Archiv der Kategorie: Gedacht

Actionfilme – Eine Diskussion

Jüngst fand ein sehr angeregtes Gespräch zwischen @BenFlavor und @neeisklar über Actionfilme seinen Anfang auf Twitter. Die beiden Herren diskutierten über die besten Actionfilme und deren Auflistung und Kategorisierung.

Nach einer kurzen Weile verlagerte sich die Diskussion von Twitter auf @BenFlavors Blog, wo selbiger einen entsprechenden Artikel zum Thema verfasste. Als ich dann um meinen Input gebeten wurde, ehrte mich das sehr und ich ließ es mir natürlich nicht nehmen, eine eigene Liste in den Kommentaren zu hinterlassen.

Diese Liste ging mir in den letzten Tagen noch mehrfach durch den Kopf und ich bin auch heute noch prinzipiell zufrieden damit. Ich übernehme sie an dieser Stelle noch einmal in leicht abgeänderter Form, denn nach langen Überlegungen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Transformers unbedingt mit aufgeführt werden müssen. Da ich aber auch auf die Turtles nicht verzichten möchte, habe ich die Liste kurzerhand auf 16 Plätze erweitert.

Voilà! (Links zu IMDB)

  1. The Matrix, 1999
  2. Heat, 1995
  3. District 9, 2009
  4. Gladiator, 2000
  5. Batman Returns, 1992
  6. Terminator 2: Judgment Day, 1991
  7. Aliens, 1986
  8. Expendables 2, 2012
  9. Con Air, 1997
  10. Die Hard With a Vengeance, 1995
  11. El Mariachi, 1992
  12. First Blood (Rambo), 1982
  13. The Fifth Element, 1997
  14. Transformers, 2007
  15. The Avengers, 2012
  16. Turtles 3, 1993

Als Kriterium beim Erstellen der Liste habe ich übrigens herangezogen, dass bei IMDB Action als Genre (mit) aufgeführt wird.

Diskussionen wie diese gefallen mir immer wieder sehr, denn sie zeigen, dass alles im Auge des Betrachters liegt. Außerdem macht eine genauere Betrachtung des Actiongenres bei Filmen klar, dass dieses inzwischen unglaublich diversifiziert ist und sich mit wahnsinnig vielen anderen Genres überschneidet und vermischt. Dies ist auch der Grund dafür, dass jede persönliche Liste einzigartig wird und eine eindeutige und unanfechtbare Indentifikation von DEM besten Actionfilm aller Zeiten geradezu unmöglich wird.

Ich freue mich schon auf das nächste Filmfachgespräch. Genaues Thema tbc.

Manchmal kommen sie wieder

„Du wirst es nicht glauben, was ich letzte Woche in einer Buchhandlung gesehen habe!“ begann meine Mutter am Telefon ein neues Thema. Ich tippte im Geiste auf irgendetwas das die Buchreihe „A Song of Ice and Fire“ betrifft, die ich mittels Weihnachtsgeschenk erfolgreich an sie herangetragen habe. Aber weit gefehlt! „Sie sind wieder da!“ frohlockte Mama weiter. Ganz im Gegensatz zu düsterer Fantasy ging es um etwas sehr Buntes und Lustiges. Nach einem verwirrten Grunzlaut meinerseits löste sie das Rätsel endlich auf: „Die kleinen Büchlein über die Damen und Herren gibt es wieder!“

Diese Nachricht zauberte sofort ein Lächeln auf mein Gesicht, ging es doch um die Kinderbuchreihe Unsere kleinen Damen und Herren von Roger Hargreaves (Links zu Wikipedia), jene Serie von kleinen, quadratischen Büchern, die ich als Kind so verehrte. Ich habe sie alle gesammelt, vom ersten bis zum letzten Büchlein und ich habe sie heute noch. Die kleinen Damen und Herren schlummern in einer großen Kiste im Keller, bereit zum richtigen Zeitpunkt hervorgeholt und der nachfolgenden Generation vorgelesen zu werden.

In Großbritannien sind die „Mister Men and Little Miss“, so lautet der Original-Titel der Serie, seit ihrem ersten Erscheinen Kult. Es gibt nicht nur die Bücher, sondern auch Spielsachen in verschiedensten Ausprägungen, Formen und Größen. Wer in England in ein Spielwarengeschäft geht, der kommt um die Figuren des britischen Kinderbuchautors und -illustrators nicht herum. Auf der offiziellen Webseite feiern die kleinen Damen und Herren gerade ihr vierzigstes Jubiläum. Mutmaßlich ist dieses auch der Grund dafür, dass man sich nun in unseren Landen an einer Neuauflage versucht.

