophäe im Vergleich zu den restlichen Nominierten bekommen sollte. Die anderen Hauptdarsteller  (z.B. Daniel Day-Lewis als Lincoln) habe ich in ihren aktuellen Werken zugegebenermaßen noch nicht gesehen.

Die restlichen Rollen sind zwar gut besetzt, leider verblassen sie aber alle hinter dem übermächtigen Denzel Washington, obwohl es sicher interessant gewesen wäre auch die anderen Charaktere noch etwas genauer zu beleuchten. So bleiben viele Details über den Vertreter der Pilotengewerkschaft, Charlie Anderson (Bruce Greenwood), der offenbar schon länger über Whips Sucht Bescheid weiß, den ehrgeizigen Anwalt Hugh Lang (Don Cheadle) und den fröhlichen Drogendealer Harling Mays (John Goodman), im Dunkeln. Auch die Figur der drogenabhängigen Nicole (Kelly Reilly), in die sich Whip im Verlauf der Story verliebt, wird nur sehr oberflächlich angekratzt.

Robert Zemeckis schickt den Zuschauer in Flight auf eine verstörende Gefühlsreise, Wechselbäder inklusive. Er konzentriert sich voll auf die Darstellung des Hauptcharakters und zeigt diesen gnadenlos mit allen Höhen und insbesondere auch mit allen Tiefen. Es ist der moralische Konflikt, in den man während des Films in Gedanken immer wieder kommt, der dieses Werk sehenswert macht. Es sind diese Momente, in denen man bereit ist, auf die Frage „War der Pilot wirklich in der Lage, das Flugzeug zu fliegen?“ sofort mit „Ja!“ zu antworten, obwohl man weiß, dass dieser Alkohol und Drogen im Blut hatte. „Schließlich brauchen Alkoholiker einen gewissen Alkoholpegel, um „normal“ denken und handeln zu können“, versucht man sich innerlich herauszureden. Es sind die Momente in denen man für den gleichen Mann nur noch Abscheu empfindet, wenn er seiner Sucht nachgibt und beim Autofahren an einer Sportflasche gefüllt mit Alkohol nuckelt. Und es ist der Umgang mit der Frage „Wie weit soll man gehen, um diesen Menschen, der trotz allem eine Heldentat vollbracht hat, bei der Anhörung zu decken?“, der gerade das letzte Drittel des Films in meinen Augen zum besten Teil des Films macht. Im Großen und Ganzen erzählt der Film zwar nichts, was man über das Thema Alkoholsucht nicht schon wüsste, allerdings angereichert vielen kleinen Details, die die Botschaft sehr intensiv vermitteln.

Das alles konnte mich jedoch nicht über die relativ großen Logiklücken hinwegtrösten, an denen der Film in meinen Augen krankt. Der Flugzeugabsturz ist filmtechnisch sehr gut und auch spannend inszeniert. Ob es allerdings möglich ist, ein so großes Flugzeug in Rückenlage und anschließend wieder zurück in einen Gleitflug zu bringen, ohne dass es bei dem Versuch es zu drehen schon auseinanderbricht, wage ich stark zu bezweifeln. Außerdem müssen sich Piloten regelmäßigen Gesundheitschecks unterziehen, bei denen eine solch starke Form der Alkoholsucht, wie sie bei Captain Whitaker vorliegen muss, kaum zu vertuschen wäre, zumal er auch Drogen nimmt, die länger nachweisbar sind, als Alkohol. Ferner glaube ich nicht, dass ein Mitglied der Pilotengewerkschaft einfach schweigt, wenn es sich bewusst ist, dass ein alkoholkranker Pilot regelmäßig Passagiere befördert. Ein Alkoholiker, der jahrelang und regelmäßig so viel trinkt, wie Whip es offenbar tut, würde auch nicht mehr so gut aussehen, wie Denzel Washington im Film. Der Alkohol hätte die Gesichtszüge sicher schon mehr aufgeschwemmt. Flight beinhaltet einige Dinge, über die man großzügig hinwegzudenken in der Lage sein muss, um den Film als herausragend zu bezeichnen. Für mich verliert er dadurch leider massiv an Glaubwürdigkeit.

Dass in Flight die moralische Keule geschwungen wird, war mir von vornherein klar. Das ist bei dem Thema, dem sich der Film annimmt auch völlig in Ordnung. Bis zu einem gewissen Grad muss das auch so sein. Was mich jedoch sehr stört ist die Tatsache, dass Whip als Weg aus den Problemen und als Erklärung der Geschehnisse gleich mehrfach und von verschiedenen Stellen „Gott“ angeboten wird. Der Pilot lehnt zwar immer dankend ab und möglicherweise will der Regisseur damit auch zeigen, wie nervig spirituelle Moralpredigten sein können, ich finde es aber in der heutigen multikulturellen und multireligiösen Zeit zu einfach, sich auf eine solche Botschaft zu konzentrieren. Außerdem wäre es geschickter gewesen, dem Zuschauer die Interpretation des „Warum?“ selbst zu überlassen, so wie auch der Hauptcharakter seinen eigenen Weg finden muss. Es gibt Filme aus verschiedenen Genres, die ohne Benennung des Spirituellen auskommen und alle Interpretationsmöglichkeiten offen lassen. Flight gehört leider nicht dazu.

Trotz all dieser Kritikpunkte halte ich Flight für einen mutigen und was das Thema Alkoholismus anbelangt gelungenen Film. In einer Zeit, in der der Konsum von Alkohol immer noch häufig zum guten Ton gehört, ist es löblich, dass ein Film bereit ist, alle Facetten einer Alkoholkrankheit schonungslos offenzulegen. Mir sind im Leben bereits einige Menschen begegnet, die mehr oder weniger große Probleme mit Alkohol hatten. Alkoholsucht ist eine schleichende Sucht, von der es mehrere Formen gibt. Schnell kann es sein, dass jemand ohne das erste Glas Wein am Abend unruhig wird. Deshalb ist es durchaus wichtig und richtig, das Ganze zu thematisieren.