Versuchen? Ja, ich nenne es lieber so. Wie meine Mutter in unserem Gespräch später leicht konsterniert feststellte, hat man nämlich die Namen der lustigen Figürchen einfach geändert, sie modernisiert. Im Jahr 2013 halten unnötige Anglizismen fröhlich Einzug in die Kinderzimmer. Dass wir heute ohne verenglischte Sprache kaum mehr auskommen, ist mir klar. Ich selbst komme oft nicht mehr ohne aus. Dank Werbung ruft es quasi Anglizismen von jeder Straßenecke. Sprache lebt, Sprache verändert und vermischt sich. Das ist auch in gewissem Maße wichtig und richtig so. Die ursprünglichen Übersetzungen der Geschichten der kleinen Damen und Herren waren allerdings so liebevoll, dass man in diesem Fall getrost ohne auskommen könnte.

Nach dem Telefonat musste ich mich natürlich sofort selbst vergewissern, was da los war. Ein kurzer Blick auf Amazon bestätigte, weshalb meine Mutter schon in der Buchhandlung die Stirn runzelte: Unser Herr Killekille heißt nun Mister Kitzel. Warum „Mister“ und nicht mehr „Herr“? Und warum nur langweilig „Kitzel“? Im Original heißt er „Mister Tickle“, ja, aber in meinen Augen war „Herr Killekille“ definitiv die schönere Übertragung ins Deutsche. Auch die restlichen Damen und Herren haben ein sprachliches „Makeover“ verpasst bekommen, eines schlimmer als das andere. Herr Dussel wurde zu Mister Dämlich, wobei „dämlich“ einen furchtbar negativen Beigeschmack hat. Das hat er wirklich nicht verdient. Aber es geht noch dämlicher, denn Herr Schussel wurde zu Mister Aua. Den kleinen Damen ergeht es nicht besser als den Herren. Rosi Rundlich wurde zu Miss Vielfraß, Sofie Säuberlich zu Miss Tipptopp. Es sind Kinderbücher, ja, aber das sollte für Übersetzer kein Freibrief für puren Schwachsinn sein. Auch sollten Treue und Respekt zum Original keine Entschuldigung für Wortverbiegungen sein.

So sehr ich mich freue, dass auch die Kinder, deren Eltern die kleinen Büchlein nicht aufgehoben haben, nun die Chance haben, in den Genuss dieser unglaublich lehrreichen und gleichzeitig wahnsinnig charmanten und lustigen Geschichten zu kommen, so sehr ärgern mich die neuen Namen. Ich werde meine Sammlung deshalb nun noch mehr in Ehren halten. Man kann es mit den Anglizismen auch übertreiben. Die Bücher waren perfekt so wie sie waren und auch wenn ein Rechtewechsel oder Verlagswechsel zur Neuauflage oder irgend etwas anderes der Grund für die Neuübersetzung war, hätte man sich dennoch näher an die ursprüngliche Übertagung ins Deutsche halten können.

Es ist stets ein schmaler Grad, auf dem sich Übersetzungen bewegen, die das Original möglichst genau wiedergeben wollen. Immer mehr herrscht heute der teilweise sture und hirnlose Zwang vor, sich an das Original zu klammern. Ich werde das Gefühl nicht los, dass man noch vor einiger Zeit für vieles, was nicht auf Anhieb passte, kreativere Auswege gesucht hat, auch bei Filmen. So geht mir der unsägliche Satz aus „Iron Man 2“ nicht aus dem Kopf, als Iron Man seinen (ebenfalls in einer Kampfrüstung befindlichen) Gegner in der deutschen Fassung fragt „Du willst eine War Machine sein?“ (Original: „You want to be a War Machine?“), nur damit der indirekte Verweis auf den Namen des Helden im Comic „War Machine“ nicht verloren geht. Es gibt unzählige weitere Beispiele. Heraus kommen krampfige Übersetzungen, denen man den verlorengegangenen Wortwitz noch stärker anmerkt. Deshalb lese und schaue ich wo es geht immer lieber das Original.

Bei Kinderbüchern ist das natürlich eine andere Sache. Für die kleinen Damen und Herren würde ich mir jedenfalls wünschen, dass man für die nächste Auflage die Übersetzung noch einmal überdenkt. Wer die alte Version nicht kennt, wird sich vielleicht weniger daran stören, ich allerdings bleibe dabei: Die alte Übersetzung der Namen war die bessere.

Nichtsdestotrotz kann ich die kleinen Damen und Herren allen Eltern ans Herz legen. In meinem Kopf haben sie sich festgesetzt. Was habe ich mit meinen Eltern gelacht, wenn Herr Killekille einfach Leute durchkitzelt, wenn Herr Neugierig überall seine Nase hineinsteckt und sich die Nachbarin mit einer Wäscheklammer wehrt, oder wenn Herr Schussel versucht, sich nicht mehr überall zu stoßen. Jede einzelne der Figuren von Roger Hargreaves ist das Extrem von einer nur allzu menschlichen Eigenschaft. Einen Teil von sich wird jeder in fast allen von ihnen wiedererkennen. Für mich bleibt dies eine der schönsten Kinderbuchreihen aller Zeiten.

Meine Ausführungen zu diesem Thema möchte ich mit einem denkwürdigen, vielsagenden und ambivalent einsetzbaren Satz von Wendi Wirrwarr beenden, der mir noch heute des Öfteren und bei den verschiedensten Gelegenheiten durch den Kopf spukt:
„Und es ist doch Hackfleisch.“

Frohe Ostern!

Allen meinen treuen Lesern und allen, die hier vorbeischauen, wünsche ich frohe Ostern!

Das Wetter ignoriert den Frühlingsanfang und die Sommerzeit noch weitgehend. Ich hoffe, dass Euch der Osterhase trotz Eis und Schnee erreicht und mit einem bunten Osternest den Frühling einfach ins Haus bringt.

Was Superhelden menschlich und Menschen super macht

Superman. Der Held der Helden. Der Mann aus Stahl, ausgestattet mit jeder Menge Superfähigkeiten. Bis auf Kryptonit, Gestein, das seinen Ursprung auf seinem Heimatplaneten Krypton hat, kann ihm so gut wie nichts etwas anhaben. Er ist übermenschlich, aber trotzdem nicht unmenschlich.

Seine Abenteuer wurden schon vielfach verfilmt. Eine Version davon ist die TV-Serie Smallville (Link zu Wikipedia), die die Jugendzeit und den Wandel von Clark Kent zu Superman erzählt. Ich habe noch nicht alle Folgen gesehen. Das hole ich zurzeit nach. Die Serie beginnt als schmalzige Teenie-Serie, wird jedoch von Staffel zu Staffel immer besser. Wer die Helden des DC-Universums mag und die Serie noch nicht kennt, sollte meiner Meinung nach durchaus einen Blick riskieren. Dranbleiben wird hier definitiv belohnt.

Folge 19 der sechsten Staffel trägt den Namen „Nemesis“ und beschäftigt sich mit den Erzfeinden Superman und Lex Luthor, die beide in einem Tunnellabyrinth gefangen sind und sich gemeinsam befreien müssen. Was mich an dieser Folge besonders fasziniert, ist eine Unterhaltung, die Clark Kents menschliche Adoptivmutter, Martha Kent, am Ende mit ihrem Sohn führt. Sie erklärt ihm, dass seine größte Schwäche und das, was ihn am menschlichsten macht, seine immerwährende Hoffnung ist.

Martha Kent hat damit Recht. Hoffnung ist das, was uns Menschen vereint. Sie treibt uns an. Jeder hat seine eigenen Wünsche, Träume und Hoffnungen, die er zu verwirklichen und zu erreichen sucht. Die Hoffnung ist allgegenwärtig. Sie begleitet uns in allen Lebensbereichen und kommt immer dann zum Tragen, wenn wir etwas nicht oder nicht vollständig planen können, wenn sich Dinge unserem direkten Einfluss entziehen.

Manchmal verhält sich die Hoffnung so, als wäre sie eine Art Kryptonit der Menschen. Die Hoffnung kann ein großes Arschloch sein. Im Griff der Hoffnung fahren wir auf der Achterbahn der Gefühle. Wenn wir hoffen, können wir uns fühlen, wie Superman, der über den Wolken fliegt, oder aber wie der Mann aus Stahl, fast besiegt, begraben unter einem Haufen grün leuchtenden Kryptongesteins. So viele Gefühlsregungen und auch Entscheidungen (gute wie schlechte) der Menschen können auf die Hoffnung zurückgeführt werden.

Die Hoffnung macht uns alle ein bisschen mehr „super“. Sie stählt unsere Nerven und lässt uns weitermachen, sie macht, dass wir uns nach herben Enttäuschungen wieder aufrappeln, egal was kommt. Und Superman? Den macht die Hoffnung ein bisschen weniger „super“, dafür aber menschlicher. Das Kryptonit kann ihn zwar körperlich verletzen, aber die Hoffnung, etwas Gutes in jedem Menschen finden zu können, nagt mehr an ihm und kann ihm zu einem größeren Verhängnis werden, als es die Gesteinsbrocken je könnten.

Ich finde diese Betrachtungsweise sehr interessant, denn sie enthält viel Wahrheit. Es ist das, was uns all die Geschichten über Superhelden immer wieder zeigen wollen: Wir dürfen unsere Hoffnungen und Träume nicht fahren lassen. Wir können die Hoffnung aufgeben, aber die Hoffnung gibt uns nicht auf.

Prost Neujahr!

Allen, die dies lesen, wünsche ich ein frohes neues Jahr!

Möge 2013 ein wundervolles Jahr werden und all das bringen, was Ihr Euch wünscht.

Fröhliche Weihnachten!

An dieser Stelle möchte ich allen, die meine Blog-Aktivitäten verfolgen, für das Lesen meiner Beiträge ganz herzlich danken.

Ich wünsche Euch ein wundervolles Weihnachtsfest und erholsame Feiertage!

Genießt die Zeit und lasst Euch das Festessen schmecken. Auf dass Ihr reich beschenkt werdet, wobei kleine Gesten den großen in nichts nachstehen.