Zu oft werden Alkoholabstürze als „coole Sache“ für Erzählungen verwendet. Filme wie „Hangover“ tun ihr übriges, um Filmrisse als etwas Lustiges und beinahe schon Erstrebenswertes zu verkaufen. Man mag mich als spießig bezeichnen, aber meine Stirn wirft sich auch jedes Mal in nachdenkliche Falten, wenn mir Taio Cruz im Radio fröhlich entgegenkräht, dass er einen Kater (Hangover) hat und man ihm gefälligst noch etwas in den leeren Becher einschenken solle, damit er weiter Party machen kann. Häufen sich Hangovers, sind sie gefährlich und können leicht zur Sucht oder gleich zum Tod führen.

Fatal wäre natürlich ebenfalls, Alkohol komplett zu verteufeln. Der richtige Umgang damit zählt. Auch ich trinke sehr gerne einen guten Wein zum Essen. Man sollte meiner Meinung nach den Alkoholrausch einfach weniger glorifizieren. Dass Alkoholkrankheit letzten Endes zum totalen Absturz führt, verdeutlich Flight jedenfalls in mehrerlei Hinsicht.

Abschließend würde ich Flight als durchaus sehenswerten Film bezeichnen, der mit einem großartig spielenden Denzel Washington ein Thema behandelt, über das in unserer Gesellschaft noch zu oft geschwiegen wird, obwohl es den meisten Menschen bekannt ist. Wenn man über die eklatanten Logiklücken hinwegsieht, verlässt man den Kinosaal doch mit einigem Material zum Nachdenken.

Back in Time and Back to Crime

Das erste Mal, als ich Szenen aus Gangster Squad sah, saß ich in einem Kinosaal mitten in Hollywood. Das war sicher einer der Gründe, warum mich der Trailer sofort derart begeisterte. Außerdem mag ich Gangster- und Actionfilme und mir gefiel der Ansatz des Films, das Film-noir-Genre in moderner Form wiederzubeleben. Mein erster Gedanke: Harte Typen, harte Action, tolle Klamotten – das muss ich sehen!

Ein gutes halbes Jahr und weitere Trailersichtungen später, war die Spannung entsprechend groß, als ich den Kinosaal betrat, um mir den Film endlich anzusehen. Nachdem mich Django Unchained leider nicht so sehr begeistern konnte, wie ich es aufgrund des Ausmaßes meiner Vorfreude gerne gehabt hätte, schwangen einige Bedenken mit. Diese konnten in den ersten 15 Minuten von Gangster Squad aber bereits eliminiert werden. Dieser Film hielt auf ganzer Linie, was er versprach. Ich verließ das Kino mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen.

Gangster Squad spielt in den 1940er Jahren in  Los Angeles. Der Gangsterboss Mickey Cohen (Sean Penn) hat große Pläne. Unaufhaltsam und gnadenlos schwingt sich der ehemalige Boxer zum alleinigen Herrscher über die Unterwelt von L.A. auf. Wer sich ihm entgegenstellt, wird brutal aus dem Weg geräumt. Längst hat er in allen wichtigen Gremien der Stadt Leute gekauft und auch die große Mehrheit der Polizei traut sich nicht mehr, seinen üblen Machenschaften etwas entgegenzusetzen. Der Einfluss von Chief Bill Parker (Nick Nolte) scheint ausgehebelt. Allerdings will der nicht länger zusehen, wie die Stadt langsam aber sicher komplett in die Hände von Mickey Cohen fällt. Schließlich is es seine Aufgabe als Polizeichef die Stadt der Engel und ihre Bürger vor dem Verbrechen zu schützen. Deshalb beauftragt er seinen loyalsten Mann, Sergeant John O’Mara, eine geheime und schlagfertige Truppe, das „Gangster Squad“, zusammenzustellen und Jagd auf den Unterweltboss zu machen. Allerdings würde es zu nichts führen, Cohen einfach zu töten. Es gilt, ihm systematisch das Handwerk zu legen und sein ausgeklügeltes System der Macht und des Schreckens zu zerstören.

Die Story von Gangster Squad bietet in ihrem Verlauf absolut keine Überraschungen. Das muss ich zugeben. Alles tritt genau so ein, wie man es erwartet. Ich persönlich habe das rückblickend in diesem Fall während des gesamten Films nicht als negativ empfunden – ganz im Gegenteil. Bot mir Tarantinos Django überhaupt nicht das, was ich erwartete, traf das Gangster Squad zielsicher ins Schwarze.

Ruben Fleischer dürfte den meisten Kinozuschauern zum ersten Mal mit seiner Zombiekomödie Zombieland aufgefallen sein. Gangster Squad ist sein nächster, großer Film. Geschickt und alles andere als zimperlich setzt Fleischer mit seinem Team den Krieg der Polizeitruppe gegen Cohen in Szene. Er vertraut dabei auf makellose und detailreiche Kulissen, die glatt dem Videospiel L.A. Noir (Link zu Wikipedia) entsprungen sein könnten, verschiedene Sepiafilter und für den Film noir typische Kameraeinstellungen. Kombiniert mit den opulenten Kostümen der Akteure fühlt man sich augenblicklich zurückversetzt, in die Zeit, als Männer noch Hüte trugen und als über Hollywood noch mehr als 9 Buchstaben prangten. Der abwechselnd swingende und die Dramaturgie an der richtigen Stelle einfangende Soundtrack von Steve Jablonski, der sein Gefühl für Action schon eindrucksvoll in den bisherigen drei Transformers-Filmen bewiesen hat, tut ein Übriges um dieses Gefühl zu verstärken. So muss ein echter Gangsterfilm aussehen!

Randbemerkung:
Die Mode der 1940er bis 1960er Jahre finde ich sehr schick und ich plädiere an dieser Stelle für eine Rückkehr der Hüte. Ich sollte auch öfter Hut tragen.