Friedliche Weihnachten

Der 23. Dezember. Für mich ist das der Tag, an dem jedes Jahr der Weihnachtsbaum geschmückt wird. Das ist bei mir in der Familie so Tradition und Traditionen soll man bekanntermaßen pflegen, besonders schöne wie diese. Ich mag den Duft, den der Weihnachtsbaum in der Wohnung verbreitet und wenn ich die Kugeln und die kleinen Figuren in den Baum hänge, erinnert mich das stets an meine Kindheit. Das habe ich schon immer gerne gemacht.

WeihnachtsbaumDoch bevor der Weihnachtsbaum geschmückt werden kann, muss er aufgestellt werden. Heute ist das alles kein Problem. Wir besitzen einen dieser praktischen Christbaumständer, die nur einen Hebel haben, mit dem man ein Seil festzurrt und damit auch die Halterungen für den Baum. Baum gerade halten, ein paar Mal auf den Hebel treten und fertig. Ratzfatz, tiptop.

Diese Art von Christbaumständern gibt es nun schon eine lange Zeit. Ich kann mich allerdings noch an Zeiten erinnern, als es nur Christbaumständer gab, in denen der Baum mithilfe von vier Schrauben befestigt wurde, von denen jede einzelne separat festgeschraubt werden musste. Das Procedere war langwierig und umständlich. Einer musste den Baum festhalten und der andere um den Ständer wetzen und die Schrauben festdrehen. Irgendwie stand der Baum nie im ersten Anlauf gerade und auch nicht im zweiten oder dritten.

Das Ganze führte regelmäßig zu Diskussionen. Hatte der Haltende gewackelt? Hatte der Schraubende etwa eine Schraube zu locker gelassen? In welche Richtung musste der Baum geneigt werden, welche Schrauben mussten verändert werden, damit der Baum gerade stand? Überhaupt: Wer hatte wie und wo eine Schraube locker?

Bevor man sich versah, waren alle Beteiligten wild und heftig am Diskutieren. Es dauerte eine ganze Weile bis der Baum so im Ständer stand, dass alle damit rundum zufrieden waren. Je mehr Perfektionisten an dem „Happening“ beteiligt waren, desto länger dauerte es und desto hitziger die Wortgefechte. Als Resultat wurde das Aufstellen des Baumes zum lästigen Unterfangen.

Beendet hat das alljährliche Drama um den Baum erst die Erfindung des besagten Christbaumständers mit dem Seilsystem. Seitdem ist das Weihnachtsbaumaufstellen völlig unproblematisch und schnell geschehen und man kann sich voll und ganz dem Schmücken widmen. Für mich persönlich ist diese Art von Christbaumständern deshalb – neben schnurlosen, batteriebetriebenen Christbaumkerzen – eine der besten Erfindungen rund um Weihnachten. Als ich meinen ersten eigenen Weihnachtsbaum aufzustellen hatte, habe ich mich natürlich sofort für einen stressfreien Christbaumständer entschieden. Baum- und sonstige Diskussionen sind absolut unnötig und der Weihnachtsstimmung nicht zuträglich.

Wenn ich mich heute an das alte „Ritual“ zurückerinnere muss ich trotzdem jedes Mal schmunzeln. Immerhin habe ich dadurch etwas zu erzählen und zwar wie aus stressigen Weihnachtsvorbereitungen friedliche wurden.

Ende gut, alles gut?

Egal ob bei Filmen, TV-Serien oder Comics, der Gesamteindruck steht und fällt oftmals mit dem Ende, dem Abschluss, dem Finale – ganz unabhängig davon, ob es ein Happy End ist, oder nicht.

Eine Comicserie, die vor einigen Wochen ihren Abschluss fand, ist The Boys. Erdacht und geschrieben wurde dieses Werk von Comic-Mastermind Garth Ennis (siehe auch Comic Book DB), der bekannt ist für seine unkonventionellen Geschichten, die nie zimperlich und oftmals mit brachialen sprachlichen und optischen Mitteln erzählt werden. Die Serie handelt von einer Welt, in der es Superhelden gibt, die allerdings gar nicht so heldenhaft sind, wie sie eigentlich sein sollten, und von einem geheimen Team, das diesen „Helden“ und ihren Hintermännern das Handwerk legen soll. Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht verraten. Ich kann die Serie allen Comiclesern, die nicht vor derbem Humor und expliziten Bildern zurückschrecken, nur empfehlen. Mich hat The Boys über 6 Jahre von Heft zu Heft sehr gut unterhalten.

Als bekannt wurde, dass die Serie mit Heft 72 enden sollte, überkam mich sofort ein mulmiges Gefühl. Eine Serie, die mit jedem Heft in Sachen Story, Ideen und Brutalität neue Maßstäbe zu setzen versucht, kann nur mit einem großen Knall zu Ende geführt werden. Alles andere würde sich nicht richtig anfühlen. Der große Knall kam, mehrfach sogar, sehr zu meinem Vergnügen. Als ich die letzte Seite gelesen und das letzte Heft zugeklappt hatte, verblieb das Gefühl, dass hier alles richtig gemacht wurde. Das Ende war krass und es war richtig so. Aber trotz aller erzählerischer Lautstärke hat der Autor genug Raum gelassen, um alle Story-Enden zusammenzufügen und das Ende vom Ende reduzierter ausklingen zu lassen. Für mich präsentiert The Boys das Paradebeispiel eines zufriedenstellenden und echten Endes. Ich werde die Serie vermissen, aber gleichzeitig weiß ich, dass sie zu Ende ist und es eigentlich (sag niemals nie) kein weiteres Heft mehr geben kann. Wäre das Ende anders, bzw. offener ausgefallen, wäre ich sicherlich enttäuscht gewesen.

Dass ein Ende im Umkehrschluss aber auch nicht zwangsläufig alles ruinieren muss, hat mir eine Fernsehserie bewiesen: The Sopranos. Die großartige Geschichte der Mafiosofamilie Soprano endete mit Staffel 6. Die letzte Szene präsentierte ein Ende, das zugleich nichts und alles sein konnte. Es war ein offenes Ende. Ehrlich gesagt ist mir noch kein offeneres Ende untergekommen. Ich kenne Leute, die sind begeistert von diesem Ende, ich persönlich bin es nicht.

Der Grund dafür, dass das Ende von The Sopranos so konzipiert wurde, ist dass zu dem damaligen Zeitpunkt nicht sicher war, ob die Serie in irgendeiner Form fortgeführt werden sollte. Es war von Kinofilmen die Rede. Diese Idee wurde im Nachhinein aber offenbar recht schnell verworfen. Obwohl mir das Ende überhaupt nicht gefällt, ich es jedes Mal, wenn ich daran denke, noch immer als äußerst unbefriedigend empfinde und mich in Tiraden ergehen könnte, wie man es in meinen Augen hätte besser zu Ende bringen können, finde ich den Rest der Serie mehr als gelungen. Die Preise, die The Sopranos bekommen hat (Emmys, Golden Globes), wurden zu Recht vergeben. Das Ende hat das Gesamterlebnis für mich zwar leicht geschmälert, allerdings nicht so sehr, dass ich den Rest der Serie dafür komplett verurteilen könnte. Mutmaßlich liegt dies auch an der Länge der Serie und daran, dass das Positive alleine schon dadurch überwiegt.

Es gibt aber auch Enden, die mir persönlich den Rest von etwas komplett ruiniert haben. So erging es mir beispielsweise mit dem Film The Hangover. Die Kritiker und auch die Mehrzahl der Zuschauer liebten diese Komödie. Auch in meinen Augen war der Film nicht unlustig, allerdings empfand ich den ziemlich am Anfang gesetzten Hinweis auf das Ende ziemlich plump. Dafür, dass die Suche nach dem vermissten Freund den kompletten Film einnimmt und alles so dermaßen übertrieben aufgebauscht wird, hatte ich mir irgendwie eine großartigere und raffiniertere Auflösung gewünscht. Den ganzen Film über dachte ich mir (Achtung Spoiler für alle, die den Film noch nicht kennen): „Bitte, bitte, lass ihn nicht auf dem Dach sitzen.“ Und wo saß er? Natürlich auf dem Dach! Wo auch sonst?! Denn sonst hätte der Hinweis auf die Tür, die mit dem Stein aufgehalten werden muss, auch keinen Sinn ergeben (Spoiler Ende). Das Ganze hat mir am Ende jedenfalls so sehr missfallen, dass es mir den kompletten Film verhagelt hat.

Ende schlecht, alles schlecht. Das gibt es also durchaus auch.

Zu meinen derzeitigen Lieblingsfernsehserien zählen Breaking Bad und Dexter. Beide handeln von hoch kontroversen und komplexen Charakteren. Für beide steht, soweit ich informiert bin, bereits ein Ende fest. Die Geschichte um die faszinierende Charakterentwicklung von Walter White endet mit Staffel 5 und der „Bay Harbor Butcher“ treibt nur noch bis zum Ende einer achten Staffel sein Unwesen in Miami.

Sowohl Breaking Bad, wie auch Dexter leben vom Spiel mit den Begriffen „gut“ und „böse“, die im Verlauf der Serien immer wieder neu definiert und hinterfragt werden. Die dunklen Seiten der Hauptcharaktere können vom Zuschauer nicht einfach ignoriert werden. Das hat jedoch zur Folge, dass diese Serien quasi nach einem richtigen, einem endgültigen Ende verlangen. Wenn ich daran denke, wird mir schon etwas mulmig.

Werden die Macher es schaffen, einen sinnvollen Abschluss zu finden? Ich persönlich bin bei beiden Serien was das anbelangt zuversichtlich, schon aufgrund ihrer bisher meiner Meinung nach anhaltend guten Qualität, und ich bin ehrlich gespannt wie ein Flitzebogen.

Am Ende des Tages ist ja alles doch auch wieder Geschmacksache. Die einen mögen es, die anderen nicht und jeder muss am Ende für sich selbst entscheiden ob „alles gut“ ist. Ich persönlich finde es allerdings sehr spannend, darüber nachzudenken, wie verschieden Enden sein können, wie gegensätzlich man sie empfinden kann und wie unterschiedlich sie sich auf ein Gesamterlebnis auswirken können, ganz egal durch welches Medium uns dieses vermittelt wird.