Die Auswahl der Schauspieler ist bis in die Nebenrollen erstklassig und hochkarätig. Hier wirkt nichts gewollt. Alles ist gekonnt. Josh Brolin hat bereits in Men in Black 3 bewiesen, dass er für Zeitreisen in die Vergangenheit der richtige Mann ist und in No Country for Old Men wurde deutlich, dass er bei harten Typen in bester Gesellschaft ist. Die Rolle des coolen und zielstrebigen Kämpfers für Recht und Ordnung ist ihm wie auf den Leib geschneidert. Ryan Gosling spielt die Rolle als galanter aber nicht minder draufgängerischer Sergeant Jerry Wooters, der sich Hals über Kopf in die schöne Grace verliebt, die ausgerechnet die Freundin von Mickey Cohen ist, routiniert. Er macht seine Sache wirklich gut, in ihm steckt aber mehr, wie man bei Drive und The Ides of March sehen konnte. Emma Stone wirkt als Grace Faraday ein bisschen zu sehr wie ein Abklatsch von Christina Hendricks als Joan Harris aus Mad Men, auch wenn Mad Men 20 Jahre später spielt. Robert Patrick brilliert als schrulliger „Westernheld“ Max Kennard, an dem sich Tarantinos Django ein Beispiel nehmen könnte, Giovanni Ribisi überzeugt als Tüftler und Techniker und Sean Penn macht sein Part als Oberbösewicht sichtlich Spaß. Die Rolle als Mickey Cohen dürfte ihn als Schauspieler nicht besonders gefordert haben. Er beherrscht seine Kunst einfach meisterlich. Seine vielen Preise wurden ihm verdientermaßen verliehen. (Links in diesem Absatz zu IMDB)

Gangster Squad lässt so gut wie kein Klischee des klassischen Gangsterfilms aus und könnte sogar als zeitversetzter Western durchgehen. Von markigen Sprüchen, über coole Posen beim Schießen, bis zum großen, finalen Shootout zwischen Gut und Böse ist alles dabei. Das ist vielleicht nicht besonders einfallsreich, aber es ist rundum gut gemacht und es ist definitiv unterhaltsam.

Wie sagt man noch gleich? Geduld zahlt sich aus. Ich musste mich in dem Fall nur eine Woche gedulden, bis ich wieder einen Film sehen konnte, der meine Erwartungen voll erfüllte. Alle, die schon einmal in Los Angeles waren, L.A. Noir gespielt haben und/oder mal wieder Lust auf einen echten Gangsterfilm haben, sollten sich Gangster Squad auf jeden Fall ansehen. Hier wird nicht lange gefackelt, hier wird scharf geschossen – und das auch noch gut angezogen.

Gesprengte Ketten

Es gibt Filme, auf die freue ich mich ab dem Zeitpunkt, an dem ich erfahre, dass sie in Entstehung sind. Django Unchained war einer dieser Filme. Seit ich das erste Mal las, dass sich Quentin Tarantino für sein nächstes Werk auf Wildwest-Terrain begeben will, war ich mehr als gespannt auf das Ergebnis.

Schon seit meiner Kindheit bin ich ein großer Western-Fan. Ich erinnere mich immer wieder gerne daran, wie ich am Wochenende mit meinem Vater zusammen auf dem Sofa gesessen und mir die großen Leinwandabenteuer von Cowboys und Outlaws mit rauchenden Colts im Fernsehen oder auf Video angesehen habe. Für Karl Mays Winnetou konnte ich mich nie so richtig erwärmen – weder als Buch noch als Film – obwohl ich mich redlich bemühte. Zu langatmig waren mir seine Geschichten. Die großen Italowestern schätzte ich dagegen sehr. Charles Bronson, Clint Eastwood und Franco Nero sind für mich Inbegriffe für Westernhelden – cool und immer mit dem Finger am Abzug. Regisseure wie Sergio Leone und Sergio Corbucci haben Filmklassiker geschaffen, an denen sich neue Westernfilme auch heute noch messen lassen müssen.

Bestimmt ist es meiner Leidenschaft für Spaghetti-Western zu verdanken, dass ich das Videospiel Red Dead Redemption nicht einfach nur durchgespielt, sondern wochenlang regelrecht zelebriert habe. Mit John Marston ritt ich stundenlang durch die Ödnis, jagte Banditen und sorgte für Gerechtigkeit im Wilden Westen. Dabei wurden all die Klischees aus den Filmen bedient, die das Herz von Westernfans höher schlagen lassen. Auch Stephen Kings Revolvermann Roland habe ich nach dem ersten Band des Dunklen-Turm-Zyklus, der mehr Western als Fantasy ist, sofort in mein Hez geschlossen, gab der Autor doch auch zu, dass ihn bei der Erschaffung von Roland im Hinterkopf der Gedanke an Clint Eastwood als Cowboy begleitete.

Nun war es also Quentin Tarantino, der sich daran wagte, dem Westerngenre neues Leben einzuhauchen. Ich schätze die Arbeit von Quentin Tarantino sehr. Der Hollywood-Rebell, der sich ohne spezielle Ausbildung ans Filmemachen wagte, hat schon einige gute Filme gedreht. Die Unterstützung von vielen renommierten Schauspielern ist ihm dabei stets sicher.

Der Name „Django Unchained“ weckte in mir sofort einige Erwartungen, sowohl an die Story, als auch an deren Umsetzung. Denke ich an Django, habe ich sofort Franco Nero im Staubmantel vor Augen, wie er auf Rache sinnend durch den Westen zieht und dabei einen Sarg und eine Spur der Verwüstung hinter sich herzieht – wortkarg, cool, kompromisslos. Italowestern at its best. Vom neuen Django-Film erwartete ich deshalb eine Hommage an den Spaghetti-Western, die, wie schon Red Dead Redemption, gewisse Klischees bedient.

Wahrscheinlich waren es meine Erwartungen, die mich am Ende des Films doch ziemlich enttäuscht aus dem Kino gehen ließen. Das letzte Mal, als ich ein solches Gefühl verspürte, war nach The Dark Knight Rises, an den ich ebenfalls sehr hohe Erwartungen hatte, die aber mitnichten erfüllt werden konnten. Wie ich letztes Jahr dachte „Das ist nicht Bane!“, so dachte ich nach Django Unchained im ersten Moment nur „Das ist nicht Django!“.

Django Unchained ist kein schlechter Film. Nein. Auf keinen Fall! Quentin Tarantino beherrscht sein Handwerk als Drehbuchautor und auch als Regisseur. Er liefert die Bilder in genau dem Stil ab, den man von ihm erwartet und den seine Fans so schätzen. Auch gibt es in Django Unchained wieder massenhaft lange, ausgefeilte, aberwitzige Dialoge zwischen schrulligen Charakteren. Ein Highlight war für mich beispielsweise ein Dialog innerhalb einer Art trotteligen Abteilung des Ku-Klux-Klan, bei dem über Sinn und Unsinn von Kapuzen gestritten wird. Tarantino-Fans werden auch viele bekannte Gesichter aus seinen anderen Filmen entdecken, sowohl in den Haupt- wie auch in den Nebenrollen (z.B. Tom Savini).