Das Lernen und der Turbolader

In den letzten Tagen widmeten sich die Medien an verschiedener Stelle wieder einmal dem sogenannten „Turbo-Abitur“, einem Gymnasialzweig, in dem Schüler in 8 statt 9 Schuljahren das Abitur erreichen können. Das Ganze wird deshalb auch oft als G8 bezeichnet, im Gegensatz zum G9-Abitur. Mein Abitur liegt schon lange Jahre zurück. Damals gab es nur G9.

Seit ich in meinem Leben mit dem Thema „Schule“ in Berührung kam, wird in Deutschland über das Schulsystem diskutiert und es wird in regelmäßigen und immer kürzer werdenden Abständen geändert. Die Systeme der einzelnen Bundesländer unterscheiden sich voneinander. Es gibt kein deutschlandweites Zentralabitur. Unser Bildungssystem befindet sich jedoch immer mehr auf dem Weg dorthin. Ich persönlich finde diese Entwicklung bedenklich.

Vergleichbarkeit in allen Ehren, aber nicht alles muss notwendigerweise bis ins kleinste Detail vergleichbar sein. Aufgewachsen an der Grenze zwischen zwei Bundesländern, konnte ich während meiner Schulzeit zwei verschiedene Schulsysteme miteinander vergleichen: das bayerische und das hessische. Ersteres wird von vielen Politikern oft als das Non-plus-ultra angesehen und geradezu in den Himmel gelobt. Die Bayern haben schon lange Zentralabitur, Extemporale und sehr eng gestrickte Lehrpläne. Alles ist genau vorgeschrieben und vergleichbar.

Bis zu einem gewissen Grad ist das auch vollkommen richtig und sinnvoll, aber nicht, wenn es dazu führt, dass lernwillige Schüler vernachlässigt werden und auf der Strecke bleiben. Vor allem vor dem Hintergrund der heute immer wichtiger werdenden Integration von Schülern mit Migrationshintergrund, ist es wichtig, das sich die Lehrer auf ihre Schüler und deren Bedürfnisse und Interessen einstellen können. Das ist bei zu strengen Vorgaben nicht möglich.

Vielleicht bin ich familienbedingt was dieses Thema anbelangt vorbelastet, denn meine Eltern waren beide Lehrer. Meine Mutter ist schon seit einigen Jahren pensioniert, kümmert sich aber auch heute noch, als ehrenamtlicher Lerncoach des deutschen Kinderschutzbundes, um Schüler mit Migrationshintergrund. Sie kann unterstützen und vermitteln, gegen das rigide bayerische Schulsystem kommt sie allerdings oftmals nicht an, egal wie groß die Begabung und der Wille ihrer Schützlinge sind.

In Hessen gab es in meiner Schulzeit noch kein zentrales Abitur. Ich habe dies als sehr positiv empfunden, da die Lehrer so den Lernstoff besser auf die Interessen ihrer Schüler und an den natürlichen Fortgang der Diskussion im Unterricht anpassen konnten, selbstverständlich aber nur in einem gewissen Rahmen. Generelle Vorgaben zu dem in den einzelnen Schuljahren zu absolvierenden Lernstoff gab es natürlich und diese muss es auch immer geben.

Das kleine aber feine Maß an Freiheit machte aber einen großen Unterschied, für Lehrer und Schüler. Auf aktuelle Themen wurde viel schneller reagiert und die Schüler mussten dementsprechend immer auf dem Laufenden bleiben, denn diese Themen konnten jederzeit auch in die Klausuren und sogar in die Abiturprüfung Einzug halten. Ein Zentralabitur kann meiner Meinung nach niemals so aktuell und zeitnah sein. Dazu sind die Abstimmungsprozesse viel zu schwerfällig. Man beschränkt sich dann lieber auf allgemeinere Aufgabenstellungen, wo doch in vielen Fächern, wie Geschichte und Gemeinschaftskunde, Aktualität das A und O ist.

Ich hatte das große Glück, dass viele meiner Lehrer, vor allem in der Oberstufe, sehr ambitioniert waren und ihren Beruf mit ganzem Herzen ausgefüllt haben. Schlechte Lehrer gibt es immer und es wird sie auch mit jedem Schulsystem geben. Man muss sich aber bewusst sein, dass ein unflexibles Schulsystem weniger arbeitswillige Lehrer begünstigt, die ihre Unterrichtsunterlagen ein Mal erstellen und sie dann möglichst lange nutzen wollen.

Nun aber zurück zum Anfang, dem Grund, warum ich diesen Artikel überhaupt erst angefangen habe. Viel wird heute wieder diskutiert, über das Gymnasium. Dabei geht es vor allem um die Verkürzung des Gymnasiums auf 8 Schuljahre. Der Volksmund nennt das dann Turbo-Abitur.