Generell ist die Besetzung von Django Unchained absolut hochkarätig und in bester Spiellaune. Christoph Waltz ist für mich einer der talentiertesten Schauspieler, die sich in den letzten Jahren auf der großen Leinwand tummeln. Er hat jede Auszeichnung, die er bereits erhalten hat und die er sicherlich noch erhalten wird, absolut verdient. Leonardo DiCaprio ist in meinen Augen der Hollywood-Schauspieler, der in seiner Karriere die bemerkenswerteste Wandlung vollzogen hat: vom Sonnyboy zum wirklich ernstzunehmenden Schauspieler. Samuel L. Jackson ist für schrullige Figuren eine sichere Wahl. Kerry Washington wird in ihrer Rolle als Djangos Frau nicht vor große schauspielerische Herausforderungen gestellt. Und Jamie Foxx als Django? Der ist für mich einfach etwas zu zurückhaltend, betrachtet er die Westernwelt über die Hälfte des Films nur mit großen, staunenden Augen und packt erst spät seine Revolver aus. Wenn er sie auspackt, dann zwar mit viel Bumms, aber der kommt relativ spät.

Tarantino huldigt dem Italowestern in Django Unchained in mannigfaltiger Weise. Die Kameraführung. Die Landschaftsaufnahmen. Die Original-Musik aus alten Filmen. Das neue Lied von Ennio Morricone. Der kurze Gastauftritt von Franco Nero. Es gibt Banditen, Saloons, Westernstädte und Revolverhelden. Westernfeeling? Ja, bloß irgendwie mit zu wenig „Spaghetti“. Zu allgegenwärtig war die Sklaverei als Hauptthema des Films. War das erste Drittel des Films noch eher Western, wandelte er sich ab seinem zweiten Drittel eher zu einem Südstaaten-Drama um Weiße und Schwarze und um den unsäglichen Teil der amerikanischen Geschichte, in dem Menschenhandel an der Tagesordnung war und man bestimmte Menschen als minderwertig ansah.

Die Zielsetzung, die Brutalität und Unmenschlichkeit der Sklaverei in einem Film zu thematisieren finde ich generell gut. Auch Tarantinos Ansatz, Leute über Themen zum Lachen zu bringen, die eigentlich überhaupt nicht zum Lachen sind, finde ich interessant und lobenswert. Immerhin hat er es schon mit Inglorious Basterds geschafft, das Nazithema endlich einmal anders anzupacken, ohne die Ernsthaftigkeit und Schrecklichkeit zu vernachlässigen. Auch bei Django Unchained wird nichts verharmlost. Ganz im Gegenteil: Sowohl in den Worten als auch den Taten der Protagonisten ist die gesamte Brutalität der Sklaverei allgegenwärtig. Django wird am Anfang aus seinen Sklavenfesseln befreit. Die Sklaven werden stets als Nicht-Menschen behandelt.

Bemerkenswert ist auch, wie Tarantino germanisches Geschichtengut in seinen Film einwebt. Django Unchained ist eine Art Südstaaten-Version der Nibelungen-Sage. Ich habe gelesen, dass Waltz Tarantino in eine Wagner-Oper mitnahm und dass diese den Regisseur so faszinierte, dass er den Stoff kurzerhand in Django Unchained einarbeitete. Daraus wird auch im Film kein großes Geheimnis gemacht, denn Christoph Waltz als Dr. King Schultz erklärt seinem Schützling Django sogar kurz den Inhalt der Sage. Djangos Frau heißt „Broomhilda von Shaft“ und spricht sogar ein paar Sätze Deutsch. Die gesamte Geschichte kann im Sinne der Nibelungen-Sage interpretiert werden. So bewacht der rotgekleidete Gutsherr Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) wie der Drache Fafnir die geliebte Broomhilda und Django eilt ihr als „Siegfried“ zu Hilfe. Dr. King Schultz steht ihm dabei als heldenhafte und treue Version von Hagen zur Seite und Samuel L. Jackson könnte einen spitz- und doppelzüngigen Loki darstellen. Germanische Götter- und Heldensagen in Hollywood? Respekt! Das Ganze hatte aber auch zur Folge, dass sich die Geschichte thematisch noch mehr vom Western entfernte.

Django Unchained ist für mich deshalb keine richtige und konsequente Hommage an den Italowestern, sondern eher ein Südstaaten-Epos mit klarer Botschaft: „Die Sklaverei ist eines der dunkelsten Abschnitte der amerikanischen Geschichte. Sie darf nicht in Vergessenheit geraten.“ Für einen Spaghetti-Western war mir der Anteil der kritischen Botschaft einfach zu groß. Es gibt Italowestern mit kritischer Botschaft, allerdings wird der Zeigefinger nie so hoch gehoben, wie Tarantino es tut. Spiegel Online fragte in einem Artikel, ob Tarantino wohl das Wort „Spaghetti-Western“ in den Mund nahm, als er mit Ennio Morricone über ein Lied für seinen Film sprach. Ich glaube, das musste er gar nicht. Django Unchained ist kein solcher Film.

Vielleicht hätte Tarantino seinen Film umbenennen, noch ein wenig mehr vom Italowestern entfernen und ihn als Südstaaten-Siegfried verkaufen sollen. Allein der Name „Django“ weckte in mir andere Erwartungen. Er legte meinen Gedanken Fesseln an, von denen ich sie nicht so einfach befreien konnte, wie Django sich von den seinen im Film. Man hätte ihm wenigstens seinen Sarg mit dem Maschinengewehr geben können, irgendwann im Film. Django ohne Sarg ist für mich nicht Django. Tut mir sehr leid, Herr Tarantino.

Wer Django Unchained noch nicht gesehen hat, dem empfehle ich, sich nicht auf eine lupenreine Spaghetti-Western-Hommage einzustellen, sondern etwas anderes zu erwarten. Sonst könnte es sein, dass noch mehr Leute, wie ich, enttäuscht aus dem Kino gehen, obwohl der Film an sich nicht schlecht ist – eben nur anders als man es vielleicht erwartet. Ich empfehle übrigens dringend, den Film im englischen Originalton zu sehen. Die deutsche Synchronisation ist nicht besonders gut und in einer großen Einblendung befindet sich ein grober und auffälliger Rechtschreibfehler.

Meine Lieblingsfilme von und mit Quentin Tarantino bleiben nach wie vor Reservoir Dogs, auch wenn man ihm mittlerweile sein Alter und sein Budget ansieht, Pulp FictionJackie Brown und From Dusk Till Dawn. Tarantino ist und bleibt für mich am stärksten ohne große Botschaft. Kriegt er für Django Unchained weitere Preise (einen Golden Globe hat er ja schon), gönne ich ihm die natürlich. Er hat schon viel geleistet und da ist es nur recht, wenn er dafür endlich gewürdigt wird.

Von Siegern und Heimkehrern

In Hollywood wurden wieder einmal Trophäen verteilt: Goldene Weltkugeln. Die Rede ist natürlich von den Golden Globes (Link zur Offiziellen Webseite).

Ob man die Meinung der Jury teilt, von der die Preise vergeben werden, bleibt natürlich jedem Film- und Serien-Fan selbst überlassen. Ich persönlich habe mich über die Meldung gefreut, dass Quentin Tarantino und Christoph Waltz jeweils eine der begehrten Trophäen erhielten, denn ich verehre die Arbeit von beiden sehr. Ihren neuen Film Django Unchained werde ich mir ansehen und separat darüber berichten. Auch der Animationsfilm Merida (Brave) wurde mit einem Golden Globe ausgezeichnet, den er meiner Meinung nach ebenfalls verdient hat. (Links zu IMDB, auch die folgenden Links)

Ich habe (teilweise noch) nicht alle der nominierten Filme und Serien gesehen, weshalb ich mir auch kein abschließendes Urteil zum Thema Golden Globes erlauben kann.

Was ich allerdings gesehen habe, ist die TV-Serie Homeland, die ebenfalls mit drei der begehrten Weltkugeln ausgezeichnet wurde. Das sind bei weitem nicht die ersten Preise, die die Serie erhalten hat. Schon 2012 wurden den Schauspielern und Machern von Homeland Golden Globes, Emmys und weitere Preise verliehen. In den Medien wurde Homeland schon oft als bedeutende Drama-Serie gelobt, was mich, neben dem Rummel um die ganzen Preise, dann auch dazu veranlasst hat mir die erste Staffel anzusehen.

(Achtung: Der Rest dieses Artikels enthält Spolier zur ersten Staffel von Homeland!)

Leider muss ich sagen, dass ich den Hype um Homeland nicht wirklich nachvollziehen kann. Die Geschichte um den im Irakkrieg verschollenen Soldaten Nicholas Brody (Damian Lewis), der nach acht Jahren wieder auftaucht, beginnt durchaus sehr spannend, Zusammen mit der CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes) fragt sich der Zuschauer, ob der Heimkehrer während seiner Gefangenschaft zum Überläufer und damit ein Terrorist geworden sein könnte.

Die erste Hälfte der ersten Staffel dreht sich nur um diese Fragestellung und wird damit zum meiner Meinung nach stärksten Part von dieser. Denn leider wird die Frage viel zu schnell beantwortet. Das Verwirrspiel alleine und die verschiedenen Plottwists hätte man mit weiteren Inhalten anfüllen und sicherlich über die gesamte Staffel hinweg behandeln können. Hätte man weiterhin solch gute Ideen wie zu Beginn gehabt und diese konsequent umgesetzt, hätte man Brodys Beweggründe noch eine ganze Zeit lang verschleiern können. Stattdessen wird Brody (zumindest für die Zuschauer) schnell als Überläufer enttarnt. Dadurch ergibt sich natürlich die Möglichkeit auch noch seine Gefangenschaft zu beleuchten, zusätzlich zum ständig drohenden Attentat.

Der größte Fehler, den die Serie begeht, ist in meinen Augen der, dass was Brody anbelangt zu früh alle Karten auf den Tisch gelegt werden. Zwar verbleiben dennoch einige Überraschungsmomente, jedoch büßen diese dadurch an Wirkung ein, dass die Charaktere in der Kürze der Zeit und durch die Masse an Inhalten nicht wirklich vorgestellt werden und auch keine ausreichende Entwicklung erkennen lassen können.

In der zweiten Hälfte der Staffel bekommen die Zuschauer Brodys Zeit im Irak und in Gefangenschaft in Rückblenden präsentiert. Allerdings vollzieht sich die Gehirnwäsche so schnell, dass das Ganze auf mich doch (sicher unfreiwilligerweise) sehr unrealistisch wirkte. Der Mann war ganze acht Jahre von Zuhause entfernt und muss ein regelrechtes Martyrium an Gedanken und Sehnsüchten durchlebt haben. Heimweh, Gedanken an die geliebte Familie, Gedanken über den Krieg, Gedanken über seinen Job als Soldat – all diese Dinge werden weder behandelt noch im Detail dargestellt. Viel zu schnell fügt er sich nach unmenschlichen Folterqualen in sein Schicksal ein, vertraut dem einzigen Menschen, der ihn in der Fremde gut behandelt und macht dessen Ideale zu den eigenen, schmiedet sogar selbständig Rachepläne an seinem Heimatland.

Die menschliche Entwicklung von Brody halte ich an sich nicht für unrealistisch. Es ist natürlich möglich, Menschen durch Folter und verschiedene psychologische Techniken zu indoktrinieren und auch so weit zu treiben, dass sie bereit sind, als Märtyrer zu sterben und andere Menschen mit in den Tod zu reißen. Allerdings ist Gehirnwäsche kein leichter Prozess und er ist sicherlich auch mit Rückschlägen verbunden. All diese Aspekte lässt Homeland in seiner ersten Staffel außen vor, meiner Meinung nach auf Kosten der Glaubwürdigkeit der Serie. Auf der anderen Seite werden den Charakteren auch teilweise in meinen Augen unnötige Wesenszüge verpasst. So muss eine CIA-Agentin auf der Suche nach der Wahrheit nicht unbedingt manisch-depressive Züge haben, um den Konflikt mit ihren Kollegen zu verstärken.

Von der reinen filmischen Qualität der Bilder würde ich die Serie am ehesten mit 24 vergleichen, wobei ich 24, trotz zugegebenermaßen unrealistischerer Storyline und noch mehr Plottwists, nach wie vor für die bessere Serie halte.