Nun gab es eine neue Studie, die sogenannte Kess-Studie, die als Ergebnis herausgefunden haben will, dass Schüler, die das Abitur nach 8 Jahren erhalten, besser lernen, als Schüler, die die Abiturprüfung erst nach 9 Jahren ablegen. Spiegel Online berichtete am 27. November 2012 darüber in einem Artikel.

Dieser Artikel brachte mich auf, wird dort ernsthaft das neue Schulsystem gelobt und der Studie Recht gegeben, ohne zu überdenken, was in den Ergebnissen ebenfalls implementiert sein kann. In Hamburg würden mehr Schüler die Abiturprüfung bestehen seit es dort G8 gibt. Das mag sein, vermutlich wurden zuvor aber auch viele Schüler durch das System „ausgesiebt“, die unter anderen Umständen das Abitur jedoch gemacht und bestanden hätten. Unter ihnen sicherlich auch viele Lernwillige.

G8 macht das Abitur nicht nur schwerer, sondern auch ungerechter. In 8 Jahren sollen Schüler den gleichen Lernstoff in ihre Köpfe pressen, wie ihre Vorgänger in 9 Jahren. Das geht einher mit zunehmendem Leistungsdruck und abnehmender Freizeit. Wer glaubt, dass die Lehrpläne für G8 eine sinnvolle Reduzierung und Entschlackung des vorherigen Lernstoffs darstellt, der irrt gewaltig. Es wurden lediglich dieselben Inhalte verdichtet auf einen kürzeren Zeitraum. Wird im Artikel behauptet, dass acht Jahre ausreichen können (Quelle: Spiegel Online), so ist das durchaus denkbar. Dafür müsste der Lernstoff aber nicht nur zeitlich komprimiert, sondern auch im Ganzen reduziert werden.

Der Vergleich mit einem Turbolader, der Luft verdichtet, ist deshalb recht treffend. Mehr erreichen durch schnelleres Hineinpressen von Lernstoff in die Schülerköpfe. Meiner Meinung nach ein bedenkliches Konzept, vor allem im Hinblick auf die Zeit, die die Schüler vor dem Abitur benötigen, um nach der Pubertät zu sich selbst zu finden und um ihre wirklichen Begabungen und Interessen zu analysieren und den weiteren Lebensweg zu planen. Was nutzt das schönste Turbo-Abitur-Zeugnis, wenn die Schüler anschließend orientierungslos dastehen, ohne sich genau bewusst zu sein, ob sie studieren oder eine Ausbildung machen wollen und welcher Fachrichtung genau sie sich beruflich zuwenden wollen?

Im Artikel von Spiegel Online heißt es weiter, die Kess-Studie belege, dass jeder, der über Wahlmöglichkeiten zwischen G8 und G9 nachdenke, dem „Leistungsgedanken des Gymnasiums schaden“ (Quelle: Spiegel Online) würde. Auch dies halte ich für eine sehr gewagte These. Das Gymnasium ist anspruchsvoll, das war es schon immer. Heute ist das Abitur wichtiger denn je, gilt es doch schon für die meisten Ausbildungsberufe als Voraussetzung. Im Zuge der vielen Reformen des Schulsystems wurden die anderen Schulformen meiner Meinung nach Stück für Stück viel zu sehr abgewertet. Ohne Abitur sind die Aufstiegs- und Einstiegschancen in vielen Berufen heutzutage sehr begrenzt.

Einen Tag, bevor besagter Artikel auf Spiegel Online erschien, veröffentlichte Die Welt auf ihrer Webseite einen Artikel über eine andere Studie, dessen Ergebnis ist, dass junge Menschen in Deutschland den Glauben an die Möglichkeit eines Aufstieges durch Leistung verlieren. Auch darin wird das Thema Schulsystem zum Teil behandelt.

Die Schweden machen uns offenbar vor, dass Schüler auch mit weniger Druck gute Leistungen bringen können. Angesichts dessen scheint es, als fokussiere man sich in Deutschland viel zu sehr auf besagten „Leistungsgedanken“. Scheinbar wird dieser auch automatisch gleichgesetzt mit einem bestimmten Leistungspensum, das wiederum an möglichst viel Lehrstoff gekoppelt ist.

Fokussiert man sich zu viel auf Leistung und darauf, was theoretisch von Schülern in einem bestimmten Alter geleistet werden könnte, vernachlässigt man vollkommen, dass jeder Schüler ein Individuum ist, mit ganz eigenem Potenzial und ganz eigenen Möglichkeiten. Wer sich nur auf die Masse und nicht auf den Einzelnen konzentriert, kann weniger Einzelnen zu Erfolg und zu guten Leistungen verhelfen. Die Schüler, die alleine nicht mehr weiter kommen, deren Eltern zuhause nicht nachhelfen können, sich möglicherweise nicht mit Nachhilfe auskennen und kein Geld für Nachhilfe haben, kommen nicht weiter. Sie strengen sich an, es fehlt ihnen aber das Werkzeug zum Lernen. Haben sie den Anschluss erst einmal verloren, werden sie vom nachfolgenden Lernpensum erdrückt. Kein Wunder, dass sie den Glauben an Aufstieg durch Leistung schon früh verlieren.