Kiefer Sutherland habe ich den toughen Jack Bauer sofort abgekauft. Bei Homeland finde ich die schauspielerischen Leistungen sowohl von Damian Lewis wie auch von Claire Danes nicht restlos überzeugend. Es gibt mittlerweile auch einfach viele überragende Seriendarsteller. Es mag sein, dass es das Fangirl ist, das aus mir spricht, aber dennoch kann ich mich dem Eindruck nicht erwehren, dass Bryan Cranston in Breaking Bad mehr schauspielerische Leistung zeigt – oftmals nur in einem Blick – als die Darsteller in Homeland in einer ganzen Szene. Das ist aber eben nur meine persönliche Meinung.

Ich bitte an dieser Stelle ausdrücklich darum, mich nicht falsch zu verstehen. Homeland ist keine absolut schlechte Serie. Die Idee dahinter ist und bleibt spannend und für amerikanische Verhältnisse vielleicht auch revolutionär und preisverdächtig. Sicherlich werde ich mir auch die zweite Staffel ansehen. Ich bin gespannt, wie man das Ganze weiterentwickelt. Soweit ich weiß wird Brody zum Doppelagenten und dieses Thema bietet durchaus einiges an Potenzial. Ich halte Homeland jedoch nicht für so überragend, wie es oftmals dargestellt wird und den Medienhype halte ich für übertrieben. Breaking BadThe Sopranos oder Dexter, nur um ein paar Beispiele zu nennen, sind als Serien in meinen Augen Homeland weit überlegen.

Was für Überlegungen bei der Vergabe der ganzen Preise an Homeland eine Rolle spielten, weiß ich nicht. Es wäre ja auch irgendwie schwachsinnig über Jahre hinweg immer die gleichen Serien zu ehren. Vielleicht ist Homeland ja nun auch genug geehrt worden.

Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn spätestens im nächsten Jahr bei den Preisverleihungen wieder Platz für neue Serien ist. Die US-Serienlandschaft wird glücklicherweise immer spannender, denn es gibt immer mehr gute TV-Serien mit tollen Ideen und hochkarätigen Darstellern. Für Nachschub für Serienjunkies wie mich wird bestens gesorgt.

Zurück in die Eiszeit

Es begab sich kurz vor Weihnachten 2012, als mich eine gute und langjährige Freundin fragte, ob ich nicht Lust hätte, mir im Januar zusammen mit ihr Ice Age Live in der Frankfurter Festhalle anzusehen. Da musste ich freilich nur kurz überlegen, denn ich mag gute Unterhaltung und dazu gehören für mich auch Shows aller Art. Deshalb suchte ich auch gar nicht lange weiter nach Informationen, sondern sagte einfach zu.

Im Januar 2012 hatte ich bereits Batman Live gesehen. Die Show, die die Entstehungsgeschichte des Dunklen Ritters auf einer riesigen Bühne mit jeder menge Tanz und Akrobatik präsentiert, hatte mich schon schwer beeindruckt und ich denke noch immer gerne daran zurück. Nach Batman wurde nun also Ice Age arenatauglich aufbereitet (Link zu Wikipedia).

Der erste Ice-Age-Film erschien im Jahr 2002 und war ein so großer Erfolg, dass weitere folgten. 2012 lief bereits der vierte Teil im Kino. Ich habe alle vier Filme der Reihe gesehen und mich jedes Mal köstlich über die Abenteuer der ungleichen und chaotischen Herde amüsiert. Ich mag Animationsfilme und die Ice-Age-Reihe ist auch ein Beispiel dafür, wie sich eine gute deutsche Synchronisation anhören und anfühlen muss. War ich damals, bevor Teil 1 anlief, noch sehr unsicher was Otto Waalkes als Faultier anbetraf, so kann ich mir heute für Sid keine andere Stimme mehr vorstellen. Deshalb fielen mir bei der Show auch sofort die Durchsagen von „Sid“ und „Manni“ positiv auf, die tatsächlich von den deutschen Synchronstimmen eingesprochen worden waren. Sie verkündeten fröhlich, dass die Show bald losgeht.

Beim Betreten der Festhalle fiel mein Blick sofort auf die Präsentationsfläche der Show. War es bei Batman Live eine große Bühne, aus deren Boden verschiedene Kulissen stufenlos herausgefahren werden konnten, so wird Ice Age Live – passend zum Thema – auf einer großen Eisfläche präsentiert. Die größte Gemeinsamkeit der beiden Shows ist die große LED-Leinwand hinter der Bühne, bzw. der Eisfläche, auf der verschiedenste Motive und auch ganze Szenenwechsel in bemerkenswerter Qualität dargestellt werden. Diese Technik macht es möglich, die Comicwelt von Batman und die einzigartige Eiszeitwelt aus den Ice-Age-Filmen zu den Zuschauern in die Halle zu bringen. Die Szenerie kann mühelos und schnell gewechselt werden, noch während die Darsteller vor der Leinwand agieren.

Bei Ice Age Live wird die Leinwand von einer „Eisbrücke“ umrahmt, auf der sich die Darsteller auch bewegen können. Über der Eisfläche schweben große Eiszapfen, die während der Show in verschiedenen Farben beleuchtet werden. Inhalt der Show ist ein neues Abenteuer aus dem Ice-Age-Universum, das die bekannten Charaktere gemeinsam auf eine Reise schickt, in deren Verlauf sie alten Bekannten aus allen vier Filmen begegnen und neue Freunden und Feinde kennenlernen. Mit dabei sind die komplette Mammutfamilie, die beiden frechen Opossums, Faultier Sid und natürlich auch das Säbelzahnhörnchen Scrat.

Wenn Scrat, wie immer auf der Suche nach seiner geliebten Eichel, die Show eröffnet, ist man sofort mitten drin in der Eiszeit. Das Konzept von Ice Age Live ist bis ins kleinste Detail spürbar liebevoll durchdacht. Ich muss zugeben, dass ich zuerst sehr skeptisch war, was die Kostüme anbelangte, fürchtete ich doch, das Ganze könne mit der Zeit zu einer langatmigen Kostümparade verkommen. Ich wurde schnell eines Besseren belehrt.

Ice Age Live ist kein Musical und es ist kein Theaterstück, es ist eine Mischung aus beidem, die den Zuschauern „on the rocks“ – oder besser „auf Kufen“ – serviert wird. Eine Art „Holiday on Ice“, nur mit Ice Age. Die Stimmen der Charaktere sind auf Band aufgenommen. Keiner der Darsteller spricht oder singt live. Das ist aber überhaupt nicht schlimm, denn ich bin davon überzeugt, dass jeder einzelne von ihnen genug leistet. Außerdem sind es gerade die Originalstimmen aus den Filmen, die die Zuschauer sofort mitreißen und das Ice-Age-Feeling perfektionieren. Die Lieder wurden in englischer Sprache belassen, aber auch das fügt sich gut in das Gesamtkonzept ein. Die deutsche Synchronisation war auch besser, als die bei Batman Live.

Das Kostümdesign von Ice Age Live ist einfach großartig. Hier waren wahre Meister am Werk. In den Mammuts Manni und Ellie stecken jeweils zwei Darsteller. Die Mammuts sind wirklich mammutmäßig groß. Die restlichen Charaktere werden von jeweils einem Artisten gespielt, auch Säbelzahntiger Diego. Der Clou: Manche Kostüme haben zwei „Modi“, einen normalen und einen, den ich als „leichten Modus“ bezeichnen würde. Bei Letzterem können die Artisten aus ihren doch recht großen und bestimmt auch nicht gerade leichten Kostümen herausschlüpfen und haben trotzdem noch Anzüge an, die klar erkennen lassen, um welchen Charakter es sich handelt. Allerdings turnt es sich ohne viel Fellbehang einfach leichter und die Zuschauer können die Darbietungen dadurch auch besser erkennen. Die großen Kostümteile bleiben am Rand stehen und werden anschließend, zum Beispiel wenn Diego einen Kampf beendet hat, genauso schnell wieder angelegt, wie sie abgelegt wurden. Meine Beschreibung mag ein bisschen merkwürdig anmuten, aber besser kann ich es nicht in Worte fassen. Mann muss es vielleicht gesehen haben, um es vollkommen zu verstehen. Alleine die Idee halte ich aber schon für großartig.

Dank dem Trick mit den Kostümen ist ein Paarlauf auf dem Eis von Scrat und Scratte für mich zu einem der Highlights von Ice Age Live geworden. Überhaupt stellen die Entwickler der Show gerade bei Scrat und seiner ewigen Jagd nach der Eichel ihre Kreativität unter Beweis. So durchläuft die begehrte Nahrung verschiedene Inkarnationen: Sie ist Teil des Paarlaufes, wird in einer Akrobatikeinlage zum Gymnastikball, der von Scratte verführerisch vor Scrats Augen hin und her geturnt wird und taucht während der Show noch an mehreren anderen Stellen auf.

Die Ideenvielfalt, kombiniert mit den tollen Kostümen und schöner Musik, hat mich restlos begeistert. Waghalsige Trapeznummern, rhythmische Turneinlagen, wunderschöner Eiskunstlauf – Ice Age Live bietet alles auf einmal, verpackt in gut zwei Stunden Show und präsentiert von weltklasse Artisten. Einziges Manko des Konzepts ist die hanebüchene Storyline. Darüber konnte mich der Rest aber mühelos hinwegtrösten. Außerdem waren auch schon die Geschichten der Filme immer überzogen.

Vielleicht hat mich Ice Age Live gerade deshalb so positiv überrascht, weil ich recht unbedacht und auch quasi uninformiert an die Sache herangegangen bin – eigentlich ganz untypisch für mich. Aber selbst als ich schon längst beschlossen hatte, mir die Show anzusehen, blieben die verfügbaren Informationen aus meiner Sicht ziemlich mau. Batman Live hatte ich 2011 schon früh auf Plakaten entdeckt. Plakate zu Ice Age Live sind mir zwischen den Jahren überhaupt erst aufgefallen. Es gab wohl auch Fernsehwerbung dafür, die ich aber nie gesehen habe. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass diese Show mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Allerdings schienen trotzdem genug Leute darauf aufmerksam geworden zu sein, denn die Frankfurter Festhalle war augenscheinlich ausverkauft, zumindest bei der Vorstellung, die ich besucht habe.

Sowohl Batman Live als auch Ice Age Live habe ich auf sehr guten Plätzen sitzend gesehen, direkt frontal zur Bühne und nur wenige Reihen hinter der ersten. Bei beiden Veranstaltungen hat sich der doch relativ hohe Preis für die guten Plätze (zwischen 60 und 75 Euro) ausgezahlt. Ich hätte nicht weiter vom Geschehen entfernt sitzen wollen.

Wer bunte Shows und die lustigen Charaktere von Ice Age mag und wem sich die Gelegenheit bietet, dem kann ich nur empfehlen, sich Ice Age Live anzusehen. In der ersten Reihe kommen die Charaktere sogar teilweise „hautnah“ an die Zuschauer heran. Für Kinder sicherlich ein ganz besonderes Erlebnis.

Ich hatte jedenfalls einen ganz phantastischen Abend, denn ich habe eine weitere Show gesehen, an die ich gerne zurück denke und ich bin froh und dankbar, dass ich gute Freunde habe, die auf so tolle Ideen kommen und mit offenen Augen die Dinge sehen, die ich vielleicht sonst übersehen hätte.

Schütze und Vorurteil

Filme, die in ihren Trailern versuchen wie andere Filme zu wirken, betrachte ich grundsätzlich kritisch. So also auch Jack Reacher, dessen ersten Trailer ich, gelinde gesagt, für eine Katastrophe halte. Die Musik ist so dreist an Mission: Impossible angelehnt, dass das eigentlich auch der letzte Zuschauer merken muss. Im zweiten Trailer verabschiedete man sich glücklicherweise von diesem Konzept und versuchte etwas mehr Filminhalt zu erzählen. Der zweite Trailer war es dann auch, was mich neugieriger auf den Film werden ließ und als ich dann noch etwas mehr darüber las, beschloss ich, ihn mir anzusehen.

Eines möchte ich gleich klarstellen: Ich bin kein Fan von Tom Cruise. Was er bei diversen öffentlichen Auftritten von sich und seiner Weltanschauung preisgibt, finde ich alles andere als sympathisch und überzeugend. Allerdings ist der gute Mann ja Schauspieler, weshalb ich ihn lieber an seiner Leistung im Job, als an seinen persönlichen Irrungen und Wirrungen messen möchte. Das geht mir bei genügend anderen seiner Schauspielerkolleginnen und -kollegen genauso.