Aber sollte es nicht gerade die Aufgabe der Lehrer sein, möglichst viele Schüler mit möglichst vielen unterschiedlichen Potenzialen zum Erfolg zu verhelfen? Das ist gleichwohl herausfordernder aber sicherlich auch befriedigender als lediglich auszusieben und nur gleichartige Abiturienten zu „züchten“.

Als Folge dieses Systems nimmt der Leistungsdruck auf alle Beteiligten enorm zu: auf Schüler, Lehrer und auch auf Eltern. Es ist kein Wunder, dass viele daran verzweifeln und dass Schüler heutzutage schon in jungen Jahren extremen Stress empfinden. Stress gehört zum Leben, ist er doch ein ganz natürlicher Mechanismus, der uns in Situationen, in denen wir mehr leisten müssen, beflügelt. Zu viel Stress ist und bleibt aber ungesund.

Ich persönlich kann und will mich mit dem Turbo-Gedanken nicht anfreunden, wenn ich an zukünftige Generationen denke. Verkürzungen sind hier und da sicherlich sinnvoll in den angestaubten Lehrplänen für das Gymnasium. Durch sinnvolle Entschlackung wäre eventuell sogar eine allgemeine Verkürzung von G9 auf G8 möglich. Solange das aber nicht geschieht propagiere ich den Eltern und Schülern die Wahl zu lassen, welches für das Individuum der beste Weg ist. Der Fokus muss von der Masse wieder auf das Individuum gelenkt werden. Nur so kann jeder seinen eigenen Weg finden und nur so können möglichst viele einzelne zum Erfolg geführt werden. Das sollte das erklärte Ziel unseres Bildungssystems sein.

Der Turbo hört auch keinesfalls nach dem Abitur auf, gibt es doch nun die neuen Studiengänge mit Bachelor- und Master-Abschlüssen, die das gute alte Diplom abgelöst haben. Ein deutsches Diplom war einmal viel wert, auch im Ausland. Die neuen Abschlüsse sind bei Arbeitgebern nachweislich weniger beliebt, im In- und im Ausland.

Was kommt dann am Ende heraus bei all dem Turbo-Gelerne? Viel zu junge Absolventen, die unerfahren und teilweise auch sehr unselbständig sind, weil sie seit Beginn der Schulzeit durchweg verplant und mit Lernen beschäftigt waren. Für die Erforschung der eigenen Interessen und Ideen verbleibt einfach keine Zeit. Ewige Studenten sind selbstverständlich auch keine Lösung, aber ein Universitätsstudium war seit jeher verbunden mit wissenschaftlichem Arbeiten und nicht nur dafür da, turboschnell „Frischfleisch“ für die Wirtschaft bereitzustellen.

Turbo? Gehört ins Auto. Der Leistungsgesellschaft täte es gut, ihn öfter dort zu belassen.

Die Zeit

Die Zeit ist ein seltsames Ding. Sie begleitet uns jeden Tag. Sie läuft ab. Unermüdlich.

Tick tack. Tick tack.

Im Laufe der Zeit ändert sich Vieles. Jüngst fiel mir auf, wie schnell ich mich nach der Hochzeit doch an meinen neuen Nachnamen gewöhnt habe. Es gab Zeiten, da konnte ich mir nicht mal vorstellen, meinen Nachnamen zu ändern. Mit der Zeit stellte ich allerdings fest, dass ich in meinem Herzen was das Thema Familie anbelangt eher konservativ eingestellt bin. Aber selbst als ich mich für den neuen Nachnamen entschieden hatte, befürchtete ich, es würde länger dauern, bis der mir in Fleisch und Blut übergegangen ist und es würden sicher einige Missgeschicke am Telefon oder beim Unterschreiben passieren.

Aber nichts dergleichen passierte. Schneller als manch anderer um mich herum, gewöhnte ich mich an den neuen Namen. Nicht ein Mal meldete ich mich falsch am Telefon. Ein Grund für die schnelle Umgewöhnung ist natürlich, dass ich im Alltag einfach nur noch mit dem neuen Namen angesprochen wurde und sofort damit umgehen musste. Dennoch vermutete ich, es würde länger dauern.

Denke ich darüber nach, ist das Ganze schon es etwas verwirrend, aber verbunden mit einem sehr guten Gefühl. Dem Gefühl, dass es nun einfach so ist, wie es ist, und dass es richtig so ist.

Einiges allerdings ändert sich nicht. Einiges lasse ich die Zeit auch nicht ändern. So zum Beispiel meine Begeisterung, meine Neugier und mein Interesse für viele Dinge. Gibt man mir eine Transformers-Figur oder ein Superheldencomic in die Hand, wird mein Herz immer höher schlagen, egal wie alt ich bin, egal wie mein Nachname lautet und egal wie viel Zeit vergangen ist.

Manche Dinge können sich ruhig ändern, andere nicht. Die Zeit begleitet uns jeden Tag. Sie nagt, sie arbeitet, sie ändert, aber eben nicht alles und das ist irgendwie auch beruhigend.