Die Story von Jack Reacher ist schnell erzählt. In Pittsburgh, Pennsylvania, verübt ein Sniper ein grausames Attentat auf 5 Menschen. Die erdrückende Beweislage führt die Polizei schnell zum mutmaßlichen Täter. Dieser schreibt jedoch kein Geständnis nieder, sondern verlangt nach Jack Reacher, einem alleine arbeitenden und seit Jahren abgetauchten Militär-Ermittler. Als dieser eintrifft, liegt der Verdächtige allerdings schon im Koma, zusammengeschlagen während eines Gefangenentransportes. Die engagierte Strafverteidigerin Helen Rodin setzt sich trotz allem für ihren Mandanten ein und sei es nur, um ihm aus idealistischen Gründen die Todesstrafe ersparen zu können. Sie heuert schließlich Jack Reacher als Ermittler an, immerhin ist der ja schon mal in der Stadt und verfügt auch noch über interessante Informationen über den Schützen. Was er allerdings nach und nach mit seinen ganz eigenen Methoden zutage fördert, überrascht nicht nur die blonde Anwältin.

Jack Reacher basiert auf dem Buch „Sniper“ (One Shot) von Lee Child. Da ich das Buch nicht gelesen habe und mir der Romanheld auch sonst bisher nicht bekannt war, kann ich nicht beurteilen, inwieweit der Film dem Buch gerecht wird. Ich bewerte ihn an dieser Stelle wie jeden anderen Thriller. Fans mögen mir dies nachsehen. Immerhin weiß ich, dass der Autor einen kurzen Gastauftritt im Film hatte, als Polizist, der Reacher nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt seine klappbare Zahnbürste aushändigt.

Schon die ersten Texteinblendungen bei Jack Reacher machen klar: Dies ist ein Film von und mit Tom Cruise, der prominent als Produzent und Hauptdarsteller auftritt. Dass das nicht zwangsläufig in einer kruden One-Man-Show von Herrn Cruise resultieren muss, wurde meiner Meinung nach in Mission Impossible: Phantom Protokoll (Link zu IMDB) bewiesen. Dieser Film offenbarte außerdem die Fähigkeit des Schauspielers, sich auch mal nicht ganz so ernst zu nehmen. Gerade dies ließ er bei Jack Reacher in meinen Augen aber leider vermissen. Zu gewollt wurden manche Szenen auf Lustig getrimmt.

Generell empfand ich das Erzähltempo des Films als zu behäbig. Jack Reacher ist kein Actionfilm, bei dem es dauernd kracht und knallt. Das soll er auch nicht sein. Trotzdem hätte man manches straffen können. Als Jack Reacher beispielsweise einen besonderen Schießstand sucht, wird viel zu oft erklärt, dass dieser von Pittsburgh aus weiter entfernt liegt. Das hatte der Zuschauer nach der zweiten Erwähnung verstanden. Das scheint aber nicht Grund genug zu sein, es im Rest des Films nicht noch mehrere Male detailliert auszubreiten. Im Gegensatz dazu bleibt der Charakter von Reacher leider zu undurchsichtig. Man konnte durchaus erahnen, dass er sehr vielschichtig ist, allerdings wurde an diesen vielen Schichten leider nur oberflächlich gekratzt. Seine Beweggründe blieben die meiste Zeit relativ unbeleuchtet.

Tom Cruise liefert als Jack Reacher meiner Meinung keine Höchstleistung ab. Auch Rosamund Pike konnte mich als Helen Rodin nicht überzeugen, interpretiert sie die Figur nur mit konstant weit aufgerissenen Augen und einem völlig ahnungslosen Gesichtsausdruck. Gerade diesen beiden Figuren hätte etwas mehr Seele sehr gut getan. Gut gefielen mir David Oyelowo als der die Ermittlungen leitende Detective Emerson und Richard Jenkins als Staatsanwalt Alex Rodin, Gegenspieler und gleichzeitig Vater der Strafverteidigerin. Leider kamen diese Rollen viel zu wenig zum Tragen. Absolut austauschbar dagegen Werner Herzog als zwielichtiger Hintermann Zec.

Jack Reacher ist trotz allem kein schlechter Film. Seine tolle Machart entschädigt für vieles. Die Bilder, die der Regisseur nutzt, um die einzelnen Charaktere in Szene zu setzen, haben mir sehr gut gefallen. Oft wird eine einzige Person alleine gezeigt, nie stehen zu viele Personen im Fokus. Eine angenehme Abwechslung zu den vielen bunten, wilden Actionfilmen und dem oftmals erkennbaren Wunsch, immer mehr in einen Film zu packen.

Die beste Passage des Films war für mich die Autoverfolgungsjagd, bei der Jack Reacher gleichzeitig Jäger und Gejagter ist, auch wenn ihr Ende zwar humorvoll aber nicht nachvollziehbar ist. Es war außerdem schon in einem der Trailer zu sehen. Wer bitte leiht einem völlig Wildfremden seine Mütze, wenn der von zehn oder mehr Polizeiautos verfolgt wird? Würde nicht jeder davon ausgehen, dass das einen Grund haben könnte? Aber man soll sich ja an kleinen Logiklücken nicht zu sehr reiben. Die Verfolgungsjagd wurde filmisch jedenfalls großartig umgesetzt und kam ganz ohne zu schnelle Schnitte und verwischte Szenen aus. Ohne zu viel Hektik, den Fokus weiterhin auf die Personen in den Autos gelegt und mit dröhnendem Motorensound unterlegt, ist das Ganze wirklich sehenswert.

Am Ende verließ ich das Kino dennoch eher enttäuscht. So viel mehr hätte man meiner Meinung nach aus der Geschichte und den Charakteren machen können. Jack Reacher ist wirklich kein schlechter Film, es ist aber auch kein Werk, das man meiner Meinung nach unbedingt gesehen haben muss. Die Story beinhaltet nichts, was dem geneigten Thriller-Liebhaber nicht irgendwo schon einmal begegnet ist und die Trailer haben leider (zu) vieles schon verraten. Ohne zu spoilern kann ich sagen, dass ich das Ende als zu lustlos und zu sehr gewollt empfand. Es hat jedenfalls nicht dazu beigetragen, dass ich mir weitere Jack-Reacher-Filme wünschen würde.